Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Jahrgang 21 (1929) (3)

Nr.  3

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Seite  31

Unter  den  Goldfunden  kann  man  überdies  auch
viele  Stücke  sogenannten  Bruchgoldes  sehen,
auch  ganze  spiralförmige  Gebilde  solchen  Goldes.
Als  Zahlungsmittel  wurde  nämlich  neben  den  eigentlichen ­
  Goldmünzen  vielfach  auch  »Bruchgold«  benützt. ­

  Insbesondere  war  es  Sitte  der  Könige  und
sonstiger  mächtiger  Häuptlinge,  tapfere  Untergebene
in  der  Weise  zu  belohnen,  daß  ein  Stück  von  dem
Goldspiral  abgebrochen  und  dem  betreffenden  Helden ­
  überreicht  wurde.

«5Veue  JCunstfälschungen  in  Mailand.

Aus  Mailand  wird  ttns  berichtet:
Eine  neue  Kunstfälscheraffäre  hat  in  Mailand  große  Aufregung ­
  verursacht.  Der  Famulus  G  a  11  i,  des  vor  zwei  Jahren
verstorbenen  und  durch  sein  langjähriges  Wirken  besonders
in  Paris  gut  bekannten  Bildhauers  Medardo  Rosso,  hat  zahlreiche ­
  bekannte  Werke  des  Meisters  mit  den  zurückgelassenen ­
  Gipsformen  kopiert  und  als  Originale  verkauft.
Der  Famulus  betrieb  seit  dem  Tode  des  Meisters  ein
Kunstgeschäft.  Unter  den  Fälschungen  befinden  sich  Kopien
von  Werken  des  lombardischen  Impressionisten,  die  vom
Louvre  erworben  worden  sind.  Der  Sohn  des  Bildhauers
hat  gegen  den  ungetreuen  Famulus  die  Strafanzeige  erstattet
und  die  Beschlagnahme  der  Werke  seines  Vaters  angeordnet,
die  im  Besitze  dieses  neuen  KunstfäLschers  sind.
Medardo  Rosso  war  einer  der  interessantesten  italienischen ­
  Künstler  der  vergangenen  Jahrhunderte.  Besonders  bekannt ­
  wurde  er  durch  R  o  d  i  n,  der  vielfache  Anregungen  von
dem  in  Paris  lebenden  Mailänder  erfuhr.  Rosso,  in  seiner
Jugend  einer  der  harmlosesten  italienischen  Plastiker,  die

keineswegs  revolutionär  zu  sein  pflegen,  begann  plötzlich  mit
seinen  Experimenten,  Die  große  Malerei  der  Franzosen  hatte
es  ihm  angetan,  und  er  strebte  danach,  etwa  ein  „Eugene
Carriere  der  Plastik“  zu  werden.  Rembrandts  Licht-  und
Schattenkontraste,  verschleierte,  in  nebelhaften  Umrissen  auftauchende ­
  Erscheinungen  und  Sonnenspiele  ins  Dunkel  hinein,
das  wollte  er  in  Wachs  und  Ton  ausdrücken.
Von  Porträtköpfen,  die  die  Dargestellten  gleichsam  mit
der  umgebenden  Luft  wiedergeben  wollten,  ging  es  weiter  zu
allerlei  Wagnissen,  bei  denen  er  schließlich  scheitern  mußte.
So  versuchte  es  Rosso,  Frauengesichter  mit  dem  Schleier  zu
modellieren,  der  selbst  als  feste  Form  gegeben  wurde,  und
man  war  schließlich  nicht  erstaunt,  zu  hören,  daß  er  in  seinem
Atelier  die  Gruppe  eines  Paares  auffcewahrte,  das  auf  der
Straße  dahinging,  und  neben  dem  der  Schatten  plastisch  dargestellt
  war.  Die  Theorie  der  malerischen  Plastik  war  hier
bis  zur  äußersten  Konsequenz  getrieben  und  mußte  sich  totlaufen.
  Aber  in  seinen  sonstigen  Werken  bewährte  Rosso
eine  ungewöhnliche,  originelle  Begabung.

Chronik,

AUTOGRAPHEN.
(Auktion  bei  Henrich)  Bei  der  am  12.  Jänner  bei  H  e  n  -
rici  in  Berlin  abgehaltenen  Autographen-Auktion  wurde
ein  14  zeitiges  Gedicht  von  Casanova  mit  330  Mark  bezahlt;
17  Zeilen  von  der  Hand  K  e  a  t  s  .brachten  3500  Mark.  Ein
Balzacbrief  erzielte  150  M.,  ein  Brief  von  Bossuet
250  M..  Für  einen  schönen  wissenschaftlichen  Brief  des  großen
Mathematikers  Euler  gab  man  610  M.  und  für  einen  grundlegenden ­
  mathematischen  Brief  von  Gauß  340  M,
Goethe  zeitigte  dann  wieder  den  höchsten  Preis  der
Auktion  mit  den  3800  M.,  die  das  Goethe-Nationalmuseum  für
den  Luxemburger  Brief  vom  Oktober  1792  an  die  beiden  Herders ­
  mit  ganzseitiger  Federzeichnung  gab.  Der  eigenhändige
Brief  an  Schopenhauer  stieg  auf  1800  M.,  ein  Vierzeiler  auf
960  M,  Auch  die  Frauen  um  Goethe  erfreuten  sich  der  üblichen ­
  Beliebtheit:  450  M.  für  einen  Brief  Lillis,  510  M.  für  einen
Brief  Minchens.  Der  einzelne  Grabbebrief  wurde  für
310  M.  erworben,  Hauff  für  340  M.,  Hebbel  für  240  M.
und  Herder  für  175  M.  (höchst  wichtiger  Brief  an  Lessing).
Von  alten  Briefen  notierten  Hutten  mit  235  M.,  Kepler
mit  290  M.  Die  Philosophie  vertraten  Kant  mit  300  M.,
L  e  i  b  n  i  z  mit  500  und  240  M.,  Rousseau  mit  130  M.,
Schopenhauer  mit  470  M,  (das  achtzeilige  Gedicht  auf
Raffaels  Madonna),  Voltaire  mit  460  M.  (bloß  eigene  Unterschrift ­
  110  M.).  Ein  Brief  der  Ninon  de  Lenclos  brachte
270  M.,  einer  der  Corona  Schroeter  480  M,
Andere  -wichtige  Preise  waren:  290  M.  für  Jean  Paul,
130  M,  für  Stifter,  250  M,  für  T  h  a  c  k  e  r  a  y,  710  M.  für
den  Reformator  Zwingli.  In  der  Abteilung  Musik  und  Kunst
wurden  800  und  600  M,  für  kleinere  Musikmanuskripte  Beethovens ­
  gezahlt,  270  M.  für  einen  Brief  Haydns,  1850  M.
von  Weimar  für  Schuberts  Komposition  von  Goethes
»Geistergruß«,  460  M.  für  das  Jägerlied  und  450  M,  für  ein
Musikmanuskript  Schumanns  von  sieben  Seiten,  das  drei
erste  Niederschriften  enthält.  Unter  den  bildenden  Künstlern
brachte  der  Brief  Veroneses  760  M.

BILDER.
(Ein  Freskobild  Kaiser  Heinrichs  II.)  Aus  Rom  wird  uns
berichtet:  Im  deutschen  Campo  Santo-College  hielt  Dr.  Paul
Marktthaler  einen  Vortrag  über  ein  von  ihm  in  dem
früheren  mittelalterlichen  deutschen  Reichskloster  San»Salvatore
  Maggiore  bei  Rom  entdecktes  zeitgenössisches  Freskobild ­
  Kaiser  Heinrichs  II,,  das  sich  als  Erstbildnis  dieses ­
  Kaisers  zu  erweisen  scheint.

(Die  Gemäldegalerie  des  Sonderlings.)  Aus  L  ondon
wird  uns  gemeldet:  In  Cardiff  City  starb  vor  ein  paar  Tagen
ein  als  Sonderling  bekannter  Mann  namens  P  i  11  i  g  r  e  w.
Man  wußte  wohl,  daß  dieser  Sonderling  in  seinem  Hause  viele
wertvolle  Gemälde  besaß.  Die  Untersuchung  in  seiner  Wohnung ­
  brachte  aber  ein  alle  Erwartungen  übertreffendes  Resultat. ­
  In  schweren  Seidenstoffen  verpackt,  fand  man  mehr
als  500  Gemälde  und  Radierungen,  In  den  Räumen
des  Hauses  waren  so  wertvolle  Bilder  aufgestapelt,  daß  mau
vorläufig  den  Geldeswert  dieser  Kunstgegenstände  gar  nicht
abschätzen  kann.  Sachverständige  haben  unter  den  500  Bildern ­
  84  für  äußerst  wertvoll  erklärt.  Es  befinden  sich  darunter ­
  drei  herrliche  Rembrandt  -  Bilder,  ferner  ein
äußerst  wertvoller  H  o  1  b  e  i  n  und  noch  Bilder  anderer  großer
Meister,
(Ausstellung  böhmischer  Primitiver  in  Paris.)  Wie  uns  aus
Prag  gemeldet  wird,  besteht  die  Absicht,  in  diesem  Jahre
*n  Paris  im  Rahmen  der  üblichen  retrospektiven  Ausstellungen
auch  eine  repräsentative  Ausstellung  der  böhmischen  primitiven ­
  Meister  und  der  böhmischen  barocken  Kirchenmalerei  zu
veranstalten.  Da  es  sich  bei  dieser  Ausstellung  um  besonders
kostbare  Werke  handelt,  stößt  die  Verwirklichung  dieser  Absicht ­
  noch  auf  gewisse  Schwierigkeiten.

HANDSCHRIFTEN.
(Ein  neuentdecktes  Ariost-Manuskript.)  Wie  aus  Neap
  e  1  gemeldet  wird,  soll  in  der  dortigen  Nationalbibliothek
unter  aus  dem  Karthäuser-Kloster  von  San  Martino  stammenden ­
  Schriftstücken  von  A  rios  t  ein  bisher  unbekannter
Feil  des  »Rasenden  Roland«  gefunden  worden  sein,
der  15  Oktavseiten  umfassen  soll.

NUMISMATIK.
(Gcldmünzendiebstahl  im  Schloß  Cumberland.)  Erst  jetzt
wird  bekannt,  daß  schon  seit  Monaten  aus  der  Münzensammlung ­
  des  Herzogs  von  Braunschweig  im  Cumberland-Schloß
  in  Gmunden  Goldmünzen  im  Gewichte  von
über  acht  Kilogramm  verschwunden  sind.  Der  Täter  wurde  in
der  Person  des  Kammerdieners  Ernst  D  e  i  t  e  s  ermittelt,  der
im  Laufe  der  Zeit  150  Laden  ausgeplündert  hat,  Wie  vorsichtig
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.