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Nr. 17 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite 187 
Graf von Malvasia starb 1693. In seinem Testa 
ment vermachte er das Königsporträt, das er als 
»la cosa piü preziosa che io abbia al mondo« be- 
zeichnete, der Marienerzbrüderschaft seiner Vater 
stadt unter der ausdrücklichen Bedingung, daß es 
wie eine Art Schmückstück an großen Festtagen 
am Bild der Gottesmutter auf dem Hochaltar der 
Kirche Santa Maria della Vita befestigt werde. Das 
kostbare Medaillon mit seiner Krone und seinem 
Kranz von Diamanten, das heutzutage in dem eiser- 
Die grossartigste 
Der Kustos der Albertina in Wien, Dr, Heinrich 
L e p o r i n i, hat gelegentlich einer Neuordnung und 
Inventarisierung auf einem österreichischen Landgut 
eine ungewöhnlich reichhaltige graphische Dürer- 
Sammlung entdeckt, vielleicht die in der Welt 
bedeutendste Privatsammlung dieser Art. Es ist 
nahezu das ganze Dürer-Werk vorhanden und zu 
meist in herrlichen Frühdrucken, so das Marienleben 
in fast druckfrischen Probedrucken. Es fehlt aber 
auch nicht an seltenen Kostbarkeiten, wie sie selbst 
in den größten öffentlichen Sammlungen nur verein 
zelt zu finden sind. 
Als ein Hauptobjekt verdient die vollständige 
Folge der Ehrenpforte Maximilians in unzerschnit- 
tenen Probedrucken der ersten Ausgabe von 1517 
hervorgehoben zu werden. Vollständige Folgen der 
Ehrenpforte kommen auch in der späteren Ausgabe 
von 1559 nur in wenigen Exemplaren und zumeist 
nur ausgeschnitten und aufgeklebt vor. So befindet 
sich auch in der berühmten Dürer - Sammlung der 
Albertina kein Exemplar der ersten, sondern nur 
eines der Ausgabe von 1559, gleichfalls ausgeschnit 
ten und aufgeklebt. Dasselbe gilt auch von der kost- 
nen Kassenschrank des Bologneser Spitals aufbewahrt 
wird — dieses Krankenhaus hat die Besitzung der 
alten Erzbrüderschaft geerbt — kommt seif dem 
Jahre 1693 bloß einmal im Jahre aus seinem Ver 
steck zum Vorschein. Dann aber glänzt und funkelt 
es auf dem Altar der kleinen italienischen Kirche. 
Dort entdeckte es der kunstliebende Reisende, der 
der Gesellschaft für französische Kunstgeschichte 
in Paris die Auffindung des Schatzes bekanntgab. 
Dürer-Sammlung. 
baren frühen Ausgabe von 1517 im British Museum 
in London. Zumeist sind die Folgen auch nicht durch 
weg aus gleichzeitig gedruckten Blättern zusammen 
gesetzt, was möglicherweise auch bei den Exem 
plaren in Kopenhagen und Stockholm der Fall ist. 
Das neugefundene Exemplar dürfte sich einmal 
im Besitz des Nürnberger Holzschnittzeichners 
Niklas Meldemann befunden haben, da zwei 
Blätter auf der Rückseite sein Monogramm und die 
handschriftliche Signatur »Niclas Meldemann von 
Nürnberg« zeigen. Von besonderem Interesse sind 
aber mit der Feder geschriebene Notizen, die wahr 
scheinlich für den Drucker bestimmt waren und eine 
Aehnlichkeit mit den Schriftzügen Dürers 
aufweisen: »10 Stuck Grundt«, »die Stuck gehören 
zu Einer Pordt« und andere. 
Es dürfte sich vielleicht um das erste Druck 
exemplar der Ehrenpforte handeln, das als Probe 
druck Dürer vorgelegt wurde. Außerdem dürfte es 
aber auch das einzige Exemplar sein, das sich in ganz 
tadellos unberührten vollrandigen Blättern erhalten 
hat. 
Paul Sraupes Jluktionsprogramm. 
Paul Graupe in Berlin gibt sein Auk 
tionsprogramm bekannt. Er eröffnet gemein 
sam mit Hermann Ball seine Auktionen am 26, Sep 
tember mit der großen Versteigerung einer unge 
wöhnlich schönen und kostbaren Sammlung von 
Golddosen und Silberarbeiten, die 
Höchstleistungen der französischen Goldschmiede 
kunst des 18, Jahrhunderts auf den Markt bringt. 
Sowohl unter den Dosen, wie auch unter dem Silber 
finden sich Namen der berühmtesten Bijouterie 
meister, wie Roetiers, Auguste, Odiot, Vachette, 
George, Pottier, Alaterre, ferner erster Miniatur 
maler, wie Blaremberghe und Sicardy. Das Material 
dieser Versteigerung ist noch wertvoller als das der 
beiden früheren Versteigerungen, die die beiden 
Firmen gemeinsam mit ähnlichen Objekten veran 
staltet haben. 
An diese Versteigerung schließt sich eine zweite 
gemeinsame Auktion an: die Bildersammlung 
eines süddeutschen Fürsten nebst einigen Beiträgen 
aus Privatbesitz. In dieser Bildersammlung sind 
neben einigen frühen rheinischen und westfälischen 
Tafeln des 14. und 15, Jahrhunderts, wie Werke von 
Ferdinand Bol, Albert und Benjamin Cuyp, Jan van 
Goyen, van der Neer, Berchem, Isaac Ostade, Jac. 
und Sal. Ruysdael, D. Teniers, P. Wouwermann, 
Greuze und van Loo enthalten. Von modernen Ma 
lern begegnen wir Claude Lorrain, C. D. Friedrich 
und Spitzweg, 
Am 7. und 8. Oktober setzt Paul Graupe die 
Reihe seiner Buchauktionen mit einer Verstei 
gerung von Kunstliteratur fort, die die Handbiblio 
theken dreier größerer Sammler bringt. Die Verstei 
gerung enthält nicht nur große Reihenpublikationen 
und Seltenheiten, wie Jahrbücher der Preussischen 
Kunstsammlungen, Jahrbuch der Sammlungen des 
Allerhöchsten Kaiserhauses, Kunsthistorisches Jahr 
buch, Gazette des Beaux Arts, Bodes Rembrandt- 
Werke, Morgan-Catalogue, Repertorium für Kunst 
wissenschaft, Venturi: Storia delT Arte italiana, etc., 
sondern auch zahlreiche monographische, biographi 
sche und ästhetische Werke, die in solcher Vollstän 
digkeit selten angeboten werden. 
Im Oktober oder November bringen Paul Graupe 
und Hermann Ball gemeinsam den bedeutenden 
Kunstbesitz eines bekannten internationalen Kunst 
sammlers, dessen Name zur Zeit noch nicht genannt 
wird, zur Versteigerung. Es gelangt damit eine be 
reits im 19, Jahrhundert angelegte, außergewöhnlich 
reichhaltige und qualitätsvolle Sammlung von Mö 
beln der italienischen Renaissance zur 
Auflösung. Daneben enthält die Sammlung eine 
Reihe wertvoller Gemälde, darunter zwei Altar 
flügel von Gerard David, ein Männerporträt eines 
Augsburger Meisters um 1500, italienische Bilder des 
Quatrocento und französische des 18. Jahrhunderts, 
ferner Louis-XV.-Gobelins und -Möbel, eine umfang 
reiche Sammlung von italienischen Renaissance- 
Fayencen und -Bronzen, außerdem kostbare orien-
	        
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