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MAK

Full text : Jahrgang 22 (1930) (15)

Nr.  !  5

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Seite  175

zwei  andere  Exemplare,  eines  davon  in  München,  ein
zweites  in  Prag.  Das  Buch  enthält  eine  bisher  nicht  völlig
entzifferte  griechische  Inschrift  eines  Mönches  über  die  Hinrichtung ­
  der  böhmischen  Herren  auf  dem  Altstädter  Ring,  Von
Sachverständigen  wird  der  Wiegendruck,  der  aus  dem  Kloster
Strahow  bei  Prag  stammen  soll,  auf  mindestens  60,000
tschechische  Kronen  geschätzt.
(Die  Shakespeare-Bibliothek  Henry  Folgers.)  Der  vor
einiger  Zeit  verstorbene  Philanthrop  Henry  Folger,  der  Expräsident ­
  einer  großen  Oelgesellschaft,  hat  testamentarisch
zehn  Millionen  Dollar  für  die  Errichtung  eines  Shakespeare-Hauses ­
  in  Washington  vermacht.  Das  Haus
erhält  als  Prunkstück  die  20.000  Bände  umfassende  Shakespeare-Bibliothek ­
  Mr.  Folgers  sowie  eine  Universität,
wo  die  Studenten  Theaterwissenschaft  studieren  können.

BILDER.
(Ein  Raffael-Fund?)  Im  Dachgeschoß  der  Universität  P  a-1
  e  r  m  o  befindet  sich  eine  Zahl  alter  Bilder,  die  vor  vielen
Jahren  von  Mönchen  des  benachbarten  Klosters  der  Universität ­
  zum  Geschenk  gemacht  worden  waren.  Unter  diesen  wenig ­
  beachteten  Gemälden  hat  man  jetzt  eines  entdeckt,  das
man  mit  Rücksicht  auf  die  frappante  Aehnlichkeit  mit  dem  als
»Madonna  mit  dem  Diadem«  bekannten  Meisterbild  in  der  Galerie ­
  des  Herzogs  von  Westminster  als  echten  Raffael  feststellen ­
  zu  dürfen  glaubt.  Das  Gemälde  in  Palermo,  das  kürzlich ­
  gereinigt  wurde  und  gegenwärtig  in  der  Wohnung  des
Rektors  hängt,  stellt  die  Jungfrau  Maria  mit  Johannes  dem
Täufer  und  Jesus  als  Kinder  auf  dem  Hintergrund  einer  wundervollen ­
  Landschaft  dar.  Nach  der  Bekundung  von  Sachverständigen ­
  besteht  kaum  ein  Zweifel,  daß  man  hier  einen  echten ­
  Raffael  gefunden  hat,  Kenner  nehmen  sogar  an,  daß  der
Raffael  in  der  Galerie  des  Herzogs  von  Westminster  wahrscheinlich ­
  nur  eine  Kopie  des  in  Palermo  gefundenen  Bildes ­
  ist,
(Der  Stuppacher  Grünewald.)  Die  vorläufige  Abnahme
des  von  Prof.  v.  Tettenborn  restaurierten  Stuppacher
Madonnen  bildes  Matthias  Grünewalds  ist  jetzt
durch  die  dafür  eingesetzte  Kommission  erfolgt.  Die  Restaurierung ­
  hat  lange  Zeit  in  Anspruch  genommen  und  war  außerordentlich ­
  mühevoll.  Da  die  Gemeinde  Stuppach  das  Werk
wieder  als  Andachtsbild  verwenden  will,  so  konnte  man  sich
nicht  mit  einer  museumsmäßig  andeutenden  Wiederherstellung
begnügen.
(Gemäldediebstahl.)  Aus  Berlin  wird  uns  gemeldet:
Aus  dem  Amtszimmer  des  Direktors  des  Gymnasiums  vom
Grauen  Hause  stahlen  Diebe  verschiedene  wertvolle  Gemälde
darunter  das  Porträt  eines  Rabbiners  von  Franz  Krüger,
ferner  eine  Madonna  mit  Kind  aus  dem  17.  Jahrhundert,  ein
holländisches  Gemälde  auf  Holz  von  Adrian  Brouwer  und
ein  großes  Bild,  das  einen  Kreuzritter  auf  weißem  Pferde  darstellt ­
  und  aus  dem  Jahre  1650  stammt.

HANDSCHRIFTEN.
(Eine  Urkunde  über  Walther  von  der  Vogelweide.)  Oberbürgermeister ­
  Dr.  Löffler  teilte  im  Stadtrat  Würzburg
mit,  daß  er  eine  kleine  Walther-Ausstellung  vorgesehen  habe,
die  in  der  Universitätsbibliothek  veranstaltet  wird.  Man  plane
auch  folgendes  Stück  für  die  Ausstellung  zu  erwerben:  ln
Cividale  in  Italien  befinde  sich  ein  Pergamentstreifen  als
einzige  zeitgenössische  Urkunde,  die  von  der  Existenz  Walthers ­
  von  der  Vogelweide  Kunde  gibt.  Es  handelt  sich  um
eine  Reiserechnung  des  damaligen  Bischofs  von  Passau,  wonach
Walther  zehn  Goldstücke  für  einen  Pelzmantel  erhalten  hat,
den  er  auf  einer  im  Gefolge  des  Bischofs  unternommenen  Reise
von  Linz  nach  Passau  trug.  Dieser  Pergamentstreifen  sei  in-  |
zwischen  nach  Rom  an  das  italienische  Unterrichtsministerium
gesandt  worden.  Unter  der  Voraussetzung,  daß  für  die  Versicherung ­
  der  Urkunde  der  Stadt  keine  zu  hohen  Kosten  erwachsen, ­
  wird  sich  die  Stadtverwaltung  bemühen,  den  Pergamentstreifen ­
  für  die  Würzburger  Ausstellung  zu  bekommen.

NUMISMATIK.
(Eine  Kärntner  Denkmünze.)  Die  österr.  Regierung  hat
die  Ausprägung  einer  Denkmünze  in  Aussicht  genommen,
die  die  Erinnerung  an  die  Abstimmung  in  Kärnten  im
Jahre  1920  festhalt  en  soll.
(Medaillen  auf  die  Befreiung  der  Rheinlande.)  Der  Frankfurter
  Bildhauer  Karl  Stock  hat  eine  Medaille  auf  die  Befreiung ­
  der  Rheinlande  geschaffen,  Sie  zeigt  auf  der  Vorderseite ­
  einen  Adler,  der  ein  Joch  zerbricht,  auf  der  Rückseite
eine  Hand,  die  aus  dem  Text  der  Strophe  des  Deutschland-Liedes:

  »Einigkeit  und  Recht  und  Freiheit«  usw,  herauswächst.
Die  Medaille  wurde  in  Bronzeguß  hergestellt  und.  hat  das  ungewöhnliche ­
  Format  von  11  cm  Durchmesser.  Eine  kleinere
Denkmünze,  ebenfalls  in  Bronzeguß  (5  cm)  gibt  die  Numismatische ­
  Gesellschaft  von  Wiesbaden-Mainz  heraus.  Der
Entwurf  stammt  von  Kunstgewerbelehrer  Ernst  Schneevoigt
  in  Mainz,  Auf  der  Vorderseite  streckt  der  befreite
Genius  aufatmend  seine  Arme  aus;  die  Umschrift  »Respiro  et
spero«  erklärt  das  Bild.  Die  Rückseite  zeigt  das  Rheinknie
in  stilisierter  Darstellung  (einen  verbogenen  T-Balken  nicht  unähnlich); ­
  zur  Seite  des  Stromes  die  Wappenbilder  von  Mainz
und  Wiesbaden.  Dazu  als  Umschrift  das  auf  alte  und  neue
Leiden  des  Rheinlandes  anspielende  Distichon:  »Viele  Jahrhunderte ­
  Krieg;  12  Jahre  nicht  Krieg,  nicht  Frieden.  —  Aber
die  Zukunft  sei  friedlicher  Arbeit  geweiht.«
(Eine  Luther-Porzellanplakette.)  Anläßlich  der  400-Jahr-Feier
  der  Augsburger  Konfession  gibt  die  Porzellanmanufaktur
im  Einvernehmen  mit  der  evangelischen  Gesamtgemeinde
Augsburg  eine  Plakette  aus  Böttger-Porzellan  heraus.  Aut
der  Vorderseite  ist  Luther,  auf  der  Rückseite  das  Wappen
der  Apologie  dargestellt.
(Die  Münzen  und  Marken  von  Lundy.)  Mr.  Martin  Coles
H  a  r  m  a  n,  ein  Londoner  Finanzmann,  ist  seit  1925  Besitzer
und  Beherrscher  der  kleinen  im  Bristol-Kanal  gelegenen
Insel  Lundy.  Zu  Nutz  und  Frommen  seiner  vierzig  Untertanen ­
  und  wohl  auch  der  Touristen  hat  er  Briefmarken
und  Münzen  im  Werte  von  einem  halben  und  von  einem
»Puffin«  (nach  dem  Namen  des  auf  der  Insel  brütenden  Tauchvogels ­
  Fratercula  arctica),  einem  halben  und  einem  ganzen
englischen  Penny  entsprechend  herausgegeben,  Briefmarken
und  Münzen  tragen  natürlich  nur  lokalen  und  privaten  Charakter, ­
  und  für  die  Ausgabe  der  letzteren  konnte  sich  .Mr.
Harman  auf  das  Beispiel  von  Hunderten  von  englischen  Kaufleuten, ­
  Banken  und  industriellen  Unternehmungen  berufen,  die
im  18.  und  anfangs  des  19.  Jahrhunderts  in  Zeiten  des  Kleingeldmangels ­
  private  »Tokens«  verausgabten.  Das  Gericht  von
Devonshire  aber  hatte  keinen  Sinn  für  diese  nette  numismatische ­
  und  philatelistische  Spielerei  und  verknurrte  den  »König
von  Lundy  Island«  wegen  Münzvergehens  zu  einer  Buße  von
5  £  und  zu  15  Guineas  Gerichtskosten.  Mr.  Harmans  Rechtsanwalt ­
  hat  gegen  diesen  Spruch  rekurriert  mit  der  Begründung,
daß  nicht  nur  Lundy  den  Gerichten  von  Devonshire  nicht  unterstehe, ­
  was  tatsächlich  stimmt,  sondern  auch,  was  schwerer
zu  beweisen  sein  wird,  daß  das  Inselchen  als  »outside  world«
überhaupt  nicht  zum  Vereinigten  Königreich  Großbritannien
gehöre.

PHILATELIE.
(Kärntner  Jubiläumsmarken,)  Bei  der  am  16.  Juli  im  Nationalrat ­
  abgehaltenen  Festsitzung  zu  Ehren  Kärntens
teilte  der  Bundeskanzler  Dr.  Schober  mit,  daß  die  Ausgabe
der  nächsten  W  ohltätigkeitsbriefmarkenser  i  e
dem  Lande  Kärnten  und  der  ruhmreichen  Abstimmung  des
Jahres  1920  gewidmet  wird,  Das  Erträgnis  dieser  Wohltätigkeitsmarke ­
  ist  zur  Gänze  der  Lungenheilstätte  L  a  a  s  zugedacht,
(Dienstmarken  für  die  Internationale  Reparationsbank.)
Die  neugegründete  Internationale  Reparationsbank  in  Basel
erhält  eigene  Dienstwertzeichen,  und  zwar  die  postläufige
Reihe  von  5  Rappen  bis  10  Franken,  mit  Aufdruck  »B(anque)
Internationale  des)  R(eparations)«.  Die  Ausführung  erfolgt  genau ­
  entsprechend  den  Dienstmarken  für  den  Völkerbund  und
das  Internationale  Arbeitsamt.
(Columbus-Marken.)  Kaum  ist  in  Spanien  die  Goya-Serie
  erschienen,  die  nicht  weniger  als  17  Werte  (1,  2,  5,
10,  15,  20,  25,  30,  40,  50  Cent,  1,  4,  10  Pesetas,  1  Eilmarke
|  zu  20  Cent,,  ferner  13  Luftpostmarken  von  5  Cent,  bis  10  Pesetas ­
  und'eine  Luftpost-Eilmarke  zu  20  Cent.)  umfaßt,  als  schon
eine  neue  Serie  angekündigt  wird.  Diesmal  wird  es  eine  C  olumbus-Serie
  sein,  die  Columbus  und  verschiedene
auf  die  Entdeckung  Amerikas  bezügliche  Darstellungen  zeigen
wird,

VERSCHIEDENES.
(Tod  bekannter  Sammler.)  In  A  f  1  e  n  z,  wo  er
zur  Erholung  weilte,  ist  am  13,  Juli  der  Statthalter  i,  P.
Karl  Herz  von  Hertenried  gestorben.  Herz  war  ein  bekannter ­
  Wiener  Sammler.  Seine  Liebhaberei  war  A  11  w  i  e  -
ner  Porzellan,  und  zwar  jene  Erzeugnisse  der  Alt-Wiener
Manufaktur,  die  für  den  Export  bestimmt  waren  und  sich  von
dem  für  das  Inland  erzeugten  Wiener  Porzellan  in  Form  und
Farbe  wesentlich  unterscheiden.  Diese  Exportware  wurde  nämlich ­
  hauptsächlich  dem  Geschmack  von  Konstantinopel  und
            
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