MAK
Nr. 1 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite 3 
troffen, weshalb der Restaurator, um eine weitere Ab- 
bröselung der Malschichte hintanzuhalten, alle schad 
haften Stellen durch Ueberkleben mit Seidenpapier ge 
sichert hat. 
Nach der Beschlagnahme durch die steiermärkische 
Landesregierung erfolgt die gesetzliche Enteignung der 
Bilder durch die Bundesregierung, die ihrerseits durch 
den Staatsvertrag von Saint-Germain verpflichtet ist, aus 
dem ehemals besetzten Gebiete entfremdete Kunstgegen 
stände zurückzustellen. 
Jllfred VDalcher-JYtoIthein. 
Auf seinem Schloß Feldeck an der Pram in Ober 
österreich ist am 12. Dezember v. J. der Wiener Kunst 
historiker Major a. D. Alfred W a 1 c h e r von Molt- 
h e i n im 61. Lebensjahre gestorben. 
Ein reiches, der Kunstforschung geweihtes Leben 
hat einen allzu frühen Abschluß gefunden. Alfred von 
Walcher, der einer Diplomatenfamilie entstammte, sollte 
auch Diplomat werden; er bezog denn auch die There- 
sianische Akademie, um sich hiefür vorzubereiten, ent 
schied sich aber nach dem zweiten Jahre des Rechts 
studiums für den militärischen und philosophischen Be 
ruf, die er beide nebeneinander ganz auszufüllen ver 
mochte. Ueber hundert zum Teile sehr umfangreiche 
Abhandlungen entsprangen seiner Feder, jede einzelne 
enthüllte neue Forschungsergebnisse. Diese Abhandlun 
gen brachten über 3000 bisher in der Kunstgeschichte 
unbekannte Kunstgegenstände in Abbildungen zur allge 
meinen Kenntnis. 
Vom Jahre 1902 bis zum Jahre 1914 leitete Alfred 
von Walcher die Kunstsammlungen des Grafen Hans 
W i 1 c z e k, der ihn sehr schätzte. Wir erinnern uns 
noch, mit welcher Wärme Wilczek für Walcher eintrat, 
als gegen diesen der unberechtigte Vorwurf erhoben 
wurde, daß er österreichischen Kunstbesitz nach dem 
Schloß des Fürsten Heinrich P 1 e ß verschleppe. Im Auf 
träge des kunstsinnigen Grafen unternahm Walcher auch 
ausgedehnte Reisen ins Ausland, auf denen er Schätze 
sammelte, die in den Wilczekschen Sammlungen, insbe 
sondere auf Burg Kreuzenstein, Platz fanden, das ein 
Vetter Walchers aus Schutt und Trümmern zu neuem 
Glanz erstehen ließ. 
Als das Dorotheum auf Wunsch des Statthalters 
Grafen Kielmansegg im Jahre 1901 daranging, Kunstver 
steigerungen zu veranstalten, war es Walcher, der dazu 
ausersehen wurde, diese Auktionen ins Werk zu setzen. 
Vor Jahresfrist erst*) hat Walcher in der „Internationalen 
Sammler-Zeitung“ erzählt, mit welcher Eile dies inszeniert 
werden mußte: „Am 20. November bat mich“, so berich 
tete er, „der Leiter des Amtes, Hofrat Alexander 
Sauer-Csaky, dringend zu sich. Er wollte Kunstver 
steigerungen einführen und ich sollte, da das Amt über 
keine Objekte verfügte, solche aus Bekanntenkreisen zu 
sammenbringen, Für den 7. Dezember schon wurde die 
Auktion .angesetzt. Ich sammelte in aller Eile für diesen 
Zweck einhundert Gegenstände. Nach einer nur vier 
stündigen Schaustellung von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr 
nachmittags begann der heiße Kampf im Kaiser-Franz - 
Josefs-Saal. Damen der Gesellschaft in den damals noch 
bestehenden Salons, sowie ein Buffet mit Leckerbissen 
und Likören animierten die Sammler und Händler. Die 
Ausrufspreise waren mit Rücksicht auf den unsicheren 
Erfolg sehr nieder angesetzt: Messingschüsseln des 
16. Jahrhunderts mit 3 bis 5 Kronen, rheinische Stein 
krüge mit 4 Kronen, Rubingläser mit 6 Kronen, Altwiener 
Schalen mit 6 bis 9 Kronen usw. Der Erfolg war glän 
zend. . . , Als Canalettos „Pia.zetta“ ••• "das einzige Ge» 
mälde in dieser Auktion —• bereits von 30 auf 75 Kronen 
gesteigert worden war, stürzte Hofrat v. Sauer auf den 
Auktionsleiter Kommissär Cornelius Heiter zu mit den 
Worten: ..Halt, es ist jemand im Saale, der noch mehr 
*) Siehe „Internationale Sammler-Zeitung" Jahrg. 19, 
Nr. 18, vom 1. Oktober 1927. 
bietet.“ Mit 80 Kronen erfolgte sodann der Zuschlag, und 
die allgemeine Aufregung im Publikum sowie der Stolz 
des Amtes waren groß.“ 
In dieser Zeit verfaßte Alfred von Walcher die Kata 
loge des Dorotheums, wie er auch von den Privat-Auk 
tionsfirmen immer häufiger zur Katalogisierung ihrer 
Versteigerungsobjekte herangezogen wurde. Walcher hat 
da exakte Arbeit geleistet, manche dieser Kataloge sind 
wissenschaftliche Hilfsquellen geworden. So verfaßte er 
unter vielen anderen für die Versteigerung der Zinn 
sammlung des Konsuls J. bei Albert Kende (4, Februar 
1918) einen Aufsatz über „Schweizer und Nürnberger 
Zinn“, der einen wertvollen Beitrag zur Kenntnis dieser 
Materie darstellt. 
Eine überaus wichtige Rolle fiel Walcher während 
des Weltkrieges zu. Dem reaktivierten Offizier, der nur 
wegen eines Reiterunfalles dem Militärberufe Valet 
sagen mußte, wurde die Aufgabe zugewiesen, ein Ver 
zeichnis der von der Kriegsleitung eingeforderten Metall 
arbeiten zu verfassen. Er entledigte sich des Auftrages 
in dankenswerter Weise, indem er alle Objekte genau 
bezeichnete, die künstlerischen Wert besaßen und er 
halten werden sollten. Leider konnte er diese Gegen 
stände nur vor dem Einschmelzen, nicht aber davor be 
wahren, in den Rachen der „Sachdemobilisierung" ge 
worfen zu werden, die sie versteigern ließ. 
Hand in Hand mit dem Kunstforscher und Kunst 
schriftsteller ging der Sammler Walcher. „Als erblich 
belastetes Mitglied einer Familie, die bereits durch vier 
Generationen mit der Kunst eng alliiert war“, wie er 
uns gelegentlich schrieb, folgte er nur einer Familien- 
tradition, wenn er Sammler ward. Walcher sammelte 
unterschiedlos alles, was ihm irgendwie wertvoll er 
schien; seine große Liebe gehörte aber der deutschen 
Keramik des 15. bis 19. Jahrhunderts, sowie den Töpfer 
arbeiten aus den angrenzenden slawischen Sprach 
gebieten. 
Walcher hat nahezu alle Tonlager, soweit sie vor 
1700 zur Herstellung von Töpferwaren in Betrieb stan 
den, besucht, Er arbeitete in den Ortsarchiven, studierte 
die Pfarrbücher und stand mit allen lebenden Hafnern 
des Alpengebietes in schriftlichem Verkehr. Er unter 
suchte das Bett der Flüsse und Bäche, um aus den Vor 
gefundenen Scherben einwandfreie Belege für die boden 
ständigen älteren Töpferarbeiten zu gewinnen. Als Ober 
leutnant in Galizien im Dienste stehend, ließ er die 
Aecker hinter der Töpferstraße in Raeren bei Aachen 
furchen, um die alten Scherbenlager bloßzulegen. Alle 
diese Arbeiten, waren es nun Grabungen oder galten 
sie der wissenschaftlichen Durchforschung der Archive, 
zeitigten sehr schöne Erfolge, von welchen die wich 
tigsten hier genannt seien: Der Atelierbesitz an Ton 
gefäßen bei den vlämischen Malern des 15. bis 17. Jahr 
hunderts, Paul Preuning, der Fertiger der sogenannten 
Hirschvogelkrüge, der gotische Ofen der Hohensalzburg, 
ein österreichisches und nicht Nürnberger Werk, Fest 
stellung der Fälscher deutscher Steinzeugware, Werk 
stätte Obermillner in Salzburg, Werkstätte Kizberger in 
Wels, Reihenfolge der Meister in Gmunden, mittelalter 
liche Töpferbetriebe in Mähren und Niederösterreich, 
Hans Khop, Fliesenhafner in Salzburg, Reihenfolge der 
Meister und die Zusprechung der Erzeugnisse in Preußen,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.