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Full text : Jahrgang 20 (1928) (6)

Seite  58

Nr.  6

Internationale  Sammle  r  -  Z  e  i  t  u  n  g.

Qepfanie  Gründung  eines  JTliniaturenüaßinetts.
‘Von  med.  ‘Dr.  Josef  JCönigstein,  ‘Wien.

Im  Jahre  1922  vom  Magister  der  Pharmazie
Robert  R  a  d  i  t  z  und  Gottfried  E  i  s  s  1  e  r,  bekannten
und  erfahrenen  Sammlern,  begründet,  nahm  „Die
Gesellschaft  der  Bilder-  und  Miniaturenfreunde“  in
Wien  unter  den  günstigsten  Auspizien  einen  raschen
Aufschwung,  der  in  dem  großen  Anwachsen  der  Mitgliederzahl, ­
  sowie  in  der  Veranstaltung  der  „Dritten
Internationalen  Miniaturenausstellung“  zum  Ausdrucke ­
  kam.  Letztere  fand  bereits  im  Jahre  1924  in
den  prachtvollen  Ausstellungsräumen  der  „Albertina“
statt,  war  mit  herrlichem  Material  beschickt  und  erregte ­
  durch  ihre  glänzende  Aufmachung  nicht  nur
hierorts,  sondern  auch  im  Auslande  berechtigte  Aneikennung ­
  und  Bewunderung.
Nach  diesem  raschen  Anstieg  stellte  sich  aber
leider  bald  ein  Rückgang  ein,  als  der  erste  Präsident
der  Gesellschaft  wegen  verschiedener  Unstimmigkeiten ­
  im  Vorstande  von  der  Leitung  zurücktrat  und
der  an  seine  Stelle  getretene  Herr  Gottfried
Ei  ss  ler  bald  darauf  mit  dem  Tode  abging.  Der
Verlust  dieses  um  die  Gesellschaft  hochverdienten
Präsidenten  hinterließ  eine  Lücke,  die  nicht  so  leicht
wieder  voll  und  ganz  auszufüllen  war.  Nach  einem
längeren  Interregnum,  in  welchem  ich  die  Geschäfte
der  Gesellschaft  leitete,  glaubte  der  Vorstand  in  der
Person  des  bekannten  Miniaturenkenners  und  Sammlers ­
  Baron  Jean  de  Bourgoing  den  richtigen
Mann  gefunden  zu  haben.  Doch  auch  diese  Hoffnung
täuschte,  da  Baron  Bourgoing  bald  resignierte  und
die  Gesellschaft  ohne  rechte  Führung  blieb.  Der
Mangel  an  letzterer  machte  sich  immer  unangenehmer ­
  fühlbar  und  reifte  bei  mir  die  Idee,  die  Gesellschaft ­
  als  Sektion  dem  „Verein  der  Museumsfreunde“
anzuschließen,  worauf  übrigens  bereits  Bourgoing
hingearbeitet  hatte.  Doch  auch  dieser  Plan  stieß  auf
Schwierigkeiten  und  kam  nicht  zur  Ausführung,  so
daß  ein  neuer  Ausweg  gesucht  werden  mußte.  Und
er  fand  sich!
Ich  kam  nach  reiflicher  Ueberlegung,  trotzdem
bei  fast  allen  noch  vorhandenen  Vorstandsmitgliedern
eine  tiefgehende  Resignation  platzgegriffen  hatte
und  die  Absicht  bestand,  die  Gesellschaft  aufzulösen,
zu  dem  Entschlüsse,  mich  mit  dem  Leiter  des  „Oesterreichischen
  Museums  für  Kunst  und  Industrie“,  Hofrat ­
  Dr.  August  Schestag,  und  dem  Leiter  der
„Modernen  Galerie“,  Hofrat  Haber  ditzl  ins  Einvernehmen ­
  zu  setzen  und  sie  für  die  „Gesellschaft  der
Bilder-  und  Miniatur.enfreunde“  zu  interessieren.  Eine
Aussprache  mit  den  beiden  Herren  führte  zu  dem  erfreulichen ­
  Resultat,  daß  die  Gesellschaft  vor  der  Auflösung ­
  bewahrt  wurde.  Die  Herren  sicherten  mir  die
weitestgehende  Unterstützung  zu  und  diese  erhielt
auch  sofort  greifbare  Formen,  indem  der  Gesellschaft
im  Oesterreichischen  Museum  Räume  für  Büro,  Vorträge ­

  und  Ausstellungszwecke  zur  Verfügung  gestellt
wurden  und  auch  die  Zusage  gemacht  wurde,  den
Plan  zur  Gründung  eines  Miniaturenkabinetts ­
  nach  dem  Vorbilde  anderer  Kunstzentren  ins
Auge  zu  fassen  und  zur  Ausführung  zu  bringen.
Wien,  die  Kunststadt  par  excellence,  dieses  große
Kunstzentrum  mit  seinem  unschätzbaren  öffentlichen
und  privaten  Kunstbesitz,  mit  seinen  herrlichen
Museen  und  Galerien,  besitzt  kein  Miniaturenkabinett.
  Das  Wien,  in  dem  ein  Füger  lebte  und  wirkte,
Daffinger  mit  seiner  ganzen  Schule,  den  Brüdern
Theer,  Anreiter,  Peter,  Saar  alle  bedeutenden  Männer ­
  und  schönen  Frauen  porträtierte,  hat  keine  geschlossene ­
  öffentliche  Miniaturensammlung,  sondern
ist  in  dieser  Hinsicht  auf  die  privaten  Sammlungen
angewiesen,  die  gar  nicht  oder  äußerst  schwer  zugänglich ­
  sind  und  den  traurigen  Zeitläuften  entsprechend, ­
  sich  in  steter  Fluktuation  befinden.  Diesem
Uebelstande  soll  nun  durch  Gründung  eines  Miniaturenkabinetts ­
  abgeholfen  werden.  Die  Schwierigkeiten, ­
  die  sich  der  Durchführung  entgegenstellen,
sind  nicht  zu  unterschätzen,  aber  mit  Geduld,  Ausdauer ­
  und  gutem  Willen  der  hiefür  maßgebenden
Kreise  werden  auch  diese  mit  der  Zeit  zu  überwinden
sein.
Zunächst  galt  es  aber,  eine  Persönlichkeit  zu
finden,  die  als  Haupt  der  Gesellschaft  in  Betracht
kam.  Es  gelang  mir,  den  als  Sammler  und  Kenner
allseits  bekannten  Professor  Dr.  Enterich  Ullmann
für  die  Sache  zu  interessieren,  welcher  sich  auch  bereit ­
  erklärte,  die  Führerschaft  zu  übernehmen  und
seine  Arbeitskraft,  seine  Beziehungen  und  seine
Kenntnisse  in  den  Dienst  der  guten  Sache  zu  stellen.
Die  Verhandlungen  mit  den  Musealleitern  wurden
von  Herrn  Professor  Ullmann  fortgesetzt  und  zu
einem  gedeihlichen  Ende  gebracht.  Insbesondere  ist
es  ihm  geglückt,  die  Unterstützung  des  Leiters  des
Oesterreichischen  Museums,  Hofrat  Dr.  Schestag,  in
bestimmten  Grenzen  festzulegen.  Ebenso  gelang  es
ihm,  sämtliche  Leiter  der  öffentlichen  Museen  für  die
Gesellschaft  zu  interessieren,  deren  Zusage  zum  Beitritt ­
  in  den  Vorstand  der  Gesellschaft  zu  erlangen,
sowie  die  Zusicherung  zu  erhalten,  die  Gesellschaft
auf  jede  mögliche  Weise  zu  fördern.
Bei  der  am  5.  März  abgehaltenen  Generalversammlung ­
  der  Gesellschaft  resignierte  der  alte  Vorstand ­
  in  seiner  Gänze;  es  wurde  in  der  Versammlung
ein  neuer  Vorstand  gewählt,  aus  dessen  Mitte  Professor ­
  Dr.  Ullmann  zum  Präsidenten  und  Hofrat
Dr.  Schestag  zum  Vizepräsidenten  gewählt  wurde.
Diese  Wahl  gibt  die  Gewähr  für  ein  weiteres
gedeihliches  Fortbestehen  der  Gesellschaft,  die  sich
zum  Ziele  gesetzt  hat,  die  künstlerischen  Interessen
unserer  Kunststadt  in  jeder  Richtung  zu  heben.

( Der  tTlacFifaß  £mit  Eisner.

Die  Versteigerung  des  Nachlasses  des  Präsidenten ­
  der  Slavenska  Banka,  Emil  Eisner,  und  seiner
Gattin  Olga,  welche  durch  die  Kunstabteilung  des
Dorotheum  s'  vom  27.  bis  29.  Februar  im  Palais
Eisner,  Wien  III.,  Reisnerstr.  3,  durchgeführt  wurde,
(385.  Kunstauktion  des  Dorotheums),  hatte  einen
glänzenden  Erfolg.  Das  Publikum,  das  zum  größten
Teil'  aus  Wiener  Privatkunden  und  Sammlern  bestand ­
  •—  Aufträge  aus  dem  Auslande  lagen  lediglich

aus  Deutschland  und  der  Heimat  des  Erblassers,  Jugoslavien,
  vor  —  war  sehr  kauflustig.
Es  wurden  folgende  Preise  (in  Schilling)  notiert:

Tafelsilber.
1  Ein  kleines  Körbchen,  ein  Flaschenuntersatz,  Silber  28
2  Zahnstocherbehälter,  zwei  kleine  Löffel,  50  g  Silber  12
3  Zuckerstange  aus  Silber  20
4  Streulöffel  a.  Silber,  süddeutsch,  mit  Beingriff,  ca.  20  g  20
5  Kleines  Körbchen,  60  g  Silber  35
6  Eine  kleine  Kanne,  105  g  Silber  38
            
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