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Seite 74 InternationaJ e Sammle r - ZeA t u n g
Presse“ eine kleine Ausstellung aus der Geschichte der Presse,
auf dem Ministerialdirektor Kaestner über „Volksbildung
und Menschenformung“ spricht. Sie wird Zeitungen und Zeitschriften
des 15. bis zum 18. Jahrhundert vorführen, u. a. die
geschriebenen Zeitungen der älteren Zeit, wie sie die Handschriften-Abteilung
besitzt, dann die ältesten Flugschriften aus
dem Besitze der Bibliothek und alles Material über die Anfänge
besonders auch des gelehrten Journalismus.
MUSEEN.
(Neuerwerbungen der Münchner Staatsgalerien.)
Durch Abgabe aus den Beständen der Residenz
ist die Alte Pinakothek in München um zwei wertvolle
Porträte Christoph Ambergers sowie einen hl. Jakobus
von Ribera bereichert worden. Aus dem Kunsthandel ist
weiter eine Himmelfahrt Mariä des Domenico F e t i, aus
Privatbesitz ein sehr bedeutendes Bildnis von Bernhard
Strigel angekauft worden. In die Neue Pinakothek
sind zwei Porträte .loh. Friedr. Aug. Tischbeins gekommen,
zwei Herren Chatelein darstellend und aus den Jahren
1791 und 1794 stammend, ferner u. a. drei W a 1 d m ü 11 e r,
ein S p i t z w e g (Hinter der Bühne) und die Maifeier von
B ö c k 1 i n. Für die Neue Staatsgalerie sind während
des letzten Jahres Schloß Hemberg von T r ü b n e r, zwei
aus der letzten Schaffenszeit C o r i n t h s stammende Ansichten
von Luzern, ein Slevogt, zwei große U h d e s, zwei
Landschaften von Haid er, zwei Thomas W r i g h t von
Venedig von Kokoschka und ein Porträt Munchs erworben
worden.
(Neuerwerbungen der Gottfried Keller-Stiftung.)
Der Schweizer Bundesrat hat beschlossen, die
neuesten Erwerbungen der Gottfried Keller-Stiftung wie folgt
als Leihgaben in Verwahrung zu geben: Die Landschaft:
„Der Frühling“ von Paul Robert dem Kunstmuseum La
Chaux-de-Fonds; das Porträt des Abbe Huber (Pastell) von
La Tour dem Kunstmuseum in Genf; ein Doppelbildnis der
Eltern des Künstlers und ein Stilleben von Felix V a 11 o 11 o n
dem Kunstmuseum Lausanne; ein vom Jahre 1774 datierter
Steckborner Turmofen in Wil der historischen Sammlung
der Museumskommission von Wil.
VOM KUNSTMARKT.
(Oelgemälde, Aquarelle und Handzeichnung
e n.) Die am 30. April bei Hugo H e’l b i n g in München
stattfindende Auktion von „Oelgemälden, Aquarellen
und Handzeichnungen“ aus ausländischem und deutschem Besitze
weist wieder beste Namen unserer deutschen Künstler
auf; insbesondere sei auf einen Spitz weg „Einsiedler bei
der Weinprobe“ hingewiesen, bei welchem der Künstler seinem
Humor freien Lauf lassen konnte. Es wären weiter noch zu
nennen: Jul. Adam, H. v. Bartels, H. Best, A. Burger, F. v.
Defregger, F. Friedländer, C. Fröschel, F. Grassel, Th. Gurlitt,
H. von Habermann, A. Hengeler, A. Jank, Hugo Kauffmann,
A. Köster, C. Kronberger, D. Langko, F. v. Lenbach, A. Lier,
W. Löwith, F. Preller d. J., W. Räuber, G. C. L. Richter,
Ph. Röth, F. Roubaud, E. Schleich d. Ae., Rb. Schleich, A.
Schreyer, C. Seiler, J. Seyler, W. Velten, L. Willroider, J.
Wopfner, H. v. Zügel. Vom Ausland wären zu nennen: R. P.
Bonnington, J. Chelminski, E. Isabey, F. A. Renoir, und
Zeichnungen von J. F. Millet, Pissaro, Gavarni, Maildal. Der
illustrierte Katalog gelangt Mitte April zur Ausgabe, Preis
1 R.-M. — Alle die Auktion betreffenden . Auskünfte über
Schätzungen und dergl. erteilt die Firma Helbing.
(Kunstauktion in München.) Am 22. April erfolgt
bei Hugo Helbing in München eine Versteigerung
von Antiquitäten und Gemälden alter Meister vorwiegend aus
süddeutschem Adels- und Privatbesitz. Unter der Keramik
finden sich neben Porzellan aus deutschen Manufakturen
dieses Mal hauptsächlich schöne Erzeugnisse der Fayence-Manufakturen
Delft Frankfurt und Hanau. Besonders hinzuweisen
ist auf eine gute Sammlung geschliffener und geschnittener
Gläser des 17. bis 19. Jahrhunderts. Hierauf
folgen Waffen, Zinngefäße, Arbeiten in Schmiedeeisen, Orientteppiche,
Textilien und ostasiatische Kunstgewerbe. Manches
reizvolle Stück ist unter den Möbeln und Einrichtungsgegenständen
z. B. einige schöne alte Spiegel. Unter den Gemälden
interessieren vor allem einige Bilder, die sich ehemals im
Besitz des sächsischen Königshauses befanden, neben Werken
von Agricola, Tischbein, Koch u. a. Aus der reichen Abteilung
der Skulpturen seien hervorgehoben eine Figur Johannes d. T.
aus dem Kreis der Erasmus G r a s s e r, ein Relief „Flucht
nach Aegypten“ beeinflußt von dem Holzschnitt aus Dürers
Marienleben, eine trauernde Maria aus dem 16. Jahrhundert,
ein Alabaster-Relief, Kreuzigung, florentinisch 16. Jahrhundert.
Eine Sammlung von Graphik, darunter niederländische Malerradierer,
Kostümblätter, Genreszenen, eine reichhaltige Folge
von politischen Karikaturen des Jahres 1848, Monacensia und
Alte Stiche oder Oelbilder
die im Sujet irgendwie auf Kaffee bezugnehmen,
zu Reproduktionszwecken gesucht.
Zuschriften unter »Preisangabe 5241« an
Rudolf Mosse, Wien!., Seilerstättc 2.
Francofortensia usw. beschließt die Versteigerung. — Der
illustrierte Katalog erscheint Mitte April und ist zum Preise
von 1 Mark durch die Fa. Hugo H e 1 b i n g in München zu
beziehen, die jede, die Auktion betreffende Auskunft gerne
erteilt.
(Primitive und Bilder des 16.—18. Jahrhunderts)
werden am 3. Mai bei Matth. Lempertz in
Köln versteigert, unter ihnen mehrere Werke, die schon
des öfteren in der kunsthistorischen Literatur beschrieben
und gewürdigt sind. So vor allem die Anbetung der hl. Drei
Könige vom Kölnischen Meister des Aachener Altares um
1490, ein hervorragendes Werk der Kölnischen Malerschule
von wundervoller Erhaltung und höchster künstlerischer
Qualität. Die Zuschreibung des Werkes an den genannten
Meister geht auf Max J. Friedländer zurück, der es
sowohl in seiner Eyck-Monographie (Altniederländische
Malerei Bd. I) als auch in den amtlichen Berichten aus den
preußischen Kunstsammlungen 1917 und im Wallraf-Richartz-Jahrbuch
(Bd. 1. 1924) eingehend gewürdigt hat. Das Bild ist
in letzterem Buch sowie bei Heribert Reiners (Die Kölner
Malerschule) abgebildet. Ebenfalls abgebildet ist es in 1 der
Eyck-Monographie von L. Kaemmerer (Knackfuß Bd. 35)
sowie im Katalog der kunsthistorischen Ausstellung in Düsseldorf
1904. Damals galt es noch als ein Werk des Meisters der
heiligen Sippe, bis es dann nach seinem wahren Ursprung
von Friedländer bestimmt wurde. Näheres kann man im
Lernpertz’schen Katalog, wo das Bild in Vierfarbendruck
reproduziert ist, nachlesen.
Dieser Katalog enthält noch ein anderes Bild, über das
die kunstwissenschaftliche Erörterung seit längerer Zeit im
Gange ist, nämlich „die Hölle“ von Colyn de C o t e r. Es
ist ein Teilstück des bekannten St. Aldan-Altares, einer Darstellung
des jüngsten Gerichts, die sich früher in der Kölner
Kirche St. Aldan befand. Auch mit diesem bedeutenden Werk
hat sich Max J. Friedländer wiederholt beschäftigt (Jahrbuch
d. preuß, Kunstsammlungen 1908 und 1910); eine eingehende
Beschreibung des Bildes hat dann Walter Cohen im Wallraf-Richartz-Jahrbuch,
Bd. I. 1924 geliefert. Es hing 1921 1922
als Leihgabe in der Alten Pinakothek zu München und
November 1922 auf der Ausstellung von Kunstwerken alter
Meister aus Kölner Privatbesitz.
ln dieser Lempertz-Auktion werden dann noch eine
Reihe anderer hochwertiger Bilder des 15. u. 16. Jahrhunderts
angeboten (eine niederrheinische Kreuzigung; mehrere bedeutende
Werke von Cranach-Schulen, unter letzteren die
Lukretia -eines in der Literatur völlig unbekannten Monogrammisten
J. W. 1525, ein Porträt von Hans M i e 1 i c h u. a.,
sowie Werke von bedeutenden Niederländern des 17. Jahrh.:
Jan Steen, David T e n i e r s, Jacob R u i s d a e 1, Adrian van
O s t a d e, Gillis N y t s etc.
(Gemälde-Auktion in Brüssel.) In der Gaierie
G i r o u x in Brüssel sind Bilder alter Meister zu sehr guten
Preisen versteigert worden. Eine Landschaft von Hobbema
ergab 300.000 Frcs, eine Kirmes von D. T e n i e r s 190.000, ein
Jagdstück von F. Fijt 60.000 Fr. Für ein Kinderporträt von
Aelbert C y u p wurden 100.000 Fr. gezahlt.
(Versteigerung der Sammlung Haenert.)
Das Kunst-Auktions-Haus Jac. Hecht, Berlin, Charlottenburg,
II. Kantstr. 162, versteigert Ende April im Rahmen
seiner 44. Auktion Beiträge aus verschiedenem Besitz, speziell
Gemälde alter und neuer Meister, englische
und französische Stilmöbel, Perser-Teppiche
und Kunstgewerbe. Anfang Mai findet die Versteigerung
der Sammlung Haenert (Halle a. d. S.) statt.
Haenert sammelte bekanntlich hervorragende Fayencen
und Porzellane aus deutschen Manufakturen, ferner
Holz- und Steinplastik der Gotik und Renaissance
sowie außerordentlich interessantes K u n s t g e w e r b e
früher Epochen. Der demnächst erscheinende illustrierte
Katalog XXXXV mit Vorwort wird in sehr geschmackvoller
Ausstattung dieser bemerkenswerten Spezial-Sammlung gerecht
werden.
(.Gemälde alter Meister bei Lepke.) Die
Versteigerung von Gemälden alter Meister bei Lepke am
29. März schloß bei 208 Bildern, die ausgeboten waren, mit
einem Erlös von 2 1 5.000 Mark. Der höchste Preis von
7000 Mark wurde zweimal gezahlt. Ihn erzielte zunächst die
Madonna des S e 11 a j o, die das erklärt beste Bild der Versteigerung
war, und mit ihrem alten geschnitzten Tabernakel-