internationale Sammler-Zeitung
Seite 131
Nr. 15
GJIeuen tdeckte GFrüüwerüe Grünewalds.
Die vier Tafelbilder in der Magdalenenkirche zu
M ü nnerstadt mit Darstellungen aus der Kilianslegende,
die bisher auf Grund einer allerdings nicht
eindeutigen Quittung als Werke des Veit Stoß galten,
werden nun von Heinz Brau n e, dem Breslauer
Museumsdirektor, nach einer neuen eingehenden Untersuchung
Matthias Grüne w a 1 d zugeschrieben.
Die vier Bilder sind auf Fichtenholz gemalt (Format
je 1,78X91), und zwar mit jenem dünnen Tempera-Auftrag,
der die charakteristische Sprungbildung
im Farbkörper zeigt, die von der Münchner
Verspottung, den Lindenhardter Tafeln, dem Freiburger
Maria-Schneebild, der Karlsruher Kreuztragung
her bekannt ist. Braune weist darauf hin, daß die
Modellierung, von der nur Grünewald eigenen Weichheit
und Flüssigkeit und durch lasurartig dünn aufgetragene
Farbtöne bestimmt ist, daß sich die kennzeichnend
starken und leuchtenden Effekte neben zartester
Differenzierung der Farbe finden, fanfarenartiges
Rot neben zartestem Grau. Die Farbenskala
sei die für Grünewald charakteristische: Scharlach
und Ziegelrot, sattes Grün und Grau in seinen Abwandlungen
von Hellblau bis Meergrün. Im Panzer
und Goldbrokatmantel finden sich Analogien zum
Erasmusbild, die Gebärdensprache der Hände, die
Fuge der Bewegungsmotive, das zarte und geheimnisvolle
Licht, der rhythmische und koloristische Gesamtbau
weisen auf das innere Wesen und die technischen
Eigentümlichkeiten der Grünewaldschen
Kunst.
Die Forschung wird sich nun zu den Argumenten
Braunes, die den Kenner der Münnerstädter Tafeln
durchaus glaubhaft erscheinen, zu äußern haben. Besondere
Beachtung verdienen sie auch um deswillen,
weil Braune, dem früheren Direktor der Neuen Pinakothek,
auch die Identifizierung der Münchner „Verspottung
Christi“ zu danken ist. Die Zuschreibung
ist um deswillen besonders bedeutsam, weil die um
etwa 1495,. also acht Jahre vor den Lindenhardter
Tafeln und der Verspottung entstandenen Münnerstädter
Flügelbilder, Dokumente des Jugendschaffens
Grünewalds, der sich in dem Lindenhardter Altar
schon als reifer Meister repräsentiert, darstellen würden.
Wenn als künstlerische Herkunft des Meisters
bisher der Mittelrhein, das Schaffen des Hausbuchmeisters
oder Hans Holbein d. Ae. angenommen
wurde, ließe sich, worauf Braune mit Recht hinweist,
diese These dann nicht mehr aufrecht erhalten, vielmehr
wären in Mainfranken die Quellen und Anregungen
seiner Kunst zu suchen.
Ein endgültiges Urteil wird erst möglich sein,
wenn die an sich gut erhaltenen, aber vom Schmutz
überkrusteten trüben Farbflächen gereinigt sind.
GR am Burger GKunst in GfTürnBerg.
Aus Nürnberg wird uns geschrieben:
In den schönen Räumen der Noris-Halle am Marientorgraben
wurde durch Oberbürgermeister Dr. Luppe in Gegenwart
von Vertretern der Hamburger Künstlerschaft eine
Ausstellung neuzeitlicher Hamburger Kunst eröffnet. Sie umfaßt
die drei Gebiete der hohen Kunst: die Malerei, die Plastik
und die Graphik. Der Albrecht-Dürer-Verein, dessen Schriftführer
Professor Dr. Fritz Traugott Schulz vom Germanischen
Museum durch Atelierbesuche in Hamburg die Ausstellung
zusammengebracht hat, verfolgt den Zweck, das spezifische
Wesen der lebenden Hamburger Kunst zur Darstellung
zu bringen. Nicht ein buntes Vielerlei bietet die Ausstellung,
sondern ein durchaus wohlgeordnetes Ganzes. Etwa fünfzig
Künstler wurden zur Ausstellung herangezogen, und zwar so,
daß von jedem einzelnen eine wiederum in sich abgerundete
Kollektion ausgewählt wurde. So setzt sich aus einzelnen
kräftigen Strichen ein Ausstellungsbild zusammen, welches in
schlichter Form rasch über den bislang noch nicht geprägten
Begriff „Hamburger Kunst“ unterrichtet.
Unter den Malern und Malerinnen sind ganz besonders
hervorzuheben: Paul Bollmann, Henning Edens, der verstorbene
Karl Rathjen, Edith Marcus, Anita Ree, Wilhelm Spanier,
Wilhelm Mann, Dorothea Mactzel-Johannsen, Alma Del ßanco,
Friedrich Ahlers-Hestermann, Karl Blohm, Paul Mcchlen, Professor
Ernst Eitner, Aenderly Möller, Maximilian Jahns, Eduard
Hopf, Heinrich Jasper Stegemann, Erich Hartmann, Wilhelm
Plate, Professor Arthur Jllies, Willi Habl, Kurt Löwengaard,
Rudolf Zeller, Graf Leopold von Kalckreuth, Rudolf
Neugebauer, Friedrich Schaper, Emil Smidt, Arthur Siebelist
und Willem Grimm. Von Plastikern seien genannt: Ludolf
Albrecht, Ludwig Kunstmann, Karl Spethmann, Karl Opfermann,
Alphons Ely, Dr. Fritz Bürger, Paul W. Hcnle.
Was diese Ausstellung so sehr interessant macht, das ist
der allenthalben zu Tage tretende tiefvcranlagte Schaffensernst.
Man sieht, jeder einzelne Künstler ist ganz mit dem
Herzen bei seiner Sache und sucht sein bestes zu leisten.
Stärker als anderswo klingt eine heimatliche Grundnote aus
der Ausstellung heraus.
T)as GRerßstprogramm des GRunsfaufdionsfiauses GKecfit.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Die Herbst-Versteigerungen des Kunst-Auktions-Hauses
Jac. Hecht, Charlottenburg 2, Kantstr. 162, beginnen im
September in den vergrößerten Räumen mit einem Ausgebot
von Beiträgen aus verschiedenem Privatbesitz (komplette
Zimmer in verschiedenen Stilarten, antike und
moderne Hausmöbel, Gemälde alter und neuerer Meister,
Aubussons, Gobelins, Perserteppiche und Kleinkunst).
Anfangs Oktober folgt daran anschließend bie große
Auktion des „Gesamt-Inventars Schloß Wackerbarths
Ruhe“ (Herrensitz der Lößnitz), die auf allen vorkommenden
Gebieten Qualitäten ersten Ranges zeigen wird.
In reichster Auswahl werden die schönen und geschmackvollen
Möbel, Bilder und Einrichtungsgegenstände sämtlicher Reprüsentations-
und Wohnräumc zum Ausgebot gelangen. Man
wird ba sowohl antiken Einzelstücken von der Renaissance
bis zum Empire (Venezianischen und Florentiner-, Renaisanceund
Barock-Schreibtischen, Büfetts und Truhen, süddeutschen,
italienischen und englischen Kabinett- und Garderobenschränken,
Kommoden, Zierschränken und Sesseln der Barockund
Rokokozeit u. v. a.), wie auch Speisezimmern, Salons,
Wahnräumen u. Bibliothek im Stil ber vorgenannten Epochen
begegnen. (Der Gobelin des Speisesaales, der in prächtigen
Farben Gruppen von Frauen, Kavalieren und Kindern mit
Tieren zeigt, ist eine französische Arbeit um 1730; der
Konzertflügel im Roten Saal ist ein ßechstein-Fabrikat).
Die alten Gemälde des 17. und 18. Jahrhunderts stammen
vorwiegend von der Fland bekannter unb beliebter Meister.
Zu nennen sind dekorative und farbenreiche Werke von P. v.
Asch, Bout und Boudewyns, I. v. Bemmel, Droochsloot, I. v.
Huchtenburg, i. v. Kessel, P. v. Laar, P. Mulier, B. Beronneau,
Daniel Vosmaer u. a. und solche, die in der Auffassung als
Schulen von van Croos, Domenicchino, Jordaens, Nattier,
Pesne, Sylvestre, Tenier, Rosa da Tivoli u. v. a. anzusprechen
sind. Es werden sowohl die gesamten Bestände an Gebrauchssilber
(Silberkasten für 24 Personen, Zier- und Einzelstücke),
Gläsern, Kristallen, Porzellan-Servicen (Meissen, Limoges), als
auch die zahlreichen Kandelaber, Vasen, Uhren, Leuchter und
Kübel in Bronze, die kotsbaren Stoffe, Kissen, Brokate und
Kleinkunst-Gegenstände zum Verkauf gelangen.
Ueber die Auflösung der S a tn m I u n g Dr. L., die ebenfalls
für den Herbst vorgesehen ist, werden nähere Einzelheiten
noch bekanntgegeben werden.