Nr. 11
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
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bedeuten heute eben schon seltene Sensationen auf
dem Markte und müssen entsprechend teuer erkauft
werden. Israhel van Meckenem gehört
schon fast zu diesen Auserwählten dazu und Preise
wie 4400 Mark für das Liebespaar, 6000 Mark für
eine Monstranz Goldschmiede-Vorlage beweisen
Seltenheit und Gesuchtheit auch dieses Meisters,
Von den nichtdeutschen Stechern ist es nach
wie vor das niederländische Trio Lucas van
Leyden, Ostade, Rembrandt, das internationale
Höchstgeltung besitzt. Von Leyden hielt
diesmal das bedeutende und außerordentlich seltene
Porträt des Kaisers Maximilian I., eine seiner bedeutendsten
graphischen Arbeiten, die Spitze mit
8500 Mark. Bei Ostade waren es die feinen
Frühdrucke, die zum Beispiel 1150 Mark für das
Schweineschlachten, 800 Mark für den Violinspieler
und den kleinen Leiermann brachten. Bei Rembrandt
stieg, seiner außerordentlichen Qualität
entsprechend, das sogenannte Hundertguldenblatt
bis auf 23.000 Mark. Es zeigte sich, daß den
unbeirrbaren Qualitätstanforderungen des heutigen
Auktionskäufers die äußerst breite Rembrandt-Serie
nur zum Teil genügte. Die mittleren Drucke
gingen zu durchaus mäßigen Preisen fort und nur die
wirklichen Feinheiten brachten hohe Preise, wie sich
das ja während des gesamten Verlaufs der Auktion
immer wieder zeigte. Der Preis von 7500 Mark für
die Kreuzabnahme bei Fackelschein, von 9000 Mark
für einen vorzüglichen Abdruck der drei Kreuze entspricht
heutiger Bewertung. Im übrigen lieferte gerade
diese Rfembrandt-Partie einen sehr einprägsamen
Beweis für die nicht genug zu betonende
Tatsache, daß heute nur das ganz Gute die sehr
hohen Preise bringt, Mittelware hingegen durchaus
schwer oder gar nicht verkäuflich ist. Gerade in der
heutigen tiefen Depressionszeit, zeigte sich diese
Tatsache wieder ganz besonders. Die wirklich feinen
Blätter waren von der augenblicklichen allgemeinen
Flauheit ganz unbeeinflußt.
An die Versteigerung der alten Meister schloß
sich das 18. Jahrhundert, in dem sich neben
feinen französischen Blättern eine ganze Anzahl
herrlicher englischer Farbendrucke befand. Die
beliebten englischen Paare von farbigen Schabkunstblättern,
z. B. Kinderdarstellungen Morlands
(Juvenile Navigators, Children playing at
Soldiers, 6000 Mark) und schöne Paare B i g g s entsprechen
den internationalen Preisen. Ebenso gute
Renn-Darstellungen in Farben.
Hingegen sind die schönen Schabkunst-Porträts
englischer Ladies ganz aus der Mode
gekommen, sodaß von den Porträts nach Reynolds
z. B. selbst herrliche Frühdrucke zurückgezogen
werden mußten oder ganz schlechte Preise
brachten. Gerade mit diesen Porträts ist der englische
Markt in den letzten Jahren zu sehr überschwemmt
worden und sie sind dadurch heute vollständig
außer Kurs.
Gute französische Stiche, vor allem Blätter nach
Watteau, Chardin und Fragonard, verkauften
sich, wie üblich, außerordentlich gut und
brachten zum Teil über 300 Mark das Stück,
Deutsche und ausländische Städte-Ansichten
waren sehr umstritten. Unter ihnen
brachte eine wunderschöne Serie farbiger Leningrader
Ansichten 1700 Mark.
Den eigentlichen Höhepunkt der Abteilung des
18. Jahrhunderts erreichte die V ersteigerung
des Nachtrag-Kataloge s, der ausschließlich
Blätter der Leningrader Eremitage enthielt,
unter ihnen herrliche Farbendrucke. Wie immer,
war es auch hier, bei Debucourt, der Rekordpreise
brachte. „La Rose — La Main" stiegen in aufregendem
Streit auf 36.000 Mark, was einen internationalen
Rekordpreis für dieses Paar bedeutet.
Ebenso teuer wurde das Debucourt-Paar „La
Noce au Chateau — Le Menuet de la Mariee“ mit
16.000 Mark verkauft. 15.000 Mark für „Les Deux
Baisers“ waren gleichfalls ein hoher Preis. Eine
ganz ungewöhnliche Farbenfrische und Unberührtheit
der Exemplare rechtfertigte diese Riesenpreise
durchaus. Von den englischen Blättern erreichte nur
die wundervolle Folge von J. R, Smith „What jou
will. — A Maid. — A Wife. — A Widow“ ungefähr
dieses Niveau mit 15,000 Mark. Von den Engländern
war es wieder M o r 1 a n d, dessen farbige Exemplare
wieder Tausende brachten, von den Franzosen
J a n i n e t. Von Schwarzstechern waren wieder am
begehrtesten Chardin und Watteau,
Die Handzeichn ungs-V ersteigerung
der Sammlungen Ehlers und Gaa
bestätigte das Ergebnis der vorausgegangenen Stich-Versteigerung.
Auch hier waren die ungewöhnlichen
Kostbarkeiten ungewöhnlich hoch bezahlt, doch
machte sich bei den Zeichnungen die Depressionswelle
noch deutlicher bemerkbar als bei den Stichen.
Der mittlere Sammler und Händler zeigte sich zurückhaltend
und so fand auch manches gute Stück
nicht entsprechendes Interesse. Kleine billige Blätter
gingen sehr gut und besonders Lokalinteresse konzentrierte
sich auf die Blätter Berliner Künstler
des 19. Jahrhunderts und Schweizer
Meister des 15.—19. Jahrhunderts.
Auch bei den Zeichnungen sind neben den anerkannten
großen Meistern die Blätter früher Jahrhunderte
am begehrtesten und so brachten die
Anonymen Blätter des 15, Jahrhunderts
entsprechende Preise, allen voran das entzückende
Skizzenblatt, das unter dem Namen des
B e n o z z o Go z z o 1 i ging und mit 33.000 Mark
über das Dreifache der Schätzung brachte.
Andere anonyme italienische Meister
des 15. Jahrhunderts brachten einige
Tausende, so z. B. eine wunderschöne Reiterfigui
mit dem Namen des Bramante, weiß gehöht, auf
graugrünem Papier, 5000 Mark, ein anonymer deutscher
Meister vom Ende des 15. Jahrhunderts 7000
Mark, Niederländer Meister waren auch hier gesucht,
doch vergleichsweise ziemlich billig. Ein interessantes
Blatt des Lambert Doomer ging auf
1650 Mark, zwei reizende Aquarelle Hendrik
Averkamps auf 2800 Mark und 2000 Mark, eine
feine Rohrfeder-Zeichnung Bois überschritt 2000
Mark, ein hübsches Dusart -Aquarell kostete
1100 Mark und eine feine frische Flußansicht des
Jan van Goyen war mit 1500 Mark durchaus
entsprechend bezahlt. Rekordhöhe erreichten die
Preise diesmal wie vorauszusehen war, bei den französischen
Blättern des 18, Jahrhunderts das bezaubernde
Deckfarbenbild von Lavreinc
e, „La Lettre“, dessen Gegenstück vor einigen
Jahren schon einmal bei C. G, Boerner einen hohen
Preis gebracht hatte, und die ebenso feine Sepia-Zeichnung
des Moreau le Jeune, „La
Toilette", eines der letzten noch erreichbaren Originale
zu dem berühmten „Monument du Costume“.
Nach langem und aufregendem Kampfe gelang es
einem Pariser Privatsammler, sich beide Blätter zu
sichern, und zwar den Lavreince für 31.000 Mark
und den Moreau für 53,000 Mark, beides ganz enorme
Liebhaberpreise, Gut verkaufte sich auch