Nr. 23
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Seite 231
«ftlederne Werke aus der Jlenaissance~%eit.
Aus Mailand wird uns geschrieben:
Enthüllungen umfassender Mystifikationen ausländischer
Museen und Kunstliebhaber haben in
der italienischen Sammlerwelt größtes Aufsehen
und Entrüstung hervorgerufen. Dem „Corriere
della Sera“ zufolge, haben die Antiquitätenhändler
F a s o 1 i in Rom, B a 11 o n i und Dr. Moll in Venedig
zahlreiche Arbeiten des in Rom lebenden
Bildhauers Algeo Dossena, den sie vor einigen
Jahren in ihre Dienste genommen hatten, als Werke
toskanischer Meister der Renaissance für viele Millionen
in das Ausland verkauft, wo sie im Glauben
an ihre Echtheit die Bewunderung angesehener
Kunstkenner fanden und seit Jahren sogar in einigen
Museen zur Aufstellung gekommen sind.
So wurde ein V ecchiotta zugeschriebenes
Werk für eine Million Lire einem Kunstliebhaber
angehängt, ein Sarkophag, als dessen Urheber Mino
da F i e s o 1 e ausgegeben wurde, für Millionen an
das Museum in Boston verkauft. Eine Gruppe
altgriechischen Stils ging an das Museum von München,
wo sie noch ausgestellt ist, und eine Statue
griechischen Stils an das Museum von New York.
Eine dem Meister Giovanni P i s a n o zugeschriebene
Holzstatue der „Madonna mit dem Kinde“ wurde
an ein Museum in Cleveland verkauft.
Durch diese Erfolge kühn gemacht, gaben die
Antiquitätenhändler weitere Arbeiten des geschickten
Bildhauers sogar als Werke Donatellos aus
und brachten auf einem Vasenrelief sogar den Namen
dieses Meisters an.
Die Händler hatten ihren Käufern die Echtheit
der Werke dadurch glaubhaft gemacht, daß sie ihnen
erklärten, es sei ihnen nicht möglich, die historische
Herkunft der Statuen zu dokumentieren, da sie aus
heimlichen Ausgrabungen einer verschütteten Abtei
in der Nähe des Monte Amiato stammten. In diese
Abtei seien die Werke während des Baues des herrlichen
Domes von Siena gekommen, an dessen Ausstattung
Künstler der Renaissance mitwirkten. Später
habe ein Erdbeben das einsame Kloster begraben
und erst in jüngster Zeit habe ein büßender
Geistlicher, Don Mario, bei seinem Studium in
einer Klosterbibliothek die Geschichte und den Plan
der Abtei sowie ein Verzeichnis ihrer Kostbarkeiten
entdeckt. Er habe Ausgrabungen in aller Eleimlichkeit
vornehmen lassen, um zu vermeiden, daß die Regierung
und Sammler davon Kenntnis erhielten, und
um diese Kunstschätze zum Wohle der Kirche für
einen schönen Erlös ins Ausland verkaufen zu können.
Der geriebene Schwindler wußte mit der eindringlichen
Bitte um Geheimhaltung dieser Geschichte
seine Abnehmer von der antiken Herkunft
seiner Skulpturen zu überzeugen.
Der wahre Ursprung der Skulpturen wurde erst
entdeckt, als der Sohn des Direktors der römischen
Kunstakademie letztes Frühjahr zufällig vor dem
Atelier des Bildhauers Dossena zur Nachtzeit das
Verladen der Statuen auf einen Lastwagen beobachtete,
die nach Florenz bestimmt waren. Er unterrichtete
einen befreundeten Antiquitätenhändler von
Florenz von seiner Wahrnehmung und dieser benützte
gern die Gelegenheit, um den Antiquitätenschwindel
seines Konkurrenten aufzudecken. Die
Leiter der geschädigten amerikanischen Museen
sandten sofort eine Kunstkommission mit Detektivs
nach Italien, um die Herkunft der Statuen zu erforschen,
aber vergeblich. Dann suchten diese Leute
im Gebiete des Monte Amiato nach der ausgegrabenen
Abtei. Der Bildhauer in Rom aber empfing
keine Besuche und verweigerte jede Auskunft, so
daß die amerikanische Untersuchung ergebnislos
verlief.
Dossena hatte von der wahren Verwendung
seiner Werke keine Ahnung, Ihm wurde als Grund
der Bestellungen angegeben, diese Statuen seien für
eine amerikanische Kirche bestimmt, die im toskanischen
Renaissancestil ausgestattet werde. Mit
seinen Auftraggebern liegt er im Rechtsstreit, da sie
ihm für seine Arbeiten insgesamt zwei Millionen Lire
versprochen hatten, aber bis jetzt kaum mehr als
ein Viertel davon bezahlten. Als ein Werk, das als
Madonna Donatellos aufgegeben war, von der
Galerie F r i c k in New York abgelehnt wurde, weil
es nicht dokumentarisch belegt werden konnte, ließen
die Auftraggeber dem Bildhauer keine Zahlungen
mehr zukommen.
Die Sammlung Stoperan.
Bei der Versteigerung der Sammlung Th. Stoperan
durch Paul Gi'aupe in Berlin (siehe
Nr. 22) wurden weiters folgende Preise (in Mark)
erreicht:
Graphik,
202 B a r i a c h, Der tote Tag 55
245 C a m e r o n, Rue St. Julian 205
249 Cezanne, Badende 300
250 Derselbe, Badende Soldaten 520
254—264 Corinth 15—70
265 Corot, Environs de Rome 140
266—302 T/aumier 15—60
337 Gaul, Trinkende Tiere _ 700
366 G a v a r n i, Rustic groups of figures 125
367 Derselbe, Les Toquades 300
380 Goya, Los Caprichos 300
381 Derselbe, Los Desastres 200
383 Derselbe, Los Proverbios 300
424 K 1 i n g e r, Vom Tode 300
427 Derselbe, Das Zelt 800
431—450 Kollwitz 9—41
475 Legrand, Les petites du Ballet 120
478 Derselbe, Bilder zu Gedichten 650
485 L e p e r e, Cathedrari d’Amiens 400
486 Derselbe, Windmühle 345
497 Liebermann, 6 Bl. Or. Kaltnadelradierungen . . 355
499 Derselbe, Lesendes Mädchen 120
501 Derselbe, Badende Knaben 120
539 36 Zeichnungen zu Goethes „Mann von 50 Jahren" . 120
552 iM a n e t, Berthe Morisot 155
578 Meid, 20 Radierungen zur Bibel 280
602 Munch, Ibsen am Fenster im Cafe 185
603 Derselbe, Potsdamer Platz 105
604 Derselbe, Weiblicher Akt 110
605 Derselbe, Kartenspielende Frauen 105
607 Derselbe, Fußbad 100
610 Derselbe, Alpha und Omega 200
647 Picasso, Pauvre Menage 310
663 Rodin, Dix dessins 150
709 S 1 e v o g t, 57 Steinz. zu ;,Dre Inseln Wak Wak” . . 450
710 Derselbe, Die Inseln Wak Wak 200
755 Toulouse-Lautrec, Au moulin rouge 185
756 Derselbe, Carnot malade 130
757 Derselbe, Pauvre Pierreuse 125
762 Derselbe, Polin 105
764 Derselbe, La passagere 120
791 Whistler, Fishing boat 700
811 Zorn, Max Liebermann 350
812 Derselbe, Der Omnibus 2300
813 Derselbe, Gammal Ballad II 600