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MAK

Full text : Jahrgang 21 (1929) (4)

Seite  46

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Nr.  4

zollern  verblieben,  darunter  auch  das  in  der  Presse  genannte
„Französische  Komödianten",  das  vor  einem  Jahre  nach  Amerika ­
  verkauft  wurde.
(Rudolf  Hirschler.)  Zum  Tode  Rudolf  Hirschlers
erhalten  wir  von  gesch.  Seite  folgende  Zeilen:  Mit  Rudolf
Hirschler  verliert  der  Wiener  Kunsthandel  einen  seiner  vornehmsten ­
  Repräsentanten.  1861  geboren,  bildete  sich  Hirschler
nach  Vollendung  seiner  Schulstudien  1878—1881  in  Hamburg
kaufmännisch  aus  und  trat,  nach  Wien  zurückgekehrt,  in  die
von  seinem  Vater,  Herrn  Eduard  Hirschler  1874  gegründete
Kunsthandlung  ein.  Unter  dessen  'Leitung  wurde  sein  bereits
in  der  Kindheit  gewecktes  Interesse  für  die  Kunst  durch  eifriges ­
  Studium  gefördert,  so  daß  er  bald  dem  Vater  eine  kräftige
Stütze  bot.  Als  1891  Herr  Eduard  Hirschler,  der  als  gewiegter
Kenner  sich  allgemein  des  besten  Rufes  erfreute,  starb,  übernahm ­
  der  jetzt  Dahingeschiedene  in  Gemeinschaft  mit  seinem
bereits  im  Geschäfte  tätigen  Bruder  Paul  die  Leitung  der
Kunsthandlung,  welche  sich  bis  Ende  1898  am  Graben  befand,
mit  dem  ständigen  Vorsätze  und  Ziele,  das  Ansehen  derselben
und  den  Namen  in  Ehren  zu  halten.  Bei  dem  vornehmen,  lauteren ­
  Charakter,  dem  emsigen  Fleiß  und  dem  allgemein  anerkannten ­
  vielseitigen  Wissen  und  Verständnis  des  Verewigten,
gelang  ihm  dies  auch  trotz  vielfacher  schwerer  Phasen  und
Krisen,  welche  der  Kunsthandel  im  Laufe  der  Jahrzehnte  in
Oesterreich  zu  bestehen  hatte.  Herr  Rudolf  Hirschler  versah
auch  seit  1898  das  Amt  eines  gerichtl,  beeid.  Sachverständigen
und  Experten,  welches  er  bis  an  sein  Lebensende  mit  geradezu
bewunderungswürdiger,  an  Pedanterie  grenzender  Genauigkeit,
Umsicht  und  Gewissenhaftigkeit  ausübte.  Diese  Anerkennung
dürften  die  meisten  der  hiesigen  Notare  und  ein  Großteil  der
Rechtsanwälte  ihm  wohl  nicht  versagen.  Mit  Rudolf  Hirschler
schied  ein  Mensch  von  seltener  Herzensgüte,  hilfsbereit  für  jedermann, ­
  bescheiden  und  selbstlos  in  ganz  ungewöhnlichem
Maße.
(Ehrung.)  Aus  Neapel  wird  uns  geschrieben:  Der  bekannte ­
  Wiener  Sammler  Baron  Angelo  von  Eisner-Eisenh
  o  f,  der  ein  ausgezeichnetes  Buch  über  Gapo  di  Monte-Porzellan
  schrieb,  wurde  von  der  Direktion  des  R.  Scuolae  Museo
delle  Ceramique  in  F  a  e  n  z  a  eingeladen,  auf  dem  internationalen ­
  Kongreß  einen  Vortrag  über  Porzellan  zu  halten.
(Kunstschau  Biedermeier-Empire  in  Triest.)  Eine  originelle ­
  Kunstschau  hat  die  junge,  überaus  rührige  Kunstsammlergenossenschaft
  in  Triest  veranstaltet.  Sie  richtete  eine
Wohnung  von  sieben  Räumen  komplett  mit  Objekten  aus  der
Empire-  und  IBiedermeier-Zeit  ein,  und  zwar  präsentierten
Vorzimmer  und  der  große  Salon  das  Empire,  Boudoir  Biedermeier, ­
  Musikizimmer  Biedermeier  1830—1850,  Kleiner  Salon
1830,  Speisezimmer  und  Schlafzimmer  Empire.  Alles  war  bis
in  das  kleinste  Detail  stilgemäß  ausgestattet.  Die  Idee  zu  dieser ­
  aparlen  Ausstellung,  welche  allgemeinen  Beiiall  fand,  ging
vom  Sekretär  der  Genossenschaft,  Herrn  Dr,  Oreste  Ba.si.lic
aus,  dem  bei  der  Durchführung  der  Präsident  der  Genossenschaft ­
  Cav.  Mario  M  o  r  p  u  i  g  o  de  N  i  1  m  a  und  Comm.  Prof.
Arch.  B  r  a  i  d  o  11  i  wacker  zur  Seite  standen.

MUSEEN.
(Neuerwerbungen  des  Salzburger  Museums.)  Bei  der  Jahlesversammlung
  des  Salzburger  Museumvereines  erstattete  Direktor ­
  Dr,  Julius  Leisching  auch  Bericht  über  die  Neuerwerbungen ­
  des  letzten  Jahres.  Die  bedeutendste  darunter  ist
die  ,M  ü  n  z  e  n  s  am  m  1  u  n  g  des  unseren  Lesern  bekannten
Landesgerichtsrates  a.  D.  Roll.  Sie  enthält  170  Gold-,  1318
Silbermünzen  und  120  Münzen  aus  anderem  Metall,  durchwegs
salzburgischer  Herkunft,  und  stellt  somit  die  letzte  große  existierende ­
  salzburgische  Münzensammlung  dar.  Unter  den  Gemäldeerwerbungen ­
  ist  ein  Bild  Konstantinopels  von  Hubert
Sattler,  einem  Salzburger  Maler,  der  die  halbe  Erde  bereist
hat  und  1842  auch  in  Konstantmopei  geweilt  hat.  Das  Bild,  das
erst  1871  entstanden  ist,  zeigt  im  Charakter  einer  topographischen ­
  Ansicht  die  türkische  Stadt  von  einer  Anhöhe  aus  gesehen, ­
  wie  sie  sich  zu  beiden  Seiten  des  Bosporus  ansteigend
entwickelt,  während  im  Hintergrund  Schneeberge  glänzen.  Ferner ­
  wurden  angekauft  ein  Oelbild  Michael  Riippcs  (Grieskai
mit  der  Kuppel  der  Kollegienkirche),  von  Hinterholzer
eine  ausgezeichnete  Handzeichnung  („Baum  am  Gewässer")
und  eine  lebensfrische,  in  der  Natur  gemalte  Studie  aus  dem
Salzburger  Moor.  Wertvoll  sind  zwei  Erwerbungen  von  Maka
  r  t-Bildern.  Das  eine  das  Porträt  der  13jährigen  Luise  Huderer,
  Tochter  des  damaligen  Restaurateurs  im  Wiener  Künstlerhaus, ­
  das  zweite  eine  große  dekorative  Studie,  darstellend
einen  Mann,  der  von  drei  Mädchen  umworben  wird.  Das  Porträt, ­
  1885  gemalt  und  durch  den  Firnis  etwas  nachgedunkelt,
ist  noch  in  der  Farbenskala  der  spanischen  Malerei  gehalten,
der  Makart  damals  huldigte.  Verblüffend  gut  die  weiche  plastische ­
  Modellierung  der  Fleischpartien  des  Gesichtes.  Das
zweite  Werk  ist  etwa  fünf  Jahre  später  entstanden,  als  Ma-  1

hart  sich  schon  dem  freiem  Schwünge  leuchtender  Farben  hingab,
  und  ist  insbesondere  in  seiner  pastos-flüssigen  Technik  ein
Meisterstück  an  malerischer  Virtuosität.  Weiters  wurde  eine
Viola  erworben,  die  dokumentarisch  als  ein  Werk  von
„Louis  Lamotte  1738  Salisburgensis"  dokumentiert  ist,  eines
Geigenmachers,  der  bisher  in  der  Musikgeschichte  völlig  unbekannt ­
  war.  Unter  den  übrigen  Ankäufen  figuriert  ein  Doppeldukaten ­
  des  Erzbischofs  Dietrichstein,  ein  Unikum ­
  insoferne,  als  das  Brustbild  darauf  nicht  enthalten  ist,
hingegen  u.  a.  die  Figur  des  hl,  Rupprecht,  eine  altsalzburgische
Stierwaschergruppe  aus  dem  letzten  Viertel  des  18.  J.,  ein
Rauchmantel  (Pluviale)  aus  dem  Lungau,  der  in  naturalistischer
Auffassung  mit  verstreuten  Blumen  bestickt  ist  und  in  der
Kappe  eine  von  Engeln  umgebene  Monstranz  zeigt,  eine  Verkündigungsgruppe ­
  des  Salzburger  Bildhauers  Roland  Bohr,
endlich  den  mit  einem  in  Silber  getriebenen  Knauf  versehenen
Portierstab  des  Hauses  Toskana  und  eine  Radschloßbüchse  mit
reichen  Verzierungen  (Salzburger  Provenienz  1751).
(Ein  neu  entdecktes  Bild  Peter  Anichs.)  Ein  Gemälde,
das  sich  seit  Jahren  im  Besitze  einer  Innsbrucker  Juweliersfamilie ­
  befindet,  wurde  nunmehr  als  ein  Originalporträt  Peter
Anichs  festgestellt  und  dem  Museum  Ferdinandeum  in  Innsbruck ­
  einverleibt.  Peter  Anich,  ein  Sohn  armer  Bauersleute  in
der  Nähe  der  Ortschaft  Oberperuß,  erhielt  1760  von  der
Staatsregierung  den  Auftrag,  das  Land  Tirol  zu  vermessen  und
in  einer  großen  neuen  Karte  darzustellen.  Ihm  half  dabei  der
um  zwölf  Jahre  jüngere  Blasius  Hueb  er,  der  auch  nach  dem
während  der  Vermessungsarbeit  erfolgten  Tod  Anichs  die
Karte  „Atlas  Tyroliennsis"  vollendete,  Diese  Karte  ist  ein  hervorragendes ­
  kartographisches  Kunstwerk  und  war  die  Grundlage ­
  der  modernen  Karten  von  Tirol.  Interessant  ist  auch,  daß
Anichs  Karte  im  Jahre  1801  vom  französischen  Generalstab
neu  herausgegeben  worden  war.  Als  Anich  36  Jahre  alt  war,
wurde  er  von  dem  Innsbrucker  Maler  Philipp  Haller  gemalt,
Das  Bild  galt  bisher  als  verschollen,  da  bisher  niemand  die
Person  des  Dargestellten  auf  dem  Bilde  erkannt  hatte.

VOM  KUNSTMARKT.
(Versteigerung  bei  Martin  Breslauer.)  Am  27.  und  28.
Februar  versteigert  die  Firma  Martin  Breslauer  in  Berlin
eine  außergewöhnliche  Sammlung  von  Probe-  und  früheren ­
  Zustandsdrucken  der  führenden  Künstler,  die  um
1890  und  in  der  folgenden  Zeit  die  deutsche  graphische  Kunst
zu  neuem  Leben  erweckten.  Max  Klinge  r,  Stauffer-B
  e  1  n,  Otto  G  r  e  i  n  e  r,  Wilhelm  Leib  1,  E.  M.  G  e  y  g  e  r,
Käthe  K  o  11  w  i  t  z,  Max  Liebermann,  sind  allein  zusammen ­
  mit  ungefähr  165  Blättern  und  Mappenwerken  in  ganz
Iiühen  Abdrucken  vertreten.  Für  die  öffentlichen  Sammlungen
wird  sich  hier  eine  kaum  wiederkehrende  Gelegenheit  zur  Ergänzung ­
  ihrer  Bestände  bieten.  Nebenbei  finden  sich  auch  hervorragende ­
  Drucke  von  Goya,  Dürer,  Rembrandt  und
einigen  neuzeitlichen  ausländischen  Künstlern.
Dieser  Sammlung  aus  Wiener  Besitz  ist  eine  Bibliothek ­
  desselben  Eigners  angeschlossen.  Der  Katalog  dieser
Sammlung  verrät  in  seiner  Geschlossenheit  einen  feinen  Geist,
dessen  Interessen  auf  dem  Gebiete  der  Kunst  und  Literatur
weit  gespannt  waren.  Aber  nicht  nur  inhaltlich  ist  diese
Büchersammlung  von  Belang,  sondern  auch  in  ihrem  Aeußeren,
da  der  freisinnige  Besitzer  ganz  besonders  auf  schöne  und
prunkvolle  Einbände  Wert  legte.  Die  Sammlung  stammt  fast
ausnahmslos  aus  der  Vorkriegszeit.  Besonders  der  Insel-Verlag
ist  darin  gut  vertreten.
(Antlquitäten-Auktion  bei  Lepke.)  Die  am  5.  und  6.  März
in  Rud.  L  e  p  k  e's  Kunstauktionshaus,  Berlin  W.  35,  stattfindende
  Antiquitäten-Auktion  setzt  sich  nach  der  Herkunft  der
Gegenstände  aus  dem  Kunstnachlaß  Rieh.  Wiener,  Berlin,
aus  der  Sammlung  v.  B.,  aus  dem  Besitz  eines  deutschen  Diplomaten ­
  und  verschiedenem  anderen  Besitz  zusammen.  Es  sind
fast  alle  Zweige  des  Kunstgewerbes  vom  13.  bis  zum  18.  Jahrhundert ­
  vertreten;  dazu  kommt  noch  eine  Anzahl  von  Werken
aer  Groß-  und  Kleinplastik  aus  dem  15.  bis  18.  Jahrhundert,
in  dem  verschiedensten  Material.  Der  langjährige  Kenner  des
Marktes  wird  in  ziemlicher  Menge  Dinge  wiederfinden,  die  ihm
von  alten  Lepke  -  Auktionen,  renommierter  Privatsammlungen,
wie  Gieldzinski,  Danzig  (1-912),  Baron  Albert  Oppenheim,  Köln,
und  Gustav  Salomon,  Berlin  (beide  1917)  her  bekannt  sind;
auch  aus  der  Sammlung  Richard  v.  Kaufmann,  Berlin  (1917),
stammt  manches  Stück.
Der  Hauptnachdruck  liegt  bei  der  bevorstehenden  Auktion
auf  der  Renaissance  -  Zeit.  Immerhin  aber  befindet
sich  unter  Grubenschmelzarbeiten  des  13.  Jahrhunderts  aus
Limoges  eine  der  so  äußerst  selten  am  Markt  vorkommenden
Waschschüsseln  (Gemellions)  von  hoher  Qualität.  Als  Erzeugnisse ­
  der  Goldschmdedekunst,  der  Renaissance-  und  Barockzeit
begegnen  vorzügliche  Humpen,  Becher,  Schüsseln  von  Augsburg, ­
  Nürnberg,  Breslau,  Danzig,  Hamburg,  Königsberg,  Karlskrona ­
  usw.  Italienisches  Majolika  ist  mit  Castel  Durante,
            
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