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Nr. 1 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite 9 
Morris, Tennyson, Burne-Jones, Gladstone und andere Be 
rühmtheiten gar manche glückliche Stunde mit der Durchsicht 
seltener Werke verbracht. 
BILDER. 
(Die großen Bilderdiebstähle in Moskau.) Wie seinerzeit 
berichtet, wurden im April 1927 aus dem Staatsmuseum in 
Moskau fünf kostbare Originalgemälde gestohlen, und zwar: 
Rembrandt: „Le Christ", Tizian: „Ecce-Homo", Cor 
reggio: „La sainte familie", Carlo Dolci: „Saint-Jean 
! Evangeliste" und ein aus dem dreizehnten Jahrhundert stam 
mendes und Giunta Pisano zugeschriebenes Bild „La flagel- 
lation du Christ". Der Wert dieser fünf Gemälde ist mit eini 
gen Millionen Rubel angegeben. Man vermutet, daß die Bilder 
ins Ausland verschleppt worden sind und kurrendiert sie nun 
in aller Herren Länder. Rembrandts „Le Christ" haben die 
Täter aus dem Rahmen geschnitten. Das Stück, das die Täter 
heräusgeschnitten haben, ist oval, unregelmäßig, zeigt die Figur 
Christi und hat die Maße 0.89X0.66. Tizians „Ecce-Homo" war 
bis zum Jahre 1924 in der Leningrader Eremit rage. Auch bei 
diesem Bilde haben die Täter die Hauptfigur herausgeschnitten, 
so daß die Hand des Henkers sowie die Hand und die Mitra 
des Pilatus zurückgeblieben sind. Correggios „Sainte familie" 
ist auf Holz gemalt, ebenso Dolcis „Saint-Jean". Die „Flagel 
lation Christi" ist auf Leinwand gemalt und auf Holz aufgezogen. 
(Ein umstrittenes Winckelmann-Porträt.) Das aus der 
Sammlung des Bildhauers Z o t t o stammende, vom italieni 
schen Staat angekaufte und jetzt in der Venediger Akademie 
aufgestellte, Winckelmann vor einer antiken Staffage zeigende 
Gemälde, das bisher als Werk Longhis galt, soll jetzt, wie 
aus Venedig gemeldet wird, als eine Arbeit Raphael M e n g s 
erkannt worden sein. 
PHILATELIE. 
(Neuheiten.) Lettland hat anläßlich des zehnjährigen Ju 
biläums seiner Unabhängigkeitserklärung Gedenkmarken aus 
gegeben, und zwar: 6 Santimi grün und purpur (Rezekne), 
15 Santimi schokoladen und grau-grün (Jelgava), 20 Santimi 
hochrot und myrtengrün (Cesis), 30 Santimi blau und braun 
(Liebau), 50 Santimi schiefer und rotbraun (Riga). 1 L, Scho 
kolade und sepia (Nationaltheater), — Aus Anlaß des Kongres 
ses für zivile internationale Aeronautik erschienen in den Ver 
einigten Staaten Gedenkmarken, 2 C. rot und 5 C, blau, in 
derselben Größe wie die gewöhnlichen Postmarken, oben ein 
dunkler Rand mit der Inschrift „U. S, Postage", unten in klei 
nem Druck „International Civil Aeronautics Conference". Zu 
beiden Seiten je das Washington-Monument und das „United 
States Capitol“, in der Mitte der Aeroplan der Brüder 
W r i g h t, welcher von den Brüdern Wright als erster Aeroplan 
im Fort Myer vorgeführt wurde. Auf einem Bande das Datum 
„December 12, 13, 14, 1928“. Die 5-C.-Marke ist ähnlich, nur 
daß statt des Wrightschen Flugzeuges eine Erdkugel erscheint, 
welche die östlichen und westlichen Kontinente zeigt und ein 
moderner Monoplan zwischen beiden fliegend. Während des 
Kongresses war ein eigenes Postamt im Kongreßgebäude einge 
richtet, das mit eigenem datierten Stahlstempel die Marken 
entwertete. 
(Der Papst auf der Briefmarke,) In Spanien kommen dem 
nächst Freimarken heraus, die den Papst Pius XI. zusammen 
mit dem König A1 f o n s o von Spanien zeigen. Der Erlös aus 
diesen Briefmarken ist für die Wiederherstellung der . Katakom 
ben des heiligen Damasus und Pretestatus in Rom bestimmt. 
(Wettbewerb für französische Luftpostmarken.) Frankreich 
hat die Absicht, neue Luftpostbriefmarken einzuführen. Für 
diesen Zweck wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben. Die 
meiste Aussicht zur Annahme hat ein Entwurf, der das Por 
trät des kürzlich mit seinem Flugzeug tödlich abgestürzten 
Handels- und Luftfahrtsministers Bokanowski zeigt. Die 
Umschrift feiert Bokanowski als „Märtyrer des Fortschritts". 
VERSCHIEDENES 
(Ein zeitungswissenschaftliches Institut in Köln.) Die 
Gründung eines internationalen zeitungswissenschaftlichen In 
stituts in Köln ist nunmehr beschlossen worden. Das Institut 
dürfte noch im Laufe dieses Jahres eröffnet werden. 
(Dr, Georg Hager.) Der Generalkonservator der Kunstdenk 
mäler Bayerns, Dr. Georg Hager, ist in den Ruhestand ge- 
tteten. Der Gelehrte, der kürzlich sein 65. Lebensjahr voll 
endete, hai jahrzehntelang die Denkmalsbehörde Bayerns ge 
leitet, als Direktor des dortigen Generalkonservatoriums und 
Herausgeber des vielbändigen Inventarisationswerkes, 
(Eine Otto Ludwig-Gemeinde) wurde im Eisfeld in 
Thüringen gegründet, die sich die Wiederherstellung des Ge 
burtshauses und des Garlens des Dichters, des Paradieses 
seiner Jugendzeit zur Aufgabe macht. Ein Otto Ludwig-Mu 
seum mit Handschriftensammlung und Bücherei wird errich 
tet werden. Der Aufruf, der das alljährliche Erscheinen eines 
Otto Ludwig-Kalenders in Aussicht stellt, ist von namhaften 
Persönlichkeiten, unter andern von Will Vesper, Generalinten 
dant Dr. Reucker, Dresden, Dr. Expeditus Schmidt, unter 
zeichnet. Der Jahresbeitrag der Gemeinde beträgt drei Mark. 
(Das Meßkännchen von St, Maurice.) Die Abtei von 
St. Maurice birgt unter ihren vielen Schätzen ein Gefäß, 
das schon Gegenstand vieler Erörterungen gewesen ist. Es ist 
ein goldenes Kännchen — meist als Meßkännchen aufgefaßt —, 
dessen konvex gewölbte Seiten mit Emailplättchen belegt sind 
und- die Darstellung zweier Löwen zu Seiten eines stilisierten 
Baumes tragen. Nachträglich ist das Kännchen zum Reliquien 
behälter umgearbeitet und mit einem Fuß versehen worden. 
Nach der Tradition wurde das Gefäß der Abtei von Karl 
dem Großen geschenkt, der es seinerseits vom Kalifen 
Harun a 1 Raschid als Geschenk erhalten haben soll. Aber 
darüber, ob arabische, persische oder byzantinische Herkunlt 
anzunehmen, oder ob es im Kaiolingerreich nach orientalischen 
Vorbildern gearbeitet worden sei, gingen bisher die Meinungen 
weit auseinander. 
Im neuesten Heft der „Syria", der französischen Zeit 
schrift, die orientalischer Archäologie und Kunst gewidmet ist. 
befaßt sich nun damit Jean Ebersolt, ein spezieller Kenne- 
der byzantinischen Kunst. Er stellt fest, daß die feine Email 
arbeit ebenso wie die Blumenor.namente ihre nächsten Ent 
sprechungen in der byzantinischen Goldschmiedekunst haben. 
Die beiden Löwen zu Seiten des „Lebensbaumes" sind ein 
beliebtes Motiv der persischen Kunst, das letztlich aus der 
assyrisch-babylonischen stammt. Es sind die bald tiergestal- 
tigen, bald mensch- oder vogelmenschgestaltigen Dämonen zu 
Seiten eines stilisierten Baumes; jene so häufige Darstellung 
der künstlichen Befruchtung einer Dattelpalme, die auch auf 
mehreren Stücken der kleinen assyrischen Sammlung der Zü 
richer Universität wiederkehrt. Die symmetrisch einander ge 
genüberstehenden Löwen, oft Löwengreife, sind ebenfalls dort 
zu Hause, bald zu Seiten eines Baumes, bald — und dies viel 
leicht ursprünglicher — zu Seiten eines Helden oder Gottes 
(Gilgameischszene) oder eines Hirsches oder einer Gazelle 
(Jagdszene). Aus der persischen Kunst gingen diese Motive 
mit ihrer charakteristischen Symmetrie und immer weiter- 
schreltenden Stilisierung in die byzantinische über und wur 
den hier erst auf den Skulpturen, Stoffen und gemalten Bil 
dern, zuletzt auch in der Emaillierung verwendet. Da somit 
die Darstellung und die Technik beide nach Byzanz weisen 
und dort tatsächlich die nächstverwandten Stücke sich finden, 
dürfte die Frage der Herkunft entschieden sein. Nur die kon 
vexe Form unseres Stückes weicht ab: sie findet sich dafür 
bei den tönernen, zweihenkeligen „Ampullen des heiligen 
Menas" aus Aegypten. Der Form nach könnte das Gefäß eben 
sogut zu kultischem Zweck (zum Händewaschen des Priesters 
oder zur Aufbewahrung des im Ritual verwendeten Wassers) 
wie zu profanem bestimmt gewesen sein. Am byzantinischen 
Hofe mit seinem unerhörten Prunk gebrauchte man solche 
emaillierte Goldgefäße zum Händewaschen, Gewisse Unge 
schicklichkeiten in der Zeichnung lassen vermuten, daß es im 
12. Jahrhundert entstand, zu einer Zeit, wo die Emailtechnik 
noch in voller Blüte stand 
(»Pässe« für Geigen.) Die . Fälscher von alten Violinen 
werden sich jetzt mehr als früher in acht nehmen müssen, 
denn ein englischer Gelehrter hat eine neue Methode ent 
deckt, um Geigen auf ihren Ton zu prüfen und darnach ihr 
Alter zu bestimmen. Es war bisher sehr schwer, die Unecht 
heit eines Instrumentes, das als eine alte Stradivarius ausge 
geben wurde, nachzuweisen, denn die Fälscher sind in allen 
äußeren Dingen sehr erfahren. Die Qualität des Tones aber 
ließ sich nicht exakt bestimmen. Das neue wissenschaftliche 
Verfahren beruht auf der Umwandlung der musikalischen Ton 
wellen in elektrische Wellen, die dann von einem besonderen 
Apparat, dem Oszillographen, aufgezeichnet werden. Auf 
diese Weise kann der Violine ein »Paß« mitgegeben werden, 
eine Art Erkennungsmarke, die sie von jeder anderen Geige 
unterscheidet, wie der Fingerabdruck den Menschen von je-
	        
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