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Internationale 
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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde, 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
19. Jahrgang. Wien, 15. Mai 1927. Nr. 10. 
371 eine TRupfer stieß- und THofcscfiniit-, Tluütion. 
‘Von SfCans ‘Boerner, ßeipzig. 
Wenn ich auf die soeben abgeschlossene Ver 
steigerung zurückblicke, so ergeben sich eine Anzahl 
Beobachtungen, die die imitier wieder veränderte Lage 
des Marktes für dieses Frühjahr kennzeichnen. 
Ueber den sensationellen Verlauf dieser Auktion, 
bei der wohl alles von Händlern, Direktoren und 
Sammlern anwesend war, was man erwarten kann 
und bei der man zum ersten Mal seit dem Krieg den 
Direktor des Britischen Museums in London und zum 
ersten Mal überhaupt auf einer deutschen Versteige 
rung den Direktor des Kupferstichkabinetts im Me 
tropolitan-Museum in New-York sah, braucht nichts 
weiter gesagt zu werden, darüber orientieren die 
unten veröffentlichten Hauptpreise. Auffällig war 
diesmal, wie wenig der große ausländische Handel 
mit eigenen Einkäufen zu Worte kam in Anbetracht 
des umfänglichen und kostbaren Materials. Er mußte 
bei den besten Blättern vielfach vor den großen Auf 
trägen aus Privatbesitz, die er zum Teil selbst aus 
zuführen hatte, und vor allem vor der überlegenen 
Kaufkraft der Kupferstichkabinette der ganzen Welt, 
nicht zuletzt auch der deutschen Sammlungen, die 
Waffen strecken. Der mittlere Sammler war erfolg 
reich und auch der deutsche Handel stärker beteiligt, 
als im letzten Jahr. Einige große deutsche im In- und 
Ausland lebende Sammler erwarben die kostbarsten 
Dürer und Rembrandt mit Ausnahme von dem be 
rühmten Exemplar von Dürers Adam und Eva, das 
ein Amerikaner, aber wohl auch im Privatauftrag, 
ersteigerte. Das besondere Gepräge wurde diesen 
Auktionen aber dadurch auf gedrückt, daß die 
Direktoren des Berliner und Münchner Kupferstich 
kabinetts, Herr Geheimrat Friedländer und Herr 
Professor W e i g m a n n mit. Energie Mittel flüssig 
gemacht hatten, wie sie wohl kaum je deutschen 
Kupferstichkabinetten bei einzelnen Auktionen zu 
Gebote standen. Wenn ihre Bemühungen um die 
wichtigsten und seltensten der fehlenden Blätter nur 
zum Teil erfolgreich waren, so lag dies nicht an 
mangelnder Initiative der deutschen Direktoren, son 
dern daran, daß es Mr. I v i n a, dem Direktor des 
Metropolitan-Museum New-York gelungen war, Pier- 
pont Morgan zu einer größeren Stiftung 
zur Erwerbung der zahllosen wichtigen der drüben 
fehlenden Holzschnitte zu bewegen. Diese Schenkung 
gab der großen Holzschnitt-Versteigerung ihr Ge 
präge. Der Ansturm der Holzschnitt-Interessenten der 
ganzen Welt gegen den unerschütterlichen New- 
Yorkcr Direktor, der nur ganz selten einmal ein Blatt 
ausließ, erzeugte durch die ganze Versteigerung un 
erwartete Preise, die manchmal wirklich nicht mehr 
im Verhältnis zu dem künstlerischen Wert einzelner 
Blätter standen. So bedauerlich es nun ist, daß z. B. 
jener wichtige neu aufgefundene Holzschnitt von 
Cranac h nach Amerika geht, so muß man sich 
doch gegenwärtig halten, daß der Besitz der deut 
schen Sammlungen an allen diesen Holzschnitten ein 
großer und vielfältiger ist und daß diese bisher in 
Amerika fast ganz fehlende deutsche Kunstproduk 
tion nun an maßgebender Stelle in New-York gezeigt 
wird. 
Die günstigere Lage des deutschen Marktes ließ 
die deutschen Klcinmeister wieder höher gehen, als 
im Vorjahre. Auch die vielen mittleren und geringen 
Dürer-Stiche und besonders Holzschnitte der Samm 
lung wurden, wenn auch nicht zu hohen Preisen, so 
doch lebhaft verkauft. Die starke Nachfrage nach den 
Inkunabeln des Holzschnittes bewährte sich bei der 
Versteigerung und erzeugte für diese kostbare Ab 
teilung der Sammlung hohePreise, bis zu lO.OOOMark 
für die farbige Madonna im Rosenhag. Sie über 
trugen sich auch auf die Ausschnitte aus den Inkuna 
bel-Büchern, die überraschend hoch bezahlt wurden. 
Die Clair-obscur-Schnitte, von denen diesmal eine 
besonders umfängliche Sammlung ausgeboten wurde, 
iibertrafen alle bisher für diese farbigen Holzschnitte 
gezahlten Preise. Die 9500 Mark, die das Kupfer 
stichkabinett München für einen schönen Wechtlin 
bezahlte, dürfte einen Rekordpreis darstellen. 
Es erübrigt sich, über die vielen einzelnen sen 
sationellen Preise für die Dürer und Rembrandt und 
sonstigen Kostbarkeiten der Sammlung Hägens aus 
führlich zu berichten. Im allgemeinen hat wohl durch 
die Leipziger Versteigerung, deren Regelmäßigkeit 
und durchschnittlich hohe Qualität jedesrnäl sichere 
Rückschlüsse auf die gesamte Lage, dieses speziellen 
Handels erlaubt, die Bewertung der ..alten' Graphik 
wiederum eine Steigerung für gute Qualitäten er 
fahren. 
Nachstehend die Preise über 500 Mark:
	        
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