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MAK

Full text : Jahrgang 22 (1930) (7)

Seile  82

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Nr.  7

den  er  zur  Anschaffung  eines  Motorrades  verwendet  hatte,
noch  den  ganzen  Kaufschilling,  der  dem  Autiquariat  zurückerstattet ­
  wurde.  Die  Handschrift  ist  nun  wieder  auf  ihrem  alten
Platze  in  der  Bibliothek.  Hoffentlich  wird  man  jetzt  aul  sie
besser  acht  geben.

NUMISMATIK.
(Eine  Albert  Einstein-Plakette.)  Das  Münzkabinett  des
Kaiser-Friedrich-Museums  in  Berlin  erwarb  eine  Albert
Einstein-Plakette,  die  der  Bildhauer  Artur  Loewental
  in  jüngster  Zeit  vollendet  hat.  Der  große  Forscher
saß  dem  Künstler  mehrere  Male  und  signierte  dann  das  Modell ­
  der  Plakette,  die  in  Bronze  ausgeführt  ist  und  das  Format
21  zu  18  Zentimeter  hat.  Das  Werk  ist  eine  hervorragende
künstlerische  Leistung  und  bedeutet  wohl  das  lebendigste  und
ähnlichste  plastische  Bildnis,  das  bisher  von  Einstein  geschaffen ­
  worden  ist.  Loewental  erhielt  übrigens  von  der  Staatlichen
Münze  in  Berlin  den  Auftrag  für  eine  Einstein-Medaille,  die
von  der  Münze  geprägt  werden  soll.
(Medaillen  aus  Weimar  und  der  Goethe-Zeit.)  Am  28.
April  versteigert  Rob.  Ball  Nachf.  in  Berlin  eine  bedeutende ­
  Sammlung  von  Münzen  und  Medaillen.  Die  Kollektion
kommt  unter  dem  Titel  „Weimar  und  die  Goethe-Zeit"  auf
den  Markt.  Für  den  Katalog  dieses  Besitzes  schrieb  Reichskunstwart ­
  Dr.  Redslob  das  Vorwort.

PHILATELIE.
(Burgenländische  Spezialitäten.)  In  Budapest  wurde
eine  Briefmarkenausstellung  eröffnet,  auf  der  die  Sammlung
des  Wiener  Opernsängers  D  a  v  y,  bestehend  aus  burgenländischen ­
  Spezialitäten,  besondere  Aufmerksamkeit ­
  erweckt.
(Schweizerische  Soldatenbriefmarken,)  Aus  Bern  wird
gemeldet:  Das  aargauische  Landwehrinfanterie-Regiment  49
besteht  seit  dem  Aktivdienst  seinen  ersten  Wiederholungskurs.
Damals  trug  dies  Regiment  noch  die  Nummer  45.  Es  verausgabte ­
  Soldatenmarken  in  einer  Auflage  von  über  8000  Stück,
von  denen  nun  noch  3600  Stück  vorhanden  sind  und  mit  einem
Aufdruckstempel  zugunsten  der  Regimentsunterstützungskasse
verkauft  werden  sollen.  Frankaturgültigkeit  haben  sie  keine,
dagegen  werden  sie  mit  dem  Feldpost-Stempel  gezeichnet ­
  werden.
(Die  erste  internationale  Luftpostausstellung),  die  vom
6,—16.  November  in  Paris  stattfindet,  wirbt  bereits  mit
einem  Prospekt,  aus  dem  hervörgeht,  daß  der  französische
Aeroklub  die  Ausstellung  organisiert.  Die  Klasseneinteilung
ist  einfach,  sie  umfaßt  6  Klassen  für  Generalversammlungen,
Spezialsammlungen,  Stempelsammlungen,  Ballonpostsammlungen, ­
  Jugendsammlungen  und  Luftpostliteratur.  Auskunft  erteilt
der  Aeroclub  de  France,  Paris,  8e  (35  Rue  Francois  Ier).
(Fälschung  jugoslawischer  Postmarken.)  In  Agram  wurden ­
  die  Briefmarkenhändler  Konrad  und  Johann  Gyuris  verhaftet, ­
  weil  sie  jugoslawische  Marken  in  größtem  Stile  gefälscht
und  gekauft  haben.  Sie  verfälschten  die  außer  Verkehr  gesetzten ­
  jugoslawischen  Jubiläumspostmarken,  weiter  Hochwassermarken ­
  und  Briefmarken  im  Werte  von  10,  15,  20  und
30  Dinar.  In  ihrer  Wohnung  wurden  eine  komplette  Fälscherapparatur ­
  sowie  eine  Anzahl  von  Klischees  gefunden.  Die
meisten  Falsifikate  haben  die  Brüder  nach  Wien  gebracht
und  durch  die  Gattin  des  Johann  Gyuris  an  Händler  und
Sammler  verkaufen  lassen.  Die  Frau  hat  vor  sechs  Jahren
geheiratet,  trennte  sich  jedoch  vor  drei  Jahren  von  ihrem
Gatten  und  zog  zu  ihrer  Mutter  nach  Wien.  Ihr  Mann  und
ihr  Schwager  kamen  öfters  hierher,  stiegen  in  einem  Hotel
im  zweiten  Bezirk  ab  und  übergaben  der  Frau,  die  keine
Ahnung  hatte,  daß  sie  Fälschern  Beihilfe  leistete,  die  Falsifikate ­
  zum  Weiterverkauf.  Bei  einer  Wiener  Firma  ließen  sie
sich  für  die  Marken  Klischees  und  Holzschnitte  machen  und
erklärten,  diese  für  Abbildungen  in  Musterkatalogen  und  zu
Reklamezwecken  zu  benötigen.  Da  die  Brüder  tatsächlich  als
Briefmarkengroßhändler  bekannt  sind,  führte  die  Firma  den
Auftrag  ohne  Bedenken  durch,  versah  jedoch  die  Klischees
mit  einem  Zierrand,  den  die  Fälscher  später  entfernten.

VERSCHIEDENES.
(Tod  bekannter  Sammler.)  In  Wien  starb  der  pen
sionierte  Generalsekretär  Dr.  Emil  K  a  d  i  s  c  h.  Der  Verblichene ­
  war  als  Bildersammler  bekannt.  Seine  Wohnung  in
der  Marxergasse  glich  einer  Galerie,  in  der  viel  wertvolle,
aber  auch  manche  überschätzte  Bilder  hingen.  Einzelne  derselben ­
  hat  Dr.  Kadisch,  der  unverheiratet  blieb,  Verwandten
und  Freunden  vermacht,  der  Rest  dürfte  demnächst  in  Wien
versteigert  werden.

(Der  Sammler  Rehse.)  Wir  lesen  in  den  »Münch.  Neuest.
Nachr.«:  Am  23.  März  feierte  Friedrich  Josef  Maria  Rehse,
geb.  in  Münster  in  Westfalen,  und  seit  1890  in  München,  der
sich  als  Gründer  und  unermüdlicher  Bereicherer  einer  eigenartigen ­
  Sammlung  einen  Namen  gemacht  hat,  den  60.  Geburtstag. ­
  Zur  rechten  Zeit  kam  er  auf  den  Gedanken,  wichtige
Kriegsdokumenle  zu  sichern  und  möglichst  lückenlos  zu  erwerfsen;
  diese  Tätigkeit  setzte  er  in  der  Revolutions-  und
Rätezeit  fort.  Was  er  da  zusammenbrachte  in  München,  in
ganz  Deutschland  und  im  Auslande  an  Zeitungsausschnitten,
Telegrammen,  Maueranschlägen,  Plakaten,  Flugschriften  und
sonstigem  Material,  darunter  auch  Briefmarken  und  anderen
zeitgeschichtlich  wichtigen  Dingen,  wuchs  allmählich  zu  Stößen
und  Bergen,  füllte  Zimmer,  so  daß  er  in  seinem  Heim  kaum
noch  Platz  fand.  Aus  seiner  Sammlung  gewinnen  wir  u.  a.
einen  lückenlosen  Ueberblick  über  die  Hetzpropaganda,  die
von  den  Feindhundstaaten  gegen  Deutschland  getrieben  wurde,
es  sind  Akten  der  Anklage  wie  der  Verteidigung.  Der  Sammeltätigkeit ­
  opferte  er  den  früheren  Beruf,  denn  sie  nahm  den
ganzen  Mann,  in  Anspruch.  Daß  zeitweise  diese  Sammeltätigkeit ­
  nicht  ganz  ungefährlich  war,  sei  nur  nebenbei  erwähnt,
denn  den  einen  oder  anderen  Anschlag  konnte  man  sich  in
der  Revolutionszeit  nur  dadurch  verschaffen,  daß  man  ihn
irgendwo  abnahm.  Heute  besitzen  wir  in  den  Bänden  und
Akten,  die  Rehse  zusammengetragen  hat,  das  wertvollste  und
lückenloseste  Material  aus  dem  Jahrzehnt  der  Kriegs-  und
Nachkriegszeit,  von  der  wir  viel,  nur  allzu  viel  wieder  vergessen ­
  haben,  vor  allem  auch  die  Tage  der  Not,  in  denen  Aufrufe ­
  zur  Sammlung  von  Lindenblüten,  Brennesseln,  Obstkernen ­
  ergingen,  der  Hunger  Tausende  hart  bedrängte.  Man  muß
dem  Sammler  Dank  wissen,  daß  er  so  viel  Zeit,  Mühe  und
Geld  auf  diese,  dei  Stadt  München  und  dem  bayerischen  Staat
hoffentlich  für  immer  erhalten  bleibende  Sammlung  aufgewendet ­
  hat.  Zur  Zeit  ist  ein  lehrreicher  Ausschnitt  der  Sammlung
im  Gartengebäude  Schellingstraße  46  zu  sehen.
(Die  Rüstung  Bernhards  von  Sachsen-Weimar.)  Amerikanische ­
  Zeitungen  berichten,  daß  die  historische  Rüstung
Bernhards  von  Sachsen-Weimar,  eines  der  erfolgreichsten ­
  Feldherren  des  Dreißigjährigen  Krieges,  aus  dem  Besitz ­
  der  Herzogin  F  e  o  d  o  r  a  von  Weimar  in  nordamerikanischen ­
  Besitz  übergegangen  sei.
(Eine  historische  Fahne  wiedergefunden,)  Im  Rathaus
von  F  echenheim  wurde  bei  Aufräumungsarbeiten  auf  dem
Dachboden  die  alte  .schwarz-rot-goldene  Fahne  .der  Fechenheimer
  Bürgerwehr  aus  dem  Jahre  1848  aufgefunden.  Die  in
wertvoller  Handarbeit  ausgeführte  Fahne  trägt  -die  Inschriften
„Fechenheimer  Bürgerwehr"  und  „Für  Freiheit  und  Gesetz".
Es  wird  angenommen,  daß  während  der  Reaktionszeit  nach
1848  die  Fahne  beschlagnahmt  und  auif  dem  Rathaus  in  Verwahrung ­
  genommen  wurde.  Für  einige  Tage  wird  das  wertvolle, ­
  gut  erhaltene  Erinnerungsstück  in  Fechenheim  ausgestellt ­
  und  dann  im  Frankfurter  Historischen  Museum  aufgehängt
  werden,
(Die  Rhages-Urne  vernichtet.)  In  der  Londoner  Wohnung
von  Edsel  Ford,  einem  Sohne  des  Automobilkönigs  Ford,
zerbrach  ein  Diener  infolge  einer  ungeschickt  ;n  Bewegung  die
berühmte  Rhages-Urne,  ein  aus  dem  14.  Jahrhundert
stammendes  berühmtes  Kunstwerk,  das  von  Ford  seinerzeit
um  50.0C0  Dollar  angekauft  worden  ist.  Die  Urne  wurde  nach
der  alten  persischen  Stadt  R  h  a  g  e  s  benannt,  wo  sie  seinerzeit ­
  aufgefunden  wurde.  Auf  beiden  Seiten  der  Urne  waren
die  Reliefs  eines  Königs  und  einer  Königin  zu  sehen.  Die  Urne
zerschellte  in  lausend  Stücke,  so  daß  jede  Möglichkeit  einer
Rekonstruktion  ausgeschlossen  ist.

MUSEEN.
(Dr.  Adolf  Feulner.)  Der  Hauptkonservator  am  Münchner
Residenzmuseum.  Dr  Adolf  Feulner,  wurde  als  Direktor
des  Kunstgewerbemuseums  und  des  Historischen  Museums
nach  Frankfurt  a.  M.  berufen.
(Ein  Cranach-Zimmer  auf  der  Wartburg.)  Die  Wartburgstiftung ­
  in  Eisenach  hat  aus  dem  Nachlaß  des  kürzlich  verstorbenen ­
  Oberburghauptmanns  v.  C  r  a  n  a  c  h,  des  letzten
männlichen  Nachkommen  Lucas  Cranachs,  eine  Reihe  von
wertvollen  Objekten,  so  auch  einige  Cranach-Bilder,
erworben.  Zwei  Zimmer  der  bisherigen  Wohnung  des  Burghauptmanns ­
  will  man  als  Cranach-Zimmer  einrichten.
(Eine  Bohne  als  Museumsstück.)  Die  Altstadt  von  San
Antonio  in  dem  nordamerikanischen  Staate  Texas,  Alamo,
besitzt  ein  Museum,  it.  dem  eine  einzigartige  Sehenswürdigkeit
bewahrt  wird:  es  ist  eine  einsame  weiße  Bohne,  die  auf  rotem
Samt  in  einem  prächtigen,  mit  Maroquinleder  überzogenen
Kasten  ruht,  VI  ie  kommt  die  Bohne,  die  von  allen  Besuchern
des  Museums  mit  besonderer  Andacht  besichtigt  wird,  zu  die-
            
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