Seite 43
Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 5
großen Komitatshaussaal malen zu lassen. Die Idee für das
Thema des Bildes stammte vom Grafen Stefan T i s z a, der der
Millenniumsversammlung beiwohnte. Auf Grund dieSer Idee
hielt Feßty mit seinem Meisterpinsel die Hochzeit des Fürsten
Zsölt mit der Tochter Men Marots auf der Leinwand fest. Zu
den historischen Gestalten standen Herren und Damen des
Biharer Komitats Modell. Für die Gestalt Men Marots entlieh
der Künstler die Gesichtszüge des Grafen Ludwig T i s z a. Ks
gelangten noch auf die Leinwand Siegmund B a r a n y i, Paul
Beöthy, Szabolcs Szunyogh, Edmund Radi, Anna
Örley und andere. Als Honorar wurden dem Künstler
14.000 Kronen bewilligt.
(Ein unbekannter Maler der Donauschule.)
Ueber einen interessanten archivalischeri Fund berichtet Sek
tionsrat Dr. Guby im Jännerheft der „Ostbairischen Grenz
marken“ (Passau) auf Grund einer Veröffentlichung des Histo
rikers Dr. Salomon in der „Oesterr. Landzeitung“ in Krems.
Es handelt sich um das Testament des Malers Hans Egkel
von Obernberg am Inn aus dem Jahre 1496. Damit tritt ein
neuer Künstlername in den Bereich der heimischen Kunst
geschichte und es ist Dr. Salomon auch gelungen, auf einem
von vier zusammengehörigen Temperabildern in der Prälaten
kapelle zu M e I k einwandfrei die Signatur „Egccl“ festzu
stellen. Der Maler, der in Obernberg am Inn seine Kunst
ausübte und die letzten Lebensjahre in Dürnstein in der
Wachau verlebte, wo er 1496 starb, war ein angesehener und
vielbeschäftigter Künstler seiner Zeit. In seinem Testament
ist von „Truhen voll seiniger Bilder“ die Rede, die in Dürn
stein, Melk und Krems standen. Ueber seine künstlerische
Bedeutung sagt Dr. Guby: „Die Bilder Egkels Sind kunsthisto
risch von allergrößter Bedeutung; führen sie uns doch an die
Wurzeln des Donaustiles, jener gewaltigen, rein ostbairischen
Kunstströinung, die mit Albrccht Altdorfer und Wolf Huber
einen so machtvollen Höhepunkt erreichte.“ Die bekannte
Eigenart dieser Kunst ist die Vorliebe für einen der Natur
abgelauschten, bis ins kleinste Detail sorgfältig gemalten
Landschaftshintergrund. Die Vorliebe für diese Landschafts-
Schilderung ging oft so weit, daß die heiligen Gestalten, die
im Bilde dargestellt sind, absichtlich so gruppiert werden, daß
das Landschaftsbild gut zur Wirkung kommt. Aucl^die Bilder
Egkels zeigen diese Eigenart der zeitgenössischen Kunst seiner
Heimat. Es ist Dr. Guby auch gelungen, an einem der Bilder
Egkels die älteste bekannte Ansicht der Stadt Passau fest
zustellen. Sie findet sich auf einem der vier Bilder in Melk
(Enthauptung der hl. Katharina) und stammt etwa aus den
Jahren 1466—70, ist also um mehr als 20 Jahre älter als die
Ansicht der Stadt in der Schedelschen Weltchronik (1493), die
bisher als das älteste Passauer Stadtbild galt.
(Betrug mit einem angeblichen Rubens-
Gemälde.) Der von seiner Tätigkeit im Kunstauktions
hause Leo Schidlof in Wien in Sammlerkreiscn bekannte
Privatbeamte Ferdinand S p a n y wurde in Paris unter dem
Verdachte verhaftet, einem abgebauten Bankbeamten 18.500
Schilling in der Weise entlockt zu haben, daß er ihm die
Gewinnbeteiligung bei dem Verkaufe einer „Bacchanalischen
Szene“ von Rubens versprach. Es liegt aber die Wahrschein
lichkeit nahe, daß mit diesem Bilde ein viel größerer Betrug
verübt oder zumindestens geplant war. Viele Umstände
sprechen nämlich dafür, daß dieses Bild, das Spany angeblich
mit 17.000 S beangabt und auf das er weitere 39.000 S geborgt
hat, überhaupt kein Rubens und kaum die Hälfte dessen
wert ist, was Spany als Anzahlung geleistet haben will. Der
Direktor der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden
Künste Eigenberger äußerte sich einem Berichterstatter
gegenüber über das Bild, wie folgt: „Ein Bild „Bacchanalische
Szene“ von Rubens gibt es nicht. Bei dem Kriminalfall
dürfte es sich wahrscheinlich um die Kopie handeln, die sich
bis vor einiger Zeit in der Liechtenstein- Galerie be
fand und dort als ein Werk von Jakob Jordan bekannt
war. Es stellt ungefähr folgendes dar: Ein Satyr preßt aus
einer Traube Saft in eine Schale, die ihm ein kleinerer Satyr
entgegenhält. Das Bild zeigt noch einen dritten Satyr, Früchte
und im Hintergrund Gestrüpp und Baumgeäst. Diese Kopie,
eine Arbeit von Schülern aus der Rubenswerkstatt, wurde
ob ihrer Minderwertigkeit an einen Wiener Kunsthändler
abgegeben. Es ist nun die Frage, ob Spany mit diesem
Kunsthändler in Verbindung stand, wie er zu dem Bild ge
kommen ist und wie er Leichtgläubige finden konnte, die ihm
so große Beträge auf die Kopie gegeben haben, deren Wert
1 0.0 00 Schilling keinesfalls übersteigt. Ich
setze natürlich immer voraus, daß es sich um das Bild handelt,
das von der Liechtenstein-Galerie abgegeben wurde.“
(Tiepolo oder Schule Tiepolo?) Wir lesen in
Wiener Tagesblättern: Der Industrielle Wilhelm Garten-
berg hat 1921 in der Kunsthandlung Gustav Nebehay 500
Dollar für das Bild „Flucht aus Aegypten“ bezahlt, das nach
Angabe des Verkäufers aus der Schule Tiepo-los, viel
leicht sogar von ihm selbst herriihre. Jetzt verlangt Herr
Gartenberg die Rückzahlung der 500 Dollar, weil einerseits das
Geschäft mit Zustimmung des Verkäufers storniert wurde, an
derseits das Bild, wie einer der berühmtesten Kenner, der
Mailänder Galeriedirektor Ettore Modigliani, erklärt,
eine Fälschung und kaum 50 Dollar wert sei. Die beiden
vom Gericht beauftragten Sachverständigen, Professor Moll
und Dr. Otto Benesch, gaben dagegen unabhängig von
einander an, daß das Bild mit R echt die Bezeichnung „aus
der Schule Tiepolo“ führe. Der Richter wies die Klage mit
der Begründung ab, daß keine Irreführung vorliege,
da Direktor Modigliani selbst die Möglichkeit eines Irrtums
zugebe, daß der Rückkauf nicht perfekt wurde und daß der
Preis von den Sachverständigen nicht a ls übermäßig be
zeichnet werde.
NUMISMATIK.
(Die älteste ägyptische Münze.) Das Britische
Museum in London hat eine ägyptische Münze erworben,
die nach der Zeit ihrer Entstehung und Prägung zu den
großen numismatischen Seltenheiten zählt. Sie stammt aus dem
vierten vorchristlichen Jahrhundert, in dem sich der ägyptische
Handel noch streng konservativ durch Warenaustausch voll
zog. Aber die Anwerbung griechischer Söldnertruppen durch
König T aclios, der gegen Persien Krieg führte, zwang
offenbar den Lohngeber, diese Mietsoldaten mit barem Geld
zu entlohnen, und so entschloß er sich, eine Münze zu prägen,
die äußerlich der damals geläufigen und allgemein gültigen
Drachme von Athen entsprach. Nur geringe Abänderungen
wurden mit Rücksicht auf das Land ihrer Herkunft getroffen:
statt des Olivenzweiges prägte Tachos einen Schößling der
für die ägyptische Heimat charakteristischen Papyrusstaude,
den göttlichen Namen der Göttin Athen ersetzte er durch
seinen eigenen; aber der Kopf von Pallas Athene und ihr
heiliger Vogel, die Eule, erinnerten die hellenischen Söldner
unmittelbar an ihre griechische Heimat. Das Exemplar dieser
Münze im Britischen Museum ist bisher das einzige Stück
dieser Prägung und stellt so eine beachtliche Seltenheit vor,
abgesehen von der Frühzeit ihrer Herstellung; erst unter
dem Fremdherrscher Ptolemaios Soter, um 300 v. Chr., wurden
die Aegypter gezwungen, sich wie alle umwohnenden Kultur
völker zum Handel mit Geld zu bequemen und auf ihr uraltes
Tauschreservatrecht zu verzichten.
PHILATELIE.
(Die größte bisher bekanntgewordene
Oesterreich-Seltenheit), der berühmte Zwölferblock
der Zeitungsmarke „gelber Merkur“ des Jahres 1851
kommt auf der 46. Versteigerung der Firma Heinrich Köh
ler in Berlin, am 9. März zum Ausgebot. Der Block, in
schöner Farbe, gut geschnitten und zart gestempelt, sitzt auf
einer Zeitschrift, welche die Adresse des Kaisers Ferdi
nand in Prag trägt. Von dieser seltenen Zeitungsmarke,
welche im Einzclstiick mit 750 RM. bewertet wird, sind seither
nicht einmal Doppelstücke bekannt gewesen. Der jetzt aus-
gebotene Block soll vielleicht in einen Sechser- und Vierer-
Block und Doppelstück aufgeteilt werden, je nach den Gebo
ten, die auf den ganzen Block bzw. seine Teile abgegeben
werden. Der Auktionskatalog der Firma Köhler enthält die
farbige Abbildung des Blocks in Originalgröße, sowie eine
verkleinerte Reproduktion der ganzen Zeitschrift, welche diese
einzigartige Seltenheit trägt.
VERS CHIEDENES.
(Verkauf von 3 Polenteppichen aus dem.
Stifte V o r a u.) In aller Still’ und Geheim’ wird der Aus
verkauf Oesterreichs fortgesetzt. Nur zufällig erlangt man
hie und da Kenntnis von der Ausfuhr eines oder des anderen
Kunstschatzes. So erfährt man jetzt, daß vor einiger Zeit
drei Polenteppiche von außerordentlicher Schönheit
aus dem altsteirischen Stifte Voran nach Paris gebracht
und dort um 2 0.0 0 0 Pfund St. nach England ver
kauft wurden. Ueber die Art und Weise, wie diese Teppiche
aus Oesterreich hinausgebracht wurden, erzählt man sich
gar kuriose Dinge, die wir vorerst nicht glauben wollen.
Darnach soll ein hervorragender Wiener K u n s t g e 1 e h r-
ter, der an der Spitze eines Museums steht, eine Expertise
gegeben haben, wonach diese Teppiche nicht echt seien.
Auf Grund dieser Expertise habe nun das Bundesdenkmalamt
die Ausfuhrbewilligung erteilt. Erst in Paris habe man fest-
gestellt, .daß die Teppiche echt sind, aber nun habe das
Denkmalamt nichts mehr machen können, weil die Kuh schon
aus dem Stalle war. Wie gesagt, es ist ein On dit und es soll
uns freuen, wenn das Denkmalamt uns mitteilt, daß es der
Begündung entbehrt. Auch der Kunstgelehrte könnte sich
zu dem Falle äußern. Wir stellen ihm den Raum gerne zur
Verfügung.