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Seite : 16 Intern a t i o n a I e S a m m 1 e r - Z e i t u n g.
Die größte Dißfiotfiek Südamerikas.
Wie schon uns in der vorigen Nummer gemeldet
wurde, hat der argentinische Kunstfreund Professor
Dr. Quesada in Buenos Aires seine berühmte Privat
bibliothek der preußischen Staatsregierung als Basis
für ein Südamerikainstitut in Berlin geschenkt. Da
mit gelangt die größte Privatbibliothek Südamerikas
in den Besitz Preußens. Sie besteht aus nicht weniger
als 8 1.7 7 4 Bänden und umfaßt alle Geisteswissen-
ächaften.
Die Quesada-Bibiiothek ist das Werk zweier
Menschenleben: Vicente G. Quesadas und seines
Sohnes Ernesto.
Vicente G. Quesada begann mit dem Sammeln
um 1853, also zu einer Zeit, da es noch möglich war,
durch persönliche Beziehungen auch solche Werke zu
erlangen, die, in sehr kleinen Auflagen gedruckt,
heute Raritäten sind. An solchen persönlichen Be
ziehungen mangelte es Vicente G. Quesada nicht.
1852 Legationssekretär in Bolivien, war er von 1854
bis 1861 Nationaldeputierter für die Provinz Cor-
rientes im Kongreß zu Parana. Danach leitete er
1861 — als Direktor und Herausgeber zunächst die
..Rcvista del Parana“, sodann — von 1863 bis 1871 —
die „Revista del Buenos Aires“. Letztere, ein biblio
graphisches Unikum, ist in der Quesada-Bibiiothek
aufbewahrt, während viele Jahre später die 25 Bände
nochmals verlegt wurden. Von 1871 bis 1877 war
Vicente G. Quesada Leiter der heutigen National
bibliothek, 1877 Minister des Innern; von 1878 bis
1882 war er Deputierter für die Provinz Buenos Aires
im Nationalkongreß — während welcher Zeit er, von
1882 bis 1883, die „Nueva Revista de Buenos Aires“
leitete, — 1883 ging er als Gesandter Argentiniens
nach Brasilien. Danach blieb er bis zu seiner Pen
sionierung in seinem 72. Lebensjahre in diplomati
schen Diensten in Washington, am Vatikan, in Madrid
und Berlin. Alle diese Tätigkeiten brachten ihn, der
selbst literarisch intensiv tätig war, in engste Ver
bindung mit der intellektuellen Welt jener Zeit.
Als Vicente G. Quesada in den diplomatischen
Dienst überging, übergab er seinem einzigen Sohne
Ernesto mit der Leitung der „Nueva Revista de
Buenos Aires“ — die dieser von 1883 bis 1885 fort
setzte — auch seine ganze Bücherei. Ernesto Que
sada, der die Neigungen und Interessen seines Vaters
voll teilte, baute die väterliche Bibliothek im gleichen
Geiste weiter auf.
Auch seine Berufe kamen der Bibliothek zustat
ten: 30 Jahre lang Richter, davon 12 Fiscal de Ca
mera, Generalstaatsanwalt, Professor der Soziologie
an der Universität Buenos Aires, Professor der Na
tionalökonomie an der Universität La Plata, Autor
von 160 eigenen Arbeiten, Mitglied aller wichtigen
Körperschaften des wissenschaftlichen Südamerika
und einer Reihe solcher in Europa und Nordamerika
— so konnte er fast noch besser als sein Vater syste
matisch seine Bücherei vervollständigen, wobei er
einen beträchtlichen Teil seines Vermögens opferte.
So sammelte er — beispielsweise — die Veröffent
lichungen aller südamerikanischen Universitäten von
ihren Anfängen an.
Nordamerika, wo das intensive Verständnis für
derartige Werkzeuge der Geistesarbeit früher er
wachte, bewarb sich bald um die Quesada-Bibiiothek.
Quesada fühlte sich verpflichtet, von den — übrigens
ebenso vorteilhaften wie ehrenden — Angeboten der
Präsidentschaft der Universität Buenos Aires Mittei
lung zu machen, umsomehr als im Testament seines
Vaters der Wunsch ausgesprochen war, die Bücherei
einem argentinischen wissenschaftlichen Institut zu
gänglich zu machen. Die aber zurzeit bei den in
Betracht kommenden Kreisen noch herrschende In
teresselosigkeit und die damit verbundene Gefahr,
daß die Bibliothek im Falle seines plötzlichen Todes
der Auflösung verfallen könnte, gaben Quesada freie
Hand, seine Bibliothek derjenigen Stelle zu über
weisen, von der er für die Zukunft die beste Ver
wendung erhoffen durfte. Diese Stelle sah er in dem
geplanten deutsch - südamerikanischen Institut in
Berlin.
Professor Quesada, der in zweiter Ehe mit einer
Deutschen, der jüngsten Tochter des Düsseldorfer
Malers Heinrich Deiters, verheiratet ist, beabsichtigt,
sich nach Spiez in der Schweiz zurückzuziehen, um
dort in Ruhe die nachgelassenen Memoiren seines
Vaters — 30 Bände — zu redigieren.
Die Sammfung ßRnna Sofdscßmidt.
Im Nachstehenden beschließen wir die Ergebnisse
der Auktion Anna G o 1 d s c h m i d t (Wien), die bei
Rudolph Lepke in Berlin durchgeführt wurde. (Preise
in Mark.)
Porzellan, Palissyarbeiten, Majoliken etc.
509 Der Krieg, Meißen 1767 660
510 Der Herbst, Wien um 1760 270
511 Große Wiener Rundgruppe, 2. H. 18. J. 500
5:12 Der Frühling, 2. H. 18. J. 620
513 Die unsaubere Köchin, Frankenthal um 1760 510
514—516 Kamingarnitur, Meißen, 18. J. 6000
517—518 Ein Paar Stierhatzgruppen, 18. J. 900
521—522 Ein Paar Flußgötter, Meißen, 18. J. 1120
523 Große Wiener Schäfergruppe 200
524 Europa auf dem Stier, Wien um 1760 500
525 Der Herbst, Wien, 2. H 18. J. 360
526 Komödiantengruppe, Bucn Retiro, 18: J. 250
527 Der Puppendoktor, Wien, 2. H. 18. J. 460
528 Große Sevres-Gruppe „Le bon Vieilard“ 185
529 Sitzende Gärtnerin, Meißen, 18. J. 340
530 Die sog. Leopoldsgruppe, Wien 2. H. 18. J. 350
531 Desgleichen HO
532 Große Wiener Rundgruppe, 2. H. 18. J. 500.
533 Bronzeverg.Doppelleuchter, Meißen, 18. J. 460
534 Der Kapellmeister der Affenkapelle, Meißen, 18. J. 290
535 Ludwigsburger Liebesgruppe um 1770 340
536 Der Winter, Wien um 1755 200
537 Amphitrite auf Delphin, Wien um 1755 1700
538 Angeschirrter Schimmel, Meißen, 18. J. 120
539—540 Traubenverkäufer und Kastanienverkäuferin,
Wien um 1770 185
541 Der Guckkastenmann, Wien 225
542 Die Malerei, Wien, 2. H. 18. J. 135
543 Stehender Chinese, Meißen 18. J. 90
544 Der Herbst, Wien, 2. H. 18. J. 75
545 Melpomene, Meißen, 18. ,J. 90
546 Stehende Dame, Frankenthal um 1770 165
547 Apollo, Meißen, Mitte 18. J. 100
548 Wiener Biscuitgruppe, Zwei geflügelte, Genien, 1814 115
549 Meißner Tintenzeug um 1840 60
550—552 Drei Wiener Miniaturväschen um 1760 30
553 Die Tricktrackspieler nach Ostade, Meißener
Porzellanbild 58
554 Meißner Bonbonniere 170
555 Tonvase mit Lackbemalung 190
556—557 Zwei ital. Majoliken (Urbino-Teiler 16. J.,
Castelli-Schälchen, 18. J. 210
558 Italien. Majolikavase '45
559 Franzos. Biskuitmedaillon, 18. J. 60