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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Nr. 22
dom nicht los wurden! Wenn das Bild am festgesetzten Tage
der Zahlung unserem italienischen Vertreter verweigert und
sofort von dem kurz vorher erschienenen Principe Giovanelli
erstanden wurde, so beruhte das wohl auf einer anderen,
durchaus patriotischen Intrige. Der bekannte Kunsthistoriker
Senator Morelli hatte von dem Verkauf des Bildes an die
Berliner Galerie erfahren und sich an den sehr reichen ve
nezianischen Sammler Giovanelli gewandt, um ihn zum
Ankauf der Giorgione zu bewegen; das sei eine patriotische
Lind zugleich sehr vorteilhafte Tat, da das Bild eins der schön
sten der Welt sei. Daß unser Vertreter, ein Italiener, erst
vier Stunden nach der festgesetzten Stunde erschien, war wohl
auch nicht bloß die Schuld des Grafen Usedom!"
MUSEEN.
(Der Schreibsekretär Schuberts im Schubert-Museum.)
Die in London wohnende Großnichte Franz Schuberts, Frau
Karola Geißler-Schubert, hat den Wiener städtischen
Sammlungen einen Schreibsekretär aus dem Nachlaß ihres
Großvaters und des Bruders Franz Schuberts für das Schubert-
Museum der Stadt Wien gespendet, Nach mündlicher Ueber-
lieferung in der Familie und Nachkommenschaft Ferdinand
Schuberts pflegte Franz Schubert den Sekretär bei seinen
Arbeiten zu benützen und seine Manuskripte darin aufzube
wahren.
(Das Weinmuseum in Klosterneuburg.) Wir werden vom
Verein »Oeslerreichisches Weinmuseum in Klosterneuburg« um
Aufnahme folgender Zuschrift ersucht: Am 11. Oktober fand
in Klosterneuburg die vorläufige Zusammensetzung des
geschäftsführenden Kuratoriums des Vereines »Oesterreichi-
sches Weinmuseum in Klosterneuburg« statt. In dieser wurde
der Bürgerineiter der Stadt Klosterneuburg, Kommerzialrat
Josef Schömcr, zum I. Vorsitzenden gewählt. Nach dieser
Wahl .begrüßte der I. Vorsitzende die Erschienenen, u, a. be
sonders den Bezirkshauptmann von Tulln Landesoberregierungs
rat Dr, Bruno Schuppler. Hierauf erfolgte die Wahl des
Herrn Dr. Dworschak zum wissenschaftlichen Leiter und
des Herrn Prof. Ing. Stefl zum Sekretär. Als Schatzmeister
wurden Stifskellermeister Paulus S. Paur und Weingroß-
händler Gustav S c h m i d 1 von Klosterneuburg gewählt.
Außerdem erfolgte die Wahl von zwölf Beisitzern. Es wurde
sonach der Entwurf der Statuten durchberaten, diese richtig-
gestellt und der Beschluß zur Einreichung derselben gefaßt.
Begrüßt wurde der vom Chorherrnstifte Klosterneuburg
für das zu mietende Objekt vorgelegte entgegenkommende
Vertrag. Anfragen wegen Mitgliederwerbung und Spenden
wurden dadurch erledigt, daß die Anmeldungen als Mitglieder
und Uebermittlung von Spenden als auch von Ausstellungs
gegenständen an das Bürgermeisteramt der Stadt Klosterneu
burg zu erfolgen habe und stellt das geschäftsführende Kura
torium an alle, die mit dem Weinbau oder dem Weinverkehr
in irgend einem Zusammenhänge stehen, die dringende Bitte,
zur Erhaltung dieses österreichischen Weinmuseums, das das
gesamte Bundesgebiet Oesterreichs umfaßt, um weitestgehende
Unterstützung. Der Beitrag wurde für ordentliche Mitglieder
mit S 2,— pro Jahr, für Stifter mit einem einmaligen Beitrag
von S 100.— oder einem jährlichen Beitrag von S 10.— fest
gesetzt. Zur Mitgliederwerbung liegen bereits Eintrittsscheine
auf und wird ersucht, selbe beim Bürgermeisteramt der Stadt
Klosterneuburg zu beanspruchen.
VOM KUNSTMARKT.
(Eine neue Schidloi-Auktion im Dorotheum,) Das Auk
tionshaus Leo S c h i d 1 o f, welches seit seiner letzten Wiener
Auktion im Frühling d. J., sein neues Pariser Heim 61,
avenue Victor Emanuel, der Hauptverbindungsader zwischen
Faubourg St. Honore und Champs Elisees bezogen hat, ver
anstaltet wieder einmal eine Versteigerung in Wien, Dieselbe
erstreckt sich auf eine relativ kleine Anzahl von Nummern
-und nimmt nur einen Nachmittag in Anspruch, besteht jedoch
aus gewähltem und vielfach international interessantem Ma
terial,
Den Anfang machen die Hand Zeichnungen des
16. bis 19. Jahrhunderts, unter denen ein signiertes Werk von
Franpois Boucher hervorragt. Unter den Gemälden
ist das älteste Stück eine um 1550 anzusetzende Predigt des
heil, Johannes aus dem Kreise des Abel Grimmer, dann
folgen eine größere Anzahl alter Niederländer, darunter zwei
vorzügliche Slilleben von Pieter C1 a e s z, die große Kirche
in Haarlem von Berckheyde, Gesellschaftsszenen von An-
tonis Palamedesz, Dirk Hals und Richard Braken-
b u r g, ferner Landschaften von Th. Mans, Vickebooms,
de Vree, Drooch-Sloot und anderen.
Unter den Gemälden des 19. Jahrhunderts wollen wir
nur die Namen Bürkel, Delaroche, von Herkomer, Heyn, Ro-
mako, Ten Kate, Willems und Zoppi erwähnen. Den Schluß
der Versteigerung bildet eine kleine Sammlung von Minia
ture n, darunter eine Dose mit den Lilien von Frankreich,
geziert mit einer Miniatur von Isabey.
Die Versteigerung findet unter Leitung des Herrn Leo
Schidlof am 22. November in der, Kunstabtei-
lung des Dorotheum s statt und ist daselbst vom 17.
bis 21. November zu besichtigen.
(Die Sammlung Hammerschmidt in Bonn.) Vom 4, bis
7. Dezember versteigert das Kunstauktionshaus Math. L e m-
pertz in Bonn die Sammlung des Geh. Kommerzialrates
Hammerschmidt (Bonn). Diese Sammlung hat ihr
Schwergewicht in den Objekten des 18, Jahrhunderts; Fran
zösisches, deutsches und russisches Porzellan, Bildnismmia-
turen und Gläser. Sie enthält viel bemerkenswertes Ge
schirrporzellan von Sevres, Vincennes, St. Petersburg, Meissen,
geschliffene Gläser, ferner Emiailgläser des 17. Jahrhunderts etc.
Unter den vorzüglichen Bildnisminiaturen befinden sich hollän
dische Miniaturisten des 17., und deutsche und französische
Miniaturisten des 18. und 19. Jahrhunderts. Bei den, Möbeln
bemerkt man einen reich geschnitzten Kölnischen Ue’berbau-
schmuck um 1600, der ehedem eines der Hauptstücke der
Kölner Sammlung! T h e w a 11 war. Hervorzuheben sind fer
ner die fünf Barock-Sandsteinfiguren, die früher im Schloß
park von Sanssouci gestanden haben.
Die Bestände der Oelgemälde betonen stark das 19. Jahr
hundert; hier findet sich manches gute Stück Alt-Münchener
Kunst, daneben eine Anzahl russischer Bilder der gleichen
Epoche, sowie mehrere alte Niederländer.
(Versteigerung bei Bangel.) Bei der am 17. Oktober im
Kunstauktionshaus Rudolf Bangel in Frankfurt a. M.
abgehaltenen Versteigerung wurden folgende nennenswerte
Preise (in Mark) erzielt:
1 A n g e 1 i s, Marktszene 1600
10 B e 11 o t t i, Männerkopf 700
21 und 22 B o u d i n, Am Strand, Gegenstücke 1350
38 C o r i n t h, Weiblicher Rückenakt 3200
41 Corot, Landschaft bei Ville d'Avray 14000
44 Courbet, Gänsehirtin 3600
44a Ders,, Lagerndes Wild 2900
48 D a u m i e r, Straßenmusikanten 13500
52 Defregger, Dirndl 2300
53 Degas, Frau in rosafarbenem Kleid, Pastell . . . 1700
54 Ders,, Stehende Frau 3000
75 D u g h e t, Idyll. Landschaft 1550
88 Ans, Feuerbach, Bildnis eines jungen Mädchens 5200
94 Franz F 1 o r i s, Petri Fußwaschung 2700
133 Hoogstraaten, Mädchenbildnis 1500
159 L e b o u r g, Seine-Landschaft 2700
164 Lenbach, Mädchenbildnis 2500
216 Pissarro, Landschaft mit Staffage 3000
222 Renoir, Landschaft bei Cagnes 4000
233 Ed, Schleich sen., Bayerische Seelandschaft . 1400
236 Scholderer, Der Fischhändler 1200
241 Chr. G. Schütz d. J„ Phantasie-Landschaft . . . 1100
251 Steinhausen, Main hei Würzburg 1400
259 und 260 T e n i e r s, Zwei Bauernstuben, Gegenstücke 1500
264 Thoma, Bauernhaus im Winter 3300
269 T r ü b n e r, Garten am Starnberger See 6200
270 Ders., Lichtentaler Allee 2600
292 und 293 Van der Werft, Ein Herren- und ein
Damenporträt 3300
(Sammlung Eugen Deter.) Die Galerie H e 1 b i n g in
München veranstaltete vom 11, bis 15. Oktober die Ver
steigerung der von uns gewürdigten Sammlung Eugen Deter
(Berlin), wobei folgende Preise (in Mark) erzielt wurden.
2 Benedikte r, Innenraumstudie 650
7 Buchholz, Inneres eines Laubwaldes 550