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MAK

Full text : Jahrgang 22 (1930) (9)

Seite  102

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Nr.  9

Wieland  ist  mit  sechs  Briefen  vertreten,  von
denen  der  an  seinen  Schwiegersohn  R  e  i  n  h  o  1  d
besonders  herorv;zuheben  wäre,  der  u.  a.  eine  Charakteristik ­
  von  Frau  v.  Laroche  enthält.  Er  sagt
vor:  „Lebhaftigkeit,  Imagination,  Witz,  Gedächtnis,
gerade  wie  vor  30  und  50  Jahren,  eben  dieselben
Manieren  und  Eigenheiten  (kleine  unschuldige)
Kotterien  und  Weiblichkeiten,  die  aber  leider  im
69.  die  Grazie  der  Jugend  nicht  mehr  haben.'
Die  Literatur  ist  natürlich  auch  sonst  stark
vertreten.  Wir  finden  weiters  interessante  Briefe
von  Arndt.,  Fontane  (mehrere  ungedruckte),  breili-5.
  und  6.  Jeil  der
Vom  26.  bis  28.  Mai  werden  weitere  Teile  der
Sammlung  Heinrich  Stieb  el  durch  die  Buchhandlung ­
  Joseph  Baer  &  Co.,  Frankfurt  a.  M.,  Hochstraße ­
  6,  versteigert.
Zunächst  der  fünfte  Teil,  die  deutsche  Literatur,
meist  sehr  schöne  Exemplare  in  alten  Einbänden,
wobei  natürlicherweise  die  Abteilung  »G  o  e  t  h  e«
alle  anderen  an  Wert  und  Umfang  überragt.  Sie
enthält  fast  sämtliche  Gesamtausgaben  der  Schriften
und  viele  Erstdrucke,  darunter  ein  unbeschnittenes
Exemplar  des  Götz  von  1773,  Werther  von  1774,
das  Römische  Carneval  von  1789,  das  Faustfragment
von  1790,  die  Bilder  zum  Faust  und  Cornelius  von
1816,  den  von  Delacroix  illustrierten  Faust  von  1828,
Egmont  1788  u.  a.  Die  Doves-Press  -  Drucke  von
Goetheschen  Dichtungen  sind  durch  Exemplare  auf
Papier  und  Pergament  vertreten,  darunter  die  nur
in  ganz  geringer  Anzahl  hergestellten  Exemplare  mit
Goldinitialen.  Von  besonderem  Interesse  ist  die
Goethes  Familie  und  Freundeskreis  gewidmete  Abteilung: ­
  Schriften  von  Goethes  Urgroßvater  Textor
und  Großonkel  Johann  Michael  von  Loen,  die
Doctordissertation  seines  Vaters  in  einem  Geschenkexemplar ­
  auf  großem  Papier,  ein  kalligraphisch  auf
Pergament  von  seinem  Onkel  Georg  Adolf  Melber
ausgestellter  Lehrbrief  von  1766,  die  sehr  seltenen
»Neuen  Lieder«  des  Fräulein  von  Klettenberg  usw.
Statuetten,  Plaketten,  Oelgemälde,  Aquarelle,  Zeichnungen ­
  und  Graphik  vervollständigen  die  Goethe-Sammlung,
  darunter  der,  Originalentwurf  von
Schwerdgeburth  zum  »Karl  August«,  eine  Zeichnung ­
  von  Schwind  zum  Erlkönig  und  eine  Origmalsilhouette ­
  von  Goethes  Freund  Ph.  Chr.  Kayser.
Ebenso  schön  in  ihrer  Art  ist  die  Abteilung
Friedrich  Maximilian  K  1  i  n  g  e  r.  Unter  dessen
Schriften  sind  wegen  ihrer  Seltenheit  besonders  erwähnenswert: ­
  Otto  1775,  Sturm  und  Drang  1776,
Orpheus  1778,  Der  Derwisch  1780.  Daran  reihen  sich
die  Schriften  von  Heinrich  Leopold  Wagner;  Die
Reue  nach  der  Tat  1775,  Die  Kindesmörderin  1776
u.  a.  Clemens  Brentano  hat  Stiebei  in  großer
Vollständigkeit  zusammengebracht,  Vorhanden  ist
die  seltene  Gesamtausgabe,  Godwi  1801,  Lied  von

grath,  Grosse,  Gerhart  Hauptmann,  Hebbel,  Immermann, ­
  Justinus  Kerner,  Klopstock,  Selma  Lagerlöf,
Lenau,  Conr.  Ferd.  Meyer,  Jean  Paul.  Schwab,
Storm,  Turgeniew,  Voltaire,  Fr.  H,  Voß,  Wildenbruch, ­
  Zola  etc,
Wissenschaft  und  Geschichte  sind  u,  a.  durch
Namen  wie  Bazain,  Bismarck,  Blücher,  Friedrich
den  Großen,  Gambetta,  Kossuth,  Moltke,  Napoleon ­
  I.,  die  Kunst  durch  Namen  wie  Brahms,
Canova,  Flotow,  Kainz,  Liszt,  Mozart,  Robert  Schumann, ­
  Moritz  Schwind  und  Richard  Wagner
repräsentiert.

Sammlung  StiebeL
eines  Studenten  Ankunft  in  Heidelberg  1806,  Bogs
der  Uhrmacher  1807,  Gockel,  Hinkel,  Gackeleia,
Der  Goldfaden  1809,  Der  Stern  von  der  Katzbach
1816  (ein  Einblattdruck,  dessen  Existenz  durch  eine
Buchhändleranzeige  bekannt  war,  der  aber  bisher
verschollen  blieb  und  als  Unikum  zu  betrachten  ist)
u,  a.  Außerdem  seien  erwähnt:  Schriften  von  Thomas ­
  Murner,  Sophie  Mereau,  Bettina,  Boerne,
Grabbe,  die  Günderode,  Gutzkow,  Heine,  Hölderlin,
Immermann  (die  seltenen  Schriften).  Schiller  (Die
Horen),  Wilhelm  Jordan,  Schopenhauer,  Ayrers
Opus  Theatricum  1618,  eine  von  Shakespeare  benutzte ­
  Quelle,  die  seltenen  »Nachtwachen  von  Bonaventura«
  in  einem  unbeschnittenen  Exemplar  u.  a.
Der  sechste  Teil  umfaßt  Bibliographie,  Genealogie ­
  und  Familiengeschichte,  Geschichte,  illustrierte
Bücher,  Judaica,  Kinderbücher,  Kunst,  Nationalökonomie, ­
  Revolution  1848,  Rheinlande,  Theater,  Zeitschriften ­
  u.  a.,  darunter  viele  wertvolle  Bücher  und
graphische  Blätter.  So  eine  Serie  des  Journal  des
Dames  et  des  modes,  eine  Exdibris  -  Sammlung ­
  von  608  Stück,  3000  Theaterzettel  aus
den  Jahren  1800—1900,  ein  Konvolut  von  5000  Gelegenheitsschriften ­
  aus  den  Jahren  1615—1928  zu
Festen  und  Feierlichkeiten,  Hochzeitsgedichte,
Menus  etc.
Der  Katalog  beginnt  schon  mit  einem  sehr  interessanten ­
  Hochzeitsgedicht  von  Conrad  Ammon
aus  dem  Jahre  1627,  einem  Einblattdruck  mit  einem
Kupferstich  von  De  B  r  y,  von  dem  nur  noch  ein
Exemplar  bekannt  ist.  Der  Schwerpunkt  dieser  Abteilung ­
  liegt  in  den  Francofurtensien,  von  denen
Sammlungen  von  5200  Werken  und  7000  Blättern  als
Ganzes  ausgeboten  werden.  Von  den  Frankfurter
Adreßbüchern  ist  eine  fast  vollständige  Reihe  von
1734  ab  vorhanden,  selbstverständlich  auch  die  von
Stolze  herausgegebenen  Zeitschriften  »Frankfurter
Latern«  und  die  Krebbelzeitung,  die  fast  nie  vollständig ­
  Vorkommen.  Das  Titelbild  des  Katalogs
zeigt  den  großen  Frankfurter  Plan  Merians  in  der
3.  Auflage  von  1682;  von  der  1.  und  2.  Auflage  sind
nur  noch  je  ein  Exemplar  bekannt  und  auch  die
3.  Auflage  ist  überaus  selten.

Der  Nachlass  Seorg  CckL

Durch  drei  Tage  hindurch,  vom  3.  bis  5.  April  brachte
die  Bücheräbteilung  des  Wiener  Dorotheums  den  ersten  Teil
des  Nachlasses  Georg  Eckl  (Wien)  zur  Versteigerung,  der
Austriaca  und  Viennensia  enthielt.  Namhafte  Preise  (in  Schilling) ­
  erzielten  hiebei:
Kunst,  illustrierte  Bücher.

3  Englische  und  Wiener  Meister,  8  Schabkunstblätter
von  Houston,  Purcel  etc  35
9  Kriehuber,  13  Bl.  Lithographien  70
13  Lemberger,  M*isterminiaturen  aus  5  Jahrhunderten  .  50

Austriäcs
35  Engelhart,  Polit.  Bilderbuch  35
40  Pelzel,  Geschichte  der  Böhmen  55
45  Gräffer,  Josephinische  Curiosa  55
48  Sammelband  seltener  Schriften  Joseph  II  75
55  Fugger,  Spiegel  der  Ehren  des  Ertzhauses  Oesterr.  .  70
84  Ansicht  der  Ruine  und  des  Brauhauses  Rauhenstein,
I.ithogr,  van  Thibeux  60
130  Vischer,  Karte  von  Niederösterreich  40
138  14  Bl.  Reim'scher  Ansichten  aus  Nied.-Oesterr.  ...  35
164  Primisser,  Stammbaum  des  Hauses  Habsburg  Oesterr.  90
            
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