MAK
Nr. 23 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Seite 255 
Die Sammlung der Farbstiche ist besonders reich an 
den immer seltener werdenden großen, farbigen 
Mezzotinto-Blättern von und nach William Ward, 
Smith und Reynolds, die durchwegs in beson 
ders schönen Exemplaren vorliegen. Es befinden sich 
unter ihnen einzigartige Seltenheiten, wie die be 
rühmten Gegenstücke »The Disaster« and the »Wi- 
dow's tale« von Ward, »A visit to the Grandfather 
and the Grandmother« von Ward, »The Travellers« 
und »Cottagers« von Ward, »The Stormy Night« und 
„Morning after the Storm“ von Ward, ferner eine 
Reihe von wundervollen, farbigen Exemplaren der 
»Cries of London«, darunter die beiden seltensten 
Blätter der Folge, Nr. 12a und Nr. 13. 
Unter den französischen Farbstichen fallen vor 
allem die farbigen Crayon-Porträts nach Demar- 
l e a u und B o n n e t auf, von denen das Blatt 
»Femme ä la Rose« wohl eine der reizvollsten Schöp 
fungen der französischen Graphik des 18. Jahr 
hunderts und zwei große unvergleichlich schön er 
haltene Pastoralblätter von Bonnet nach Huet, er 
wähnt seien. 
Interessant in der Auktion ist aber vor allem die 
umfangreiche Sammlung von Sportblättern, 
die durchwegs von so hoher Qualität und pracht 
voller Erhaltung sind, wie sie in Deutschland seit 
Jahrzehnten wohl nicht mehr auf den Markt gelang 
ten. Besonders seien die zahlreichen Folgen mit 
Fuchsjagd-Darstellungen von und nach Alken, Flunt, 
Pollard und Sutherland erwähnt. 
Den Schluß bildet eine Sammlung farbiger 
Städteansichten, unter denen besonders 
Berlin stark vertreten ist. 
JCunstwerke des IS. Jahrhunderts. 
Hermann Ball und Paul G r a u p e in Be r 1 i n 
zeigen schon jetzt zwei Auktionen von höchstem 
internationalen Rang an, die im kommenden Früh 
jahr stattfinden werden. 
Es handelt sich um die Sammlungen Baron Erich 
von Goldschmidt-Rothschild in Berlin und 
Dr. Hans Wendland (Lugano). Beide Sammlun 
gen enthalten Schöpfungen aller Kunstgebiete des 
französischen 18. Jahrhunderts von einzigartiger 
Qualität. Bei der Sammlung Goldschmidt-Rothsohild 
liegt das Schwergewicht auf den Arbeiten der 
Rokokozeit, von denen ein berühmtes Gesellschafts 
gemälde von Pater, Bronzearbeiten von C a f f i e r i 
und F a 1 c o n e t, Lackmöbel von Dubois, Oppe- 
n o r d und Jacob, kostbare Aubussongarnituren, 
zwei Zeichnungen von Moreau 1 e Jeune zu der 
berühmten Folge »Monument du Costume« und 
schließlich der einzigartige Schatz von frühen Meiß 
ner Geschirren aus der Herold-Zeit erwähnt seien. 
Bei der Sammlung Wendland überwiegen da 
gegen die Gegenstände der Louis-XVI.-Zeit, die vor 
allen Dingen durch die außergewöhnlich schönen 
Möbel hervorragend vertreten ist. 
Mit diesen beiden Auktionen gelangen zum er 
sten Male Kunstwerke des 18. Jahrhunderts von so 
hohem Rang in Berlin zum Ausgebot, was von neuem 
die steigende Bedeutung Berlins als internationaler 
Kunsthandelsplatz beweist. 
Cine ^Auktion primitiver JCunst in Berlin 
Der Versteigerung der Prager Sammlung Joe 
H 1 o u c h a, die das Internationale Kunst-' 
und Auktionshaus in Berlin am 3. und 
4. Dezember veranstaltet, kommt dadurch eine be 
sondere Bedeutung zu, daß sie die erste Auktion 
primitiver Kunst in Deutschland ist. Während in 
Belgien, in England und Frankreich wiederholt derlei 
Versteigerungen stattgefunden haben, fehlte Deutsch 
land bisher die Gelegenheit dazu. 
Die Grundlagen dieser bedeutenden Sammlung 
hat Hloucha vor einem Menschenalter gelegt. Er 
unternahm große Studienreisen nach den entfernte 
sten Gebieten des Erdballes, wobei er das kunst 
freudige japanische Inselreich besonders bevorzugte. 
Und in Japan, wo er in Kioto und Osaka, der Heimat 
der großen Meister des farbigen Holzschnittes, län 
gere Zeit zubrachte, ist auch der größte Teil seiner 
Kunstsammlungen entstanden. Als Kenner und ver 
ständiger Sammler war Hloucha stets bemüht, seine 
Sammlungen systematisch auszubauen, sein Sammel 
eifer entwickelte sich jedoch auch in einiger An 
lehnung an seine große Liebe für Japan und China 
und unter dem Gesichtspunkt seiner umfangreichen 
literarischen Tätigkeit. Äußer zahlreichen Objekten 
von allgemeinem Interesse und bedeutendem inter 
nationalen Werte, finden sich unter seinen vielen 
Bronzen, Keramiken, Holzplastiken, kunstgewerb 
lichen Erzeugnissen und Bildern auch Gegenstände 
von besonders betontem persönlichem Geschmack 
vor. Auch Erwerbungen aus aufgelösten großen euro 
päischen Sammlungen, wie die Sammlung des be 
rühmten französischen Schriftstellers Pierre L o t i, 
mit dem Hloucha in Beziehungen stand, den Samm 
lungen Siebold, Godefroy u. a. befinden sich 
unter den Beständen. 
Neben der großen, der Kunst der Naturvölker 
gewidmeten Sondergruppe, welche der bekannte 
Forscher auf diesem Spezialgebiete, Dr. Leonhard 
Adam, expertisiert hat, ist namentlich China 
und Japan durch wertvolle Objekte vertreten. In 
der chinesischen Abteilung treten insbesondere 
folgende Plastiken hervor: die Holzfigur der 4armi- 
gen Gnadengöttin »Avalokitesvara« nordchinesischer 
Provenienz, die große aus der Sammlung Pierre Loti 
stammende südchinesische Supraporte aus Holz, mit 
zahlreichen, sorgfältig geschnitzten Figuren, drei 
überlebensgroße Plartlackfiguren des sitzenden 
Buddha aus der großen Pagode zu Kanton, nebst 
zwei großen Holzfiguren der »Wu-ti«, die Elfenbein 
figur einer Göttin in wundervoller polychromer Aus 
führung, einige Tonfiguren aus der Zeit der Tang- 
Dynastie, sowie der charakteristische Kopf des 
Buddha aus Bronze der Sung-Epoche. Beachtenswert 
sind ferner zwei mit Türkisen besetzte Bronzebäum 
chen und eine signierte Garnitur Altargeräte aus 
herrlichem Kantonemail der ersten Hälfte des 18. Jh. 
Die japanische Abteilung enthält ebenfalls 
hervorragende Stücke. Erwähnt seien insbesondere 
die imposante Holzfigur des Buddha »Dei nitshi 
niorai« mit reich geschnitzten Sockelteilen, ein Kago 
oder Norimono in Schwarzlack mit reichen Gold 
ornamenten sowie Metall- und Brokatteilen, ein kost 
barer Lackschrein Kodansu aus dem 16, Jahrhundert, 
ein Nehan, großes, dreiteiliges, auf Seide gemaltes 
Altarbild mit Buddhas Tod, ferner ein shintoistischer 
Tragaltar Mikoshi, eine Yu itshi men-Kwannon aus
	        
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