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MAK

Full text : Jahrgang 21 (1929) (7)

Seite  74

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Ni.  7

zu  Bethlehem  zurück.  Sehr  schöne  Bilder  sind  von
dem  jüngeren  Brueghel,  teilweise  in  Zusammenarbeit
mit  Hendrik  van  Baien,  vorhanden.  Von  hervorragender ­
  Schönheit  ist  insbesondere  das  „Gastmahl
im  Olymp“.  Aus  der  R  u  b  e  n  s  sehen  Werkstatt  ist
ein  herrliches  Bild  mit  drei  Nymphen  in  der  Sammlung, ­
  „Der  Ueberfluß“  genannt;  die  Früchte  und
Tiere  dieses  Bildes  sind  sicher  von  Sny  ders  selbst
gemalt.  Eine  sehr  schöne  „Anbetung  der  Könige“
stammt  von  Diepenbeck,  von  van  Dyck  der
interessante  frühe  Kopf  des  Heiligen  Hieronymus
und  eine  Apostelstudie.  Teniers  ist  besonders
glücklich  mit  großen  Bildern  vertreten,  darunter  mit
einer  Schützengesellschaft  und  dem  monumentalen
„Getreidefeld  bei  Gewitter“.  Von  holländischen
Bildnissen  finden  wir  ein  ganz  hervorragendes  Damenbildnis ­
  von  Ferdinand  B  o  1  (Fig.  1),  ein  sehr
schönes  Brautpaar  in  Festkleidung  von  Adam  van
N  o  o  r  t,  eine  junge  Dame  von  van  der  Heist,  ferner ­
  von  Bäcker  das  große  Hauptbild  „Die  Krönung
des  Mirtillo“,  eine  Szene  aus  dem  Pastor  F  i  d  o.
Auch  von  den  kleineren  Meistern  ist  selbstverständ-Jlus
  der  Wer/cstäffe
Wenn  man  von  Kunstfälschungen  spricht,  denkt
man  unwillkürlich  an  die  klassische  Fälscheranekdote: ­
  Der  junge,  noch  unbekannte  Michelangelo ­
  schuf  1496  auf  Anregung  des  Lorenzo
Medici  eine  Amorfigur  in  Nachahmung  der  Antike. ­
  Der  Erfolg  dieser  Fälschung  war  so  groß t  daß
der  Händler,  der  das  Werk  um  30  Dukaten  gekauft
hatte,  dasselbe  um  200  an  einen  der  hervorragendsten ­
  Kunstsammler  der  damaligen'  Zeit,  den  Kardinal ­
  R  i  a  r  i  o,  als  ein  Originalwerk  antiker  Herkunft ­
  verkaufen  konnte.  Als  der  Kardinal  dahinter
kam,  stellte  er  die  Figur  entrüstet  zurück.  Zugleich ­
  gab  dieser  Handel  den  Anlaß  zur  ersten
Reise  Michelangelos  nach  Rom.  In  dieser  Anekdote,
die  vielleicht  nur  erfunden  wurde,  um  bereits  den
jungen  Künstler  als  einen  ebenbürtigen  Rivalen  der
Bildhauer  der  Antike  schildern  zu  können,  finden
wir,  wie  Dr.  Hans  T  i  e  t  z  e  in  einem  Vortrag  im
Verein  der  Museumsfreunde  ausführte,  alle  Elemente
vereinigt,  die  bei  der  Fälschertätigkeit  eine  Rolle
spielen:  den  mystifikatorischen  Trieb,  die  Freude,
jemanden,  der  Kenner  und  Sachverständiger  ist,
hineinzulegen,  die  betrügerische  Verwertung  einer
derartigen  Arbeit,  indem  sie  verhältnismäßig  billig
gekauft  und  als  Kunstwerk  einer  längst  vergangenen
Kunstperiode  teuer  weiterverkauft  wird,  und  noch
dazu  als  drittes  Element,  das  vielleicht  die  Hauptsache ­
  ist,  der  Drang  des  Künstlers,  es  der  Antike
gleichzutun.
Einen  Höhepunkt  erreicht  die  Kunstfälschung
im  18.  Jahrhundert,  im  Jahrhundert  der  Maskeraden, ­
  Geheimbünde  und  Scharlatane.  Es  ist  selbstverständlich, ­
  daß  in  einer  solchen  Zeit  die  Fälschertätigkeit ­
  allerorten  im  größten  Maße  blühte.
Macphersons  angebliche  Ossiandichtungen  und  die
Königinhofer  Handschrift  sind  die  bemerkenswertesten ­
  parallelen  Erscheinungen  auf  literarischem  Gebiet. ­
  Doch  auch  die  Gegenwart  ist  reich  an  solchen
Erscheinungen,  man  denke  nur  an  die  „Funde“  von
G  1  o  z  e  1,  an  die  Arbeiten  des  Italieners  D  o  s  s  e  n  a
und  an  die  V  an-Gogh  -  Nachahmungen.  Die  Fälschungen ­
  Dossenas  sind  vielleicht  das  lehrreichste
Beispiel  aus  der  jüngsten  Zeit.  Wenn  man  seine
Arbeiten  untereinander  vergleicht,  merkt  man  sofort ­
  den  subjektiven  Zusatz  zum  Wesentlichen  der

lieh  eine  ganze  Reihe  zu  finden:  Molenaer,  van  der
Poel,  Dou,  Drogsloot  u.  a.  Unter  den  französischen
Bildern  ist  wohl  eine  zweifellos  eigenhändige  und
sehr  schöne,  übrigens  auch  voll  signierte  Darstellung
des  berühmten  Milchmädchens  von  G  r  e  u  z  e  da,
die  Engländer  sind  durch  eine  Reihe  ausgezeichneter
Bilder  von  Lely,  Kneller  und  besonders  Lawrence ­
  repräsentiert.
Das  Charakteristikum  dieser  Sammlung  besteht
darin,  daß  von  so  vielen  Meistern  besonders  monumentale ­
  Stücke  zusammengestellt  sind.  Es  ist  dadurch ­
  Gelegenheit  gegeben,  Arbeiten  zu  erwerben,
wie  sie  sonst  sehr  selten  in  solcher  Qualität  und  Bedeutung ­
  auf  den  Markt  gelangen,  da  solche  Bilder
zumeist  an  ihren  von  vornherein  bestimmten  festen
Plätzen  zu  haften  pflegen.  Viele  der  Gemälde  sind
in  der  Literatur  bekannt.
Der  mit  zirka  40  Abbildungstafeln  ausgestattete
Katalog  Nr,  2011  ist  durch  Rud.  L  e  p  k  e  zu  beziehen.
Die  Ausstellung  ist  geöffnet  von  Samstag,  den
27.  bis  Montag,  den  29.  April,
des  JCunstfälsehers.
Nachbildung.  Seine  Ueberproduktivität  wurde  zum
Verhängnis.  So  war  die  Entdeckung,  daß  seine
Werke  nichts  anderes  als  Fälschungen  sind,  bedeutend ­
  erleichtert.  Und  doch  dauerte  es  geraume
Zeit,  bis  man  auf  dem  Züricher  Kongreß  der  Museumsbeamten ­
  der  Sache  auf  den  Grund  kam.  Vielleicht ­
  wäre  im  Falle  einer  geringeren  Produktivität
des  fälschenden  Künstlers  die  Entdeckung  erst
einer  kommenden  Generation  Vorbehalten  gewesen.
Die  Divergenz  der  Auffassung,  die  in  der  Beurteilung ­
  nachträglicher  Aenderungen  an  Kunstwerken
großer  Meister  heute  mehr  denn  je  zu  beobachten
ist,  kam  auch  bei  der  Restaurierung  des  Dürerschen
  Baumgärtneraltars,  der  bis  vor  einiger  Zeit
noch  die  gewaltsame  Umgestaltung  durch  Fischer
aufwies,  zum  Ausdruck;  es  gab  nicht  wenige  Kunstkenner, ­
  die  entschieden  für  eine  Beibehaltung  der
Aenderungen  Fischers  eintraten  und  von  einer  Wiederherstellung ­
  des  Dürer  -  Originals  nichts  wissen
wollten.
Die  Kunstgelehrten  werden  immer  wieder
Opfer  von  Fälschungen,  und  es  scheint  Lippmanns
drastisches  Wort  im  großen  und  ganzen  zu  stimmen: ­
  „Auf  unserem  Spezialgebiet  sind  wir  alle
Trotteln“,  Es  scheint  insoferne  zuzulreffen,  als  der
Kunstforscher  oft  in  seinem  Drang,  unerhört  Seltsames ­
  zu  entdecken,  für  jeden  Einwand  taub  wird
und  auch  noch  dann,  wenn  alles  ringsum  bereits  von
der  Tatsache  der  Fälschung  überzeugt  ist,  mit  größter ­
  Leidenschaft  sein  Spezialgebiet  und  seinen
„Fund“  verteidigt.  Die  Zeit  selbst  ist  der  beste
Richter  über  gefälschte  Kunstwerke.  Denn  jede
Fälschung  trägt  die  Auffassung,  die  eine  bestimmte
Generation  von  vergangenen  Kunstepochen  hat,  in
das  Werk  hinein;  einige  Jahrzehnte  später  erkennen
wir  deutlich  die  Zeitbedingtheit  einer  solchen  Arbeit. ­
  Zumeist  ergibt  sch  die  augenblicklich  starke
vVirkung  aus  einer  bestimmten  Uebertreibung  stilistischer ­
  Eigentümlichkeiten.  Künstlerisch  selbständig ­
  arbeitende  Fälscher  sind  auf  diese  Weise  beispielsweise ­
  imstande,  die  Renaissance  „renaissanziger
  zu  gestalten,  als  sie  es  in  Wirklichkeit,  im  Original ­
  der  damaligen  Schaffenden  war.  Bisweilen
findet  man  Nebenfiguren  eines  Originals  in  der  Fälschung ­
  zur  Hauptfigur  erhoben,  bisweilen  auch  nur
            
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