Nr. 3
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Seite 33
AUKTIONSHAUS ALBERT KENDE
Handelsger. beeidet. Schätzmeister und Sachverständiger
Wien I, Kärntnerstrasse 4, Tel. R-26-3-78
Montag, den 10. und Dienstag, den 11. Februar 1930,
ab 3 Uhr nachmittags
103. Kunstauktion
Kollektion
Frau Claire Pollak, Baden bei Wien
Nachlaß
der Künstlerfamilie Lieder, Wien
Wiener Privatbesitz
Gemälde alter und neuerer Meister, Aquarelle und
Handzeichnungen
Darunter erstklassige deutsche Meister. Besonders
schönes antikes Mobiliar, Luster, Uhren, Porzellan, Glas,
Fayencen, Zinn, Silber, Schmuck, Bronzen, Perserteppiche,
Ehrbaiflügel, Waffen, Textilien, Brokate, Stickereien,
Kupferstiche etc.
Freie Besichtigung im Auktionssaal Wien I,
Kärntnerstraße 4, Telephon R-26-3-78
Freitag, den 7. bis inkl. Sonntag, den 9. Februar 1930
täglich von 10—6 Uhr.
Illustrierter Katalog steht auf Wunsch zur Verfügung
und wird von zwei geflügelten Rossen gehalten, über ihm
schwebt eine Mauerkrone, aus der ein blitzeschleudernder Arm
hervorragt. Der Wahlspruch auf dem Bande unterhalb des
Wappenschildes lautet: „Tempus fuit, est et erit“, das heißt:
„Die Zeit war, ist und wird sein". Das bezieht sich zum Teil
auch auf den Namen des Blattes („Times" bedeutet „Die Zeit"),
es wird aber auch der Rolle der Zeitung im allgemeinen ge
recht. Denn Zeitung kommt von Zeit, und die Zeitung ist es,
die die Zeitbegebnisse registriert und den Geist der Zeiten am
unmittelbarsten widerspiegelt.
(Eine Madonna gestohlen.) Aus Rom wird uns berichtet:
Nach einer Meldung des „Giornale d'Italia" verschwand vor
etwa vier Jahren aus einer Kirche in Ferrara eine wert
volle Madonna aus Terracottia. Das Kommando der Finanz-
abteilung hat nun festgestellt, daß die Madonna von zwei
Antiquaren in Bologna .angeikiauft und dann dem Florentiner
Antiquar Pini weiterverkauft worden war. Von diesem hat sie
ein Berliner Antiquar um 100.000 Lire erworben und über die
Grenze geschafft, was bekanntlich strenge verboten ist. Das
Blatt teilt nicht mit, ob die italienische Regierung den Fall
weiter verfolgen wird.
(Verschleppte deutsche Kunstwerke.) Bei der letzten In
ventaraufnahme in mittelalterlichen schwedischen Kirchen wur
den wertvolle Kunstgegenstände aufgefunden, die im 3 0 j ä h -
rigen Kriege von den schwedischen Truppen aus Deutsch
land mitgebracht worden waren. Es handelt sich vornehmlich
um Gemälde. In einem Gotteshaus wurde ein altes 'Bild, die
getreue Griseldis darstellend, entdeckt. Es handelt sich um
das Meisterwerk eines deutschen Malers, das einstens ein rhei
nisches Schloß schmückte. Während des 30jährigen Krieges fiel
es in die Hände eines schwedischen Heerführers, der es mit
heimnahm und es in der Kirche seiner Vaterstadt aufhängen
ließ.
In einer alten Dorfkircbe wurde eine Anzahl höchst wert
voller Kissen auf gefunden, die kulturhistorische Bedeutung
haben. 'Bei der Trauung einer Tochter König Jakobs von
England mit einem deutschen Fürsten spielten Herolde auf
silbernen Fanfaren, an denen kunstvoll gestickte Wappen-
fähnchen befestigt waren. Diese Stickereien gingen später
in den Besitz des Bischofs von Würzburg über. Als schwedische
Truppen während des Krieges diese Stadt besetzten, gerieten
diese Fahnen in die Hände des schwedischen Edelmannes
Gr übel, der dieselben seiner Taufkirche vermachte. Das Ma
terial wurde zu Kissen verarbeitet, die sich noch heute im
I* sitze dieses Gotteshauses befinden.
(Stradivari - Funde.) Wie aus Moskau gemeldet wird,
w jnden bei einem Bauern im Dorf T a r u 9 o w wertvolle
S tradivari-Geigen aus dem Jahre 1713 vorgefunden.
(Ein unbekanntes Oratorium von Mozart.) In der Biblio
thek von Florenz entdeckte der deutsche Musikiforscher
Felix Boghen ein bisher unbekanntes Oratorium von Mo
zart. Das den Titel „Isacco" führende Werk soll zwischen 1770
und 1775 komponiert worden sein.
MUSEEN.
(Einbruch in einem Wiener Museum.) Aus dem Museum
für Volkskunde in Wien wurden aus einer Vitrine kostbare
Ausstellungsstücke aus Edelmetall, Gegenstände dalmatinischer
und istrianischer Volkskunst, 100 bis 200 Jahre alt, Goldohr
gehänge, silberne Knöpfe, Filigranarbeiten und anderes ge
stohlen.
(Das Luftfahrt-Museum in Berlin.) Wie uns aus Berlin
gemeldet wird, soll das Luftfahrtmuseum — die „Luftfahrt-
sammelistelle“, wie es offiziell heißen wird —. schon Ende
Februar eröffnet werden. Leiter dieses neuen Museums ist
Hauptmann a. D. von Krupp, der bisher bei der wissen
schaftlichen Abteilung des Reichsverbandeis für Luftfahrt tätig
war und der auch auf der „ILA“ die historische Schau ein
richtete. Eine besondere Bereicherung wird das Museum
durch Material der großen Fluigiausstellung in Barcelona
erfahren. Ein großer Teil der dort gezeigten Modellschau
kommt nach Berlin. Da das Berliner Museum einen umfassen
den Ueherblick von der gesamten Entwicklung der Fliegerei
geben will, wird auch der Luftschiffbau berücksichtigt
werden.
(Vom Museum in Recklinghausen.) Der Herzog von
Arenberg, der Ehrenbürger der Stadt Recklinghausen
ist, hat dem dortigen städtischen Museum eine dem 15. Jahr
hundert ungehörige Ritterrüstung geschenkt. Die reichen
Bestände des Museums, das unter der Leitung von Studienrat
und Archivdirektor Pennings in den letzten Jahren eine
verheißungsvolle Entwicklung genommen hat, sind mit diesem
schönen Geschenk um ß'm prächtiges Stück vermehrt worden.
(Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln) hat ein bemer
kenswertes Frühwerk von Altdorfer günstig erwerben
können. Es kam aus italienischem Privatbesitz in tlen deut
schen Handel, Das Bild stellt den heiligen Hieronymus im
Gebet dar inmitten einer reichgestalteten Landschaft.
(Gemäldediebstahl.) Im Genfer Kunstmuseum sind
zwei Bilder gestohlen worden. Das eine ist ein Werk von
Claude Joseph Vernet, trägt den Titel „Orag'e au clair de
lume“ und ist 15 : 24 cm groß. Das zweite ist ein Werk des
1885 in Genf verstorbenen Henri Charles Antoine Baron,
stellt ein Haus an der Küste dar und nennt sich ,,A Lamelou",
Es ist ebenfalls 15 : 19 cm groß. Die beiden Bilder sind in Oel
ausgeführt und zusammen für die bescheidene Summe von 800
Francs versichert.
VOM KUNSTMARKT.
(Dorotheum — Rudolph Lepke.) Wir erhalten vom Doro
theum in Wien .folgende interessante Mitteilung:
„In den letzten Tagen hat sich ein Ereignis vollzogen,
welches geeignet ist, der Entwicklung des Wiener Kunsthandels
bedeutende Impulse zu geben. Die Leitung des Dorotheums
unter der Führung des Präsidenten Ministers a. D, Dr. Ing.
Homann-Herdmberg hat mit dem weltbekannten Ber
liner Auktionsinstitut Rudolph Lepke Verhandlungen ge
pflogen, nach welchen Kunstauktionen großen Stils in Wien
gemeinsam vom Dorotheum mit der Firma Rudolph Lepke er
möglicht werden sollen.
Diesen Verhandlungen kommt umso größere Bedeutung
zu, als in der Kombination Dorotheum—Lepke hinsichtlich Ruf,
Erfahrung und Mittel alle Voraussetzungen glücklich vereinigt
sind, welche für die Abwicklung und den günstigen Erfolg
großer Versteigerungen notwendig sind. Da bei jeder Verstei
gerung auch die Persönlichkeit des Auktionsleiters eine aus
schlaggebende Rolle spielt, scheint auch diese Frage durch die
Persönlichkeit des Teilhabers der Firma Lepke, des Herrn