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MAK

Full text : Jahrgang 19 (1927) (8)

Nr.  8

Internationale  Sammler-Zeitung

Seite  78

geführte  prächtige  Studie  zu  dem  Gemälde  „Triton  und
Nereide“,  von  Carl  Spitzweg  das  farbensprühende  „Picknick“, ­
  von  Fritz  von  Ü  h  d  e  das  i.  J.  1882  entstandene,  durch
seine  brillante  Lichtführung  ausgezeichnete  Bild  „Im  Altleuthaus“, ­
  von  Charles  Schuch  das  stimmungsschwere  Gemälde ­
  „Gewitterstimmung  bei  Ferch“,  von  Hirth  du  Francs ­
  ein  reizendes  Blumenstilleben  und  von  Adolf  Schinne ­
  r  e  r  die  Gemälde  „Vorfrühling“  1902  und  „Gartenbild  mit
rotem  Dach“  1925.
In  den  Seitenkabinetten  des  Obergeschosses  wird  unter
dem  Titel  „Künstlerische  Formgebung  des
Reiches“  eine  von  Reichskunstwart  Dr.  R  e  d  s  1  o  b  arrangierte ­
  Ausstellung  gezeigt,  welche  die  Gestaltung  des  Reichsadlers, ­

  der  Flaggen  des  Reiches  und  der  Länder,  der  Münzen,
Briefmarken,  der  Reichssiegel,  der  Amtsschilder  der  Reichsbehörden ­
  des  In-  und  Auslandes,  der  amtlichen  Bestallungsurkunden, ­
  sowie  der  Reichsfeiern  bei  bestimmten  Anlässen
veranschaulicht.  Im  besonderen  Maße  interessant  ist  es,'  daß
der  ganze  Werdegang  von  den  ersten  Entwürfen  an  durch  alle
Entwicklungsstadien  bis  zur  endgültigen  Form  zur  Darstellung ­
  gebracht  ist.
Ein  eigener  Raum  ist  dem  Nürnberger  Kunstgewerbeschulprofessor ­
  Max  Körner  Vorbehalten,  von  welchem  amtliche ­
  Plakate,  Münzen-  und  Briefmarkenentwürfe,  Notgeld,
Lose,  Schuldverschreibungen,  Urkunden  und  anderes  ausgestellt ­
  sind.

Gßroniß.

AUTOGRAPHEN.
(Ein  Musikpalast  für  eine  Beethoven-Locke.)
  Der  Fünfkirchner  Gesangverein  ist  im  Besitz  einer
Haarlocke  Beethovens,  die  ein  Freund  des  Tondichters, ­
  Anton  S  a  u  t  e  r,  nach  dem  Hinscheiden  Beethovens
von  dessen  Kopf  abgeschnitten  hatte.  Nun  wird  aus  F  ii  n  f  -
kirchen  gemeldet,  daß  der  bekannte  Newyorker  Kunstsammler ­
  John  Morley  dem  Verein  für  die  Locke  10.000
Dollar  angeboten  habe.  Dem  Gesangverein  fiel  es  nicht  leicht,
sich  von  der  teueren  Reliquie  zu  trennen,  aber  in  Ansehung
des  enormen  Betrages  beschloß  er  doch,  das  Angebot  anzunehmen. ­
  Für  das  Geld  soll  nun  in  Fünfkirchen  ein  Musikpalast
erstehen,  der  den  Namen  Beethovens  tragen  wird.  Morley
ist  ein  begeisterter  Beethoven-Verehrer  und  hat  schon  früher
viele  Kostbarkeiten,  die  mit  Beethoven  Zusammenhängen,  auf
Auktionen  in  Europa  erworben.
(5  1.0  00  Dollar  für  einen  Brief.)  Ein  Brief  von
Button  Gwinnett,  einem  der  sechs  Unterzeichner  der'
amerikanischen  Unabhängigkeitserklärung,  wurde  auf  einer
Auktion  in  Newyork  von  dem  bekannten  Antiquar  Rosenbach ­
  für  die  Riesensumme  von  5  1.0  0  0  Dollar  erworben.
Die  Autographen  Gwinnetts  sind,  obwohl  sie  von  einer  ganz
unbedeutenden  Persönlichkeit  herrühren,  gegenwärtig  die
kostbarsten  der  Welt,  denn  der  Ehrgeiz  der  reichen  amerikanischen ­
  Autographensammler  geht  dahin,  Dokumente  sämtlicher ­
  sechs  Unterzeichner  zu  besitzen.  Rosenbach  hat  seit
1925  noch  fünf  andere  Autogramme  Gwinnetts  zu  Preisen
erworben,  die  zwischen  15.000  und  28.000  Dollar  schwankten.
Der  Brief,  der  51.000  Dollar  brachte,  ist  eine  kurze  Bestellung
vom  12.  Juli  1776  und  wurde  kürzlich  in  einer  alten  Scheune
entdeckt,  wenige  Tage,  bevor  diese  durch  Zufall  niederbrannte.
(Preise  für  Stevenson  -  Ha  ndschrifte  n.)  Bei
einer  Versteigerung  in  der  Anderson  Galleries  in
Newyork  brachte  eine  Handschrift  von  Robert  Louis  Stevenson, ­
  die  die  erste  Fassung  seiner  bekannten  Erzählung
„Kindnapper“  enthält,  6550  Dollar.  Ein  kleineres  Manuskript
von  Stevenson  brachte  2500  Dollar.  Bei  einer  anderen  Versteigerung ­
  im  selben  Haus  brachten  15  Bände  von  Romanen
Alexander  Duma  s’  d.  Ae.,  den  Stevenson  gerne  gelesen  hat,
130  Dollar,  obwohl  cs  eine  ganz  gewöhnliche  Ausgabe  war,
die  ihren  Wert  allein  durch  den  Namenszug  des  Besitzers  erhielt. ­
  Am  höchsten  bezahlt  wurde  eine  französische  Ausgabe
der  Werke  Martials  mit  vielen  Randbemerkungen  Stevensons;
sie  brachte  330  Dollar.  Ein  Exemplar  der  „Geschichte  der
Reformation“  von  D’AubignC  mit  handschriftlichen  Bemerkungen ­
  Stevensons  kam  auf  200  Dollar.  Beträchtliche  Summen
wurden  auch  für  andere  sonst  ganz  gleichgültige  Bücher
bezahlt.

BIBLIOPHILIE.
(Zentralvermittlung  für  sämtliche  Bibliotheken ­
  der  Welt.)  Aus  Paris  wird  uns  gemeldet:  Die
Direktoren  mehrerer  der  größten  Bibliotheken  der  Welt,
darunter  Berlin,  Paris,  Washington  und  Zürich,  haben  auf
Einladung  des  Völkerbundamtes  für  geistige  Zusammenarbeit
über  die  Frage  der  Schaffung  einer  besonderen  Zentralvermittlung ­
  für  sämtliche  Bibliotheken  der  Welt  im  Völkerbundamt ­
  für  geistige  Zusammenarbeit  beraten.  400  Bibliotheken
haben  bereits  ihre  Mitarbeit  zugesagt.
(Noch  ein  S  t  e  n  d  h  a  1  -  F  u  n  d.)  In  Grenoble,  wo
kürzlich  die  Handschrift  des  unveröffentlichten  Stendhals-Romans
  „Une  Position  sociale“  aufgetaucht  ist,  hat  man  jetzt
auch  ein  bisher  nicht  an  die  Oeffentlichkeit  gelangtes  Reisetagebuch ­
  des  Dichters  aufgefunden.  Er  behandelt  auf  300
Seiten  eine  Reise  von  Bordeaux  nach  Valence,  ist  1838  geschrieben ­
  und  stellt  eine  Art  Fortsetzung  der  „MCmoires  d’un
tcuriste“  dar.  Stendhal  hat  es,  als  ihn  die  Arbeit  an  der

„Chartreuse“  fesselte,  liegen  gelassen,  ohne-  die  letzte  Hand
daran  zu  wenden.  Die  Veröffentlichung  wird  demnächst  in
der  „Chronique.des  lettres  frangaises“  und  dann  in  Buchform
erfolgen.
HANDSCHRIFTEN.
(Erwerbung  einer  Nestroy  -  Hand  schrift
durch  die  Nationalbibliothek.)  Die  Nationaibibliothek
  hat  eine  Handschrift  des  vieraktigen  Volksstückes  von
Nestroy  „Der  alte  Mann  mit  der  jungen  Frau“  aus  Wiener
Privatbesitz  angekauft.  Es  handelt  sich  hiebei  um  eine  von
Nestroys  eigener  Hand  herrührende  Reinschrift  (42  Bogen  in
Großfolio)  des  1849  noch  als  Nachklang  der  48er  Revolution
entstandenen,  damals  aber  von  der  Zensur  unterdrückten
Stückes,  das  dann  erst  1890  aus  dem  Nachlaß  Nestroys  in  der
von  Ganghofer  und  Chiavacci  besorgten  Gesamtausgabe  bekannt ­
  geworden  ist  und  zu  den  besten  Schöpfungen  Nestroys,
namentlich  was  die  Figur  des  Ziegeleibesitzers  Kern  betrifft,
gehört.  Die  durch  die  Nationalbibliothek  erworbene  Handschrift ­
  weicht,  wie  eine  Vergleichung  erkennen  läßt,  in  Kleinigkeiten ­
  von  derjenigen  ab,  die  Direktor  Otto  Rommel
seiner  kritischen  Nestroy-Ausgabe  zugrunde  gelegt  hat,  ist
also  auch  nicht  ohne  philologisches  Interesse,

MEDAILLEN.
(Eine  neue  Beethoven-Medaille.)  Das  Hauptmünzamt ­
  in  Wien  teilt  uns  mit,  daß  in  seinem  Verlage  aus
Anlaß  der  100.  Wiederkehr  des  Todestages  Ludwig  van  Beethoven's
  eine  von  dem  bekannten  Wiener  Medailleur  Arnold
Hartig  geschaffene'Erinnerungsmedaille  in  Bronze  geprägt
erschienen  ist,  welche  ein  wohlgelungenes  Bildnis  des  unsterblichen ­
  Meisters  darstellt.  Diese  Medaille  wurde  in  zweierlei
Größen  im  Durchmesser  von  75  und  55  mm  aufgelegt  und
wird  an  Interessenten  zum  Preise  von  S  5.30  und  S  3.60  abgegeben. ­


PHILATELIE.
(Neuheiten.)  Polen:  2  Gr.  olivgrün,  20  g  karmin,
40  g  blau.  —  S  a  ä  r  g  c  b  i  e  t:  Freimarken  80  C  orang,  Dienstmarken: ­
  30  C  grün,  50  C  weinrot.  —  Schweiz:  60  Oere
weinrot,  Farbänderung,  5  Oere  grün,  nur  senkrecht  gezähnt,
13%  W.  Z.  Linie.  —  Uebersee.  Barbardos,  Gedenkmarke ­
  1  C  rot.  Maurita  nie  n  10  Fr.  /  5  Fr.  rötlich  lila  /
grün  schwarz.  —  Sudan:  10  Fr.  /  5  Fr.  rot-braun  /  blaugr.
20  Fr.  /  5  Fr.  lila  /  orange.  —  Tschad:  10  Fr.  /  5  Fr.  grün  /
karmin,  Aufdruck  schwarz,  20  Fr.  /  5  Fr.  violett  /  orange,
Aufdruck  schwarz.
(Verkauf  der  Mahn  k  eschen  Mecklenburg-Sammlung.)
  Die  bekannte  Mahnkesche  Sondersammlung ­
  von  Mecklenburg  wurde  auf  Vorschlag  der  Museumsverwaltung ­
  durch  die  mecklenburgische  Landesregierung
käuflich  erworben.  Die  Sammlung  umfaßt  700  Einzelstücke,
Marken,  Briefe  und  Ganzsachen,  darunter  Stücke,  die  sogar
dem  Reichspostmuseum  entweder  ganz  oder  doch  in  ebenbürtiger ­
  Qualität  noch  fehlen.  Auch  eine  mecklenburgische
Stempelsammlung,  über  1000  Stück  enthaltend,  wurde
gleichzeitig  aus  demselben  Besitz  erworben.

VERSCHIEDENES.
(Das  Graphische  Kabinett  in  München)  veranstaltet ­
  im  April  in  sämtlichen  Räumen  des  Augsburger
Kunst-Vereines  eine  großangelegte  Ausstellung  „Neuzeitliche
Graphik  und  Aquarelle  in  Deutschland“.
(Presse  -Ausstellung.)  Die  Preußische  Staatsbibliothek ­
  veranstaltet  aus  Anlaß  des  „Gesellschaftsabends  der
            
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