MAK
Seite 68 INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Zustand, der herrliche Drucke auf edlem Papier auf 
weist. Die Gravuren sind entweder im ersten Zu 
stand oder es sind verschiedene Zustände eines und 
desselben Stückes vorhanden. Nur sehr selten 
kommen Sammlungen mit solchen Vorzügen auf den 
Markt und man darf sich darüber nicht wundern, daß 
Bücherliebhaber und Vertreter von Bibliotheken 
aus aller Herren Länder am 3. April im Zunfühaus 
zur Meise in Zürich sich ein Stelldichein geben 
werden. 
Chronik. 
AUTOGRAPHEN. 
(An die Besitzer von Beethoven-Autographen.) Das 1927 
gegründete Beethoven-Archiv zu Bonn, das als 
Mittelpunkt d:er modernen Beelhovenforschung das gesamte 
Schrifttum über den Meister sowie sämtliche Ausgaben seiner 
Werke in sich zu vereinigen sucht, sieht eine seiner Haupt 
aufgaben darin, sämtliche noch erhaltenen Beethoven - Auto 
graplbe, also Kompositionen, Briefe usw. in photographischen 
Aufnahmen aufzubewahren, von der Erwägung ausgehend, daß 
die Originale mit der Zeit mehr oder weniger unleserlich 
werden, verloren gehen können und dergleichen mehr. Die 
Direktion des Beethoven - Archivs (Prof, Dr. S chic der - 
m a i r) bittet alle Sammler, die im Besitze von Beetihoven- 
Autographen sind, photographische Aufnahmen (schwär,z-weiß- 
Papiernegativ-Verfahren oder gewöhnliche Aufnahme mit An 
gabe der Originalgröße, respektive mitphotographiertem Zenti 
metermaßstab) dem Institut, das sie ausschließlich zu wissen 
schaftlichen Zwecken aufbewahren will, überlassen zu wollen. 
BIBLIOPHILIE. 
(Die erste deutsche Bibel Amerikas.) Die erste Bibel, 
die in A me rika in deutscher Sprache gedruckt worden 
ist, ist jetzt wieder aufgefunden worden. Sie slammt aus dem 
Jahre 1813 und ist in Somerset in Pennsylvania bei dem 
deutschen Drucker Friedrich Goetb erschienen. 
BILDER. 
(Ein unbekannter Holbein.) Der „Daily Telegraph" meldet 
die Entdeckung eines bedeutenden Bildes von der Hand H o 1- 
b e i n s, eines Porträts von Sir William B u t l s, des ältesten 
Sohnes des Leibarztes Heinrichs VIII. und bekannten Günst- 
lings der Königin Elisabeth. Mrs. Colville-Hyde und ihr Sohn 
Anthony Butts hatten das Bild vor längerer Zeit Exporten 
vorgelegt, die es als aus der Zeit Hoilbeins beurteilten. Erst 
nachdem das Bild mit Röntgenstrahlen untersucht worden war, 
konnte unter dem Porträt ein zweites festgestellt werden, 
ein jüngeres, das die Aufschrift trug: „Anno Dni — 1543 
Aetatis Suae XXX". Der Londoner Restaurator Jungmann 
konnte die Uebermalung nicht auf die gewöhnliche Weise 
entfernen, d,a der Zeitunterschied der beiden Farbenanlagen 
zu gering war; so mußte die Uebermalung mit einem feinen 
Messer sorgfältig weggenommen werden, was eine Arbeit vor 
Monaten bedeutete. Das Bild ist ein Werk Hoilbeins aus 
seiner besten Zeit und ist durch die Uebermalung erhalten 
geblieben, 
(Der wiederentdeckte Mathias Corvinus von Boltraflio.) 
Aus Budapest wird uns berichtet: Der Londoner Kunst 
kritiker P. G. Konody hat kürzlich ein Bildnis des Unigar- 
königs Mathias Corvinus entdeckt, das er als eine sichere 
Arbeit Antonio B o 11 r a f if li o s, des Lieiblingsschülers Leo 
nardo da Vincis, bezeichnet. Lord Rothermere, der von 
dieser Entdeckung Kunde erhielt, erwarb das Gemälde um 
einen sehr hohen Preis und machte es jetzt aus Anlaß seines 
lOjähr. Jubiläums dem Reichsverweser von H o r t h y zum Ge 
schenke. Man glaubt, daß der Reichsverweser das Bild, das 
auf 30 000 Pfund geschätzt wird, der Nation widmen werde. 
Unsere Galerie besitzt von Boltraffio zwei in feinen 
Farbenschmelz strahlende Madonnen, 
(Das Madrider Palais des Herzogs von Alba.) Der vor 
kurzem ernannte Außenminister Spaniens, Herzog von Alba, 
nicht nur einer der vornehmsten Aristokraten seines Vater 
landes, sondern spielte auch im dortigen wissenschaftlichen 
und Kunstlehen eine vornehme Rolle. Sein .Madrider Palais 
ist ein wahres Museum. Die Vorhalle umfaßt die Jagd 
trophäen des Herzogs, der den Rulf eines ausgezeichneten 
Jägers genießt. Die Wohn- und Empfangsräume enthalten 
eine besonders wertvolle Bildersammlung, die nicht nur 
aus vortrefflichen Landschaftsmalereien erster Meister besteht, 
sondern auch eine Porträtgalerie in sich schließt, die mit Recht 
ein Stück Geschichte genannt werden kann. Der Vorfahr des 
Herzogs von Aliba spielte bekanntlich in der holländischen 
Geschichte eine große Rolle, und die Familie hatte jederzeit 
eine hervorragende Position im öffentlichen Leben Spaniens 
inne, was* auch die Bedeutung der Porträtgalerie erklärt. Zu 
ihrer Wichtigkeit trägt ferner auch der Umstand bei, daß der 
gegenwärtige spanische Außenminister ein Neffe der Kaiserin 
Eu g e n i e, der Gattin Napoleons III., ist und daher sein 
Palais auch eine interessante Schatzkammer Napoileonischer 
und auf die Kaiserin bezüglicher Denkmäler ist. 
(Teschners „Tempehvächter“ gestohlen.) Im Hause eines 
Wiener Künstlers wurde ein Aquarell auf Pergament von 
Prof, Richard Teschner (Größe 17 : 15 cm) gestohlen, das 
einen Tempelwächter darstellt, der mit entblößtem Oberkörper 
auf einem grünlichen Sofa neben dem Eingang eines Zeltes 
sitzt. Zu seiner Rechten blitzt ein blankes Schwert. Durch den 
geteilten Vorhang sieht .man in eine grellgrüne Landschaft. Auf 
die Auffindung des Aquarells ist eine Prämie von 100 Schilling 
ausgese Izt. 
(„Vom Teufel geholt“.) Elf Schauspielenbildnisse von Emil 
Orlik zu Knut Hamsuns „Vom Teufel geholt" sind bei 
Bruno Cassirer in Berlin erschienen. Sie stellen Max 
Reinhardt auf der Probe, Romanows kv, Sokolow. 
Lucie Höflich, Eugen Klopfer, Grete Mosheim und 
andere dar. 
(Gemäldediebstahl in Karlsruhe.) In der Nacht zum 
4. Februar wurde in Fischers Weinstube in Karlsruhe in 
der Kreuzstraße ein Einbruch verübt. Der Täter schnitt drei 
Oelgemälde aus dem Rahmen, deren Wert mit 300.000 Mark 
angegeben wird. Versichert waren sie nur mit 13.000 Mark. 
Zwei Bilder stammen von dem Maler Th, Bäuerle, der be 
sonders in England und den englischen Dominien als Künstler 
hochgeschätzt wurde. Das größte Bild (80 : 120 cm) stellt einen 
italienischen Straßenhändler vor, der mit Streichhölzern han 
delt. Das zweite Bild, das' erheblich kleiner ist, zeigt einen 
italienischen Fischerjungen am Meer mit einem Korb Fischen 
naben sich. Das dritte Bild, das als echter Segantini an 
gesprochen wird, zeigt eine Bauersfrau in italienischer Volks 
tracht. 
HANDSCHRIFTEN. 
(Andersens „Märchen meines Lebens“,) Das Manuskript 
des autobiographischen Romans von Hans Christian Ander 
sen „Das Märchen meines Lebens“ ist aus dem Besitz des 
Kopenhagener Schauspielers Nikolai Neiiendam in den 
Besitz des Andersen-Museums der Stadt Odense, der Ge- 
burtsstaidt des Dichters, übergegangen. Nach der „Ber.lingske 
Tidende" betrug der Kaufpreis zwischen 10.000 und 20.000 
Kronen. Von amerikanischer Seite war vor einiger Zeit ein 
weit höheres Angebot gemacht worden. 
(Auffindung einer Schrift de s Galenos.) In der Preußischen 
Akademie der Wissenschaften berichtete Dr. med. et phil. Max 
Meyerhof aus Kairo kürzlich über die Auffindung einer 
bisher unbekannten Schrift des Galenos, des fruchtbarsten 
medizinischen Schriftstellers des Altertums. Es handelt sich um 
eine Schrift über die ärztlichen Namen, deren erste drei Bücher 
von dem Uebersetzer Ibn Ishaq im 9. Jahrhundert n. Chr. 
■in Bagdad ins Syrische und von dessen Neffen ins Arabische 
übersetzt worden ist. Davon hat sich in der Bibliothek in 
Leiden das erste Buch mit der arabischen Uebersetzung in 
einer Handschrift des 1.3, Jahrhunderts gefunden. Wie Meyerhof 
in den „Forschungen und Fortschritten" berichtet, wendet sich 
der Inhalt von Galens Schrift über die ärztlichen Fachausdrücke 
gegen die Definitions-Manie, die bei den Aerizten seiner Zeit 
eingerissen war. Ihr gegenüber empfiehlt Galen das Zurück 
greifen auf den attischen Sprachgebrauch der eigenen Zeit oder 
der älteren Klassiker, 
Als Musterbeispiel wählt Galen den Ausdruck Fieber 
(pyretos), abgeleitet von Feuer (pyr). Er führt nicht nur be 
kannte Stellen aus den Schriften des Hippokrates, des Vaters 
der Heilkunde, und des Plato an, sondern auch bisher unbe 
kannte Zitate aus einer verlorenen Komödie des Aristophanes 
\w d \ US der n ’ Ur ™ Br u ch «t“c.ken erhaltenen Schrift „Ueber die 
Wahrheit" des attischen Redners Antiphon. Mit Heftigkeit 
wendet er sich gegen die Aerzte, die Fachausdrücke nach 
eigenem Ermessen erfinden oder übertragen, und beschimpft 
da besonders die Anhänger des alten alexandrinischen Arztes
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.