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MAK

Full text : Jahrgang 22 (1930) (21)

Seite  238

INTERNATIONALE  SAMMLER-ZEITUNG

Nr.  21

Dichtauf  folgt  die  Marke  zu  8  Pfennig  (mit  4  Pfennig  Zuschlag),
von  der  4.2  Millionen  verkauft  wurden.  Erst  in  ziemlichen
Abstand  kommt  die  5-Pfennig-Marke  mit  2  Pfennig  Aufschlag,
die  es  auf  etwas  über  3  Millionen  verwendeter  Exemplare
brachte.  Die  Ziffern  für  die  verkauften  Marken  zu  25  (10  Pfennig ­
  Zuschlag)  und  50  Pfennig  (40  Pfennig  Zuschlag)  sind  an
sich  wesentlich  geringer,  kaum  400.000  Marken  zu  25  und
nicht  annähernd  200.000  Stück  zu  50  Pfennig  konnten  verkauft
werden;  aber  trotzdem  höher  als  1929!  Philatelistisch  nennt
man  die  höchste  Marke  einer  Gelegenheitsausgabe  stets  die
Zählmarke.  Es  ist  ziemlich  sicher  anzunehmen,  daß  die  50-Pfennig-Marke
  ausschließlich  von  Sammlern  erworben  worden  ist.
Der  Absatz  durch  die  Post  war  in  diesem  Jahr  auffallend
niedrig,  riesig  gestiegen  sind  auch  die  stets  stark  begehrten
Freimarkenheftchen,  gestiegen  ist  der  Absatz  von  Postkarten.
Wie  wertvoll  für  die  Nothilfe  die  hochwertigen  Marken  mit
dem  großen  Aufschlag  sind,  erhellt  daraus,  daß  die  50-Pfenni-g-Marken
  10.000  Mark  mehr  für  die  Nothilfe  brachten,  als  die
5-Pfennig-Marken,  von  denen  der  Zahl  nach  fast  zwanzigmal
so  viel  abgesetzt  wurden.

VERSCHIEDENES.
(Hofrat  Ferdinand  Hofer.)  Der  Bundespräsident  hat  dem
Generaldirektor-Stellvertreter  des  Dorotheums,  Regierungsrat
Ferdinand  Hofer,  den  Titel  eines  Hofrates  verliehen,  •—
Diese  Auszeichnung  ist  die  Anerkennung  für  ein  Leben  voll
der  aufopferndsten  Tätigkeit,  für  eine  Selbstentäußerung,  die
ihre  Vorbilder  in  einer  weit  zurückliegenden  Zeit  hat.  Aber
dieser  Pflic-htenmensch  ist  kein  Cato,  der  gegen  jene  eifert,
die  keine  so  antike  Pflichtauffassung  haben,  wie  er;  so  streng
Hofrat  Hofer  gegen  sich  selbst  ist,  so  milde,  so  voll  gütiger
Nachsicht  ist  er  gegen  andere.  Der  rastlos  Beschäftigte  hat
auch  immer  ein  willig  Ohr  für  die  Kollegen,  denen  er  vorgesetzt ­
  ist.  Kein  Wunder,  daß  er  in  dem  großen  Beamtenkörper ­
  nur  Freunde  hat,  denen  die  Gelegenheit  willkommen
war,  Hofer  die  ehrliche  Freude  zu  zeigen,  die  dessen  Auszeichnung ­
  bei  ihnen  ausgelöst  hat.  Keiner,  keiner  schloß  sich
aus.  Der  allzu  bescheidene  Mann  konnte  es  nicht  verhindern,
daß  er  auch  sozusagen  offiziell  gefeiert  wurde.  Als  die  Auszeichnung ­
  Hofers  im  Dorotheum  bekannt  wurde,  versammelten
sich  um  ihn  die  Vorstände  und  leitenden  Beamten  der  Anstalt, ­
  um  ihm  ihre  Glückwünsche  darzubringen.  Sprecher  war
der  Präsident  des  Kuratoriums,  Minister  a.  D,  Dr.  Homann-Heriberg,
  der  Hofers  Verdienste  um  das  Dorotheum,  namentlich ­
  in  der  Zeit,  da  er  es  selbständig  leitete,  in  schönen
Worten  würdigte.  Der  neue  Generaldirektor,  Ministerialrat
Dr.  Gunkel,  schloß  sich  der  Ehrung  mit  dem  herzlichen
Wunsche  an,  einen  so  trefflichen  Mitarbeiter  noch  recht  lange
an  seiner  Seite  zu  haben.
(Geschenk  des  Papstes  für  Hfndenburg.)  Papst  Pius  hat
dem  deutschen  Reichspräsidenten  ein  in  der  vatikanischen
Druckerei  her-gestelltes  Prachtwenk  mit  Reproduktionen  päpstlicher ­
  Papyrus-Urkunden  -aus  deutschen-,  spanischen  und  italienischen ­
  Archiven  geschenkt,  dessen  Entstehung  auf  eine  Anregung ­
  der  -damaligen  königlichen  Akademie  der  Wissenschaften ­
  -zu  Göttingen  zuruckzuführen  ist.  Hindeniburg  wird
das  Werk  -der  Gesellschaft  der  Wissenschaften  in  -Gött-ingen
überweisen.
(Tod  bekannter  Sammler.)  In  Wien  ist  der  Rechtsanwalt ­
  Dr.  Berthold  Lipschütz  -gestorben,  der  als  Viennensia-Sammler
  bekannt  war,  Dr,  Lipschütz  selbst  mochte  nicht  als
Sammler  gelten,  er  betrachtete  sich  nur  als  Amateur,  der
von  Liebe  zu  seiner  Vaterstadt  beseelt,  alles  zusammentrug,
was  sich  auf  Wien  bezog.  Aber  indem  er  so  Blatt  um  Blatt  in
seine  Mappen  legte,  brachte  er  eine  Sammlung  zusammen,  die
sich  sehen  lassen  konnte.
(Ein  Werk  aus  der  Schule  der  Naumburger  Statuen.)
Aus  Merseburg  wird  berichtet;  Ein  kunstgeschichtlich  sehr
bedeutsamer  Fund  ist  in  der  Dorfikircihe  von  Holr-bur-g  im
Merseburger  Kreis  gemacht  worden.  'Bei  der  Erneuerung  der
Kirche  f  and  Baurat  Dr.  C  I  aussen  die  in  den  Altar  eingemauerten ­
  Bruchstücke  eines  -zerstörten  Marienstandbildes.  Es
gelang,  die  meisten  Teile  der  wohl  nach  der  Reformation  aus
religiösem  Fanatismus  zerstörten  -Statue  zu  retten  und  z-usammemzusetzen.
  Dabei  zeigte  sich  das  überraschende  Ergebnis, ­
  daß  wir  durch  ein  Wenk  -aus  der  Schule  der  berühmten ­
  Naumburger  Stifterfiguren  bereichert  sind.  Material  und
Technik,  Durchbildung  -des  Ganzen,  charakteristische  Körperhaltung, ­
  kurz  alle  stilistischen  Einzelheiten  lassen  keinen

Zweifel  darüber,  daß  wir  eine  Arbeit  aus  der  Glanzzeit  der
deutschen  Plastik  im  13.  Jahrhundert  vor  uns  haben.  Auch  der
Konservator  der  Provinz  Sachsen,  Dr.  G  i  e  s  a  u,  ist  dieser
Ansicht  und  hat  -darum  alle  Maßnahmen  getroffen,,  die  höchst
bemerkenswerte  Statue  zu  sichern.
(Zeitgenössische  deutsche  Kunst.)  Demnächst  findet  in
New  York  eine  Ausstellung  „Zeitgenössische  deutsche
Kunst"  statt.  Der  Leiter  der  Ausstellung  hat  auf  Anregung
der  Direktion  der  Berliner  Nationalgalerie  die  Stadtverwaltung
in  Duisburg  gebeten,  für  die  Ausstellung  die  bekannte
Plastik  des  Duisburger  Bildhauers  Lehmbruck  „Kniende"
zur  Verfügung  zu  stellen.  Es  handelt  sich  um  die  vielumstrittene ­
  Schöpfung  Lehmbrucks,  die  bei  ihrer  Aufstellung  im
Duisburger  Tonhallengarten  zu  heftigen  Einsprüchen  aus  der
Bürgerschaft  führte  und  in  einer  Nacht  von  ihrem  Sockel  gestürzt ­
  wurde.  Auf  Beschluß  der  Stadtverordnetenversammlung
wurde  die  „Kniende"  nach  ihrer  Wiederherstellung  wieder
aufgestellt.  Die  Stadtverwaltung  Duisburg  hat  zugesagt,  die
Plastik  der  Ausstellung  in  New  York  zu  überlassen.
(Eine  Golddose  gestohlen,)  Während  der  Vorbesichtigung
zur  Versteigerung  der  Kunstsammlung  und  Wohnungseinrichtung ­
  eines  Wiener  Großindustriellen,  die  durch  die  Firma
C.  J.  W-awra  in  -der  Wohnung  Prinz  Eugen-Straße  34  abgehalten ­
  wurde,  ist  eine  Golddose  -im  Werte  von  4000  Schilling
gestohlen  worden.  Es  handelt  sich  um  -die  unter  Nr.  105a  verzeichnete
  Dose,  auf  deren  Deckel,  Boden  und  Seitenteil
Aquarelle  angebracht  sind,  die  Parforcejagden  darstellen,  ln
-die  Randleisten  sind  Diamanten,  Rubine  und  Smaragde  in  der
Form  von  -Blumen  eingelassen.
(Der  Inka  -  Schatz  gefunden?)  Nach  langem  vergeblichen
Suchen  soll  es  einem  Rechtsanwalt,  T  o  r  r  e,  der  aus  Panama
an  der  Spitze  einer  Schatzgräbertruppe  nach  Ekuador  aufgebrochen ­
  war,  gelungen  sein,  -den  sagenhaften  Inka  -Schatz
in  der  Nähe  des  Indianerdorfes  Nizak  zu  finden.  Als  die
spanischen  Eroberer  unter  Cortez  in  das  damals  mächtige
Inka-Reich  drangen,  erstaunten  sie  über  die  ungeheuren  Reichtümer
  an  Gold  und  Smaragden,  die  das  Inka-Volk  besaß.  Ihr
Sonnentempel  war  aus  purem  Golde,  ebenso  die  Tempelgeräte
und  der  Palast  des  Inka-Königs,  und  die  Wohnungen  der
Adeligen  umschlossen  unschätzbare  Vermögen.  Die  Inka  gaben
den  Spaniern  gern  von  ihren  Schätzen,  aber  die  Habgier  der
Eroberer  kannte  keine  Grenzen.  Sie  mordeten  und  plünderten,
bis  die  Inka  schließlich  in  ihrer  Verzweiflung  ihre  Goldschätze
in  tiefe  Gebirgsseen  warfen  und  in  Höhlen  verbargen.  Torre
soll  nun  die  Begräbnisstätte  des  letzten  Inka-Königs,  Atah
  u  a  1  p  a,  die  den  eingeborenen  Indianern  als  ein  Heiligtum
galt,  entdeckt  haben  und  dort  auf  einen  Schatz  an  Gold  und
Smaragden  von  ungeheurem  Wert  gestoßen  sein.  Torre  hat
seine  Regierung  in  Panama  ersucht,  ihm  Soldaten  zum  Schutz
zu  senden,  da  er  Ueberfälle  der  Indianer  -befürchte,  die  sich
der  Hebung  des  Goldschatzes  widersetzen  dürften.  Auch
über  das  Besitzrecht  am  Schatze  dürften  Streitigkeiten  ausibrechen,
  da  noch  direkte  Nachkommen  des  Inka-Königs
  gänzlich  verarmt  im  Dorfe  Y  aruquis  leben,  und
auch  die  Regierung  von  Ekuador  Ansprüche  stellen
wird.

MUSEEN.
(Rücktritt  des  Generaldirektors  des  Britischen  Museums.)
Sir  Frederic  George  K  e  n  y  o  n,  der  Generaldirektor  des  Britischen ­
  Museums  in  London,  wird  zu  Ende  dieses  Jahres  in
den  Ruhestand  treten.  Der  berühmte  Papyrusentzifferer  und
Entdecker  einer  Reihe  von  Werken  der  antiken  Literatur,
darunter  des  „Staats  der  Athener“  von  Aristoteles,  ist  am
15.  Jänner  1863  geboren  und  steht  seit  1909  an  der  Spitze  des
Museums  und  der  Bibliothek;  er  gehört  auch  den  Akademien
von  Berlin  und  München  als  Mitglied  an  und  ist  Ehrendoktor
der  Universität  Halle.
(Zwei  Tiepolos  für  das  Kunsthistorische  Museum.)  Das
Kunsthis'torische  Museum  -bat  a-us  -dem  Besitze  Camillo  C  ast-iglionis
  zwei  große  Gemälde  von  T  i  e  -p  o  1  o  erworben.
Die  Bilder,  in  -der  Größe  von  2.5  ziu  4  Quadratmetern,  stellen
Schlack  tenszen-en  dar.  Sie  werden  sofort  -nach  Fertigstellung
-der  stilgemäßeren  Rahmen  der  Besichtigung  ifreigegeben
werden.
(Neuerwerbung  der  Berliner  Gemäldegalerie.)  Für  die
Gemäldegalerie  der  Berliner  Museen  hat  Geheimrat  Fried-1
  ander  aus  dem  Stiftungsfonds,  der  ihm  zu  seinem  60.  Geburtstage ­
  von  Kunstfreunden  zur  Verfügung  gestellt  wurde,
ein  Werk  des  Antwerpener  Meisters  Quinten  M  a  s  s  y  s  erworben, ­
  den  „Kaufvertrag".  Es  ist  eine  der  höchst  seltenen
genremäßigen  Darstellungen  des  Führers  der  niederländischen
Kunst  zu  Beginn  des  16.  Jahrhunderts,  der  darin  an  gewisse
Karikaturen  Lionar-dos  in  der  Charakteristik  der  fast  grotesken
Köpfe  anknüpft.
            
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