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Seite 238 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 24 
Der Jiltarbilderraub 
Aus Nürnberg wird uns geschrieben: 
Der Aufsehen erregende Raub zweier wertvol 
ler Altarbilder auf der Cadolzburg im Februar die 
ses Jahres wird demnächst vor dem Erweiterten 
Schöffengericht des Amtsgerichtes Fürth sein ge 
richtliches Nachspiel finden. Sensationell ist dieser 
Fall nicht nur, weil die damals gestohlenen, aber 
glücklicherweise bald wiedergefundenen Bilder 
einem Schüler Dürers zugeschrieben werden, 
sondern weil zu den jetzt unter Anklage stehenden 
Tätern als Hauptangeschuldigter der Sohn des Ge 
heimrats L i p p m a n n, des ehemaligen Direktors 
der Königlichen Museen in Berlin, gehört. Mit ihm, 
der als Kunsthändler in Berlin tätig war, werden 
sich zwei weitere Berliner Kunsthändler namens 
Mayer und Schmidt, ferner ihre drei Helfers 
helfer, die Berliner Kaufleute Graske, Zahn und 
Breitfeld, sowie die Zimmervermieterin Schwarz 
wegen schweren Diebstahls zu verantworten haben. 
Mayer hatte in Erfahrung gebracht, daß sich 
amerikanische Kunstkreise sehr lebhaft für die von 
einem Nürnberger Architekten im Jahre 1926 auf 
der Cadolzburg in Bayern entdeckten Kunstwerke 
interessierten. Es handelt sich um zwei hölzerne 
Altarflügel mit Heiligendarstellungen, die von man 
chen Sachverständigen einem Schüler Albrecht Dü 
rers, von anderen Grünewald zugeschrieben’ und 
sehr hoch bewertet wurden. Mayer soll nun gemein 
schaftlich mit Lippmann und Schmidt in Berlin den 
Plan auf gestellt haben, diese Altarbilder zu stehlen 
und gegen einen hohen Preis nach Amerika zu ver 
kaufen, damit alle drei, die infolge ihres verschwen 
derischen Lebenswandels in finanzielle Bedrängnis 
gekommen waren, sich aus dem Erlös der gestohle 
nen Kunstwerke wieder rangieren konnten. 
In allen Einzelheiten wurde der Raub vorher 
besprochen und die Rollenverteilung vorgenommen, 
Lippmann und Mayer beschafften die notwendigen 
Geldmittel, während Schmidt sich mit berufsmäßi 
gen Einbrechern zur Ausführung der Tat in Verbin 
dung setzte, und zwar vor allen Dingen mit Graske, 
mit dem zusammen er auf der Cadolzburg unter der 
Maske von Kunstsachverständigen die Räumlichkei- 
auf der Cadolzburg. 
ten auskundschaftete. Ausgerüstet mit Geld und 
Einbruchswerkzeug fuhren dann Graske, Zahn und 
Breitfeld am 18, Februar im Kraftwagen von Berlin 
nach Fürth, um dann in der Nacht zum 20. auf der 
Cadolzburg zur Ausführung ihrer verbrecherischen 
Pläne zu schreiten. Unbemerkt kletterten sie über 
die 2.70 Meter hohe Mauer, passierten den beleuch 
teten Burghof und drangen, nachdem sie verschie 
dene Türen erbrochen hatten, in die Burgkapelle, 
von deren Empore sie in den Rittersaal und in den 
anschließenden Gang gelangten, wo, wie sie wußten, 
die Altarbilder aufbewahrt wurden. 
In Berlin nahm Schmidt die beiden Altarflügel, 
die man in Leipzig in einem Handkoffer verpackt 
hatte, in Empfang und brachte sie zu dem in einem 
Hotel wohnenden Lippmann, der zunächst für das 
eine Bild 3000 Mark zahlte, in welche Summe sich 
Graske, Zahn und Breitfeld teilten. Für das zweite 
Bild zahlte er dann 1000 Mark, um schließlich beide 
Kunstwerke zu einem Bildhauer zu bringen, der sie 
aufspalten sollte. Hier wurden dann die Bilder, die 
sich bei der Ausführung dieser Art sehr geworfen 
hatten, von der Polizei nach einigen Tagen beschlag 
nahmt. 
Während die Angeklagten in der Sache selbst, 
nämlich hinsichtlich ihres Zusammenwirkens bei die 
sem Raub, geständig sind, ist zwischen Lippmann, 
Mayer und Schmidt ein wütender Streit darüber ent 
brannt, wem die Urheberschaft des verbrecherischen 
Planes zuzuschreiben sei. Lippmann will wegen 
seiner anormalen Veranlagung in ein gewisses Hörig 
keitsverhältnis zu Schmidt und Mayer geraten sein, 
das angeblich schon seit Jahren bestanden haben 
soll. Diese seine Willensschwäche hab es ihm un 
möglich gemacht, dem Raubplan der beiden ande 
ren Widerstand entgegenzusetzen. Umgekehrt be 
haupten Schmidt und Mayer, daß gerade Lippmann 
der Urheber des Verbrechens gewesen sei und daß 
sie unter seinem Einfluß gestanden hätten. Außer 
dem habe Lippmann sich später in Berlin außer 
ordentlich gefreut, wie ausgezeichnet die Tat ge 
lungen sei. 
Johann JCrahuletz t. 
Eine schmerzliche Kunde kommt aus Eggenburg: 
Wenige Wochen nach der Feier seines 80. Geburtstages 
ist dort der bekannte Sammler und Heimatforscher Pro 
fessor Johann Krahuletz gestorben. 
Als am 3. November die vielen Freunde und Ver 
ehrer des alten Herrn ihm zum 80. Geburtstag gratulier 
ten, ahnte wohl keiner von ihnen, daß die Tage des grei 
sen Gelehrten gezählt seien, denn er war damals noch 
arbeitsfroh und heiter und nichts deutete auf das nahe 
Ende hin. Viele Ehrungen wurden dem Jubilar damals 
bereitet und die Tür seiner stillen Gelehrtenstube stand 
den ganzen Tag nicht still. Viele, viele sind damals zu 
ihm gekommen, um den verdienstvollen Mann und guten 
Menschen ihrer Liebe und Verehrung zu versichern. Und 
der Achtzigjährige durfte sich des Erfolges seiner Arbeit 
herzlich freuen. 
Johann Krahuletz ist 1848 in Eggenburg als Sohn 
eines Büchsenmeisters geboren worden und sollte auch 
seinerzeit das väterliche Handwerk erlernen, zeigte dazu 
aber wenig Lust. Viel mehr Freude bereitete es dem 
aufgeweckten Knaben, sich in der näheren und ferneren 
Umgebung seines alten Heimatstädtchens umzusehen. Mft 
erstaunlichem Spürsinn entdeckte er an Plätzen, an 
denen die Leute achtlos vorbeigegangen waren, manch 
interessantes Objekt, das er sorgsam nach Hause trug. 
So wurde der Grundstock zu seinen Sammlungen gelegt, 
die im Verlauf der Jahre einen solchen Umfang annah- 
men, daß sie in einem eigenen Gebäude, dem „Kräh u- 
letz-Museu m“, untergebracht werden mußten. 
Was ist in diesem Museum alles aufgestapelt an 
Schätzen aller Art! Da gibt es Versteinerungen, Minera 
lien, Gebrauchsgegenstände vorhistorischer Menschen, 
Waffen aus allen möglichen Zeitaltern. Den Forscher in 
teressierte die geologische Gestaltung des Stückes Hei 
materde, darauf er lebte, ihn interessierten aber nicht 
weniger die Lebewesen, die in grauer Vorzeit in diesem 
Gebiete gewohnt hatten, und, vom Forscherglück begün 
stigt, konnte er zahlreiche Ueberreste solcher Lebewesen 
auf finden, Funde, die für die prähistorische Forschung 
von größter Bedeutung wurden. Bald hatte sein Name in 
wissenschaftlichen Kreisen guten Klang, und der For 
scher wurde dadurch geehrt, daß einige der vorweltli 
chen Tiere nach ihm oder seiner Vaterstadt benannt
	        
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