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MAK

Full text : Jahrgang 22 (1930) (3)

Seite  32

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Nr.  3

Chronik.

AUTOGRAPHEN.
(Zwei  Brahms  -  Auiographen.)  Im  Rahmen  der  Bücherversteigerung ­
  des  Dorotheums  am  14.  Februar,  kommen  zwei
Brahms-Autographen  unter  den  Hammer.  Das  eine  ist  ein
Musikmanuskript,  enthaltend  die  letzten  34  Takte  einer  Komposition ­
  für  Klavier  zu  zwei  Händen  (Presto,  B-dur,  Dreivierteltakt), ­
  das  andere  eine  Korrespondenzkarte  mit  der  Unterschrift ­
  ,,J.  Brahms““  ian  Dr.  Karl  Nawratil.  Das  Musikmanuskript ­
  wird  mit  350,  die  Karte  mit  20  Schilling  ausgerufen.

BIBLIOPHILIE.
(Nobelpreis-Bibliothek.)  Der  Stockholmer  Professor  Olalf
Kiniberg  hat  einen  Vorschlag  ausgearbeitet,  das  gesamte
Ergebnis  der  wissenschaftlichen  und  literarischen  Produktion
der  Welt  in  einer  Bibliothek  im  Anschluß  an  die  Nabelstiftung
zu  sammeln.  Er  verweist  darauf,  daß  die  Verteilung  der  Nobelpreise ­
  in  Schweden  diesem  Lande  auch  eine  solche  Aufgabe
zuweise.  Zur  Zeit  sei  es  für  den  wissenschaftlich  Arbeitenden
sehr  schwer,  die  gesamte  Literatur  zu  verfolgen.  Bei  den  ernsten ­
  Erörterungen  dieses  Planes  in  Schweden  wird  betont,  daß
seine  Verwirklichung  von  unschätzbarem  Werte  sei,  aber  auch
hervorgehoben,  daß  die  Aufrechterhaltung  einer  solchen  Weltbibliothek ­
  sehr  kostspielig  sein  werde  und  kaum  alle  Verleger
ihre  Publikationen  zur  Verfügung  stellen  würden.  Man  weist
auch  darauf  hin,  daß  der  Austauschverkehr  der  wissenschaftlichen ­
  Bibliotheken  der  Länder  gut  organisiert  sei.
(Bucheinbindung  und  Verzierungstechnik.)  Das  Gewerbieförderungsinstitut
  der  Kammer  für  Handel,  Gewerbe  und
Industrie  in  Wien  veranstaltet  im  Einvernehmen  mit  dem
Gewerbeförderungsdienist  des  Bundesministeriuims  für  Handel
und  Verkehr  für  Meister  und  Gehilfen  der  einschlägigen  Gewerbezweiige
  einen  Fachkurs  über  Bucheiinbindung  und  die
Verzierungstechnik  sowie  Hand-  und  Preßvergolden.  Der  Kurs
beginnt  am  10.  Februar  und  dauert  bis  11.  April,  (135  Stunden.)
Kursbeitrag  Schilling  25.—,  Als  Legitimation  für  den  Kursbesuch ­
  gilt  der  entsprechende  Abschnitt  des  vor  Kursbeginn
eingezahlten  Erlagscheines.  Erlagscheine  sind  im  Gewerbeförderungsinstitut ­
  der  Kammer,  I,,  Stubenring  8 : —10,  Zimmer  81,
erhältlich.

BILDER.
(Zwei  Van  Dyck-Bilder  gestohlen.)  Aus  Aiz-en-  Proveno ­
  e  wird  berichtet:  Zwei  kleine  Bilder  von  Van  Dyck
und  ein  Gemälde  der  flämischen  Schule  im  Werte  von  100.000
Franken  sind  aus  dem  hiesigen  Museum  verschwunden.  Der
Verdacht  lenkt  sich  auf  einen  Besucher  des  Museums,

HANDSCHRIFTEN.
(Ausstellung  von  Haller  -  Handschriften.)  In  der  Stadtbibliothek ­
  in  Bern  wunde  eine  kleine  Haller  -Ausstellung ­
  eröffnet,  in  der  während  zwei  bis  drei  Wochen
die  als  Geschenk  Italiens  iaus  Mailand  zurückgekehrten
Handschriften  des  Dichtergelehrten  zur  Besichtigung
aufliegen.  Die  Sammlung  enthält  den  ein  Dutzend  dicke
Bände  füllenden  Katalog  mit  Anmerkungen  über  die  von  Haller
studierten  Bücher,  eine  Reihe  der  Folianten  und  Quartanten
mit  wissenschaftlichen  Exzerpten  und  Notizen,  medizinische
Abhandlungen,  30  Bände  mit  botanischen  Arbeiten,  ein  Heft
über  Numismatik,  die  Kollegienhefte  des  Medizinstudenten  aus
Leyden,  Paris  und  Basel,  und  Reisebeschreibungen,  davon
vieles  in  winziger,  kaum  leserlicher  Schrift.  Unter  den  Handschriften ­
  befindet  sich  auch  das  Besuchsbuch  über  die  ärztliche
Fraxis  Hallers  in  Bern  und  als  Frucht  der  ,,Nebenstunden"
die  für  den  Druck  bestimmten  Manuskripte  samt  den  Kopien
und  Ueberarbeitungen  der  Gedichte.  Direktor  B  1  o  e  s  c  h  von
der  Stadlbiibliothek  gab  bei  der  Eröffnung  der  Ausstellung  in
Mailand  der  Freude  der  Berner  über  die  Heimkehr  der
im  Jahre  1777,  ein  Jahr  nach  dem  Tode  Hallers,  von  den
Erben  verkauften  Manuskripte  —  sie  gingen  samt  den  13.500
Bänden  der  Bibliothek  und  dem  Herbarium  zum  Preise  von
2000  Louisdor  an  die  Brera  über  Ausdruck.  Die  Schweiz
hat  sich  durch  eine  Gegengabe  von  Büchern  und  Manuskripten
an  Italien  erkenntlich  erwiesen.  Die  145  Hallerschen
Manuskriptbände  sind  nun  ziemlich  vollständig  in  der  Bemer
Stadtbibliothek  vereinigt,  die  schon  von  früher  her  den  Großteil ­
  der  Korrespondenz  aulfbewahrt.
Die  Stadtbibliothek  hat  zur  Eröffnung  der  Ausstellung
auch  eine  Reihe  von  Druckwerken  Hallers  aus  ihrem  Besitze
gezeigt,  über  hundert  Bände  medizinischen,  naturwissenschaftlichen ­
  und  siaatsphilosophischen  Inhaltes  neibst  zahlreichen

Dissertationen  und  Broschüren,  d«fi  Gedichtband  in  verschiedenen ­
  Auflagen  und  unberechtigten  Nachdrucken  und  dazu
noch  eine  Sammlung  von  Diplomen  und  Auszeichnungen  ausländischer ­
  Akademien.
(Auffindung  eines  Sophokles  -  Manuskripts.)  Bei  Ausgrabungen ­
  am  Fuß  des  Berges  Hymettois  soll  das  Manuskript
von  Sophokles“  unbekannter  Trilogie  „Telep'hos“  gefunden ­
  worden  sein.  Professoren  der  Universität  in  Athen  haben
sioh  nach  dem  Einlangen  dieses  aufsehenerregenden  Berichtes,
der  mit  größtem  Vorbehalt  aufgenommen  werden  muß,  an  den
Ort  der  Ausgrabungen  begeben.

PHILATELIE.
(Neue  päpstliche  Briefmarken.)  Man  meldet  aus  der
Stadt  des  Vatikans,  daß  Anfang  Februar  eine  neue
Serie  von  Briefmarken  des  päpstlichen  Staates  in  Umlauf  gebracht ­
  wird,  die  das  Porträt  des  Papstes  und  Abbildungen
vatikanischer  Gebäude  aufweisen  werden.

VERSCHIEDENES.
(Der  Weifenschatz.)  Wie  man  uns  mitteilt,  ist  der  englische ­
  Kunsthändler,  der  an  dem  Kauf  des  Weifenschatzes  beteiligt ­
  ist,  Sir  Claude  Philipps.  Entgegen  der  ursprünglichen
Absicht,  den  Schatz  in  Aarau  zu  belassen,  wird  er  in  Kürze
nach  Deutschland  gebracht  werden  und  zuerst  im  Städe-lschen
Institut  in  Frankfurt  am  Main  und  dann  im  Schloßmuseum ­
  in,  Berlin  ausgestellt  werden.
(Anatole  Fiances  Nachlaß.)  „Echo  de  Paris“  berichtet,  daß
die  Witwe  Anatole  Franc  es,  die  in  der  Vorwoche  verschieden ­
  ist,  ihr  Gesamtvermögen,  darunter  -auch  die  Bibliothek
und  den  literarischen  Nachlaß  ihres  verstorbenen
Gatten,  der  Stadt  Paris  vermacht  habe.
(Kory  Towska  f.)  Die  eben  in  Wien  verstorbene
Schriftstellerin  Kory  Towska  (Pseudonym  für  Elisabeth
Rosenbaum)  war  eine  begeisterte  Sammlerin.  Anläßlich  unserer
seinerzeitigen  Rundfrage  über  den  Wert  des  Sammelns  (siehe
Jahrgang  1909,  Nr.  14)  äußerte  sie  sich  über  das  Sammeln,  wie
folgt:  „Das  (Sammeln  halte  ich  -für  eine  gute  Schule  der  Ordnungsliebe, ­
  der  Ordnungsfiähigkeit  bei  Kindern.  Im  späteren
Leiben  ist  es  oft  die  letzte  Zuflucht  eines  beschäftigungsleeren
Daseins.  Zwischen  beiden  Epochen  steht  der  tätige  und  reife
Mensch,  dessen  Lebenswerk  wohl  unter  allen  Umständen  geeignet ­
  ist,  irgend  welche  Sämmlerfreuden  nebenbei  abzuwerfen, ­
  Freuden,  die  für  seine  Mitmenschen  und  Nachkommen
nicht  selten  kulturelle  Werte  bedeuten  können.  Leider  verschleudern ­
  die  meisten  Menschen  unachtsam  das  reiche  Strandgut ­
  eines  ganzen  Lebens.  —  Ich  selbst  sammle  Briefe  und
Manuskripte  notabler  Persönlichkeiten,  Briefsiegel  und  Münzen.
Außerdem  besitze  ich  eine  Sammlung  von  Kainz-Bildern
und  Karikaturen  sowie  Zeitung.skritiken  über  diesen  Künstler
aus  den  letzten  fünfundzwanzig  Jahren.“
(Eine  Kaiserin-Maria-Theresia-Ausstellung.)  Zum  Gedächtnis ­
  des  150.  Todesjahres  der  Kaiserin  Maria  Theresia
veranstaltet  der  Verein  der  Museumsfreunde  in  Wien  im  Lustschloß ­
  der  Kaiserin  in  Schönbrunn  eine  Kaiserin-Mari
  a-Theresia-Ausstellung,  die  die  Theres,ianische
  Epoche  zur  möglichst  lebendigen  Darstellung  bringen  soll.
Die  Ausstellung  wird  Porträts  der  Kaiserin,  der  kaiserlichen
Familie  und  hervorragender  Persönlichkeiten  der  damaligen
Zeit,  auch  aus  Deutschland,  Bilder  Friedrichs  des  Großen  und
seiner  Feldherren  und  Mitarbeiter,  Miniaturen.  Stiche,  Skulpturen, ­
  Bücher,  Dokumente,  Waffen,  Münzen,  Medaillen,  Möbel,
kunstgewerbliche  Gegenstände,  Goldschmiedearbeiten,  Porzellan, ­
  Textilien,  Gobelins,  kirchliche  Paramente  und  anderes
umfassen;  dazu  werden  wertvolle  Stücke  aus  den  Sammlungen
des  kunsthistorischen  Museums,  des  österreichischen  Museums
für  Kunst  und  Industrie,  der  Nationalbibliothek,  der  Albertina,
der  österreichischen  Galerie,  des  Heeresmuseums,  der  städtischen ­
  Sammlungen,  des  Theresianums  sowie  aus  sonstigem  inund
  ausländischen  Kunstbesitz  vereinigt  werden.
Die  Ausstellung  wird  vom  13.  Mai  (dem  Geburtstag  der
Kaiserin)  bis  Mitte  Oktober  dauern.
(Das  Wappen  der  „Times“.)  Dem  großen  englischen
Blatte  „Times“  ist  als  der  ersten  Zeitung  der  Welt  ein
Wappen  verliehen  worden.  Die  „Times“  steht  dadurch  in
einer  Reihe  mit  dem  Adel  und  den.  Wappenträgem  Englands,
Das  Wappenschild  ist  silbergeistreift,  zeigt  den  Hermesstab
            
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