Nr. 23
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
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Die Sammlung der Farbstiche ist besonders reich an
den immer seltener werdenden großen, farbigen
Mezzotinto-Blättern von und nach William Ward,
Smith und Reynolds, die durchwegs in beson
ders schönen Exemplaren vorliegen. Es befinden sich
unter ihnen einzigartige Seltenheiten, wie die be
rühmten Gegenstücke »The Disaster« and the »Wi-
dow's tale« von Ward, »A visit to the Grandfather
and the Grandmother« von Ward, »The Travellers«
und »Cottagers« von Ward, »The Stormy Night« und
„Morning after the Storm“ von Ward, ferner eine
Reihe von wundervollen, farbigen Exemplaren der
»Cries of London«, darunter die beiden seltensten
Blätter der Folge, Nr. 12a und Nr. 13.
Unter den französischen Farbstichen fallen vor
allem die farbigen Crayon-Porträts nach Demar-
l e a u und B o n n e t auf, von denen das Blatt
»Femme ä la Rose« wohl eine der reizvollsten Schöp
fungen der französischen Graphik des 18. Jahr
hunderts und zwei große unvergleichlich schön er
haltene Pastoralblätter von Bonnet nach Huet, er
wähnt seien.
Interessant in der Auktion ist aber vor allem die
umfangreiche Sammlung von Sportblättern,
die durchwegs von so hoher Qualität und pracht
voller Erhaltung sind, wie sie in Deutschland seit
Jahrzehnten wohl nicht mehr auf den Markt gelang
ten. Besonders seien die zahlreichen Folgen mit
Fuchsjagd-Darstellungen von und nach Alken, Flunt,
Pollard und Sutherland erwähnt.
Den Schluß bildet eine Sammlung farbiger
Städteansichten, unter denen besonders
Berlin stark vertreten ist.
JCunstwerke des IS. Jahrhunderts.
Hermann Ball und Paul G r a u p e in Be r 1 i n
zeigen schon jetzt zwei Auktionen von höchstem
internationalen Rang an, die im kommenden Früh
jahr stattfinden werden.
Es handelt sich um die Sammlungen Baron Erich
von Goldschmidt-Rothschild in Berlin und
Dr. Hans Wendland (Lugano). Beide Sammlun
gen enthalten Schöpfungen aller Kunstgebiete des
französischen 18. Jahrhunderts von einzigartiger
Qualität. Bei der Sammlung Goldschmidt-Rothsohild
liegt das Schwergewicht auf den Arbeiten der
Rokokozeit, von denen ein berühmtes Gesellschafts
gemälde von Pater, Bronzearbeiten von C a f f i e r i
und F a 1 c o n e t, Lackmöbel von Dubois, Oppe-
n o r d und Jacob, kostbare Aubussongarnituren,
zwei Zeichnungen von Moreau 1 e Jeune zu der
berühmten Folge »Monument du Costume« und
schließlich der einzigartige Schatz von frühen Meiß
ner Geschirren aus der Herold-Zeit erwähnt seien.
Bei der Sammlung Wendland überwiegen da
gegen die Gegenstände der Louis-XVI.-Zeit, die vor
allen Dingen durch die außergewöhnlich schönen
Möbel hervorragend vertreten ist.
Mit diesen beiden Auktionen gelangen zum er
sten Male Kunstwerke des 18. Jahrhunderts von so
hohem Rang in Berlin zum Ausgebot, was von neuem
die steigende Bedeutung Berlins als internationaler
Kunsthandelsplatz beweist.
Cine ^Auktion primitiver JCunst in Berlin
Der Versteigerung der Prager Sammlung Joe
H 1 o u c h a, die das Internationale Kunst-'
und Auktionshaus in Berlin am 3. und
4. Dezember veranstaltet, kommt dadurch eine be
sondere Bedeutung zu, daß sie die erste Auktion
primitiver Kunst in Deutschland ist. Während in
Belgien, in England und Frankreich wiederholt derlei
Versteigerungen stattgefunden haben, fehlte Deutsch
land bisher die Gelegenheit dazu.
Die Grundlagen dieser bedeutenden Sammlung
hat Hloucha vor einem Menschenalter gelegt. Er
unternahm große Studienreisen nach den entfernte
sten Gebieten des Erdballes, wobei er das kunst
freudige japanische Inselreich besonders bevorzugte.
Und in Japan, wo er in Kioto und Osaka, der Heimat
der großen Meister des farbigen Holzschnittes, län
gere Zeit zubrachte, ist auch der größte Teil seiner
Kunstsammlungen entstanden. Als Kenner und ver
ständiger Sammler war Hloucha stets bemüht, seine
Sammlungen systematisch auszubauen, sein Sammel
eifer entwickelte sich jedoch auch in einiger An
lehnung an seine große Liebe für Japan und China
und unter dem Gesichtspunkt seiner umfangreichen
literarischen Tätigkeit. Äußer zahlreichen Objekten
von allgemeinem Interesse und bedeutendem inter
nationalen Werte, finden sich unter seinen vielen
Bronzen, Keramiken, Holzplastiken, kunstgewerb
lichen Erzeugnissen und Bildern auch Gegenstände
von besonders betontem persönlichem Geschmack
vor. Auch Erwerbungen aus aufgelösten großen euro
päischen Sammlungen, wie die Sammlung des be
rühmten französischen Schriftstellers Pierre L o t i,
mit dem Hloucha in Beziehungen stand, den Samm
lungen Siebold, Godefroy u. a. befinden sich
unter den Beständen.
Neben der großen, der Kunst der Naturvölker
gewidmeten Sondergruppe, welche der bekannte
Forscher auf diesem Spezialgebiete, Dr. Leonhard
Adam, expertisiert hat, ist namentlich China
und Japan durch wertvolle Objekte vertreten. In
der chinesischen Abteilung treten insbesondere
folgende Plastiken hervor: die Holzfigur der 4armi-
gen Gnadengöttin »Avalokitesvara« nordchinesischer
Provenienz, die große aus der Sammlung Pierre Loti
stammende südchinesische Supraporte aus Holz, mit
zahlreichen, sorgfältig geschnitzten Figuren, drei
überlebensgroße Plartlackfiguren des sitzenden
Buddha aus der großen Pagode zu Kanton, nebst
zwei großen Holzfiguren der »Wu-ti«, die Elfenbein
figur einer Göttin in wundervoller polychromer Aus
führung, einige Tonfiguren aus der Zeit der Tang-
Dynastie, sowie der charakteristische Kopf des
Buddha aus Bronze der Sung-Epoche. Beachtenswert
sind ferner zwei mit Türkisen besetzte Bronzebäum
chen und eine signierte Garnitur Altargeräte aus
herrlichem Kantonemail der ersten Hälfte des 18. Jh.
Die japanische Abteilung enthält ebenfalls
hervorragende Stücke. Erwähnt seien insbesondere
die imposante Holzfigur des Buddha »Dei nitshi
niorai« mit reich geschnitzten Sockelteilen, ein Kago
oder Norimono in Schwarzlack mit reichen Gold
ornamenten sowie Metall- und Brokatteilen, ein kost
barer Lackschrein Kodansu aus dem 16, Jahrhundert,
ein Nehan, großes, dreiteiliges, auf Seide gemaltes
Altarbild mit Buddhas Tod, ferner ein shintoistischer
Tragaltar Mikoshi, eine Yu itshi men-Kwannon aus