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MAK

Full text : Jahrgang 22 (1930) (6)

Seile  70  INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Landschaft  schildert,  Dann  Kritiken,  Essays,  die  meisterhaften
Übersetzungen  von  Gedichten  Michel  Angelos,  der  Sonette
von  Elizabeth  Barrett-Browning  und  der  Sonette  von  Louise
Labe.  Auch  Uebersetzungen  von  Gedichten  Jens  Peter  Jacobsens
  liegen  vor,  von  denen  auch  Rilke-Kenner  bisher  nichts
gewußt  haben.  Dazu  Literatur  über  Rilke,  Kompositionen  von
Hindemith  und  Krenek,  Rilke-Parodien.  Der  Mensch  Rilke  ist
repräsentiert  durch  Photographien  des  Knaben,  des  Kadetten,
Rilkes'  und  seiner  Frau  aus  der  Worpsweder  Zeit.  Photos  aus
der  Kriegszeit,  einem  schönen  Oelbild  Olkar  Zwimtschers  und
einer  charaktervollen  Büste,  die  Frau  Clara  Rilke-Westhoff
geschaffen  hat.  Auch  allerlei  Kuriosa  enthält  die  Ausstellung,
Wer  weiß  etwas  von  Rilkes  Mutter,  dieser  .seltsamen  Frau,
die  man  seil  Jahrzehnten  in  Prag,  wo  sie  noch  lebt,  nie
anders  als  in  Trauer  gesehen  hat.  Hier  ist  ein  Büchlein  von
Phia  Rilke  „Ephemetlden",  das  Aphorismen  enthält  und  ihrem
„theuren  Sohne  Rene  zugedacht”  ist  (Rilke  vertauschte  später
den  Namen  Rene  mit  Rainer).  Wer  kennt  Rilke  als  Zeichner?
Hier  sehen  wir,  daß  er  auch  auf  diesem  Gebiet  etwas  leisten
konnte.  Möchte  man  wohl  glauben,  daß  Rilke  noch  1920  in
einer  „Zeitschrift  zur  Pflege  des  monarchistischen  Gedankens"
als  „Schriftstellerin"  bezeichnet  worden  ist?  (Rainer  Maria!)
Und  welches  mag  wohl  .sein  erstes  gedrucktes  Gedicht  gewesen
sein?  Es  ist  betitelt  „Schleppe  oder  keine  Schleppe?"  und  ist
die  Antwort  auf  ein  Preisausschreiben,  das  .Das  interessante
Blatt“  über  diese  damals  aktuelle  Frage  veranstaltet  hat,  .  .  .
(Geheimrat  Philipp  Rosenthal  als  Jubilar.)  Der  Gründer
der  Porzelianmanufaktur  Rosenthal  in  Selb,  Geheimrat  Philipp
Ro.senthal  beging  seinen  75,  Geburtstag.  Dem  Verständnis
mit  der  Materie,  sowie  die  Energie,  mit  der  er  die  modernen
Plastiker  für  das  Porzellan  heranzuziehen  verstand,  hat  der
Entwicklung  der  Porzellane  die  stärksten  Antriebe  gegeben,
Rosenthal  ist  auch  passionierter  Sammler  des  Porzellans  aus
dem  18.  Jahrhundert.
(Für  George  Grosz.)  Aus  Berlin  wird  gemeldet:  Der
„Kampfausschuß  gegen  Zensur”,  dem  unter  anderem  die  Akademie ­
  der  Künste,  die  Genossenschaft  Deutscher  Bühnenangehöriger, ­
  der  Goethebund,  der  Reichsverband  des  Deutschen
Schrifttums,  der  Schutzverband  Deutscher  Schriftsteller  und
der  Verband  Deutscher  Erzähler  angehören,  wendet  sich  mit
der  folgenden  Entschließung  an  die  Oeffentliclhkeit:  „Der
Maler  George  Grosz  hat  eine  Zeichnung  geschaffen,  die'
unter  dem  Namen  „Der  Christus  mit  der  Gasmaske“  in  der
Oeffentlichkeit  bekannt  ist.  Die  Reinheit  und  der  künstlerische
Charakter  dieser  Darstellung  ist  unzweifelbar:  sie  sollte  darum
nach  dem  Geiste  der  Verfassung  auch  den  Schutz  des  Staates
und  der  Behörden  genießen.  Statt  dessen  ist  dieses  Kunstwerk ­
  schon  früher  und  neuerdings  wieder  Gegenstand  der
Verfolgung  durch  staatliche  Organe  gewesen,  obwohl  es  schon
einmal  in  einem  bemerkenswerten  Gerichtsurteil  zweiter  Instanz ­
  freigegeben  worden  war,  Der  Kampfausschuß  gegen
Zensur,  der  alle  wichtigen  Verbände  künstlerischer  und  literarischer ­
  Urheber  umfaßt,  erhebt  aus  grundsätzlichen  Erwägungen ­
  Einspruch  gegen  diese  Verfolgungen,  die  geeignet
sind,  dem  Wesen  Deutschlands  als  eines  Kulturstaates  Abbruch
zu  tun.  Die  Fortdauer  und  Erneuerung  behördlicher  Angriffe
gegen  das  Schaffen  eines  hervorragenden  und  anerkannten
Künstlers  ist  eine  Gefahr  für  die  Freiheit  des  geistigen  Lehens.
(Der  Mährische  Kunstverein  in  Brünn)  eröffnet  im  März
eine  Frühjahrsausistellung  mährischer  Künstler.  Im  Mai  veranstaltet ­
  er  gemeinsam  mit  der  tschechischen  Künstlervereinigung
„A  1  e  s“  in  seinem  Künstlerhause  eine  Ausstellung  japanischer
Kunst  und  im  Ales-Kunstbaus  eine  Ausstellung  chinesischer
Kunst.
(Das  Graphische  Kabinett  in  München)  eröffnele  eine
Ausstellung  „Arbeitsstadien  in  Max  Beckmanns  graphischem ­
  Schaffen”.  Es  wird  in  der  Ausstellung,  die  sich  aus
Beständen  des  Archivs  des  Graphischen  Kabinetts  und  der
Sammlung  Reinhard  Piper  zusammemsetzt,  eine  vergleichende
Uebersicht  von  Zustandsdrucken  .Probedrucken,  Handdrücken
neben  den  endgültigen  Zuständen  der  Auflage  gewonnen.
Gleichzeitig  sind  einzelne  Originalplatten  und  Holzstöcke  aufgelegt. ­

(Sein  Steckenpferd.)  Der  durch  seinen  Roman  „Caesar"
zu  internationaler  Berühmtheit  gelangte  Wiener  Schriftsteller
Dr.  Mirko  J  e  1  u  s  i  c  h  gab  auf  die  Frage  einer  Zeitschrift,
ob  er  ein  Steckenpferd  habe,  folgende  interessante  Antwort:
„Ja  welches?  Ich  hatte  zeitlebens  dais  Unglück  oder  das  Glück,
mehrere  Steckenpferde  zu  besitzen,  zwischen  denen  mir  die
Wahl  sehr  schwer  fiel,  um  so  mehr,  als  sie  meist  ziemlich
kostspielig  waren.  So  hatte  ich  schon  als  ganz  junger  Mensch
Interesse  für  Waffen,  Teppiche,  Kunstgegenstände,  Antiquitäten; ­
  später,  als  ich  die  Kulturwelt  Ostasiens  kennen  lernte,
die  mich  für  lange  Zeit  vollkommen  beherrschte,  waren  es
hauptsächlich  japanische  Farbenholzschnitte  und  chinesische

Bronzen,  denen  mein  Interesse  galt.  Noch  später  war  es  das
Flugzeug,  das  mich  so  ganz  in  seinen  Bann  zog.  Dazu  kam
die  schließlich  bei  jedem  geistigen  Arbeiter  selbstverständliche
Bücherliebhaberei,  die  wohl  mit  dem  Augenblick  begann,  da
ich  mein  erstes  Bilderbuch  in  die  Hand  bekam  und  wohl  erst
mit  dem  letzten  Augenblick  meines  Lebens  enden  wind.
Diese  eher  äußerlichen  Liebhabereien  grenzen  gleichsam
den  Raum  ab,  in  dem  sich  meine  geistigen  Steckenpferde  bewegen. ­
  Die  Sehnsucht  nach  den  schönen,  gleißenden  Dingen
war  nur  der  Ausdruck  meines  lange  Jahre  gehegten  und  mir
unter  Schmerzen  begrabenen  Wunsches,  Maler  zu  werden;
meine  Beschäftigung  mit  Asien  fand  ihren  Niederschlag  in
einem  jahrelang  ernsthaft  betriebenen  Studium  des  Sanskrit
und  das  Chinesischen;  die  hiebe:  gewonnene  geistige  Ausbeute
wieder  führte  mich,  zwar  nach  Europa  zurück,  aber  in  ein  abseitiges ­
  Europa,  das  des  Okkultismus,  der  Astrologie,  der
Chiromantie,  das  der  Heraldik,  der  Siegelkunde,  das  endlich
der  —  um  einen  glücklichen  Ausdruck  des  Forschers  Dr.
Kemmerich  zu  gebrauchen  —  Kulturkuriosa.  Diesem
Steckenpferd  nun  hin  ich  treu  geblieben.  Was  immer  in  irgendeinem ­
  Kulturkreis  irgendwie  aus  dem  Rahtnen  des  Herkömmlichen ­
  fällt,  kann  meines  Anteils  gewiß  sein,  schon  darum,
weil  es  anders  ist,  keine  Schablone,  ein  aus  den  Gesetzen
fallendes  Ding,  Vielleicht  äußert  sich  darin  ein  leidenschaftlicher ­
  Individualismus,  getreu  den  Worten  Goethes;  „Höchstes
Glück  der  Krdenkinder  ist  doch  die  Persönlichkeit!”  —  Der
Schluß  der  Antwort  gehört  zwar  nicht  hieher.  aber  wir  wollen
ihn  nicht  unterdrücken.  Jelusich  sagte  noch:
,,Ungerecht  wäre  es  von  mir,  eines  Steckenpferdes  nicht
zu  gedenken,  das  mir  schon  viel  Mißbilligung,  Unverständliches
und  Spott  eintrug;  meiner  nun  auch  bald  dreißig  Jahre  alten
Leidenschaft  für  das  Patiencenlegen.  Ja.  ich  betreibe  dieses
„Altweiberspiel",  es  ist  mir  in  Stunden  der  Abspannung,  der
Gedrücktheit  die  beste  Ablenkung  und  Erholung,  es  macht
mich  wieder  frisch  und  überlegen.  Denen  gegenüber,  die  mich
verurteilen,  habe  ich  immerhin  den  Trost,  dabei  in  guter  Gesellschaft ­
  zu  sein:  in  der  Napoleons  und  Bismarcks.“

MUSEEN.
(Angebliche  Entdeckungen  in  der  Galerie  Kassel.)  Eine
Berliner  Zeitung  verbreitete  die  sensationelle  Meldung,  daß
bei  Bilderrestaurierungen  in  der  Gemäldegalerie  in  Kassel
Arbeiten  von  Tintoretto,  Rubens  und  van  Dyck  entdeckt ­
  worden  sind.  Auf  eine  Anfrage  teilte  der  Direktor  der
Kasseler  Galerie  mit,  daß  ihr  Leiter,  Professor  Dr.  Luthmer,
nur  die  Vermutung  ausgesprochen  habe,  es  könnte  sich  um
andere  Autoren  handeln  als  um  iene  Namen  zweiten  und
dritten  Ranges  unter  denen  die  betreffenden  Bilder  bisher
„gegangen"  sind.

VOM  KUNSTMARKT.
(Eine  Reichenberger  Sammlung  unter  dem  Hammer.)  Am
8.  April  gelangt  im  „Internationalen  Kunst-  und  Auktionshaus"
in  Berlin  die  Sammlung  E.  Conrath  (Reichenberg)  zur
Versteigerung.  Wohl  seit  langem,  ist  keine  so  reichhaltige
Kdllektion  an  deutschen  Fayencen,  böhmischem
Glas  und  mittelalterlichem  Kunstgewerbe  auf  den
Markt  gekommen.
(Auflösung  des  Münchener  Kunsthauses  Brakl.)  Wie  der
„Vossischen  Zeitung"  aus  München  mitgeteilt  wird,  soll
die  dortige  Galerie  Brakl  demnächst  aufgelöst  werden:  ein
Symptom  nicht  nur  der  wirtschaftlichen  Nöte  der  Zeit,  sondern
auch  des  Geschmackwandels  breiter  Käuferschichten.  Brakl
hat  sich  seit  etwa  zwei  Jahrzehnten  nahezu  ausschließlich  für
die  Künstler  der  „Scholle"  eingesetzt.  Immerhin  dankt  München ­
  seiner  Initiative  die  ersten  kollektiven  Ausstellungen  von
van  Gogh,  Slevogt,  Weisgerber,  Th.  Th.  Heine,  und  wie  er
damals,  zu  Beginn  des  Jahrhunderts  mit  entscheidenden  Veranstaltungen ­
  der  deutschen  und  europäischen  Kunst  diente,
so  hat  er  auch  späterhin  manche  beachtliche  Begabung  tatkräftig ­
  gefördert.  Das  von  Emanuel  Seidl  1913  erbaute  Haus
wird  in  Zukunft  wissenschaftlichen  Zwecken  dienen.
(Neuere  Meister.)  Bei  der  am  18.  Februar  in  der  Galerie
Hugo  Helbing  in  München  albgehaltenen  Versteigerung
von  Oelgemälden,  Aquarellen  und  Handzeichnungen  neuerer
Meister  des  19.  und  20.  Jahrhunderts  wurden  folgende  Preise

(in  Mark)  notiert:
3  A  j  d  u  k  ie  w  i  t  s  ch,  Fahrt  zur  Jagd  295
4  Theodor  A11,  Studienkopf  eines  fränkischen  Bauers  290
5  Toni  A  r  o  n,  Neuigkeiten  155
6  Herrn.  Baisch,  Zwei  Kühe  auf  der  Ailmweide  .  .  300
9  Best,  Niederbayerischer  Bauer  220
13  B  och  mann,  Im  Zwiegespräch  465
14  Ludw.  Bock,  Blumenstildeben  18Q
16  Anton  B  r  a  i  t  h,  Jungvieh  in  der  Mittagshitze  .  .  .  4850
            
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