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MAK

Full text : Jahrgang 23 (1931) (14)

Nr.  14

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Seite  155

zu  E.  T.  A.  Hoffmann  und  Balzac  —  und  das  meiste
uribenützt.  Stärker  zerlesen  fast  nur  die  Werke  des
Alexander  Dumas  und  der  Karoline  Pichler,
Die  Bibliothek  steht  nicht  nur  zu  Ausstellungszwecken ­
  der  Oeffentlichkeit  zur  Verfügung,  sondern
vor  allem  zum  Verkauf,  Der  Antiquar  Martin  Breslauer ­
  hat  sie  an  der  Hand  —  wem  sie  eigentlich
gehört,  ist  offiziell  nicht  zu  erfahren.  Sicher  ist  nur,
daß  Breslauer  lediglich  Beauftragter  ist.  Wenn  man
sich  indessen  der  Tatsache  erinnert,  daß  viele  der
späteren  Bände  der  Bücherei  mit  N  e  i  p  e  r  g  s  Widmung ­
  versehen  sind,  liegt  der  Schluß  nicht  fern,  daß

sie  dem  Besitz  von  Neipergs  Nachkommen  entstammen. ­

Das  Schicksal  dieser  Bibliothek  wird  wohl  das
gleiche  sein  wie  das  aller  großen  Privatsammlungen,
die  in  den  letzten  Jahren  zum  Verkauf  standen:
Versteigerung,  Verschleuderung  in  alle  vier  Windrichtungen. ­
  Das  ist  sehr  schade,  denn  man  hätte  hier
Gelegenheit,  eine  Standardbücherei  der  französischen
Kunst  des  achtzehnten  und  des  Kunstgewerbes  des
frühen  neunzehnten  Jahrhunderts  zu  erhalten.
Selbstverständlich  wäre  daran  in  erster  Linie  Frankreich ­
  interessiert.

Das  Canning-Juwel.

Bei  Sotheby  in  London  kommt  am  16,  Juli
eine  der  größten  Kostbarkeiten  der  Goldschmiedekunst ­
  der  Renaissance  zur  Versteigerung:  ein  au&
zwei  Schmuckstücken  bestehender  Anhänger,  Das
eine  davon  ist  nach  der  Ueberlieferung  von  einem
Fürsten  aus  dem  Hause  der  Medici,  einem  Kaiser  der
indischen  Mogul-Dynasten  gestiftet  worden  und  im
19.  Jahrhundert  nach  dem  indischen  Aufstande  vom.
Earl  Canning,  Vizekönig  von  Indien,  erworben
worden.  Im  Erbgange  kam  es  dann  in  den  Besitz  des
Earl  of  Harewood,  aus  dem  es  jetzt  versteigert
wird.
Das  Hauptmotiv  des  Anhängers,  der  10.3  mal  7
Zentimeter  mißt,  ist  eine  riesige  Perle,  die  als  Leib
eines  Triton  dient.  Seine  Arme  und  Kopf  sind:  aus
weißem  Emaille,  er  ist  mit  Schwert  und 1  einer  Art
von  Medusenschild  bewaffnet.  Das  Ganze  ist  reich
mit  Juwelen  und  Emailleverzierung  besetzt.  Unten
hängen  noch  drei  Perlen.  Dias  Schmuckstück  wird
meist  dem  berühmtesten  Goldschmiede  der  italienischen ­
  Renaissance,  Benvenuto  Ce  Hini,  zugeschrieben, ­
  und  H.  Clifford  Smith  nennt  es  in  seinem ­
  „Goldschmiedekunst-Werke“  den  wahrscheinlich ­
  schönsten  derjenigen  Renaissance-Anhänger,  die
eine  einzige  Figur  gestalten.  Nicht  ganz  auf  der  Höhe  i

der  Kostbarkeit  und  Kunst  dieses  Anhängers  ist  sein
Gegenstück,  dessen  Aufbau  in  der  Verteilung  der
Perlen  und  der  Verzierung  ungefähr  das  gleiche  ist.
Hier  erscheint  als  Darstellung  eine  bewegte  Frauengestalt, ­
  deren  nackte  Brust  von  der  Perle  in  der
Mitte  gebildet  wird,  Deutet  man  die  Waffe,  die  ihr
männlicher  Partner  scliwingt,  nicht  als  Schwert,
sondern  als  Eselskinnbacken  und  ihn  damit  als  Simson,
  so  kann  man,  in  der  Frauengestalt  Dalila  sehen,
denn  sie  .hat  so  etwas  wie  einen  Haarschopf  in  der
Hand.
Im  Anschlüsse  an  das  Renaissance-Juwel  bringt
Sotheby  eine  erlesene  Sammlung  italienischer  Rena ­
  i  s  s  a  n  c  e-B  r  o  n  z  e  n  und  Antiquitäten  aus  der
Amsterdamer  Sammlung  Otto  B.  Schuster  zur
Versteigerung.
In  der  Bronzensammlung  scheinen  Werke  von
Andrea  Ri  c  c  i  o  (Pan,  Tintenfaß  mit  Atlasfigur),
Giovanni  da  Bologna,  Leone  Leoni,  Niccolo
Roccatagliata  (Putten)  auf.  Von  den  Antiquitäten ­
  sind  besonders  eine  Deckelvase  mit  Limousiner
Emails  von  Pierre  R  e  y  m  o  n  d,  sowie  ein  Florentiner ­
  Cassone-Bild  aus  der  ersten  Hälfte  des  15.  Jahrl
  hunderts  zu  nennen.

Sommerauktionen  in  Cuzern.

Aus  Luzern  wird  uns  geschrieben:
Die  Galerie  Fischer  wahrt  nur  eine  alte
schöne  Tradition,  wenn  sie  auch  heuer  zwei  große
Sommerauktionen  veranstaltet.
Die  erste,  die  für  3  Tage,  18.,  19.  und  20.  August
anberaumt  ist,  bringt  Bestände  aus  ausländischem
Museumsbesitz,  sowie  aus  Schweizer  Privatsammlungen. ­
  Besondere  Bedeutung  kommt  den  Gemälden ­
  alter  Meister  zu,  unter  denen  wir
Namen,  wie  J.  van  Ruysdael,  van  Goyen,  Ostade,
Teniers,  van  Beyeren,  F,  van  Mieris,  Hubert  Robert,
J.  L.  David,  Demachy  begegnen,  Besonders  hervorheben ­
  möchten  wir  ein  Porträt  von  Isenbraut  und
eine  Anbetung  des  Meisters  „della  nativitä  di  Castello“.
  Von  neueren  Meistern  seien  Hodler  und
Kokoschka  genannt,  die  sehr  gut  vertreten  sind.
Das  zahlreiche  Mobiliar  setzt  sich  hauptsächlich ­
  aus  französischen  Kleinmöbeln,  besonders
Tambourtischchen,  Nierentischchen,  signierten  Fauteuils ­
  und  Kommoden  zusammen,  doch  fehlt  es  auch
nicht  an  den  typischen  Schweizer  Möbeln  der  Gotik
bis  zum  Empire.  Die  Textilienkollektion  umfaßt
Stickereien  der  Gotik  (ein  Antependium  aus  dem
Kloster  Rheinau)  und  der  Renaissance;  ferner  Gobelins, ­
  Damaste,  Brokate  und  Samte  der  Renaissance
und  des  Barock;  alte  Orientteppiche  (Joerdes,  Kula,

Capristan).  Silberne  Humpen  und  dekorative  Teller
zeigen  bekannte  Marken  aus  Danzig,  Augsburg,
Nürnberg;  ihnen  schließt  sich  das  gesuchte  schweizerische ­
  Silbergerät  und  eine  Sammlung  von  französischen ­
  Gold-  und  Emaildosen  an,  Schließlich  seien
noch  drei  Turnierrüstungen,  die  Sammlung  schweizerischer ­
  Glasscheiben  und  eine  aus  siebenhundert ­
  Nummern  bestehende  Ringesammlung
vermerkt.
Die  zweite  Fischer-Auktion  fällt  auf  den  5,  September ­
  und  umfaßt  den  ersten  Teil  der  Sammlung
Alfred  Rütschi  in  Zürich,  die  durch  die  ständige
Ausstellung  im  Züricher  Kunstbaus,  wie  durch  den
stattlichen  Katalog  von  Otto  Falke  bekannt  ist,
der  im  Jahre  1929  erschienen  ist.
Die  Sammlung  Rütschi  enthält:  Email-,  Champleve-Arbeiten
  von  Limoges  und  die  Goldschmiedearbeiten ­
  der  romanischen,  gotischen  und  Renaissance-Epoche, ­
  Unter  diesen  120  Objekten  sind;  viele
kunstgeschichtlich  bekannte  Stücke  aus  ersten  Kollektionen ­
  Rütschi.  Man  findet  hier  Reliquienkasten,
Pyxiden,  Kupf.  erschmelzplatten,  Reliquiare,  Monstranzen, ­
  Codices-Einbände  des  11.  und  12.  Jahrhunderts ­
  (u.  a.  ehemals  Coli.  Engel-Gros),  den
emaillierten  Affenbecher  burgundischer  Arbeit  des
15.  Jahrhunderts,  den  Pierpont  Morgan  aus  der
            
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