Nr. 14
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
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zu E. T. A. Hoffmann und Balzac — und das meiste
uribenützt. Stärker zerlesen fast nur die Werke des
Alexander Dumas und der Karoline Pichler,
Die Bibliothek steht nicht nur zu Ausstellungszwecken
der Oeffentlichkeit zur Verfügung, sondern
vor allem zum Verkauf, Der Antiquar Martin Breslauer
hat sie an der Hand — wem sie eigentlich
gehört, ist offiziell nicht zu erfahren. Sicher ist nur,
daß Breslauer lediglich Beauftragter ist. Wenn man
sich indessen der Tatsache erinnert, daß viele der
späteren Bände der Bücherei mit N e i p e r g s Widmung
versehen sind, liegt der Schluß nicht fern, daß
sie dem Besitz von Neipergs Nachkommen entstammen.
Das Schicksal dieser Bibliothek wird wohl das
gleiche sein wie das aller großen Privatsammlungen,
die in den letzten Jahren zum Verkauf standen:
Versteigerung, Verschleuderung in alle vier Windrichtungen.
Das ist sehr schade, denn man hätte hier
Gelegenheit, eine Standardbücherei der französischen
Kunst des achtzehnten und des Kunstgewerbes des
frühen neunzehnten Jahrhunderts zu erhalten.
Selbstverständlich wäre daran in erster Linie Frankreich
interessiert.
Das Canning-Juwel.
Bei Sotheby in London kommt am 16, Juli
eine der größten Kostbarkeiten der Goldschmiedekunst
der Renaissance zur Versteigerung: ein au&
zwei Schmuckstücken bestehender Anhänger, Das
eine davon ist nach der Ueberlieferung von einem
Fürsten aus dem Hause der Medici, einem Kaiser der
indischen Mogul-Dynasten gestiftet worden und im
19. Jahrhundert nach dem indischen Aufstande vom.
Earl Canning, Vizekönig von Indien, erworben
worden. Im Erbgange kam es dann in den Besitz des
Earl of Harewood, aus dem es jetzt versteigert
wird.
Das Hauptmotiv des Anhängers, der 10.3 mal 7
Zentimeter mißt, ist eine riesige Perle, die als Leib
eines Triton dient. Seine Arme und Kopf sind: aus
weißem Emaille, er ist mit Schwert und 1 einer Art
von Medusenschild bewaffnet. Das Ganze ist reich
mit Juwelen und Emailleverzierung besetzt. Unten
hängen noch drei Perlen. Dias Schmuckstück wird
meist dem berühmtesten Goldschmiede der italienischen
Renaissance, Benvenuto Ce Hini, zugeschrieben,
und H. Clifford Smith nennt es in seinem
„Goldschmiedekunst-Werke“ den wahrscheinlich
schönsten derjenigen Renaissance-Anhänger, die
eine einzige Figur gestalten. Nicht ganz auf der Höhe i
der Kostbarkeit und Kunst dieses Anhängers ist sein
Gegenstück, dessen Aufbau in der Verteilung der
Perlen und der Verzierung ungefähr das gleiche ist.
Hier erscheint als Darstellung eine bewegte Frauengestalt,
deren nackte Brust von der Perle in der
Mitte gebildet wird, Deutet man die Waffe, die ihr
männlicher Partner scliwingt, nicht als Schwert,
sondern als Eselskinnbacken und ihn damit als Simson,
so kann man, in der Frauengestalt Dalila sehen,
denn sie .hat so etwas wie einen Haarschopf in der
Hand.
Im Anschlüsse an das Renaissance-Juwel bringt
Sotheby eine erlesene Sammlung italienischer Rena
i s s a n c e-B r o n z e n und Antiquitäten aus der
Amsterdamer Sammlung Otto B. Schuster zur
Versteigerung.
In der Bronzensammlung scheinen Werke von
Andrea Ri c c i o (Pan, Tintenfaß mit Atlasfigur),
Giovanni da Bologna, Leone Leoni, Niccolo
Roccatagliata (Putten) auf. Von den Antiquitäten
sind besonders eine Deckelvase mit Limousiner
Emails von Pierre R e y m o n d, sowie ein Florentiner
Cassone-Bild aus der ersten Hälfte des 15. Jahrl
hunderts zu nennen.
Sommerauktionen in Cuzern.
Aus Luzern wird uns geschrieben:
Die Galerie Fischer wahrt nur eine alte
schöne Tradition, wenn sie auch heuer zwei große
Sommerauktionen veranstaltet.
Die erste, die für 3 Tage, 18., 19. und 20. August
anberaumt ist, bringt Bestände aus ausländischem
Museumsbesitz, sowie aus Schweizer Privatsammlungen.
Besondere Bedeutung kommt den Gemälden
alter Meister zu, unter denen wir
Namen, wie J. van Ruysdael, van Goyen, Ostade,
Teniers, van Beyeren, F, van Mieris, Hubert Robert,
J. L. David, Demachy begegnen, Besonders hervorheben
möchten wir ein Porträt von Isenbraut und
eine Anbetung des Meisters „della nativitä di Castello“.
Von neueren Meistern seien Hodler und
Kokoschka genannt, die sehr gut vertreten sind.
Das zahlreiche Mobiliar setzt sich hauptsächlich
aus französischen Kleinmöbeln, besonders
Tambourtischchen, Nierentischchen, signierten Fauteuils
und Kommoden zusammen, doch fehlt es auch
nicht an den typischen Schweizer Möbeln der Gotik
bis zum Empire. Die Textilienkollektion umfaßt
Stickereien der Gotik (ein Antependium aus dem
Kloster Rheinau) und der Renaissance; ferner Gobelins,
Damaste, Brokate und Samte der Renaissance
und des Barock; alte Orientteppiche (Joerdes, Kula,
Capristan). Silberne Humpen und dekorative Teller
zeigen bekannte Marken aus Danzig, Augsburg,
Nürnberg; ihnen schließt sich das gesuchte schweizerische
Silbergerät und eine Sammlung von französischen
Gold- und Emaildosen an, Schließlich seien
noch drei Turnierrüstungen, die Sammlung schweizerischer
Glasscheiben und eine aus siebenhundert
Nummern bestehende Ringesammlung
vermerkt.
Die zweite Fischer-Auktion fällt auf den 5, September
und umfaßt den ersten Teil der Sammlung
Alfred Rütschi in Zürich, die durch die ständige
Ausstellung im Züricher Kunstbaus, wie durch den
stattlichen Katalog von Otto Falke bekannt ist,
der im Jahre 1929 erschienen ist.
Die Sammlung Rütschi enthält: Email-, Champleve-Arbeiten
von Limoges und die Goldschmiedearbeiten
der romanischen, gotischen und Renaissance-Epoche,
Unter diesen 120 Objekten sind; viele
kunstgeschichtlich bekannte Stücke aus ersten Kollektionen
Rütschi. Man findet hier Reliquienkasten,
Pyxiden, Kupf. erschmelzplatten, Reliquiare, Monstranzen,
Codices-Einbände des 11. und 12. Jahrhunderts
(u. a. ehemals Coli. Engel-Gros), den
emaillierten Affenbecher burgundischer Arbeit des
15. Jahrhunderts, den Pierpont Morgan aus der