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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Nr. 24
Der Jiltarbilderraub
Aus Nürnberg wird uns geschrieben:
Der Aufsehen erregende Raub zweier wertvol
ler Altarbilder auf der Cadolzburg im Februar die
ses Jahres wird demnächst vor dem Erweiterten
Schöffengericht des Amtsgerichtes Fürth sein ge
richtliches Nachspiel finden. Sensationell ist dieser
Fall nicht nur, weil die damals gestohlenen, aber
glücklicherweise bald wiedergefundenen Bilder
einem Schüler Dürers zugeschrieben werden,
sondern weil zu den jetzt unter Anklage stehenden
Tätern als Hauptangeschuldigter der Sohn des Ge
heimrats L i p p m a n n, des ehemaligen Direktors
der Königlichen Museen in Berlin, gehört. Mit ihm,
der als Kunsthändler in Berlin tätig war, werden
sich zwei weitere Berliner Kunsthändler namens
Mayer und Schmidt, ferner ihre drei Helfers
helfer, die Berliner Kaufleute Graske, Zahn und
Breitfeld, sowie die Zimmervermieterin Schwarz
wegen schweren Diebstahls zu verantworten haben.
Mayer hatte in Erfahrung gebracht, daß sich
amerikanische Kunstkreise sehr lebhaft für die von
einem Nürnberger Architekten im Jahre 1926 auf
der Cadolzburg in Bayern entdeckten Kunstwerke
interessierten. Es handelt sich um zwei hölzerne
Altarflügel mit Heiligendarstellungen, die von man
chen Sachverständigen einem Schüler Albrecht Dü
rers, von anderen Grünewald zugeschrieben’ und
sehr hoch bewertet wurden. Mayer soll nun gemein
schaftlich mit Lippmann und Schmidt in Berlin den
Plan auf gestellt haben, diese Altarbilder zu stehlen
und gegen einen hohen Preis nach Amerika zu ver
kaufen, damit alle drei, die infolge ihres verschwen
derischen Lebenswandels in finanzielle Bedrängnis
gekommen waren, sich aus dem Erlös der gestohle
nen Kunstwerke wieder rangieren konnten.
In allen Einzelheiten wurde der Raub vorher
besprochen und die Rollenverteilung vorgenommen,
Lippmann und Mayer beschafften die notwendigen
Geldmittel, während Schmidt sich mit berufsmäßi
gen Einbrechern zur Ausführung der Tat in Verbin
dung setzte, und zwar vor allen Dingen mit Graske,
mit dem zusammen er auf der Cadolzburg unter der
Maske von Kunstsachverständigen die Räumlichkei-
auf der Cadolzburg.
ten auskundschaftete. Ausgerüstet mit Geld und
Einbruchswerkzeug fuhren dann Graske, Zahn und
Breitfeld am 18, Februar im Kraftwagen von Berlin
nach Fürth, um dann in der Nacht zum 20. auf der
Cadolzburg zur Ausführung ihrer verbrecherischen
Pläne zu schreiten. Unbemerkt kletterten sie über
die 2.70 Meter hohe Mauer, passierten den beleuch
teten Burghof und drangen, nachdem sie verschie
dene Türen erbrochen hatten, in die Burgkapelle,
von deren Empore sie in den Rittersaal und in den
anschließenden Gang gelangten, wo, wie sie wußten,
die Altarbilder aufbewahrt wurden.
In Berlin nahm Schmidt die beiden Altarflügel,
die man in Leipzig in einem Handkoffer verpackt
hatte, in Empfang und brachte sie zu dem in einem
Hotel wohnenden Lippmann, der zunächst für das
eine Bild 3000 Mark zahlte, in welche Summe sich
Graske, Zahn und Breitfeld teilten. Für das zweite
Bild zahlte er dann 1000 Mark, um schließlich beide
Kunstwerke zu einem Bildhauer zu bringen, der sie
aufspalten sollte. Hier wurden dann die Bilder, die
sich bei der Ausführung dieser Art sehr geworfen
hatten, von der Polizei nach einigen Tagen beschlag
nahmt.
Während die Angeklagten in der Sache selbst,
nämlich hinsichtlich ihres Zusammenwirkens bei die
sem Raub, geständig sind, ist zwischen Lippmann,
Mayer und Schmidt ein wütender Streit darüber ent
brannt, wem die Urheberschaft des verbrecherischen
Planes zuzuschreiben sei. Lippmann will wegen
seiner anormalen Veranlagung in ein gewisses Hörig
keitsverhältnis zu Schmidt und Mayer geraten sein,
das angeblich schon seit Jahren bestanden haben
soll. Diese seine Willensschwäche hab es ihm un
möglich gemacht, dem Raubplan der beiden ande
ren Widerstand entgegenzusetzen. Umgekehrt be
haupten Schmidt und Mayer, daß gerade Lippmann
der Urheber des Verbrechens gewesen sei und daß
sie unter seinem Einfluß gestanden hätten. Außer
dem habe Lippmann sich später in Berlin außer
ordentlich gefreut, wie ausgezeichnet die Tat ge
lungen sei.
Johann JCrahuletz t.
Eine schmerzliche Kunde kommt aus Eggenburg:
Wenige Wochen nach der Feier seines 80. Geburtstages
ist dort der bekannte Sammler und Heimatforscher Pro
fessor Johann Krahuletz gestorben.
Als am 3. November die vielen Freunde und Ver
ehrer des alten Herrn ihm zum 80. Geburtstag gratulier
ten, ahnte wohl keiner von ihnen, daß die Tage des grei
sen Gelehrten gezählt seien, denn er war damals noch
arbeitsfroh und heiter und nichts deutete auf das nahe
Ende hin. Viele Ehrungen wurden dem Jubilar damals
bereitet und die Tür seiner stillen Gelehrtenstube stand
den ganzen Tag nicht still. Viele, viele sind damals zu
ihm gekommen, um den verdienstvollen Mann und guten
Menschen ihrer Liebe und Verehrung zu versichern. Und
der Achtzigjährige durfte sich des Erfolges seiner Arbeit
herzlich freuen.
Johann Krahuletz ist 1848 in Eggenburg als Sohn
eines Büchsenmeisters geboren worden und sollte auch
seinerzeit das väterliche Handwerk erlernen, zeigte dazu
aber wenig Lust. Viel mehr Freude bereitete es dem
aufgeweckten Knaben, sich in der näheren und ferneren
Umgebung seines alten Heimatstädtchens umzusehen. Mft
erstaunlichem Spürsinn entdeckte er an Plätzen, an
denen die Leute achtlos vorbeigegangen waren, manch
interessantes Objekt, das er sorgsam nach Hause trug.
So wurde der Grundstock zu seinen Sammlungen gelegt,
die im Verlauf der Jahre einen solchen Umfang annah-
men, daß sie in einem eigenen Gebäude, dem „Kräh u-
letz-Museu m“, untergebracht werden mußten.
Was ist in diesem Museum alles aufgestapelt an
Schätzen aller Art! Da gibt es Versteinerungen, Minera
lien, Gebrauchsgegenstände vorhistorischer Menschen,
Waffen aus allen möglichen Zeitaltern. Den Forscher in
teressierte die geologische Gestaltung des Stückes Hei
materde, darauf er lebte, ihn interessierten aber nicht
weniger die Lebewesen, die in grauer Vorzeit in diesem
Gebiete gewohnt hatten, und, vom Forscherglück begün
stigt, konnte er zahlreiche Ueberreste solcher Lebewesen
auf finden, Funde, die für die prähistorische Forschung
von größter Bedeutung wurden. Bald hatte sein Name in
wissenschaftlichen Kreisen guten Klang, und der For
scher wurde dadurch geehrt, daß einige der vorweltli
chen Tiere nach ihm oder seiner Vaterstadt benannt