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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Nr. 20
Verhältnisse außergewöhnlich große Reihe französischer bibliophiler
Leckerbissen. Diese entstammen zumeist der Periode
zwischen 1880' und 1900, als die Buchkunst in Deutschland
noch in den Kinderschuhen steckte. Die französischen Luxus-Ausgaben
betonen durchwegs mehr das illustrierte als
das typographische Moment. Wir finden häufig die Serien der
Illustrationen in mehreren Zustandsdrucken auf kostbarem
Papier abgezogen, teils in Farben gedruckt, während berühmte
Pariser Buchbinder — wir erwähnen nur Canape, Blanchetiere,
Marius Magnin, Stroobants — die kostbare äußere Hülle berstellten.
Aus der Fülle seien nur einzelne Stücke hervorgehoben,
wie die verschiedenen Balzac-Bände, sowie Romane
und Novellen von Flaubert, Barbev d’Aurevilly, Hugo, France,
La Fayette, Maupassant, George Sand, Romain Rolland, Stendhal,
Voltaire. Besonders hervorheben muß man die Prachtausgabe
von [Mauelair, dis [Miniaturen dets Kaiserreiches und Restaurationszeit
betreffend, ein Luxus-Druck im guten Sinne des
Wortes mit prachtvollen Wiedergaben der farbigen Miniaturen
aus sonst nicht zugänglichen Sammlungen.
Aus der Fülle des übrigen Materials möchten wir noch
herausgreifen.: Ein Widmungisexemplar von Lilienc r o n's
Adjutantenrirtte an Bierbaum: eine kleine, gewählte Abteilung
mit Kunstbüchern, darunter die vollständige Serie der Klassiker
der Kunst; die große Kostüm-Geschichte von Rosenberg,
sowie schließlich eine von Speckte r illustrierte Ausgabe
des Quickborn von Klaus G r o t h, die dadurch an Interesse
gewinnt, daß eine Porträt-Zeichnung des Hamburger Malers
C, W. Alters von 1888 beigebunden ist, die Groth vortragend
bei John War bürg in Altona feisthält und von beiden
signiert ist. Die Abteilung Länder- und Völkerkunde entstamme
der Nachlaßbibliothek des Herrn Heinrich Umlau f f, früheren
Inhabers und Gründers des völkerkundlichen Institutes und
Museums J. F. G, .Umlau f f. Wir finden in ihr viel schwierig
erreichbares .Material, so z. B. das kostbare Werk von L e
C o q, Chotscho, über die preußische Turfan-Expedition,
Schwab es längst vergriffenes Werk mit farbigen Photographien
über die deutschen Kolonien, sowie illustrierte Rei.seischilderungen
aller Erdteile. Der illustrierte Katalog steht
Interessenten kostenlos zur Verfügung.
(Der gelehrte Bücherdieb,) Vor einem Schöffensenat in
Graz stand der Privatgelehrte Dr. Arnulf Kogler, der in
der Frankfurter Stadtbibliothek, die ihm vertrauensvoll
sogar die Schlüssel zu den Magazinen gab,
31 Wiegendrucke und 137 andere wertvolle Bände stahl.
Kogler leugnete zuerst, brach aber dann unter der Wucht der
Beweise zusammen und legte ein umfassendes Geständnis ab.
Er gab zu, alle Wiegendrucke, bis auf einen, das „Breviarium
Mogutinum" (1487 bei Grünnigers in Straßburg
gedruckt), das er auf dem Grazer Felzenmarkt gekauft haben
will, entwendet und an Händler verkauft zu haben. Das Urteil
lautete auf drei Jahre schweren Kerkers, eine
Strafe, die man angesichts des unersetzlichen Schadens als
sehr milde bezeichnen muß.
BILDER.
(Auffindung eines Van Eyck.) In der Kunsthandlung
Rochlitz in Berlin ist, wie uns von dort gemeldet wird,
zur Zeit eine »Madonna mit Stifter« ausgestellt, die als ein
Werk van Eycks bezeichnet wird. Eine kleine Broschüre
gibt über die Geschichte des Bildes Auskunft.
(Der gestohlene Ruisdael.) Wir haben in der Nummer 14
vom 15. Juli d. J. über den Prozeß berichtet, den der Wiener
Holzhändler Hans Maria Weinzinger gegen den Anglo
Danubian Lloyd angestrengt hatte, der ihm als Entschädigung
für ein Bild von Jakob Ruisdael, das ihm gestohlen wurde,
1000 Schilling bot. Weinzinger begehrte 57.600 Schilling, das
Handelsgericht sprach ihm 30.000 Schilling zu, wobei es sich
in eine Ueberprüfung der Echtheit des Bildes nicht einließ,
da es diese nach Angaben von Zeugen, die es vor dem Diebstahle
gesehen hatten und nach dem Gutachten des Generaldirektors
Dr. Dörnhöffer von der Münchener Staatsgemäldesammlung,
des Direktors Dr. Gustav Glück von der
Wiener Gemäldegalerie und des Wiener Kunsthändlers Alfred
W a w r a die Echtheit als erwiesen annahm.
Gegen dieses Urteil hatte .sowohl der. Kläger als auch die
beklagte Gesellschaft an das Oberlandesgericht berufen. Ein
Senat unter Vorsitz des Hofrates Dr. Kraßl gab beiden Berufungen
Folge, hob das Urteil auf und verwies die
Sache zur neuerlichen Verhandlung an das Handelsgericht.
Diesem Gerichte wurde aufgetragen, vorerst die Beweise
über die Echtheit des Bildes durchzuführen und den Parteien
aufzutragen, die Beweise für die Echtheit oder Unechtheit
beizubringen. Diese Prüfung wird natürlich umso schwieriger
sein, als nur mehr Photographien des verschwundenen
Bildes vorliegen. Das Bild stellte eine Gebirgslandschaft mit
einem Wasserfall und einer Bauerngruppe dar und war auf Holz
gemalt.
NUMISMATIK.
(Münzauktion in Frankfurt a, M.) Die Auktion, die bei
Ad. E. Cahn in Frankfurt a. M. am 15. Oktober und den
folgenden Tagen stattfindet, bietet den .Sammlern fast auf
jedem Gebiete der Numismatik lockende Auswahl. Unter den
griechischen Münzen ragen durch ihre Seltenheit einige Stücke
sizilischer Städte sowie der hellenistischen Dynastien von
Syrien, Aegypten und Baktrien hervor. Rom ist u. a. mit Goldstücken
des iDomitian, der Sabina, Galla Placidia und des letzten
weströmischen Kaisers 'Romulus Augustulus sowie mit dem
Prachtexemplar einer Großbronze der Orbiana, Gemahlin des
Severus Alexander, vertreten. Die neuzeitlichen Reihen enthalten
Seltenheiten an großen Goldgeprägen, einfachen und
mehrfachen Talern und an Probemünzen; ein Glanzstück ist der
Genier Taler von 1635. Ganz besonders aber sei auf die etwa
600 Nummern umfassende Abteilung deutscher Mittelaltermünzen
hingewiesen, wie sie .so bald nicht wieder
auf den Markt kommen dürften. Hier befinden sich, besonders
unter den mitteldeutschen Geprägen, prächtige Beispiele romanischer
Kleinkunst, wie die mit gleichzeitigen Miniaturen verwandte
Darstellung des Grafen Günther V, von 'Schwarzburg
(1167 bis 1223) in Beckenhaube, mit Schwert und Jagdfalke,
oder auf einem Brakteaten von Mühlhausen in Thüringen das
Rei.terbild .Friedrich Barbarossas als Kreuzfahrer mit Banner
und dem mit dem Kreuz bezeichneten Schild, wobei ein Fisch,
das 'Symbol Christi, als Beizeichen die religiöse Bedeutung
dieses Gepräges noch besonders betont.
(Zeppelin - Gedenkmünzen.) Zur Ehrung von Erfinder, Erbauer
und Besatzung des Luftschiffes „Graf Zeppelin 1,
anläßlich seines ersten Weltfluges beabsichtigt die deutsche
Reichsregierung Erinnerungsmünzen herauszugeben, die den
Charakter von Reichsmünzen haben. Ein entsprechender Antrag
ist dem Reichsrat bereits zugegangen, Nach erfolgter Zustimmung
werden die Münzen, deren künstlerischer Entwurf
von Waldemar Raemisch stammt, als Drei- und Fünfmarkstücke
geprägt werden.
VERSCHIEDENES.
(Verband der Kommissionäre im Kunsthandel.) In Berlin
ist ein „Verband der Kommissionäre im Kunsthandel“ gegründet
worden, der die Förderung des Gewerbes der im Berliner
Kunsthandel tätigen Kommissionäre und die Wahrnehmungen
ihrer Standesinteressen bezweckt. An der Spitze des Verbandes
steht Martin Schwersenz; dem Vorstand gehören
die Herren Artur Abt und Pincoff an.
(Minna Gedon f.) Aus München wird uns berichtet;
In einem städtischen Heim ist Minna Gedon im 81. Lebensjahre
gestorben. Sie war die Gattin des Erbauers der Stadtgalerie,
des Bildhauers und Architekten im renaissancistischen
Stil, Lorenz Gedon, der bereits 1883 starb. Ihr Haus war ein
Mittelpunkt des Münchner Künstlerlebens in der Kaulbach-Lenbach-Zeit.
Ihr von Wilhelm Leibi gemaltes Porträt aber
begründete ihren und de.s Künstlers europäischen Ruf.
(Die Zagreber Kunstdiebstähle,) Man schreibt uns aus
Zagreb: Nach und nach lüftet sich das Dunkel, das über
den Diebstählen im Domschatz gebreitet war. Nun wird mitgeteilt,
daß das tllfenbein-Triptychon doch nicht das einzige
Kunstwerk Ist, dessen Verlust man zu betrauern hat. Man vermißt
auch zwei Pektorale. Das eine ist mit neun Smaragden
besetzt, die von Diamanten umgeben sind. Dazu gehört
ein Smaragdring aus dem Jahre 1792, den Bischof
T h a u s z y der Schatzkammer geschenkt hat. Das zweite
bischöfliche Brustkreuz enthält sieben große, von Brillanten
umsäumte .Amethyste. Schließlich fehlt ein Ring mit sieben
kleinen Brillanten in der Mitte. Das Kreuz hat das Kapitel
vom Kaiser Franz I. aus Anlaß der Krönung der Kaiserin
Karoline im Jahre 1816 zum Geschenke erhalten. Auch
statt der echten Brustkreuze wurden in der Schatzkammer
ziemlich wertlose Nachbildungen hinterlegt. Die beiden gestohlenen
Pektorale werden auf 1)4 Millionen Dinar geschätzt,
ohne daß bei den Stücken der historische Wert berücksichtigt
worden wäre.
MUSEEN.
(Ein Livingstone-Museum.) Das Geburtshaus des Afrikaforschers
Livingstone zu Blantyre bei Glasgow ist
jetzt mit den umgebenden Häusern in ein Gedächtnismuseum
für den großen Mann umgewandelt worden. Das Geburtszimmer
ist in seiner ursprünglichen Einrichtung wieder hergestelli
worden; ein anderer Raum ist dem Familienstammbaum der
Livingstone gewidmet. In einer langen Reihe von Bildern wird
das abenteuerreiche Leben Livingstones vorgeführt. Unter den
persönlichen Andenken, die hier Aufstellung gefunden haben,
befinden sich seine ärztliche Ausrüstung, seine silberne Uhr,