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Internationale Sammler-Zeitung.
Nr. 2
VERSCHIEDENES.
(Ausstellung von Glückwünschen k.ii n s t -
1 e r i s c h e r Art.) Aus Salzburg schreibt man uns: Das
Salzburger Museum Carolino Augusteum, das in den letzten
Jahren die Festzeiten zu Weihnachten, Ostern und im Sommer
immer zu Ausstellungen benützt, hat soeben eine reizvolle
kleine Ausstellung von Glückwünschen künstlerischer
Art eröffnet: köstliche Altwiener Neujahrswünsche aus
dem Wiener Stadt-Museum, ehrwürdige Stammbücher mit
vielen frommen Wünschen zum Teil noch aus dem 17. Jahrhundert
—; aus eigenem Besitze, humorvolle Hochzeitsanzeigen,
Namenstags-, Geburtstagswünsche und Geburtsanzeigen.
Darunter auch Moderne, von Prof. Alois Kolb und Maler
Ferdinand Staeger (München), Radierungen seltener Art,
weil zumeist gar nicht im Handel erschienen; von den Medailleuren,
so von H a r t i g und Taiitenhayn Bronzeplaketten
als eigenartig wertvolle Neujahrswünsche. Nicht zu
übersehen eine ganze Sammlung gedruckter, plakatartig
großer Neujahrswünsche der Alt-Salzburger Rauchfangkehrer,
Theaterzettel-Austräger usf. aus der Biedermeierzeit.
(Tod bekannter Sammler.) In Wien ist der
Rechtsanwalt Doktor Herbert Lenzer gestorben, der als
Sammler bekannt war. Dr. Lenzer sammelte unterschiedlich
Bilder und Kunstgegenstände.
(Julius Basch.) In Baden bei Wien ist der Maler
Julius Basch im Alter von 77 Jahren gestorben. Wieder
ist einer aus der Benczurgarde zur großen Armee abgerückt.
Hin Künstler von nobler Denkart, ein Maler, der die Kunst
nicht bloß ausübte, sondern sich für sie begeisterte. In seiner
Jugend war Basch Ingenieur, aber bald wandte er sich ganz
der Kunst zu, lernte in München und in Paris. In der französischen
Hauptstadt war die Ecole des beaux-arts seine Schule,
auch Franz Paczka und Leopold Horovitz waren seine Lehrmeister.
Mit seinen Genrebildern machte er sich bald einen
Namen. Er gehörte zu den beliebtesten Malererzählern. Das
Gemälde „Sühne“, das er vor einem Vierteljahrhundert ausgestellt
hatte, ist vom Museum der bildenden Künste in Paris
erworben worden. Von seinen biblischen Gemälden ist das
Bild „Iairus’ Tochter“ auch durch Reproduktionen volkstümlich
geworden. Eine Reihe von Bildnissen zeugt von seiner
Anhänglikeit an die Schule, die er bei Meister Horowitz durchgemacht
hatte. Das Max-Falk-Bildnis und das Porträt David
Poppers bewahren seinen Ruf als Porträtmaler.
(Muß eine Au k t i o n s h a. 11 e versichern?)
Diese Frage wurde dieser Tage in einem Prozeß aufgeworfen,
der in Czernowitz (Bukowina) sich abspielte. Ein leitender
Beamter einer Versicherungsgesellschaft übergab einer
privaten Auktionshalle, die ohne in irgend einem Zusammenhang
mit dem Wiener Dorotheum zu stehen, sich Dorot
he u m nennt, einen Pelz zur freiwilligen Versteigerung. Er
nahm an, daß auch in Czernowitz, wie im Westen überall,
alle Depotgegenstände gegen Feuer und Einbruch versichert
sind, mußte aber zu seinem Schaden erfahren, daß er in
einem Irrtum befangen war. Als nämlich kurz darauf in der
Auktionshalle eingebrochen wurde und allerlei Wertgegenstände,
darunter auch sein Pelz, den Gaunern in die Hände
fiel, lehnte die Auktionshalle jede Schadensgutmachung ab.
Die Inhaberin, eine Frau Helene Mayer wendete ein, daß
keine Versicherungspflicht für deponierte Gegenstände bestehe
und das Bezirksgericht schloß sich dieser Anschauung
an und wies den Kläger mit seinen Ansprüchen ab. Natürlich
ist. dies noch nicht das letzte Wort in-der Angelegenheit, denn
der Kläger hat gegen das seltsame Urteil berufen, so daß sich
die höhere Instanz damit befassen wird.
(G o b e 1 i n f u n d in T o u r n a y.) Wie uns aus Brüssel
gemeldet wird, sind in Tournay auf dem Boden des
Rathauses fünf Gobelins von großem Wert gefunden
worden. Sie lagen dort unter altem Gerümpel. Vier dieser
Teppiche sind ausOudenarde und stellen Landschaften dar, der
fünfte ist das Bild einer Fcldschlacht. Die Wiederherstellung
wird auf 50.000 Francs geschätzt, eine Summe, die sehr gering
ist gegenüber dem Millionenwert der Funde.
(Ein Vermächtnis Stoschs an Kardinal
Albani.) Eine der bemerkenswertesten Erscheinungen im
Verkehr zwischen Deutschen und Italienern ist die langjährige
vertraute Freundschaft des berühmten Sammlers Philipp
v. St ose h und des Kardinals Alcssandro Albani. Begründet
auf der gemeinsamen Verehrung für die Kunst des Altertums
hat sie, niemals gestört durch Wechselfälle der Politik
oder durch die Verschiedenheit des religiösen Bekenntnisses,
auch nicht unterbrochen durch die räumliche Trennung, mehr
als 40 Jahre lang zwei AJänner von verschiedenem Volkstum
verbunden. Den Neffen des Papstes Klemens XL, seit 1721
selbst Kardinal der Sancta Roinana Ecclesia, hat es in seiner«
Gewissen nicht beunruhigt, daß sein Freund nicht nur ein protestantischer
Ketzer war, sondern gar als Atheist galt. Hat
doch der Maler Pierleone G h e z z i, der auch zu Stoschs römischem
Freundeskreis gehörte, diesen auf einer seiner Zeichnungen
als ateo bezeichnet und an einer andern Stelle die
Vermutung ausgesprochen, er sei wegen seiner irreligiositä
aus Rom verwiesen worden. Und waren doch in Florenz, wo
Stosch seit 1731 lebte, seine Abendunterhaltungen als ein
antichristlicher Klub verschrien. Der von antiker Humanität
erfüllte Kardinal ließ sich durch kirchliche Vorurteile nicht
beirren. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet ist sein
Freundschaftsverhältnis zu Stosch zugleich ein schönes Einzelzeugnis
für die das 18. Jahrhundert kennzeichnende religiöse
Duldsamkeit im beschämenden Gegensatz zu dem kirchlichen
Hader und der konfessionellen Absperrung unsrer Zeit. Wenig
bekannt und vielleicht völlig vergessen ist es, daß in der Antikensammlung
der Villa Albani zu R o m sich ein künstlerisches
Denkmal der Freundschaft des katholischen Kirchenfürsten
und des preußischen „Atheisten“ befindet. In dem Zimmer der
Terrakotten des Hauptgebäudes der Villa Albani, wo auch das
aus dem Besitz Winckefmanns stammende Bacchusrelief aufgestellt
ist, hat ein mit Nr. 164 bezeichnetes Relief aus
rotem Mar m o r Platz gefunden, welches die antiken Vorläufer
der Flugtechnik Dädalus und Ikarus darstellt.
Der sonst mustergültige Führer durch die klassischen Altertümer
Roms von Wolfgang H e 1 b i g gibt zwar an, daß dieses
Kunstwerk im Königreich Neapel gefunden worden ist, erwähnt
aber nicht seine Herkunft aus der Sammlung Stoschs.
Tatsächlich ist es ein Geschenk, der letzte Freundschaftsgruß,
den der preußische Baron von seinem Sterbelager dem Kardinal
sandte. Sie haben seit Stoschs Uebersiedlung nach Florenz
einen lebhaften brieflichen Verkehr unterhalten, erst im letzten
Lebensjahr des Barons führte sein Neffe Muzell-Stosch für
ihn die Feder. Derselbe meldete gleichzeitig mit der Nachricht
von dem am 6. November 1757 erfolgten Tod des Oheims
dem Kardinal, daß der letzte Wille des Verstorbenen als Zeugnis
der langjährigen Freundschaft, dem Kardinal ein Basrelief
von rotem ägyptischen .Marmor, darstellend Dädalus und
Ikarus, vermacht habe. Schon Ende Dezember konnte der
Neffe dieses Vermächtnis an den Kardinal senden, der es
seiner Sammlung einverleibt hat.
(Fund einer Bronzestatue i m V o g 11 a n d.)
In der Nähe der weltbekannten. Musikinstrumentenstadt
Markneukirchen fand man beim Umgrab'en eines mit
Kiefern, Heidekraut, und Farnkräutern bestandenen Hanges in
der Tiefe von 50 Zentimeter eine kunstvoll gearbeitete Figur
aus sehr guter Goldbronze im Gewicht von 390 Gramm. Die
auf der ganzen Statue lagernde dunkle Patina zeugt für das
hohe Alter des Fundstückes. Bei 12 Zentimeter Gesamtlänge
entfallen 6 Zentimeter auf die Gesichtspartie, deren Physiognomie
mit den vollen Wangen, fast geschlossenen Augenlidern,
hochgeschwungenen Augeribrauenbogen und schön gewölbten
Lippen ein jugendlich weibliches Ideal ergibt. An der
Seite fallen die Haarflechten bis auf die Schulterpartie herab.
Der diademartige Kopfschmuck besteht aus einem mit mystischen
Zeichen versehenen Mittelstück und seitlich sich anschließenden
Lotosranken und -blüten. Fünf Blätter strahlen
nach außen hin, ähnlich der Strahlenkrone des Dionysos oder
Helios. Auf der etwas beschädigten Rückseite hat der Künstler
die strähnige Haarfülle durch eingegrabene Rillen angedeutet.
Am Hals, wo das Gewand ansetzt, finden sich fein
ziselierte Perlen. Die Grundlinien der hohlgearbeiteten Figur
sind nicht glatt, sondern zackig, woraus hervorgeht, daß das
Stück von dem übrigen Zubehör mit einiger Gewalt abgebrochen
wurde. Allem Anschein nach bildete die Figur mit
ihrem orientalischen Gepräge einst den Griff eines Bronzeschwertes.
Möglicherweise rührt die Statue von römischen
Handelsleuten her, die sich in Scharen am Hofe des Markomannenkönigs
Marbod (9 v. Chr.) in Böhmen aufhielten.
Römische Handelsartikel in Form von Grablampen und Messern,
auch Münzen sind bereits früher in der Umgebung gefunden
worden. Zu dem hier geschilderten Fundstück ließ
sich bisher in der bekannten Literatur keine Parallele finden.
MUSEEN.
(Historisches Museum der Stadt Wie n.) ln
zwei von den der bildenden Kunst gewidmeten Sälen des
Historischen Museums der Stadt Wien wurde eine Neuaufstellung
vorgenommen. Entsprechend den Raumverhältnissen erfolgte
die Anordnung nach historischen Gesichtspunkten, wobei
naturgemäß die in der Altwiener Malerei stark hervortretenden
Richtungen, das Miniatur- und Aquarellporträt, sowie.
die Vedutenmalerei besonders betont wurden. Vorlagcblätter
der einst reich entwickelten Blumenmalerei leiten zum
Kunstgewerbe über, das in diesem Raum in zwei Vitrinen mit
Altwiener Porzellan zur Schau gestellt wird.
(Vom Wagner Museum in Bayreuth.) Die
Familie des ehemaligen Erbauers der Villa Wahnfried Karl
Wölfel hat dessen gesamten Nachlaß an Wagner-Erinne-