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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 21 
Alten stellt sich neben die besten humoristischen 
Tonfiguren aus dem Mutterlande und Kleinasien. 
Auch die älteren Bronzen sind italisch, und zwar 
etruskisch. Unter ihnen befindet sich eine eigenartig 
ansprechende Kriegerstatuette. Italisches Erbgut in 
klassizistischem Gewände stellt die auf das sorg 
fältigste durchgeführte Statuette einer Venus dar, 
die angeblich in Herculaneum gefunden wurde. Von 
Fig. 3. Attischer Glockenkrater (Rückseite). 
ähnlicher Feinheit sind die kleinen Figuren des 
Harpokrates und des Herakles. 
Mit den letztgenannten Werken befinden wir 
uns bereits in der römischen Kaiserzeit. In ihr sind 
die meisten Steinskulpturen der hier vereinigten 
Sammlungen entstanden. Doch führen uns in die 
älteren Zeiten zurück der reifarchaische Kalkstein 
kopf eines kurzbärtigen Mannes aus Cypern und das 
marmorne Weihrelief an die Göttermutter, dessen 
Typus uns aus der attischen Kunst des 4. Jahrhun 
derts v. Chr. bekannt ist. Unter den Kopien klas 
sischer Meisterwerke ist die von Ueberarbeitung 
leider nicht verschont gebliebene Wiederholung vom 
Kopfe der Hestia Giustiniani im Museum Torlonia 
zu Rom hervorhebenswert. Die alte Frische hat da 
gegen der Gerätfuß mit der an hellenistische Darstel 
lungen anknüpfenden Statuette des jugendlichen 
Dionysos bewahrt. Die malerische Weichheit seiner 
Arbeit kehrt verwandt an dem Frauenköpfchen wie 
der, vor dem man schwanken könnte, ob es nicht 
ein Original vom Beginn des Hellenismus sei. Cha 
rakteristisch zeigt sich römische Art an in dem weib 
lichen Bildniskopf aus der Zeit der Matidia, während 
das Porträt eines bärtigen Griechen die Fortführung 
einer älteren Tradition verrät. Dasselbe gilt von der 
Gestalt des Knaben Kakrageros aus Kibyra in Klein 
asien, dessen wohlerhaltener Grabstein ihn in einer 
naiskosartigen Umrahmung wiedergibt. 
Der Kaiserzeit gehört schließlich auch die Mehr 
zahl der Gläser an, wenngleich die Grenzen dieser 
Periode von mehreren Stücken nach oben wie nach 
unten hin überschritten werden. Mannigfaltig in der 
Form, der Farbe und der Technik bieten diese Gläser 
den Sammlern der heutzutage besonders begehrten 
Kunstgattung manche Gelegenheit zur Vervollstän 
digung ihres bisherigen Besitzes. 
Der mit 15 Abbildungstafeln versehene Katalog 
Nr. 2035 ist durch Rud. Lepke zu beziehen. 
Die November Auktionen des Dorotheums. 
Die November-Versteigerungen des Doro- 
theums stehen im Zeichen der Haus-Auktionen. 
Vom 6. bis 8. November bringt das Dorotheum 
im Palais Salm-Reifferscheid t, VII., Men- 
tergasse 11, einen Großteil der Palaiseinrichtung des 
Altgrafen Erich Salm zur Versteigerung. Wie das 
Palais selbst im Stile der vornehmen kleinen Hotels 
im Faubourg St. Germain erbaut ist, so ist auch die 
Einrichtung, die von erlesenstem Geschmack zeugt, 
in der Zusammenstellung der Möbel, der Stiche, der 
verschiedenen Nippes und Bibelots und all des nied 
lichen Kleinkrams, der Konsoltische, Etageren, 
Spieltische, Vitrinen im französischen Stile belebt. 
Aus dem reichen Mobilienbestand seien ein 
Louis-XVI.-Kasten aus Mahagoniholz mit vergolde 
ten Bronzeverzierungen und französischer Klapplatte 
mit Wedgewoodeinlage, sowie eine Louis-XVI.-Gar 
nitur mit einem Gestell aus gebeiztem Nußholz, be 
legt mit reichen, geschnitzten, vergoldeten Verzie 
rungen, und 2 Fauteuils, eine Arbeit aus dem Ende 
des 18. Jahrhunderts, erwähnt. 
Neben Porzellanen der Wiener und Meißener 
Manufaktur wird die Auktion ein entzückendes Ser 
vice aus Würzburger Porzellan mit den Miniatur 
porträts der Familie Salm aus dem Anfang der 
Zwanzigerjahre des vorigen Jahrhunderts und ein 
umfangreiches, gut erhaltenes Wiener Tafelservice 
aus dem Jahre 1807 bringen. Den Clou des Porzel 
lanbestandes bildet ein schönes Service aus Sevres- 
porzellan aus dem 18. Jahrhundert, wie es in dieser 
Art auch im Musee des Arts decoratives des Pariser 
Louvre nicht seinesgleichen hat. Hervorzuheben ist 
auch ein Reisebesteck in gepreßtem Lederetui. Die 
Griffe sind aus Bronze und feuervergoldet und wei 
sen ziselierte, reiche Rokokoornamente auf. Auf 
den Griffen ist neben einer Meistermarke der Wie 
ner Vorratsstempel für Silber aus den Jahren 1809 
und 1815 eingeprägt. Bei diesen Gegenständen dürfte 
es sich um eine süddeutsche Arbeit aus der Mitte 
des 18. Jahrhunderts handeln. Neben vielen an 
deren Dingen findet sich eine zirka hundert Stück 
umfassende Dosensammlung, die von der Vor 
liebe des Sammlers für diese Erzeugnisse alten 
Kunstgewerbes zeugt. 
Die zweite Hausauktion des Dorotheums ist für 
den 17. und 18. November angesetzt, Sie wird in 
dem Hause I., Löwelstraße 8, vor sich gehen, dem 
Hause, in dem Dr. Albert F i g d o r gelebt und seine 
Sammlungen aufbewahrt hat. Im zweiten Stockwerke 
wohnte der berühmte Sammler: unter ihm im ersten 
Stockwerke der Großindustrielle Isidor M a u t h- 
ner, und dessen Gattin Jenny. Waren diese kunst 
sinnigen Menschen auch nicht Sammler in so großem 
Stile, wie Dr. Figdor, so haben sie doch ihre Villa 
in Pötzleinsdorf zu einem Museum Altwiener Kunst 
gestaltet und ihre Stadtwohnung in der Löwelstraße 
war mit Kostbarkeiten aller Art gefüllt, Vor einem 
halben Jahr etwa starb Isidor Mauthner und seine 
Witwe, die sich nun ganz auf ihren Pötzleinsdorfer 
Besitz zurückzieht, löst die Stadtwohnung auf. 
Besuchern dieser Patrizierwohnung ist die Ein 
richtung in lebhafter Erinnerung. Durch ein Entree 
mit schönen Empirekommoden und einer in den 
Farben sehr gut erhaltenen Tapisserie aus der Ge 
schichte Alexanders des Großen gelangt man in 
einen kleinen Vorraum, dessen Wände vollkommen 
mit Bildteppichen bedeckt sind. Zwei Stücke einer 
reich mit wilden Tieren staffierten Grammont-Ta 
pisserie, eine große Verdure in wenigen saftigen 
Farben gehalten, mit zwei Pfauen im Vordergrund, 
und das Fragment einer großen flämischen Tapis 
serie, Venus aus einem Urteil des Paris, von großer 
Feinheit der Zeichnung, fallen vor allem auf. Neben 
schönem Empire-Mobiliar befindet sich in diesem
	        
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