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MAK

Full text : Jahrgang 23 (1931) (1)

Seite  2

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Nr.  1

Eine  gerade  Linie  führt  von  Menzel  zu  Max
Lieber  mann.  Das  ist  der  zweite  Haupttrumpf
der  Sammlung  Böhm:  fast  zwanzig  Werke  des  Meisters. ­
  Kein  Privatmann  außer  ihm  hat  ein  solches
kleines  Max  Liebermann-Museum  geschaffen.  Eine
Bilderreihe  baut  sich  auf,  die  wiederum  die  ganze
Entwicklung  des  Künstlers  an  schönsten  Exemplaren
verfolgen  läßt.  Die  roten  Häuser  von  Scheveningen
sind  nun  bald  sechzig  Jahre  alt.  Der  Bauernhof  in
Barbizon  von  1874  hat  noch  die  Munkacsy-Dunkefheiten,
  erinnert  an  die  Gänserupferinnen  und  zeigt
zugleich,  was  die  Fontainebleauer  an  neuen  Anregungen ­
  hinzutaten.  Die  Studie  zu  den  Netzflickerinnen ­
  —  ein  genialer  Entwurf;  man  spürt  mit  Ergriffenheit, ­
  wie  aus  dem  Natureindruck  die  Idee  des
alles  andere  überragenden  Hauptwerkes  der  Hamburger ­
  Kunsthalle  aufwuchs,  Die  Judengasse  in
Amsterdam  —  die  figurenreichste  Variante  des  oft

behandelten  Themas;  von  so  gedrängtem  figürlichem
Leben  sind  überhaupt  nur  ganz  wenige  Bilder  Liebermanns ­
  erfüllt.  Dann  geht  es  weiter  zu  den  Ausschnitten ­
  aus  dem  engeren  Kreise,  wie  dem  Atelierinterieur
  vom  Pariser  Platz,  und  mündet  im  Garten
von  Wannsee,  der  das  geliebte,  mit  unendlicher
Zärtlichkeit  in  immer  neue  malerische  Wunder  verwandelte ­
  Motiv  des  Alters  wurde...  -
Abermals  um  den  Führer  die  Großen  seines
Hofs.  Leistikow:  mit  einem  Parkblick  aus  Dänemark ­
  von  so  saftigem  Grün,  daß  man  versucht  ist,
auch  dabei  an  Trübner  zu  denken,  C  o  r  i  n  t  h  :  mit
einem  seiner  massiven  Schlächterläden,  noch  aus
der  tonigen  Periode,  und  einem  großen,  geradezu
himmlischen  Blumenstück  von  1922.  S  1  e  v  o  g  t  :
mit  drei  Stilleben  von  jener  breiteren  Vortragsart,
die  den  Meister  mitunter  fast  in  die  Nähe  des  robusten ­
  Corinth  führte.«

Sir  Otto  33eit.

Der  Tod  Sir  Otto  B  e  i  t  s,  der  in  der  internationalen ­
  Finanzwelt  eine  führende  Rolle  einnahm,  hat
zugleich  England  eines  seiner  größten  und  opferwilligsten ­
  Kunstsammler  beraubt.  Der  gebürtige  Hamburger ­
  war  wie  sein  größerer  Bruder  Sir  Alfred  Beit
seit  dem  Transvaalkriege  —  er  lebte  seit  1888  in
England  —  trotz  aller  möglichen  Beziehungen  nur
mit  Zurückhaltung  deutschfreundlich.  So  fanden  sich
die  Namen  der  Brüder  Beit  unter  dem  sogenannten
»Art  Lovers  Protest«,  der  Einspruch  gegen  die  deutschen ­
  Kriegsmethoden  erhob  und  mehr  oder  minder
ein  Propagandaschriftstück  war.  Das  hinderte  nicht,
daß  Otto  Beit,  der  neben  seinen  großen  Stiftungen
für  wohltätige  Zwecke  gleich  große  Summen  für
Kunstkäufe  anlegte,  ein  Sammler  eigentlich  nach
deutscher  Tradition  war.  An  Kunstliebe  und  Kauffreudigkeit ­
  hat  er  den  bedeutenden  Bruder  noch  weit
übertroffen.  Aus  der  Heimat  brachte  er  —  im  Gegensatz ­

  zu  den  englischen  Sammlern  alten  Stils  —
die  unbedingte  Vorliebe  für  die  englische  Kunst  mit,
und  sein  bester  Freund  und  Berater  auf  diesem  Gebiete ­
  war  Wilhelm  Bode,  der  seine  Sammlung  ausbaute ­
  und  durch  ihn  manche  Beziehungen  mit  den
englischen  Sammlern  knüpfte,
Otto  Beits  Sammlung  ist  die  bedeutendste  neuere
Niederländer-Sammlung  Englands,  mit  Stücken  höchsten ­
  Ranges,  wie  dem  Gitarrenspieler  des  Frans
Hals  an  der  Spitze.  Nach  dem  Tode  des  Bruders
hatte  sich  Otto  Beit,  der  wenig  Interesse  am  öffentlichen ­
  Leben  besaß,  ganz  in  ein  herrliches  altes
Hau«,  Tewin  Water  in  Welwyn,  zurückgezogen,  aus
dem  er  eine  Schatzkammer  machte,  zudem  eines  der
gastfreundlichsten  Häuser  Englands.  Sein  im  Grunde
doch  deutsches  Gefühl  bewies  er  durch  die  Stiftung
einer  deutschen  Bibliothek  für  die  Universität
Cambridge.

Die  Castiglioni-Jlüktion  in  JSerlin.

Bei  der  Versteigerung  der  Wiener  Sammlung
Camillo  Castiglioni,  die  am  28.  und  29.  November ­
  unter  Leitung  von  Paul  Graupe  von  den  Firmen ­
  Hermann  Ball  Und  Graupe  in  Berlin  vorgenommen ­
  wurde  (siehe  Nr.  24  des  Jahrganges  1930)
sind  noch  folgende  Preise  (in  Mark)  erzielt  worden:
Kunstgewerbliche  Metallarbeiten.

319  Griechenland,  3.—2.  J.  v  .Chr.,  Vasenhenkel  ....  280
320  Hellenistisch,  ca,  2.  J.  v.  Ohr.,  Bronzekanne  ....  650
321  Rom,  Kaiserzeit,  Bronzeaufsatz  einer  Wagendeichsel  .  105
322  Altchristlich,  Italien,  Bronzegerät  (von  einer  Waage?)  180
323  Ostrom,  4,—6,  J.  n.  Chr,,  Ohrring  140
324  Deutschland  (Sachsen),  13.  J.,  Vortragkreuz  ....  1100
325  Frankreich,  13,  J,,  Weihrauchkessel,  Bronze  ....  600
326  Italien,  14.  J.,  Weihrauchgefäß,  Kupfer  mit  Vergoldung  200
327  Deutschland,  15.  J,,  Ein  Paar  Löwen,  aus  Gußeisen,
zu  Kaminböcken  gehörig  .  :  500
328  Süddeutschland,  um  1500,  Meßkelch,  Silber  vergoldet  1600
329  Siena,  15  J.,  Meßkelch,  die  Kuppa  Silber,  Schaft
und  Fuß  Kupfer  vergoldet  920
330  Italien,  um  1500,  Kußtafel,  Kupfer  vergoldet  ....  70
331  Italien,  16,  J.,  Bronzeplakette  60
332  16.  J,,  Zwei  Pilasterkapitelle,  aus  Messing  30
333  'Venedig,  um  1500,  Dampfgefäß,  Kupfer  getrieben  .  .  290
334  Italien,  um  1500,  Eisengestel!  430
335  Italien,  15.  J,,  Ein  Paar  Kaminböcke,  Eisen  ....  960
336  Italien,  16,  J,,  Kaminbock,  Eisen  70
337  Italien,  16,  J.,  Ein  Paar  Kaminböcke,  Eisen  630
338  Italien,  Ein  Paar  Kaminböcke,  Eisen  240
339  Deutschland,  16,  J,,  Kaminbock,  Gußeisen  200
340  Italien,  16,  J.,  Wasserkessel,  Messing  205
341  Rheinland,  1555,  Bronzegefäß  250

342  Italien,  1503,  Zwei  Bronzeglocken  400
343  Johannes  van  denEyndc  d.  J.,  Tischglöcke,  Bronze  280
344  Italien,  16.  J.,  Bronzemörser  300
345  Niederlande,  1626,  Bronzemörser  700
346  Deutschland,  16,  J.,  Ein  Paar  Kirchenleuchter,
Messing  .  190
347  Süddeutsch,  1538,  Bronzeplakette  610
348  Italien,  17,  J.,  Bronzepostament  3600
349  Venedig,  16.—47,  J.,  Bronzeleuchter  1300
350  Italien,  17.  J.,  Stoßdegen  800
351  Deutschland,  17.  J„  Richtschwert  ........  .1050
352  Süddeutsch,  um  1600,  Henkelkrug,  Silber  vergoldet  .  .  4000
353  Süddeutsch,  Ende  16.  J.,  Henkelkrug,  Silber  .....  650
354  Niederlande,  1.  H.  17,  J,,  Silberschale  auf  Fuß,  getrieben ­
  und  vergoldet  750
355  Süddeutsch  (Nürnberg),  17,  J.,  Wassergefäß  800
356  Frankreich,  17,  J.,  Ein  Paar  Kirchenleuchter  ....  1200
357  Frankreich,  18.—19,  J.,  Drei  Silberschälchen  ....  980
358  Christoph  W  armberge  r,  Ein  Paar  Prunkflaschen,
Silber  vergoldet  820
359  Ders.,  Vergoldete  Silberschüssel  mit  Glocke  .  .  /.  .  1300
360  Desgl.  1500
361  Ders.,  Ein  Paar  vergoldete  Silberschüsseln  mit  dazugehörigen ­
  Glocken  800
362  Daniel  Schaeffler,  Vergoldete  Silberechüssel  mit
dazugehöriger  Glocke  450
363  W  armberger,  Silberschüssel  mit  Glocke,  vergold,  550
364  Daniel  Schaeffler,  Ein  Paar*  vergoldete  Silber-.
Schüsseln  mit  dazugehörigen  Glocken  780
365  Chr.  Heinr.  Ingerman  n,  Ein  Paar  Tafelleuchter,
Silber  vergoldet  300
366  Augsburg,  1737—1739,  Tafelaufsatz,  Weißsilber  ...  40
367  Augsburg,  18.  J.,  Kühlbecken,  Silber  900
368  Paris,  um  1750,  Greße  Kartelluhr,  Bronze  3600
            
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