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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Nr. 17
Die älteste Sonnenuhr, welche wir in der Ge
schichte erwähnt finden, ist die des Königs Achaz,
um 700 v. Chr., von der während der Krankheit
seines Sohnes Hiskia, König von Juda, im 38. Ka
pitel des Propheten Jesaia die Rede ist. »Siehe, ich
will den Schatten am Sonnenzeiger Achaz zehn
Linien zurückziehen, über welche er gelaufen ist.«
Eine richtige Zeiteinteilung in unserem Sinne
war erst dann möglich geworden, als man anfing,
nicht die Länge des Schattens, sondern den Weg zu
beobachten, welchen der von einem aufrechten Ge
genstände geworfene Schatten auf einer Ebene von
Sonnenauf- bis Untergang beschrieb und diesen gan
zen Weg in bestimmte Teile einteilte. Die Erfindung
dieser Art Sonnenuhr und die Einteilung des Tages
in 12 Teile oder Stunden mag wohl zu gleicher Zeit
gemacht worden sein. Herodot, um 600 v, Chr., er
wähnt in seinen Schriften (2. Buch, 109): »Denn die
Stundenuhr und die Wasseruhr und des Tages
12 Stunden haben die Hellenen von den Babyloniern
gelernt.«
Vitruv nennt einen Chaldäer Berosus um 640
v. Chr. als den Erfinder der Sonnenuhr. Auch die
Pyramiden und Obelisken mögen schon Jahrtau
sende v. Chr. durch ihre Schattenwerfung zur Zeit
angabe benützt worden sein, wenn dies auch nicht
immer ihr eigentlicher Zweck war.
All die Schattenwerfer, Sonnenuhren und ver
wandte Instrumente könnten natürlich nur bei son
nenklaren Tagen verwendet werden. Bei trüber
Witterung und bei Nacht nützten sie nichts und man
mußte bedacht sein, auch auf andere Weise die Zeit
bestimmen und einteilen zu können. Es geschah dies
mittels der Wasseruhr oder Klepsydra, von welcher
bereits Herodot, wie erwähnt, berichtet. Die erste
derartige Uhr soll um 400 v. Chr. durch Plato nach
Griechenland gebracht worden sein. Ein berühmter
Erfinder und Erbauer von höchst kunstsinnigen
Wasseruhren war Klesibius von Alexandrien, der
um 130 v. Chr. lebte. Den Chinesen sollen die
Klepsydra wie auch Zeitmessung durch Licht schon
2300 v. Chr. bekannt gewesen sein.
Die ersten Wasseruhren waren sehr einfacher
Natur und bestanden aus einem zylindrischen Ge
fäße, welches in einer kleinen trichterförmigen Oeff-
nung endete, aus welcher das Wasser langsam her
austropfen konnte. Dieses Gefäß besaß längs seiner
Wandung eine Zwölfstundeneinteilung, Ein mit
einem Zeiger versehener Kork zeigte durch das
herabsinkende Wasser seitlich die Zeit an.
Die alten Römer, haben sich der Wasseruhren
bedient, um mit ihrer Hilfe, den Rednern und Advo
katen eine bestimmte Zeit zur Ausführung ihrer
Rede zuzumessen. Es wurde ihnen nur solange er
laubt zu sprechen, als aus der Wasseruhr Wasser
abfließen konnte. Je nach der Wichtigkeit des Ge
genstandes wurde mehr oder weniger Wasser ein
geschüttet. In späterer Zeit wurden sehr kunstreiche
Wasseruhren erzeugt, die außer dem Zeiger auch
Automaten in Betrieb setzten. Eine der berühmte
sten ist das Geschenk, das Harun al Raschid
800 n, Chr. durch seine Gesandten an Karl den
Großen in Aix la Chapelle überreichen ließ.
Bei dem Gebrauche der Wasseruhren stellten
sich durch Schmutzig- und Stinkigwerden der Flüs
sigkeit, durch das stetige Erneuern, durch ungleich
mäßigen Druck Unregelmäßigkeiten und Nachteile
ein. Verbesserungen in den Konstruktionen hatten
nur geringen Erfolg. Man hatte daher auch ver
sucht, an Stelle des Wassers Sand zu nehmen, und
sogenannte Sanduhren erzeugt, welche aber aus be
deutend jüngerer Zeit stammen. Archimedes, im
3. Jahrhundert v. Chr,, soll eine solche gehabt haben.
Sanduhren können ja nur für kürzere Zeiträume
verwendet werden, da sie nach Ablauf der Sand
menge wieder umgewendet werden müssen. Als
eigentliche Zeitmesser sind sie also nicht zu ver
wenden, sondern nur zu Messungen bestimmter
Zeiträume. Aehnlich haben sie sich auch bis heule
in Gestalt der bekannten Eierkocher erhalten.
Erwähnenswert wäre noch eine spätere Art
der Zeitmessung mittels der Oeluhr, einer Oellampe
aus Zinn, auf welche ein Glasbehälter aufgeschraubt
war. In diesen wurde Oel eingefüllt, das durch eine
kleine Oeffnung in die Zinnschale abfloß und von
einem Dochte auf gesaugt wurde. Wurde der Docht
angezündet, so brannte das Oel langsam ab und
zeigte durch seine Höhe an einer Längsskala aus
Zinn, die seitlich am Glase angebracht war, die Zeit
an. Natürlich mußte die Zeit, welche beim Anzün
den des Dochtes von dem Höhenstande der Oelober-
fläche außen an der Skala gezeigt wurde, mit der
wirklichen Zeit übereinstimmen.
Solcher Art wären nun im Altertume die Zeit
messungen sowie die Einteilung des Tages und der
Stunden vorgenommen worden.
Paul Sraupes JCerbstprogramm.
Paul Graupe in Berlin gibt jetzt sein reiches Ver
steigerungsprogramm für das letzte Quartal des Jahres be
kannt. Bereits sechs Auktionen verschiedenen Inhaltes sind
abgeschlossen und eine ganze Reihe anderer Auktionen soll
noch folgen.
Die Saison wird am 8. Oktober mit der für drei Tage
anberaumten Versteigerung der bekannten Sammlung des
Generalkonsuls Eisenmann eröffnet, die das gesamte
graphische Werk der beiden Berliner Illustratoren Chcdowiecki
und Hosemann, nebst einer großen Zahl von Aquarellen und
Handzeichnungen sowie Alt-Berliner Ansichten, Bücher, Bilder,
Porzellane etc. auf den Markt bringt, Die Sammlung Eisen
mann ist die einzige große Hosemann-Sammlung, die der
Sammler aus den Beständen der alten Sammlungen von
Skarbina und Schmaltz mit Geschick zusammengestellt hat.
Heute dürfte es kaum mehr möglich sein, das Werk dieser
beiden Künstler in solcher Reichhaltigkeit und Schönheit der
Exemplare in einer Sammlung zu vereinigen.
Als erste Buchversteigerung folgt Ende Oktober die Ver
steigerung der berühmten Bibliothek der Herzogin August a
A m a 1 i a von Leuchtenberg-Beauharna i.s, der
Gemahlin des Vizekönigs von Italien Eugenie Beauharnais,
des Stiefsohns von Napoleon. Im Anschluß an die Bücher
kommt dann noch eine Reihe ganz außergewöhnlich kostbarer
und seltener, hauptsächlich englischer Farbstiche des 18. Jahr
hunderts zur Versteigerung, unter denen sich wundervolle
Blätter von Ward und Wheatley befinden. Außerdem wird
noch eine andere kostbare Bibliothek französischer illustrier
ter Bücher des 18. Jahrhunderts versteigert. Diese Verstei
gerung ist ein getreuer Spiegel für die gesamte Literatur der
napoleonischen Zeit) neben ihrem inhaltlichen Wert beruht
ihre Kostbarkeit vor allem auf dem dekorativen Prunk der
Einbände und Exemplare, von denen eine große Anzahl in
Widmungsbänden und mit handschriftlichen Widmungen der
Autoren vorhanden sind. Das 18. Jahrhundert ist mit Stücken
von einzigartiger Kostbarkeit vertreten. Wohl das wertvollste
Stück ist das Buch des jungen Königs Louis XV., „Cours des
Fleuves", in einem herrlichen doublierten und mit Seide aus
geschlagenen Maroquinband der Zeit, der die Wappen des
jungen Königs Louis XV. und der Marquise von Pompadour
und auf dem Titel die eigenhändige Widmung des Königs mit
eigenhändiger Echtheitsbestätigung durch Louis XVIfl. trägt.
Feiner ist die ganze Reihe der Spitzenwerke des 18. Jahr
hunderts in kostbaren Einbänden, meist Maroquin, in Exem
plaren mit Kupfern vor der Schrift, Zustandsdrucken, Eaux-
Fortes etc. vertreten, sowie eine große Anzahl älterer Wappen-
| bände, vor allem des 16. Jahrhunderts, darunter Provenienzen,
die noch niemals auf dem Markt aufgetaucht sind.