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MAK

Full text : Jahrgang 19 (1927) (12)

Nr.  12

Internationale  Sammler-Zeitung

Seite  10?

mand  kommen,  um  die  Handschrift  für  eine  amerikanische ­
  Universität  zu  kaufen.  So  geschah  es  mit  der
Mazarin-Bibel,  für  welche  die  Rosenbachs  zwanzigtausend ­

  Pfund  Sterling  bezahlt  hatten  und  die  Herr
und  Frau  H  a  r  k  n  e  ß  unmittelbar  darauf  für  die
Yale-Universität  erstanden.

c Bi6fiotfieR  SaiiscfUcfl.

In  der  Bibliothek  des  Professors  Saitschic  k,
die  jetzt  durch  die  Antiquariate  K.  F.  K  ö  h  le  r  in
Leipzig  und  Cerschel  in  Stuttgart  zum  Verkauf
gestellt  wird,  ist  der  Versuch  gemacht,  eine  Universale ­
  Bibliothek  aufzubauen,  die  nach  dem  Plane  Saitschicks
  alle  für  die  Geistesgeschichte  wichtigen
Bücher  aus  allen  Gebieten  des  Wissens  und  der  künstlerischeti
  Gestaltung  möglichst  in  den  Originalausgaben ­
  enthalten  sollte.  Mit  dieser  systematischen
Anlage  steht  die  Saitschicksche  Privatbibliothek  wohl
einzigartig  da.  Außerdem  sollte  die  ganze  Entwicklung ­
  der  Buchkunst,  des  Drucks,  der  Illustration,  des
Bucheinbandes  an  hervorragenden-  Beispielen  dargestellt ­
  werden.
Nach  einem  Bericht  im  Taschenbuch  für  Büchersammler ­
  enthält  die  Bibliothek  eine  Anzahl  bedeutender ­
  Handschriften  und  Inkunabeln,  eine  besondere
Abteilung  „Werke  berühmter  Pressen“,  mehrere  hundert ­
  illustrierter  Bücher  des  16.  Jahrhunderts,  deutsche ­
  und  ausländische  Literatur,  Philosophie,  Aesthetik,
  Geschichte,  Sozialwissenschaften  und  Nationalökonomie, ­
  Religionsgeschichte,  Theologie,  Mystik,
Hagiographie,  Märchen  und  Legenden,  schließlich
Naturwissenschaften  und  Varia.
Es  wäre  wohl  wert  gewesen,  eine  solche  Bibliothek ­
  um  der  Auswahl  willen,  die  sie  trifft,  geschlossen
zu  erhalten.  Sie  konnte  mit  ihren  zirka  25.000  Bänden ­
  den  wertvollen  Grundstock  einer  öffentlichen
Bibliothek  bilden.  Da  dies  nicht  möglich  war,  mußte
die  Anlage  der  Bibliothek  wenigstens  in  einem  großen
Katalog  festgehalten  werden.  Der  erste  bis  jetzt  vorliegende ­
  Teilkatalog,  der  aus  der  4300  Bände  umfassenden ­
  Abteilung  „Dichtung  und  Schriftwerke  der
Deutschen“  3454  Nummern  enthält,  erfüllt  diese  Erwartung ­
  nicht.  Es  scheint,  daß  in  diesem  Katalog  nicht
nur  das  aufgenommen  wurde,  was  auf  Grund  systematischer ­

  Auswahl  im  Ganzen  der  Bibliothek  die
Deutsche  Literatur  darstellte,  sondern  darüber  hinaus ­
  auch  alles  andere  Vorhandene.  Dadurch  geht  der
„kanonische“  Charakter,  den  diese  Sammlung  nach
dem  Plane  Saitschicks  haben  mußte,  verloren.
Der  Katalog,  wie  er  jetzt  vorliegt,  ist  ungleich
gefüllt.  Manches  Wichtige  fehlt,  wie  z.  B.  Anton
Reiser  von  Moritz  und  der  grüne  Heinrich  (beide  sind
auch  nicht  in  einer  Gesamtausgabe  vorhanden);
manche,  vor  allem  die  ganze  neuere  Literatur  (Hauptmann, ­
  George,  Rilke,  Wedekind,  Thomas  und  Heinrich ­
  Mann  usw.)  sind  durch  einzelne  Bücher  zufällig ­
  und  ungenügend  vertreten.  Dasselbe  gilt  von  der
älteren  deutschen  Literatur,  z.  B.  Hans  Sachs  und
Grimmelshausen.  Reich  ist  die  Bibliothek  dagegen
an  wertvollen  und  seltenen  ersten  Gesamtausgaben:
Brentano,  Hamann,  Hauff,  Heine,  Herder,  Hölderlin,
E  T.  A.  Hoffmann,  Görres,  Kleist.,  Klinger,  Lichtenberg, ­
  die  beiden  Brüder  Schlegel,  auch  A.  W.  Schlegels
Shakespeare,  Wieland.  Von  Goethe,  der  im  ganzen
mit  rund  230  Nummern  vertreten  ist,  sind  schöne
(teuer  angesetzte!)  Erstausgaben  vorhanden,  doch
fehlen  dabei  die  ganz  großen  Stücke  wie  das  Römische ­
  Karneval  oder  Rheinischer  Most.  Hervorzuheben
ist  die  Ausgabe  der  italienischen  Reise  mit  dem  Exlibris ­
  von  A.  W.  Schlegel  und  die  Ausgabe  letzter  Hand
mit  dem  v.  Steinschen  Wappen.  Es  handelt  sich  hier
möglicherweise  um  ein  Dedikationsexemplar  Goethes.
Ueberhaupt  ist  die  Bibliothek  reich  an  Exemplaren
aus  dem  Besitze  bekannter  Persönlichkeiten  mit  deren
Exlibris  oder  Namenseintragung.
Außer  der  Deutschen  Literatur  enthält  der  vorliegende ­
  Katalog  noch  die  kleinen  Sonderabteilungen:
„Märchen,  Sagen,  Legenden“  und  „Volkslieder  und
Sprichwörter“,  ferner  Uebersetzungen  aus  der  antiken ­
  und  ausländischen  Literatur.

c Die  Sammlung  PPaftavicini.

Man  schreibt  uns  aus  London:
Die  Sammlung  P  a  11  a  v  i  c  i  n  i  aus  Stübichhofen
in  Steiermark,  die  bei  K  n  i  g  h  t,  Frank&Rutley
am  27.  Mai  zur  Versteigerung  gelangte,  fand  nicht
die  gebürende  Würdigung,  trotzdem  für  die  meisten
Bilder  Expertisen  geachteter  deutscher  und  Wiener
Experten  Vorlagen.  Man  hatte  den  Eindruck,  als  ob
die  Engländer  den  Gutachten  nicht  recht  trauten.
Besonderem  Zweifel  begegnete  Raffaels  „Portrait
of  a  Papal  Secretary“,  für  das  bloß  3100  Guineen  erzielt ­
  werden  konnte,  für  einen  echten  Raffael  wahr--lieh
  kein  Preis.
Von  den  anderen  italienischen  Meistern  erreichte
ein  Cassone-Stück  des  Francesco  C  a  s  s  o,  das  in
Schubrings  Cassone-Buch  abgebildet  ist,  1300  Guineen. ­
  Ersteher  war  der  Amsterdamer  Kunsthändler
Goudstikker.  Das  Bildnis  eines  Edelmannes
von  Bernardo  Licinio  brachte  270  Guineen,  eine
Madonna  des  Correggio  1900  Guineen.  Aus  der
Reihe  der  übrigen  Italiener  kam  ein  Bassan  o  „Die
Kreuzabnahme“  auf  900  Guineen,  ein  Hieronymus

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von  Luca  G  i  o  r  d  a  n  o  auf  104  Guineen,  und  aus  der
italienischen  Kunst  des  18.  Jahrhunderts  ein  Cana-1
  e  11  o  (Rialtobrücke)  auf  950  Guineen,  ein  Porträt
von  Giovanni  Battista  T  i  e  p  o  1  o  auf  1250  Guineen.
Von  den  altniederländischen  Bildern  ergab  eine
Madonna  des  Meisters  von  F  1  e  m  a  11  e  550  Guineen,
eine  Christus-Darstellung  des  Jan  Mostaert  650
Guineen,  eine  Madonna  mit  Kind  von  Ho-ogstrae  -
ten  300  Guineen,  ein  weibliches  Bildnis  des  F.Pou  rb
  u  s  500,  ein  Bildnis  des  F.  P  o  u  r  b  u  s  d.  J.  „Porträt
des  Vincenco  Gonzaga“  325  Guineen.  Für  eine  Flußlandschaft ­
  des  van  Goye  n  zahlte  man  900  Guineen,
für  ein  Bildnis  des  Cornelis  de  V  o  s  600  Guineen.  Das
Bildnis  des  Malers  Adriaen  Brouwer  von  van  Dyck,
das  einst  in  der  von  Dr.  Gustav  Glück  katalogisierten ­
  Wiener  Sammlung  Alexander  Triesch  sich  befand,
wurde  mit  1950  Guineen  bezahlt,  eine  „Immaculata“
von  M  u  r  i  11  o  (früher  in  der  Sammlung  Gaston  von
Mallmann  in  Berlin)  mit  4000  und  V  e  1  a  s  q  u  e  z  aus
zahlreichen  Reproduktionen  bekanntes  Bild  „Der
Nußknacker“  mit  1900  Guineen.
            
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