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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Nr. 20
sches, raffiniert Feminines spricht aus all diesen
Köpfen, spricht aus den wohllüstig weichen Bildern
J, G. Platzers, von denen drei von höchster Qualität
vorhanden sind. Einige Meisternamen seien hier
als programmatisch genannt: Daffinger, Danhauser,
Fendi, Schrotzberg, Ender, Waldmüller, Amerling,
Greil, Bossi, Kriehuber, Dobiaschofsky, Schwind,
Reiter, Einsle, Petter, Riedel.
Unter den Barock - Italienern nennen wir vier
Namen von bestem Klang: Francesco Solimena,
Giuseppe Bazzani, Michele Rocca, Giv. Bett. Pittoni.
Das Thema „Die schöne Frau“ ist auch führend
in den Abteilungen der französischen und niederlän
dischen Bilder der Sammlung Loewe. Malernamen
und Bildtitel mögen dieses illustrieren: F. Boucher,
„Triumph der Venus“, Antoine Pesne, „Mädchen-
bildnis“, Bildnisse von Rigaud und Largilliere, Meister
des verlorenen Sohnes, „Susanna im Bade“, Hendrik
de Clerck, „Pallas und die neun Musen“, Jacques
Louis David, Willem van Mieris, „Der Alte und das
Mädchen“, Joh. Georg Fischer, „Toilette der Ve
nus“ etc.
Theodor Loewes Sammlung ausgesucht schöner
Bildnisminiaturen auf Elfenbein ist eine
durchaus ebenbürtige Ergänzung seiner Wiener Bil
der. Es sind fast durchwegs signierte Arbeiten
Wir begegnen hier den bedeutendsten Meistern die
ser liebenswürdigen Kleinkunst: Daffinger, Decker,
Lampi, Prinzhofer, Teltscher, Lieder, Bell, Grassi,
Winberg, Kraft, Dumeray, Schindler, v, Saar und
vielen anderen.
Cine JCnopfSammlung.
Mit dem alten Schmuck der Sammlung Rosen
berg kommt, wie schon kurz in der vorigen Num
mer erwähnt, durch Hermann Ball und Paul
Graupe in Berlin am 4. November auch die
kleine Knopfsammlung Rosenbergs zur Ver
steigerung.
Es sind nur neun Nummern, aber sie sind umso
beachtenswerter, als Knöpfe aus alter Zeit sich we
nig erhalten haben und es Liebhabern ungeheure
Mühe verursacht, ihre Sammlungen durch Neuer
werbungen zu erweitern.
Das Altertum und das frühe Mittelalter hatten
wenig Verwendung für den Knopf: die lose und
weite Gewandung machte ihn im allgemeinen ent
behrlich. Immerhin taucht er hin und wieder auf
und wir wissen, daß F o r r e r bei seinen Ausgra
bungen zu Achnim auf ägyptischen Torhüllen ver
goldete, hölzerne Zierknöpfe als Streumuster aufge
näht fand. Solche Zierknöpfe mögen auch die der
Sammlung Rosenberg gewesen sein, die aus der Zeit
der 18. Dynastie stammen. Sie sind rund, blau und
grünlich und aus Fayence hergestellt. Neun da
von rühren von einem Halsschmuck her. Die
restlichen Knöpfe der Sammlung sind schon Pro
dukte der Neuzeit; 16., 17. und 18. Jahrhundert. Die
ältesten sind die sechzehn schwedischen
Knöpfe, die vergoldet, durchbrochen, gegossen und
mit gotisierendem Blütenzweig geschmückt sind. 21
sind aus Silber. Nürnberger Provenienz sind zehn
scheibenförmige Knöpfe mit gemalten Vögeln unter
Glas in Perlmutterrahmen, Wir finden weiters
deutsche Porzellanknöpfe aus dem 18. Jahrhun
dert, flache, scheibenköpfige Knöpfe aus Elfenbein
(18. Jahrh.), ungarische Metallknöpfe von einer
Bauerntracht, zwei japanische Silberknöpfe mit
Zellenschmelz, einen mit Email bemalt u. a.
Eine kleine Sammlung für sich stellen die 470
russischen Knöpfe dar, von denen 150 Stück
Silber vergoldet, 208 aus Weißsilber, 19 vergoldet
und emailliert, 29 aus Silber in Glockenform, 18 aus
blauem Glas und 10 mit Perlmutterstücken sind.
36 Stück sind mit kleinen Perlen besetzt.
Versteigerung der Bibliothek Busseil.
Aus Berlin wird uns berichtet:
Die erste Herbstauktion Graupes, die Ver
steigerung der Bibliothek Ferdinand Russell
(Koblenz) bereitete nicht nur den Skeptikern eine
große Ueberraschung. Der Markt für deutsche
Literatur, der seit Jahren darniederlag, hat durch
diese Versteigerung einen fühlbaren Auftrieb und
eine starke Festigung der Preise erfahren. Vor
allem haben die großen Stücke, die in den letzten
Jahren immer mehr heruntergegangen waren, wieder
die alte, gebührende Wertung erfahren.
Die Beteiligung einer großen Anzahl Berliner
und auswärtiger Händler und Sammler gestaltete den
Verlauf der Versteigerung sehr lebhaft. Die erste
Ausgabe der Gedichte der Droste-Hülshoff
(Münster, Aschendorff 1838), die gleich nach dem
Erscheinen von der Dichterin zurückgekauft und
vernichtet wurde, brachte 230 Mark, Die fast voll
ständige Stefan-George-Sammlung durfte
natürlich auf besonderes Interesse rechnen. Der
„Algabal“, in der ersten Ausgabe, die als Privatdruck
in 100 Exemplaren auf weißem Bütten für den Ver
fasser bei Vaillant-Carmanne in Lüttich erschien,
erzielte 280 Mark, die „Hymnen“, die erste Buch
veröffentlichung des Dichters, ein Privätdruck in 100
Exemplaren bei Wilhelm und Brasch, Berlin 1890
hergestellt, 305 Mark, die „Pilgerfahrten“ (Wien
1891) 190 Mark, der „Teppich des Lebens und die
Lieder von Traum und Tod“ 135 Mark. Eines der
25 Exemplare der ersten Baudelaire'schen Ueber-
tragungen, „Die Blumen des Bösen' erreichte 310 M.
Auch die Publikationen der Blätter für die Kunst,
die hinter denen des Dichters bisher zurückstanden,
sind erheblich in der Bewertung gestiegen.
Starkem Interesse begegnete auch natürlich die
reichhaltige Goethe-Sammlung. Von den
Gesamtausgaben brachte die schöne Wiener Ausgabe
in 26 Bänden mit Vignetten nach Schnorr von Ca-
rclsfeld 370 M, die vollständige Ausgabe letzter
Hand, 60 Bände, Cotta 1827—1842 in Halbpergament
290, die Sophienausgabe 680 M. Das „Römische Car-
neval“, das Goethe selbst nicht besaß — sein Privat
exemplar hatte er 1819 der Schloßbibliothek zur
Wilhelmshöhe zur Verfügung gestellt — stand mit
1800 M auf einer ihm entsprechenden Preishöhe, das
Faust-Fragment mit 1500, der Götz mit 1925 Mark,
Eines der interessantesten Stücke der Auktion, die
Ausgabe von „Hermann und Dorothea", Cotta, 1829,
mit der schönen eigenhändigen Widmung: „Herren
Superintendenten M. Anger zu danckbarem Erwie-
dern freundlichen Zuspruchs J. W, Goethe, Weimar,
I den 23. July 1830“, konnte 1235 Mark bring en. Das