Nr. 3
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
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Unter den Goldfunden kann man überdies auch
viele Stücke sogenannten Bruchgoldes sehen,
auch ganze spiralförmige Gebilde solchen Goldes.
Als Zahlungsmittel wurde nämlich neben den eigentlichen
Goldmünzen vielfach auch »Bruchgold« benützt.
Insbesondere war es Sitte der Könige und
sonstiger mächtiger Häuptlinge, tapfere Untergebene
in der Weise zu belohnen, daß ein Stück von dem
Goldspiral abgebrochen und dem betreffenden Helden
überreicht wurde.
«5Veue JCunstfälschungen in Mailand.
Aus Mailand wird ttns berichtet:
Eine neue Kunstfälscheraffäre hat in Mailand große Aufregung
verursacht. Der Famulus G a 11 i, des vor zwei Jahren
verstorbenen und durch sein langjähriges Wirken besonders
in Paris gut bekannten Bildhauers Medardo Rosso, hat zahlreiche
bekannte Werke des Meisters mit den zurückgelassenen
Gipsformen kopiert und als Originale verkauft.
Der Famulus betrieb seit dem Tode des Meisters ein
Kunstgeschäft. Unter den Fälschungen befinden sich Kopien
von Werken des lombardischen Impressionisten, die vom
Louvre erworben worden sind. Der Sohn des Bildhauers
hat gegen den ungetreuen Famulus die Strafanzeige erstattet
und die Beschlagnahme der Werke seines Vaters angeordnet,
die im Besitze dieses neuen KunstfäLschers sind.
Medardo Rosso war einer der interessantesten italienischen
Künstler der vergangenen Jahrhunderte. Besonders bekannt
wurde er durch R o d i n, der vielfache Anregungen von
dem in Paris lebenden Mailänder erfuhr. Rosso, in seiner
Jugend einer der harmlosesten italienischen Plastiker, die
keineswegs revolutionär zu sein pflegen, begann plötzlich mit
seinen Experimenten, Die große Malerei der Franzosen hatte
es ihm angetan, und er strebte danach, etwa ein „Eugene
Carriere der Plastik“ zu werden. Rembrandts Licht- und
Schattenkontraste, verschleierte, in nebelhaften Umrissen auftauchende
Erscheinungen und Sonnenspiele ins Dunkel hinein,
das wollte er in Wachs und Ton ausdrücken.
Von Porträtköpfen, die die Dargestellten gleichsam mit
der umgebenden Luft wiedergeben wollten, ging es weiter zu
allerlei Wagnissen, bei denen er schließlich scheitern mußte.
So versuchte es Rosso, Frauengesichter mit dem Schleier zu
modellieren, der selbst als feste Form gegeben wurde, und
man war schließlich nicht erstaunt, zu hören, daß er in seinem
Atelier die Gruppe eines Paares auffcewahrte, das auf der
Straße dahinging, und neben dem der Schatten plastisch dargestellt
war. Die Theorie der malerischen Plastik war hier
bis zur äußersten Konsequenz getrieben und mußte sich totlaufen.
Aber in seinen sonstigen Werken bewährte Rosso
eine ungewöhnliche, originelle Begabung.
Chronik,
AUTOGRAPHEN.
(Auktion bei Henrich) Bei der am 12. Jänner bei H e n -
rici in Berlin abgehaltenen Autographen-Auktion wurde
ein 14 zeitiges Gedicht von Casanova mit 330 Mark bezahlt;
17 Zeilen von der Hand K e a t s .brachten 3500 Mark. Ein
Balzacbrief erzielte 150 M., ein Brief von Bossuet
250 M.. Für einen schönen wissenschaftlichen Brief des großen
Mathematikers Euler gab man 610 M. und für einen grundlegenden
mathematischen Brief von Gauß 340 M,
Goethe zeitigte dann wieder den höchsten Preis der
Auktion mit den 3800 M., die das Goethe-Nationalmuseum für
den Luxemburger Brief vom Oktober 1792 an die beiden Herders
mit ganzseitiger Federzeichnung gab. Der eigenhändige
Brief an Schopenhauer stieg auf 1800 M., ein Vierzeiler auf
960 M, Auch die Frauen um Goethe erfreuten sich der üblichen
Beliebtheit: 450 M. für einen Brief Lillis, 510 M. für einen
Brief Minchens. Der einzelne Grabbebrief wurde für
310 M. erworben, Hauff für 340 M., Hebbel für 240 M.
und Herder für 175 M. (höchst wichtiger Brief an Lessing).
Von alten Briefen notierten Hutten mit 235 M., Kepler
mit 290 M. Die Philosophie vertraten Kant mit 300 M.,
L e i b n i z mit 500 und 240 M., Rousseau mit 130 M.,
Schopenhauer mit 470 M, (das achtzeilige Gedicht auf
Raffaels Madonna), Voltaire mit 460 M. (bloß eigene Unterschrift
110 M.). Ein Brief der Ninon de Lenclos brachte
270 M., einer der Corona Schroeter 480 M,
Andere -wichtige Preise waren: 290 M. für Jean Paul,
130 M, für Stifter, 250 M, für T h a c k e r a y, 710 M. für
den Reformator Zwingli. In der Abteilung Musik und Kunst
wurden 800 und 600 M, für kleinere Musikmanuskripte Beethovens
gezahlt, 270 M. für einen Brief Haydns, 1850 M.
von Weimar für Schuberts Komposition von Goethes
»Geistergruß«, 460 M. für das Jägerlied und 450 M, für ein
Musikmanuskript Schumanns von sieben Seiten, das drei
erste Niederschriften enthält. Unter den bildenden Künstlern
brachte der Brief Veroneses 760 M.
BILDER.
(Ein Freskobild Kaiser Heinrichs II.) Aus Rom wird uns
berichtet: Im deutschen Campo Santo-College hielt Dr. Paul
Marktthaler einen Vortrag über ein von ihm in dem
früheren mittelalterlichen deutschen Reichskloster San»Salvatore
Maggiore bei Rom entdecktes zeitgenössisches Freskobild
Kaiser Heinrichs II,, das sich als Erstbildnis dieses
Kaisers zu erweisen scheint.
(Die Gemäldegalerie des Sonderlings.) Aus L ondon
wird uns gemeldet: In Cardiff City starb vor ein paar Tagen
ein als Sonderling bekannter Mann namens P i 11 i g r e w.
Man wußte wohl, daß dieser Sonderling in seinem Hause viele
wertvolle Gemälde besaß. Die Untersuchung in seiner Wohnung
brachte aber ein alle Erwartungen übertreffendes Resultat.
In schweren Seidenstoffen verpackt, fand man mehr
als 500 Gemälde und Radierungen, In den Räumen
des Hauses waren so wertvolle Bilder aufgestapelt, daß mau
vorläufig den Geldeswert dieser Kunstgegenstände gar nicht
abschätzen kann. Sachverständige haben unter den 500 Bildern
84 für äußerst wertvoll erklärt. Es befinden sich darunter
drei herrliche Rembrandt - Bilder, ferner ein
äußerst wertvoller H o 1 b e i n und noch Bilder anderer großer
Meister,
(Ausstellung böhmischer Primitiver in Paris.) Wie uns aus
Prag gemeldet wird, besteht die Absicht, in diesem Jahre
*n Paris im Rahmen der üblichen retrospektiven Ausstellungen
auch eine repräsentative Ausstellung der böhmischen primitiven
Meister und der böhmischen barocken Kirchenmalerei zu
veranstalten. Da es sich bei dieser Ausstellung um besonders
kostbare Werke handelt, stößt die Verwirklichung dieser Absicht
noch auf gewisse Schwierigkeiten.
HANDSCHRIFTEN.
(Ein neuentdecktes Ariost-Manuskript.) Wie aus Neap
e 1 gemeldet wird, soll in der dortigen Nationalbibliothek
unter aus dem Karthäuser-Kloster von San Martino stammenden
Schriftstücken von A rios t ein bisher unbekannter
Feil des »Rasenden Roland« gefunden worden sein,
der 15 Oktavseiten umfassen soll.
NUMISMATIK.
(Gcldmünzendiebstahl im Schloß Cumberland.) Erst jetzt
wird bekannt, daß schon seit Monaten aus der Münzensammlung
des Herzogs von Braunschweig im Cumberland-Schloß
in Gmunden Goldmünzen im Gewichte von
über acht Kilogramm verschwunden sind. Der Täter wurde in
der Person des Kammerdieners Ernst D e i t e s ermittelt, der
im Laufe der Zeit 150 Laden ausgeplündert hat, Wie vorsichtig