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MAK

Full text : Jahrgang 20 (1928) (18)

Nr.  18

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Seite  171

Verwaltung  übergab.  Die  dritte  Abteilung  umfaßt  das  kulturgeschichtlich ­
  und  sozialgeschichtlich  wichtige  Gebiet  der  Zeichen ­
  und  Abzeichen.  Eine  vierte  Abteilung  enthält  Originalarbeiten ­
  von  Künstlern  für  österreichische  oder  in  Oesterreich
geprägte  ausländische  Münzen,  Eine  fünfte  Gruppe  bringt  die
historisch  interessanten  »Münzgewichte«,  die  Kontrolle  der
Wechsler  und  Bankiers  für  die  durch  ihre  Hände  gehenden
staatlichen  und  privaten  Prägungen.
Am  interessantesten  und  für  die  moderne  Währungsgeschichte ­
  am  wichtigsten  aber  ist  in  der  sechsten  Gruppe  eine

Auswahl  aus  der  großen  Sammlung  von  Papiergeld.  Die  Entwicklung ­
  der  Inflation  bietet  sich  dar.  Es  finden  sich  auch
Seltenheiten,  wie  eine  chinesische  Note  aus  dem  Mittelalter
in  der  Größe  eines  Taschentuches,  ferner  Schuldverschreibungen ­
  und  Aktien  in  den  frühesten  Formen,  und  schließlich
Stempelpapiere  und  Stempelmarken,  die  eine  österreichische
Erfindung  sind  und  auf  den  ehemaligen  Direktor  der  Staatsdruckerei ­
  zurückgehen,  auf  den  Vater  des  kürzlich  70  Jahre
alt  gewordenen  Erfinders  des  Auer-Gasglühlichts,  Auer-Welsbach.


Die  nächste  JCupferstichauktien  bei  JSoernev.

Die  Kupferstich-Herbstauktion  der  Firma  C,  G,
Boerner  in  Leipzig,  deren  Katalog  soeben  erschienen ­
  ist,  bringt  wiederum  kostbare  Bestände  aus
der  Sammlung  des  im  Jahre  1854  verstorbenen
Königs  Friedrich  August  II.  von  Sachsen,
und  zwar  diesmal  die  frühe  niederländische
Schule  des  15.  und  16.  Jahrhunderts.
Man  kann  wohl  sagen,  daß  die  frühen  holländischen ­
  und  flämischen  Meister  noch  seltener  Vorkommen, ­
  als  die  gleichzeitigen  deutschen.  Blätter  von
Franz  von  Bocholt,  vom  Meister  von
Z  w  o  11  e,  Gossaert,  D  u  h  a  m  e  e  1,  van  Mekkenem
  und  den  wenigen  Monogram  misten,
die  die  Kunstgeschichte  überhaupt  kennt,  gehören
jedes  einzeln  zu  den  allergrößten  Seltenheiten.  Sie
fehlen  in  vielen,  besonders  auch  den  holländischen
öffentlichen  Sammlungen  zum  großen  Teil  und  es
existiert  wenig  Privatbesitz  dieser  Art,  der  noch  auf
den  Markt  kommen  kann.  Aber  auch  die  niederländischen ­
  Blätter  des  16.  Jahrhunderts ­
  sind  früher  wenig  beachtet  worden  und  das
reiche  hier  angebotene  Material  fehlt  gleichfalls  in
den  meisten  jüngeren,  besonders  amerikanischen
Sammlungen.
Ergänzt  wird  der  Kupferstich-Katalog  durch  eine
gewählte  ausländische  Sammlung,  die
bei  kleinem  Umfang  außerordentlich  kostbare  Blätter ­
  von  Dürer,  Rem  b  ran  dt,  Schongauer,
den  Kleinmeistern  usw,  hält,  darunter  als
eine  der  größten  Kostbarkeiten  den  ersten  Zustand
von  Rembrandts  „Drei  Kreuzen“  auf  Pergament,
wohl  eines  der  gesuchtesten  Blätter  alter  Graphik,
die  es  gibt.  Das  Exemplar  ist  von  tadelloser  Erhaltung. ­
  Endlich  sei  aus  diesem  Katalog  hervorgehoben
eine  Serie  von  Original-Aquarellen  zu  dem

F  r  e  y  d  a  1  des  Kaisers  Maximilian,  einem
jener  berühmten  Holzschnitt-Bücher,  die  der  Kaiser
zur  Verherrlichung  des  Habsburger  Hofes  plante.
Schon  vor  einigen  Jahren  war  ein  Teil  dieser  Blätter
aufgetaucht.  Hier  liegt  eine  weitere  Serie  vor,  die
aus  deutschem  Adelsbesitz  stammt.  Sie  wurde  vom
Direktor  des  Britischen  Museums  ausführlich  in  dem
„Burlington  Magazine“  gewürdigt.
Im  Anschluß  versteigert  C.  G.  Boerner  die
große  Ludwig-Richter-Sammlung,  die
Dr.  Theodor  Engelmann  in  Basel  in  den  letzten
Jahrzehnten,  zur  Herausgabe  aber  in  den  Achtzigerund
  Neunzigerjahren  gesammelt  hat,  wohl  die  bedeutendste ­
  Sammlung  dieser  Art,  die  es  noch  im
Privatbesitz  gibt,  da  sie  außer  der  Graphik  und  den
illustrierten  Büchern  über  hundert  Original-Handzeichnungen ­
  und  Aquarelle  des  liebenswürdigen
Meisters  enthält.  Die  Sammlung  übertrifft  noch  die
bekannten  Ludwig-Richter-Sammlungen  Arnold  Otto
Meyer  und  Alexander  F1  i  n  s  c  h,  die  C.  G.
Boerner  in  dem  Jahrzehnt  vor  dem  Kriege  versteigerte ­
  und  läßt  sich  der  Sammlung  C  i  c  h  o  r  i  u  s
zur  Seite  stellen.
Ein  weiterer  Auktionskatalog  beschreibt  eine
österreichische  Privatsammlung  von  deutschen
Zeichnungen  des  frühen  19,  Jahrhunderts, ­
  Auch  hier  findet  sich  eine  große  Kollektion
Ludwig-Rxchter-Zeichn  ungen,  darunter ­
  einige  ungewöhnlich  schöne  Aquarelle,  bedeutende ­
  Blätter  der  Nazarener  von  Overbeck,
Schnorr,  S  t  e  i  n  1  e  u.  a.,  sowie  viele  andere
schöne  Blätter  bedeutender  Meister,  von  denen
Graf  f,  Schwind,  Kobel  1,  Vau  tier,  Hasenclever, ­
  Führich,  Spitz  we  g  erwähnt  seien.

JCainisch-Jftarken.

Im  letzten  Jahrzehnt  haben  mehrere  Staaten
ihre  Postverwaltungen  in  den  Dienst  der  Wohltätigkeit ­
  gestellt,  indem  sie  Briefmarken  in  den  Verkehr ­
  brachten,  deren  geringe  Zuschläge  zum  Nennwert ­
  derartigen  Zwecken  zugeführt  wurden.  Diesen ­
  Beispielen  folgend,  hat  die  österreichische  Postverwalfung
  nach  den  großen  Hochwasserschäden
des  Jahres  1920  im  darauffolgenden  Jahre  eine
Serie  von  sogenannten  „Hochwassermarken* 1 “  herausgegeben.
  Die  Marken  sind  in  Buchdruck  mit
Ueberdruck  erschienen,  wurden  jedoch  in  einer  so
großen  Auflage  in  den  Verkehr  gebracht,  daß  sie
auch  heute  noch  nur  geringen  Sammlerwert  besitzen.
Besser  erging  es  in  dieser  Hinsicht  der  „Musikerausgabe“ ­
  des  Jahres  1922,  da  diese  von  verschiedenen ­
  Konsortien  voll  aufgekauft  wurde.  Im  Jahre
1923  erschien  die  „Städteausgabe“,  die  ebenso  wie
die  vorangegangene  in  Kupferdruck  hergestellt

wurde  und  ob  ihrer  künstlerischen  Ausführung  großen ­
  Anklang  fand.  Trotz  alldem  blieben  beträchtliche ­
  Mengen  unverkauft,  weil  die  Auflage  viel  zu
groß  war.  Die  Postverwaltung  mußte  daher  einen
Großteil  vernichten,  und  erst  seither  sind  diese
Marken  bei  gebesserter  Nachfrage  im  Sammlerwert
gestiegen.  Das  Jahr  1924  brachte  eine  sehr  verunglückte ­
  Markenserie  mit  symbolischen  Darstellungen. ­
  Das  Erträgnis  sollte  notleidenden  Künstlern
zufallen,  jedoch  war  das  Interesse  für  diese  Ausgabe ­
  so  gering,  daß  nahezu  die  ganze  Auflage  verbrannt ­
  werden  mußte.  1926  erschien  die  „Nibelungen“-Serie,
  die  auch  heute  noch  im  Kurs  ist  und
guter  Nachfrage  begegnet,  jedoch  sind  auch  von
dieser  Marke  viel  zu  große  Mengen  angefertigt
worden.
Nach  einer  Pause  von  zwei  Jahren  geht  nun  die
Postverwaltung  daran,  neue  Wohltätigkeitsmarken
            
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