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MAK

Full text : Jahrgang 22 (1930) (11)

Nr.  11

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Seite  123

bedeuten  heute  eben  schon  seltene  Sensationen  auf
dem  Markte  und  müssen  entsprechend  teuer  erkauft
werden.  Israhel  van  Meckenem  gehört
schon  fast  zu  diesen  Auserwählten  dazu  und  Preise
wie  4400  Mark  für  das  Liebespaar,  6000  Mark  für
eine  Monstranz  Goldschmiede-Vorlage  beweisen
Seltenheit  und  Gesuchtheit  auch  dieses  Meisters,
Von  den  nichtdeutschen  Stechern  ist  es  nach
wie  vor  das  niederländische  Trio  Lucas  van
Leyden,  Ostade,  Rembrandt,  das  internationale ­
  Höchstgeltung  besitzt.  Von  Leyden  hielt
diesmal  das  bedeutende  und  außerordentlich  seltene
Porträt  des  Kaisers  Maximilian  I.,  eine  seiner  bedeutendsten ­
  graphischen  Arbeiten,  die  Spitze  mit
8500  Mark.  Bei  Ostade  waren  es  die  feinen
Frühdrucke,  die  zum  Beispiel  1150  Mark  für  das
Schweineschlachten,  800  Mark  für  den  Violinspieler
und  den  kleinen  Leiermann  brachten.  Bei  Rembrandt ­
  stieg,  seiner  außerordentlichen  Qualität
entsprechend,  das  sogenannte  Hundertguldenblatt ­
  bis  auf  23.000  Mark.  Es  zeigte  sich,  daß  den
unbeirrbaren  Qualitätstanforderungen  des  heutigen
Auktionskäufers  die  äußerst  breite  Rembrandt-Serie
  nur  zum  Teil  genügte.  Die  mittleren  Drucke
gingen  zu  durchaus  mäßigen  Preisen  fort  und  nur  die
wirklichen  Feinheiten  brachten  hohe  Preise,  wie  sich
das  ja  während  des  gesamten  Verlaufs  der  Auktion
immer  wieder  zeigte.  Der  Preis  von  7500  Mark  für
die  Kreuzabnahme  bei  Fackelschein,  von  9000  Mark
für  einen  vorzüglichen  Abdruck  der  drei  Kreuze  entspricht ­
  heutiger  Bewertung.  Im  übrigen  lieferte  gerade ­
  diese  Rfembrandt-Partie  einen  sehr  einprägsamen ­
  Beweis  für  die  nicht  genug  zu  betonende
Tatsache,  daß  heute  nur  das  ganz  Gute  die  sehr
hohen  Preise  bringt,  Mittelware  hingegen  durchaus
schwer  oder  gar  nicht  verkäuflich  ist.  Gerade  in  der
heutigen  tiefen  Depressionszeit,  zeigte  sich  diese
Tatsache  wieder  ganz  besonders.  Die  wirklich  feinen
Blätter  waren  von  der  augenblicklichen  allgemeinen
Flauheit  ganz  unbeeinflußt.
An  die  Versteigerung  der  alten  Meister  schloß
sich  das  18.  Jahrhundert,  in  dem  sich  neben
feinen  französischen  Blättern  eine  ganze  Anzahl
herrlicher  englischer  Farbendrucke  befand.  Die
beliebten  englischen  Paare  von  farbigen  Schabkunstblättern, ­
  z.  B.  Kinderdarstellungen  Morlands
  (Juvenile  Navigators,  Children  playing  at
Soldiers,  6000  Mark)  und  schöne  Paare  B  i  g  g  s  entsprechen ­
  den  internationalen  Preisen.  Ebenso  gute
Renn-Darstellungen  in  Farben.
Hingegen  sind  die  schönen  Schabkunst-Porträts
  englischer  Ladies  ganz  aus  der  Mode
gekommen,  sodaß  von  den  Porträts  nach  Reynolds ­
  z.  B.  selbst  herrliche  Frühdrucke  zurückgezogen ­
  werden  mußten  oder  ganz  schlechte  Preise
brachten.  Gerade  mit  diesen  Porträts  ist  der  englische ­
  Markt  in  den  letzten  Jahren  zu  sehr  überschwemmt ­
  worden  und  sie  sind  dadurch  heute  vollständig ­
  außer  Kurs.
Gute  französische  Stiche,  vor  allem  Blätter  nach
Watteau,  Chardin  und  Fragonard,  verkauften ­
  sich,  wie  üblich,  außerordentlich  gut  und
brachten  zum  Teil  über  300  Mark  das  Stück,
Deutsche  und  ausländische  Städte-Ansichten
  waren  sehr  umstritten.  Unter  ihnen
brachte  eine  wunderschöne  Serie  farbiger  Leningrader
  Ansichten  1700  Mark.
Den  eigentlichen  Höhepunkt  der  Abteilung  des
18.  Jahrhunderts  erreichte  die  V  ersteigerung
des  Nachtrag-Kataloge  s,  der  ausschließlich ­
  Blätter  der  Leningrader  Eremitage  enthielt,

unter  ihnen  herrliche  Farbendrucke.  Wie  immer,
war  es  auch  hier,  bei  Debucourt,  der  Rekordpreise ­
  brachte.  „La  Rose  —  La  Main"  stiegen  in  aufregendem ­
  Streit  auf  36.000  Mark,  was  einen  internationalen ­
  Rekordpreis  für  dieses  Paar  bedeutet. ­
  Ebenso  teuer  wurde  das  Debucourt-Paar  „La
Noce  au  Chateau  —  Le  Menuet  de  la  Mariee“  mit
16.000  Mark  verkauft.  15.000  Mark  für  „Les  Deux
Baisers“  waren  gleichfalls  ein  hoher  Preis.  Eine
ganz  ungewöhnliche  Farbenfrische  und  Unberührtheit ­
  der  Exemplare  rechtfertigte  diese  Riesenpreise
durchaus.  Von  den  englischen  Blättern  erreichte  nur
die  wundervolle  Folge  von  J.  R,  Smith  „What  jou
will.  —  A  Maid.  —  A  Wife.  —  A  Widow“  ungefähr
dieses  Niveau  mit  15,000  Mark.  Von  den  Engländern
war  es  wieder  M  o  r  1  a  n  d,  dessen  farbige  Exemplare ­
  wieder  Tausende  brachten,  von  den  Franzosen
J  a  n  i  n  e  t.  Von  Schwarzstechern  waren  wieder  am
begehrtesten  Chardin  und  Watteau,
Die  Handzeichn  ungs-V  ersteigerung ­
  der  Sammlungen  Ehlers  und  Gaa
bestätigte  das  Ergebnis  der  vorausgegangenen  Stich-Versteigerung.
  Auch  hier  waren  die  ungewöhnlichen
Kostbarkeiten  ungewöhnlich  hoch  bezahlt,  doch
machte  sich  bei  den  Zeichnungen  die  Depressionswelle ­
  noch  deutlicher  bemerkbar  als  bei  den  Stichen.
Der  mittlere  Sammler  und  Händler  zeigte  sich  zurückhaltend ­
  und  so  fand  auch  manches  gute  Stück
nicht  entsprechendes  Interesse.  Kleine  billige  Blätter
gingen  sehr  gut  und  besonders  Lokalinteresse  konzentrierte ­
  sich  auf  die  Blätter  Berliner  Künstler ­
  des  19.  Jahrhunderts  und  Schweizer
Meister  des  15.—19.  Jahrhunderts.
Auch  bei  den  Zeichnungen  sind  neben  den  anerkannten ­
  großen  Meistern  die  Blätter  früher  Jahrhunderte ­
  am  begehrtesten  und  so  brachten  die
Anonymen  Blätter  des  15,  Jahrhunderts ­
  entsprechende  Preise,  allen  voran  das  entzückende ­
  Skizzenblatt,  das  unter  dem  Namen  des
B  e  n  o  z  z  o  Go  z  z  o  1  i  ging  und  mit  33.000  Mark
über  das  Dreifache  der  Schätzung  brachte.
Andere  anonyme  italienische  Meister ­
  des  15.  Jahrhunderts  brachten  einige
Tausende,  so  z.  B.  eine  wunderschöne  Reiterfigui
mit  dem  Namen  des  Bramante,  weiß  gehöht,  auf
graugrünem  Papier,  5000  Mark,  ein  anonymer  deutscher ­
  Meister  vom  Ende  des  15.  Jahrhunderts  7000
Mark,  Niederländer  Meister  waren  auch  hier  gesucht, ­
  doch  vergleichsweise  ziemlich  billig.  Ein  interessantes ­
  Blatt  des  Lambert  Doomer  ging  auf
1650  Mark,  zwei  reizende  Aquarelle  Hendrik
Averkamps  auf  2800  Mark  und  2000  Mark,  eine
feine  Rohrfeder-Zeichnung  Bois  überschritt  2000
Mark,  ein  hübsches  Dusart  -Aquarell  kostete
1100  Mark  und  eine  feine  frische  Flußansicht  des
Jan  van  Goyen  war  mit  1500  Mark  durchaus
entsprechend  bezahlt.  Rekordhöhe  erreichten  die
Preise  diesmal  wie  vorauszusehen  war,  bei  den  französischen ­
  Blättern  des  18,  Jahrhunderts  das  bezaubernde ­
  Deckfarbenbild  von  Lavreinc
  e,  „La  Lettre“,  dessen  Gegenstück  vor  einigen
Jahren  schon  einmal  bei  C.  G,  Boerner  einen  hohen
Preis  gebracht  hatte,  und  die  ebenso  feine  Sepia-Zeichnung
  des  Moreau  le  Jeune,  „La
Toilette",  eines  der  letzten  noch  erreichbaren  Originale ­
  zu  dem  berühmten  „Monument  du  Costume“.
Nach  langem  und  aufregendem  Kampfe  gelang  es
einem  Pariser  Privatsammler,  sich  beide  Blätter  zu
sichern,  und  zwar  den  Lavreince  für  31.000  Mark
und  den  Moreau  für  53,000  Mark,  beides  ganz  enorme ­
  Liebhaberpreise,  Gut  verkaufte  sich  auch
            
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