Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Jahrgang 21 (1929) (15)

Nr.  15

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Seite  167

ledigen,  angeblich  vernichtet  hat,  und  schließlich  das  wertvollste, ­
  eine  Inkunabel,  „Ungarische  Chronik“  von  Thuroczi
aus  dem  Jahre  1488.  Der  Tycho  de  Brahe,  für  den  Dr.  Urdich
1400  Schilling  bekam,  ist  unterdes  nach  Dänemark  um  4200
Schilling  weiterverkauft  worden.  Die  Chronik  von  Thurocze
ist  zwar  auch  verkauft  worden,  konnte  jedoch  noch  in  Leipzig
sichergestellt  werden,  Dr.  Urdich  erhielt  für  sie  14.000  Schilling, ­
  der  Leipziger  Verkaufspreis  betrug  über  28.000  Schilling.
(Schließung  der  Stplberg-Wernigerodeschen  Bibliothek?)
Aus  'M  a  ,g  d  e  b  u  r  ,g  wird  berichtet:  Der  Fürst  zu  Stolberg-Wernigerode
  hat  sich  entschlossen,  die  Stolberg-Wernigerodesche
  Bibliothek,  das  Archiv  und  das  angeschlossene
Fürst-Otto-Museum  zu  schließen,  weil  die  finanzielle  Belastung
nicht  mehr  tragbar  sei.  Die  berühmte  Bibliothek,  die  seit  1745
der  Oeffentlichkeit  zugänglich  ist,  enthält  in  der  Hauptsache
theologische  Bücher,  außerdem  sehr  wertvolles  Material  aus  der
vorklassisichen  und  der  romantiscbelti  Periode  der  deutschen  Literatur. ­
  Zahlreiche  deutsche  und  ausländische  Forscher  wären
durch  die  Schließung  betroffen.  .Man  hofft,  daß  es  vielleicht
durch  Eingreifen  der  Notgemeinschait  der  deutschen  Wissenschaft ­
  möglich  sein  werde,  den  Entschluß  des  Fürsten  rückgängig ­
  zu  machen.
(Ein  Preisausschreiben,)  Vor  einiger  Zeit  hatte  das  Londoner ­
  Verlagshaus  Harper  and  Brothers  ein  Preisausschreiben ­
  in  Höhe  von  10.000  Mark  für  den  besten  deutschen
Roman  oder  die  beste  deutsche  Biographie  angekündigt,  Hierzu
werden  nunmehr  die  Einzelheiten  bekannt.  Die  Ursache  des
Preisausschreibens  ist  das  Bestreben  des  Verlages,  deutsche
Schriftsteller  dem  amerikanischen  und  englischen  Lesepublikum ­
  näherzubringen.  An  dem  Wettbewerb  können  sich  nur
Autoren,  die  vor  1920  keine  größeren  Romane  veröffentlicht
haben,  beteiligen.  Der  Einlieferungstermin  ist  der  31,  Dezember
1929.  Die  Entscheidung  fällt  bis  zum  30,  März  1930.  Das  preisgekrönte ­
  Werk  wind  im  Herbst  1930  veröffentlicht.  Der  ausschreibende ­
  Verlag  ist  bereit,  auch  für  andere  Bücher,  die  ihm
in  diesem  Preisausschreiben  angeboten  werden,  günstige  Angebote ­
  für  die  englischen  Uebersetzungsrechle  zu  machen

BILDER.
(Ein  unbekanntes  Schiller-Bäldnis.)  Wie  aus  Quedlinburg ­
  mitgeteilt  wird,  hat  bei  den  Restaurierungsarbeiten  im
dortigen  Schloßmuseum  der  Quedlinburger  Maler  Hans  Sp.it  zm
  a  n  n  ein  gegenwärtig  im  Privatbesitz  befindliches  Porträt
Schillers  gefunden,  das  bisher  noch  unbekannt  ist.  Es  ist
ein  Oelgemälde,  das  früher  Gerhard  v,  Kugel  gen,  dem  Vater ­
  des  „Alten  Mannes",  gehörte,  Spitzmann  will  .jetzt  das  Gemälde, ­
  das  durch  die  Zeit  sehr  gelitten  hat,  wiederhers'tellen,
(Das  gefälschte  Leibl-Bild.)  Die  Angelegenheit  der  wiederholt ­
  besprochenen  Leibi-Fälschung  hat  nun  einen
gewissen  Abschluß  gefunden.  Das  .Bild,  das,  wie  wir  berichtet
haben,  einen  bayerischen  Militärbeamten  darstellt  und  im
Jahre  1880  von  Hans  Blum  gemalt  worden  war,  ist  von  dem
letzten  Besitzer,  einem  'Berliner  Diplomaten,  wieder  an  den
Verkäufer,  dem  Kunsthändler  Cassirer  in  Rom,  zurückgegeben ­
  worden.  Die  Staatsanwaltschaft  beim  Landgericht  München ­
  I  hatte  das  Bild  beschlagnahmt,  um  die  Fälschungsaffäre
aufzuklären.  Es  konnte  jedoch  nicht  erwiesen  werden,  ob  die
Fälschung  in  Deutschland  oder  von  einem  deutschen  Staatsangehörigen ­
  begangen  worden  ist.  Aus  diesem  Grunde  hat  die
Staatsanwaltschaft  das  Porträt  wieder  freigegehen.  Der  Rechtsbeistand ­
  'Professor  Blums,  Rechtsanwalt  Dr  Q  i  e  ß,  hat  nun
erwirkt,  daß  das  Bild  nach  München  kommt.  Die  falsche  Signatur ­
  „W.  Leibi“  soll  entfernt  und  die  ursprüngliche  Signatur
„Hans  Blum  1880"  wieder  hergestellt  werden.
(Gemäldediebstahl.)  Aus  einer  Münchner  Galerie
ist  zwischen  dem  29.  Mai  und  1.  Juni  ein  auf  Holz  gemaltes,
ungerahmtes,  23  zu  32  cm  großes  Oelgemälde  von  Jan  van  A  ms
  t  e  1  entwendet  worden.  Die  bisherigen  Nachforschungen  nach
dem  Täter  waren  ergebnislos.  Das  Bild  stammt  aus  einem  Nachlaß ­
  und  war  der  Galerie  zur  Versteigerung  übergeben  worden.
Im  Geschäftsraum  der  Galerie  wurde  es  in  eine  Ecke  gestellt,
und  als  man  es  zur  Versteigerung  holen  wollte,  war  es  verschwunden. ­
  Das  Gemälde  zeigt  im  Vordergründe  zwei  Mädchen  und
drei  'Burschen  beim  Kartenspiel,  im  Hintergrund  einen  Mann
und  eine  Frau,  die  zu  Bett  gehen.

HANDSCHRIFTEN.
(Ein  Liebesroman  Napoleons.)  Im  Warschauer  Verlage
H  Wilder  erscheint  jetzt  eine  Handschrift  Napoleons,
die  in  dem  polnischen  Schlosse  K  o  r  n  i  k  entdeckt  wurde;
ein  Liebesroman  „Clisson  et  Eugenie“,  in  dem  der  junge  General ­
  seine  Erlebnisse  berichtet.  Die  Handschrift  gehört  zu

einem  Bestände,  den  der  Kaiser  nach  St,  Helena  milnahm;
sein  Leibarzt  brachte  ihn  1821  nach  Paris.  1822  erwarb  ihn
Graf  Titus  Dzialynski  und  versteckte  ihn  auf  seinem
polnischen  Schlosse,  wo  er  kürzlich  zum  Vorschein  kam.
(Herausgabe  von  Quellenschriften.)  In  Siena  wurde  ein
neues  Institut  für  Geschichte  und  Kunstgeschichte  begründet,
das  sich  mit  dem  Studium  und  der  Herausgabe  von  Quellenschriften, ­
  Urkunden,  aber  auch  mit  der  Abhaltung  von  Unterrichtskursen
  Jjefassen  wird.
(Courteline  macht  Originalmanuskripte.)  Eine  hübsche
Anekdote  wird  von  dem  kürzlich  verstorbenen  Courteline
erzählt.  Ein  Freund  besuchte  vor  dem  Tod  den  Dichter,  den
er  im  Bette  traf,  emsig  auf  einem  schönen  weißen  Bogen
eines  seiner  früheren  Theaterstücke  abschreibend.  Was
machst  du  da,  fragte  etwas  verwundert  der  Freund.  Ich
schreibe  jetzt,  war  die  Antwort  des  Dichters,  meine  ganzen
Bücher  ab.  Ich  mache  Original-Manuskripte.  Das  wird  jetzt
gut  bezahlt,  und  meine  Frau  hat  wenigstens  etwas  nach  meinem
Tode.

NUMISMATIK.
(Ausstellung  alter  Münzen  bei  einer  Großbank.)  Die  amerikanische ­
  Chase  National  Bank  hat  von  einem  Sammler  mit
Namen  Farran  Zerbe  nicht  weniger  als  40.000  alte  Münzen
und  Geldzeichen,  deren  Geltungsizeit  zum  Teil  auf  5000  Jahre
zurückliegt,  erworben.  Die  Sammlung  umfaßt  unter  anderem
schön  zusammengepreßte  Teeblätter,  in  bestimmte  Formen  gelegte ­
  Grasblätter,  Spechtköpfe,  eine  auf  eine  Art  Porzellan
eingravierte  Geldüberweisung  aus  Babylon,  die  5000  Jahre  alt
sein  soll,  die  ersten  um  700  v.  Chr.  geprägten  Münzen,  chinesisches ­
  Papiergeld  aus  dem  Jahre  1300  n.  Ch.,  Billionenscheine
der  Reichsbank  aus  1923  und  andere,  Der  biblische  Schekel,
unter  anderem  auch  eine  Gegenüberstellung  der  schwersten
Münze  aus  Schweden,  nämlich  eines  Kupferblocks  von  etwa
\i'A  Kilogramm,  mit  einem  nadelkopfgroßen  Miünzstück  aus
Gold  in  Südamerika  bilden  weitere  interessante  Kulturdenkmäler. ­
  Die  jetzige  Besitzerin  der  Sammlung  veranstaltet  nun
eine  ständige  Ausstellung  dieser  Sammlung,  und  zwar  unter
Leitung  des  dafür  gewonnenen  Vorbesitzers,  der  nicht  weniger
als  40  Jahre  daran  gewendet  hat,  um  die  Vollständigkeit  der
Sammlung  zu  erreichen.
(Eine  Stegemann  -  Medaille.)  Prof.  Dr.  Max  Lange,
der  Münchener  Bildhauer,  der  sich  als  Medailleur  einen
Namen  gemacht  hat,  schuf  eine  Medaille  Hermann  Stegemanns,
  des  an  der  Münchener  Universität  wirkenden  Geschichtsschreibers ­
  des  Weltkrieges.  Die  Rückseite  der  Medaille ­
  symbolisiert  den  Kampf  des  unermüdlichen  Suchers  der
Wahrheit  mit  der  Lüge.

PHILATELIE.
(Neue  österreichische  Marken.)  Die  Postverwaltung  bereitet ­
  eine  neue  Briefmarken  Serie  vor,  die  um  das
Neujahr  zur  Ausgabe  gelangen  dürfte.  Die  neuen  Marken  werden ­
  mit  Landschaftsbildern  geschmückt  sein,  die
Wertbezeichnung  wird  in  Ziffern  ausgedrückt  werden,  die
sich  an  den  Ecken  der  Marken  befinden  werden.
(Sonderstempel  für  die  Zeppelinpost.)  Aus  Berlin  wird
uns  berichtet:  Das  Luftschiff  „Graf  Zeppelin"  wird  die
im  Mai  abgebrochene  Fahrt  nach  Amerika,  um  den  1.  Aulgust
herum,  wieder  aufnehmen.  Die  Postsendungen,  die  bereits  bei
der  abgebrochenen  Fahrt  an  Bord  mitgeführt  wurden,  erhalten
einen  Sonderstempel  mit  dem  Wortlaut  „Beförderung
wegen  Abbruches  der  1.  Amerikafahrt  verzögert“.
(Irische  Jubiläumsbriefmarken.)  Irland  hat  anläßlich  des
hundertsten  Jahrestages  der  Katholiken-Emanzipation  einen
Satz  Jubiläumsbriefmarken  herausgegeben.  Sie  zeigen  ein  Porträt ­
  von  Daniel  O'C  o  n  n  e  1,  dem  Befreier.
(Die  Brieimarkenabteilung  des  Dorotheums)  übersiedelt
Ende  August  von  ihrem  bisherigen  Standort,  Wien,  VI.,  Mariahilfer ­
  Straße  73,  in  das  Hauptanstaltsgebäude,  Wien,  I.,  Dorotheergasse
  17,  3.  Stock.
(„Gewaschene“  Briefmarken.)  In  den  Vereinigten  Staaten
legte  man  jetzt  einer  iSchiwindlerbande  das  Handwerk,  das  einen
schwunghaften  Handel  mit  „gewaschenen"  Briefmarken
betrieb.  Ein  Chemiker,  der  der  Bande  angehörte,  hatte  ein  Verfahren ­
  erfunden,  wodurch  der  Stempel  von  gebrauchten
Briefmarken,  ohne  jegliche  Spur  zu  hinterlassen,  entfernt
werden  konnte.  Ueber  fünf  Millionen  solcher  „gewaschener"
Marken  wurden  wieder  in  Umlauf  geselzl,  ehe  man  den
Schwindlern  auf  die  Spur  kam.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.