Internationale Sammler-Zeitung.
Nr. 20
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deshalb kann eine auf dieser Basis fortgeführte maler in der letzten Zeit viel Bedeutsames zutage ge-
Untersuchung sehr viel ausrichten. In der Tat ist ge- fördert worden,
rade hinsichtlich der Schüler, Nachfolger und Kopien-
0 ei SPauf Qraupe.
‘Besucfi im neuen J{eim.
Aus Berlin wird uns geschrieben:
Paul Graupe, der seine Geschäftsräume fast
zwanzig Jahre in der Lützowstraße hatte, ist nun auch
dem Zug der Zeit gefolgt und hat seine Räume nach
der Tiergartenstraße 4, dem Zentrum des Berliner
Kunst- und Antiquitätenhandels, verlegt, wo er die
erste und zweite Etage der bekannten Liebermann’-
schen Villa bezogen hat. Die neuen Geschäftsräume
der Firma sind ungemein repräsentativ, geschmack
voll eingerichtet und bieten dem Sammler eine be
queme Uebersicht über das Lager des Graupe’schen
Antiquariates.
Verblüffend ist, was die Firma zur Eröffnung
der neuen Räume zeigt. Da ist zunächst eine außer
gewöhnliche Sammlung von Berolinensien, be
stehend aus einer sehr reichhaltligen Bibliothek, in
der sich fast alle Kostbarkeiten befinden, die auf
Berlin Bezug haben, z. B. der erste Berliner Druck, der
„Kalender des Berliner Montagsklubs“ von 1789,
Müller-Küster, Altes und Neues Berlin, Graf v. Brühl,
„Die Weihe des Eros Uranios“ mit den hübschen
Modekupfern, die Haude & Spener’sche Zeitung von
1740—1830, die Vossische Zeitung von 1780—1830,
etc. Ferner enthält die Sammlung eine Fülle reizender
dekorativer Ansichten, Berliner Redensarten, „Anek
doten und Witze“ von Dörbeck, die „Cries de Berlin“
von Rosenberg, Blätter von Hösemann etc., zum
großen Teil geschmackvoll gerahmt. In den Vitrinen
ist eine reichhaltige Sammlung von Tassen mit
Ansichten von Berlin und Umgebung untergebracht.
Nicht nur für den Berliner Sammler bietet diese Aus
stellung viel Material, sondern auch für die Ein
richtung jedes Berliners eine Fülle dekorativer Stücke.
Des weiteren zeigt Graupe die gesamte Biblio
thek der Prinzessin Leuchtenberg, der Gemahlin
Eugene Beauharnais’, des Stiefsohnes Napoleons und
Statthalters von Italien. Diese Bibliothek, als „Malmai-
son-Bibliothek“ bekannt, enthält Literatur, Geschichte,
Reisewerke, Memoiren, Briefwechsel der damaligen
Zeit, in besonders schönen Exemplaren, zum Teil mit
Widmungen der Autoren und in besonders dekorati
ven, teilweise sehr kostbaren Einbänden der be
rühmtesten gleichzeitigen Binder, mit dem goldge
preßten Zeichen der Besitzerin. Die Bibliothek um
faßt zirka 2500 Bände und bietet ein umfassendes
Material für die damalige Zeitströmung. Die Ge
schlossenheit der Bibliothek und ihre dekorative
Wirkung machen sie zu einer ganz besonderen Zierde
für jedes Bibliothekszimmer.
Nicht minder interessant ist die Ausstellung „Das
Zimmer eines- Bücherfreundes“. Das Zimmer, bis zur
Decke mit Regalen ausgefüllt, umfaßt über 500 In
kunabeln aus den berühmtesten Offizinen, zum Teil
in schönen, gotischen Einbänden, außerdem deutsche
und französische Literatur in schönen Gesamt- und
Einzelausgaben, Bücher über Mode, Kunst, schöne
Einbände und kostbare Luxusdrucke.
Die Kunstabteilung steht nicht hinter den Aus
stellungen der Buchabteilung zurück; schöne, alte
Graphik, wertvolle Handzeichnungen, dekorative
Blätter des 18. Jahrhunderts, darunter zwei Original-
Zeichnungen von Boucher, die 13 „London Cries“ in
gleichmäßigen, bunten Drucken mit breiten Rändern
usw.; auch moderne Graphik in reicher Auswahl. —
An Autographen stellt Graupe interessante Briefe
von Lessing, Goethe, Schiller u. a. aus, darunter einige
kostbare Stammbuchblätter von Goethe.
Der besonders gut belichtete Auktionssaal scheint
uns mit seiner Größe und seinen Proportionen be
sonders gelungen zu sein. Die Größe des Raumes
ist wohl mit Rücksicht auf große Antiquitäten-Ver-
steigerungen gewählt worden, die Graupe gemeinsam
mit der Firma Hermann Ball in den neuen Räumen
veranstalten will. Die Leitung der gesamten Innen
einrichtung war dem mit besonderem Geschmack
begabten Berliner Architekten Paul Huld sch insky
übertragen. Es ist anzunehmen, daß Graupe in diesen
neuen und erheblich vergrößerten Geschäftsräumen
das Geschäft auf eine noch breitere Basis stellt und
damit ist wieder ein Schritt vorwärts getan, daß
Berlin jetzt ein Antiquariat besitzt, das auch äußer
lich den internationalen Ansprüchen Rechnung trägt.
Das ScfiicRsat der Sammfung Dafej.
Die Kunstsammlung P a 1 e j in Lenigrad, deren
Bestände gegenwärtig unter die russischen Staats
museen verteilt werden und vor allem zur Vervoll
ständigung der Sammlung .der Eremitage bestimmt
sind, kann zweifellos zu den eigenartigsten Samm
lungen der Welt gerechnet werden.
Die Sammlung verdankt ihre Entstehung einer
Laune des Großfürsten Paul, der in morganatischer
Ehe mit O. V. P a 1 e j lebte. Um seiner Frau eine
Freude zu machen, ließ der Großfürst eine Anzahl
französischer und belgischer Meister nach Petersburg
kommen und einen Palast von märchenhafter Pracht
errichten. Am ganzen Palast war nicht ein einziger
Nagel von russischen Händen angefertigt, geschweige
denn eingeschlagen worden. Dann wurde der Palast
mit den ausgesuchtesten und teuersten Kunstwerken
geschmückt. Die französiche Malerei des 18. Jahr
hunderts war durch ein Stilleben von Chardin,
Zeichnungen von Boucher und G r e u z e, ein
Männerbildnis von Perronaud, einen Frauenkopf
von N a 11 i e r, drei Architekturansichten von Hubert
Robert u. a. vertreten. Von den zeitgenössischen
Franzosen besaß die Sammlung zwei Bildnisse von
Dagnan-Bouvrd. Die venezianische Schule hatte
ihre zwei besten Vertreter in der Sammlung: Fran
cesco Guar di und Bernardino B e 1 o tt o (Canaletto).
Für den Guardi sind 40.000 Rubel bezahlt worden,
doch hat es sich jetzt herausgestellt, daß der Groß
fürst von den Pariser Kunsthändlern angeschmiert
worden war. Der „echte“ Guardi hat sich als ein
meisterhafter O e 1 d r u c k erwiesen, der nur s t e 1-
1 e n w e ise übermalt worden war. Ferner besaß