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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Nr. 10
50.000 Fr cs. erstanden zu haben, der unter Brüdern
ein Mehrfaches der Summe wert war und für den
ihm auch tatsächlich ein Amerikaner 200.000 Frcs,
geboten hatte.
Als inan den jungen Millet bei der Polizei fragte,
ob er überhaupt jemals mit einem echten Millet ge
handelt habe, antwortete er lachend: »O ja, einmal
hatte ich einen von einem englischen Händler ge
kauft, ich brauchte aber Geld und so verschleuderte
ich ihn um den Preis von 50.000 Frcs. Um eine sol
che Lappalie hätte ich später nie einen falschen
Millet hergegeben.“
Wie viele falsche Bilder Millet und Cazeau in
den Handel gebracht haben, konnte bisher nicht fest
gestellt werden; daß die Zahl in die Hunderte geht,
ist gewiß. Man kolportiert, daß Millet angegeben
habe, alle Millets im Museum von Barbizon
seien gefälscht. Das scheint übertrieben, we
nigstens bestreitet es Herr Douim, der freilich den
Schmerz erleben mußte, daß ihm der Untersuchungs
kommissär, als er auf die Echtheit der Tafel »Der
Mann mit der Hacke« hinwies, schonungslos sagte:
»Leider, verehrter Herr, stammt gerade dieses Bild
aus dem Atelier des Herrn Cazeau; er sowohl, als
der Enkel Millets haben die Fabrikation dieses Bil
des zugegeben. Es ist also wohl authentisch
falsch!«
Ein Gutes hat die Aufdeckung der Fälschungen
indes gehabt. Sammler, Kunsthändler und Museen
sind jetzt eifrig an der Arbeit, um Spreu vom Wei
zen zu sondern, um zu kontrollieren, was von den
Erwerbungen der letzten Jahre echt, was unecht ist.
Im Pariser Louvre haben die Erhebungen
I schon zu betrübenden, die Museumsverwaltung arg
j kompromittierenden Feststellungen geführt. Es wur-
1 den z-wei Watteau zugeschriebene Gemälde —
Fete champetre« und »La Plantation du Mai« als
I Fälschungen agnosziert. Der Louvre hatte diese
Gemälde, deren Echtheit mehrfach bescheinigt war,
: im Jahre 1925 von einem großen Pariser Kunst
händler um 1,500.000 Frcs. erworben und im Mu
seum aufgehängt. Die Verwaltung verlangt nun die
| Nichtigkeitserklärung des Kaufvertrages und die
Rückgabe der Kaufsumme; ob sie damit Glück haben
I wird, ist indes fraglich, da der Kunsthändler mit
Recht einwenden wird, daß die Gelehrten des
Louvre sich darüber im klaren hätten sein müssen,
| ob die Bilder echt sind oder nicht Ein Museum darf
! doch am wenigsten auf Gutachten fremder Experten
hin Käufe abschließen.
Die falschen Watteau« sollen von einem seiner
Schüler. Pierre Antoine Q n i 11 i a r d, herrühren
der die Handschrift seines Lehrers am besten nach
zuahmen verstand. Quilliard. der 1733 jung starb,
hat seine letzten Lebensjahre in Lissabon verbracht.
Er war nach Portugal gereist, um dort Pflanzenzeich
nungen für ein wissenschaftliches Werk anzufertigen,
wurde vom König zum Hofmaler ernannt und blieb
in Lissabon. Quilliard malte Plafonds in den Ge-
I mä ehern der Königin und Bilder für das Palais Ca-
; daval. Ferner zeichnete und stach er 1730 die
[ Trauerfeierlichkeiten beim Tode des Herzogs von
Olivarez, Apollo krönt einen Dichter u. a.
Cm Ereignis auf dem französischen Jiüchermarkt.
Die Versteigerung der Bibliothek des verstor
benen Antiquars Edouard N a h i r gestaltete sich,
wie uns aus Paris berichtet wird, zu einem Er
eignis auf dem Büchermärkte.
Nahir war durch vier Jahrzehnte der bekann
teste Berater aller Bücherfreunde der Welt. — Aber
er war nicht nur dabei behilflich, fremde Bibliothe
ken sachgemäß aufznbauen, er war selbst großzügi
ger Sammler. Am meisten sah er auf kostbare, alte
Bucheinbände. Kam so ein Buch in einem herrlichen
Einband einmal in seine Hände,, so konnte man ge-
wiß sein, daß er es nicht in seinen Laden steckte.,
sondern seiner eigenen Bücherei einverleibte. Es
blieb dies natürlich kein Geheimnis und s© kam es,
daß bei der Versteigerung seiner Bibliothek sich
alles einfand, was mit ihm die Schwärmerei für den
Bucheinband teilte. Amerika war durch W e 11 s und
Rosenbach vertreten, die mit Seiler., Ken
nedy und anderen Kunsthändlern von jenseits des
großen Teiches jetzt nach Europa herüberkamen
Der besonderen Qualität angemessen waren
auch die Preise. Man konnte es wieder einmal wahr
haben. was von der Flauheit des Marktes zu hallen
ist. die in aller Munde ist. Wenn hohe Qualitäten
ausgeboten -werden, zerstieben alle Theorien in
nichts, 'es findet sich plötzlich das Geld, an dem.
angeblich so großer Mangel in der Welt jetzt ist.
Keine der Kostbarkeiten ging zurück, ja es traten
der Käufer viele auf . die sich in heißem Kampfe die
Objekte abzujagen suchten
Schon gleich der Anglerius aus Basel von 1533
in altem... schönen Wildlederband brachte 69 '5QFr.es.
Der Appiam, der 1744 im Lyon gedruckt wurde, 'in
einem herrlichen Wildlederband mit dem Wappen
des Herzogs Franz von Gu.se fand -um 52 000 Frcs.
einen Liebhaber. Der erste Kampf entbrannte um
j den Baskervülle-Drudk des „Rasenden Roland“ von
Ariost, der in einem Exemplar auf großem Papier
und in einem prachtvollen alten Marocainband des
| 18. Jahrhunderts vorlag. Er wurde auf 206.000 Frcs..
! hinauflizitiert. Erbitterter war noch das Ringen um
I den Colonna des Aldus, dessen brauner Kalb! e der -
: band mit dem Wappen Kaiser Karls V. geschmückt
j war: Der Sieger mußte 280.000 Frcs. erlegen.
Obgleich nach diesen Kämpfen die Hitze des
| Gefechtes sich etwas abkühlie. kamen immer noch
I große Qualitäten und große Preise.. Das Theater von
j Corneille, die Genfer Ausgabe mit dem Kommen
taren von X oltaire und dem Illustrationen vom Gro-
velot, erzielte in schönsten Maroquinband wieder
mit altem Vappen in zwölf Bänden 76,000 Frcs.:
der Dante vorn 1544 mit den schönen Bildern in
einem Maroquinhand, der .die Wappen Heinrichs H.
und der Diana von Poibers aufweist, dankten diesen
berühmten bibliophilen Wappen den horrendem
Preis von 15SJMB© Frcs.
Zum Schluß gab es aber noch einmal einen ganz
besonderer Sensationspreis., der alles bisherige hin
ter sich ließ, und dieses Mal für ein deutsches Werk.
Ule NummerS2 des Kaiaioges vereinigte tob Dürer
die ^Apokalypse nn ersten Druck, die Passion von
15f0 und das »Leben Maria« in der Hoizschnittfaßge
von 1509 und 1510. Das Exemplar hatte durchwegs
I breiten Rand, war ausgezeichnet erhaben und noch
in seinem ersten, vollkommen frisch gebBebenem
Einband. So selten das natürlich alte zusammen-
trifft. so war der Preis doch überraschend hoch. Er
j betrug nämlich 440:000 Francs. Wm dem Welt
krieg war dieres Buch um 15.000 Frcs. zu haben
und noch im Jahre 1926 hatte -nar dafür 40.000 Frcs.
I gezahlt.