Nr. 16
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Seite 175
Nichts wäre falscher als anzunehmen, daß die Brief
marke, wenn ihr System, vollkommen unbekannt ge
wesen wäre, nur 25 Jahre gebraucht hätte, um in
allen Ländern der Welt zum obligatorischen Wert
zeichen für postalische Dienstleistungen erhoben zu
werden. Die Briefmarke, wie wir sie kennen, ist zwar
erst um die Mitte des verflossenen Jahrhunderts ent
standen und allgemein bekannt geworden, aber sie
hat ohne Zweifel noch mehr Vorläufer als es uns
möglich war, in den letzten Jahren in aller Welt zu
entdecken.
Ghrovik.
BILDER
(Fresken aus dem 16. Jahrhundert.) Aus Klagenfurt
wird uns berichtet: In der Stiftskirche zu St. Paul im
Lavanttal wurden ausgezeichnete Fresken aus dem frühen
16. Jahrhundert entdeckt. Uelbtr dem unteren Abschnitt der
nördlichen Querschiffwand und über der östlichen Wand der
Nejbenapsis zeigt sich in reicher Architektonik eine Reihe
stehender Heiliger. Die Abdeckung und Sicherung dieser
Fresken, die nach dem Urteil von Sachverständigen zu den
besten gehören, die in deutschen Landen aus dieser Zeit vor
handen sind, wird durch die Landesstelle des Bundesdenkmal
amtes vorgenommen werden. Auch Spuren von romanischen
Malereien und ein wertvoller (Steinbau aus dem 14. Jahr
hundert mit Angabe der dort beigesetzten Stifterfamilie
wurde gefunden.
(Handzeichnungen aus vier Jahrhunderten.) Aus Salz
burg wird uns geschrieben: Der Salzburger Museumsverein
eröffnete am 1, August im ,,Ständesaal" des sogenannten
Neubaues auf dem Mozartpiatz eine Ausstellung von Hand-
zefdhnungein aus vier Jahrhunderten", Es
handelt sich vorwiegend um sehr interessante, (bisher unbe
kannt gewesene Blätter, die Direktor Dr. v. Frisch in
,,Klebebänden" der Salzburger Studienbibliotheik entdeckt und
nun der Wissenschaft izugänglich gemacht hat. Hier über
wiegen, da es sich um alterzbischöflichen Besitz handelt, die
Italiener des 16. und 17. Jahrhunderts. Eine willkommene
Ergänzung bilden dazu die Bestände des Museums Carolino
Augusteum, das schöne Entwürfe aus den Ateliers Fischers
v. Erlach, Lukas v. H i 1 d e b r an d t s, auch vortreffliche
Blätter von Troger, dem Kremser-Schmidt, Rott
mayer bis zu Makart beisteuern konnte. Ein Katalog
verzeichnet 120 Nummern. Die eben erschienene. Nummer der
„Salzburger Museumsjblätter" bringt dazu Erläuterungen von
Direktor Dr. Ernst v. Frisch und Direktor Julius L e i-
sching. Die höchst sehenswerte Veranstaltung bleibt bis
Ende August täglich von 10 bis 4 Uhr zugänglich,
MEDAILLEN
(Ludwig Haas-Plakette.) Der Berliner Bildhauer Jakob
P 1 e ß n e r hat eine Plakette auf den hervorragenden demo
kratischen Parlamentarier Ludwig Haas geschaffen, dessen
Todestag sich am 2. August jährt.
PHILATELIE.
(Freiherr von Stein-Karten.) Zum deutschen Verfassungs
tag ist in Deutschland eine besondere Postkarte zu acht
Pfennig mit dem Bildnis des Freiherrn Karl von Stein aus-
gegeben werden. Die Karte kann unter Nachklaben der nöti
gen Freimarken auch nach dem Ausland benützt werden.
(Postwertzeichenausstellung in Chicago.) Der Wipa 1933
droht eine schwere Konkurrenz. Chicago hat die Absicht,
im Rahmen seiner Weltausstellung 1933 auch eine Post
wertzeichenausstellung zu veranstalten, die natur
gemäß Wien die amerikanischen Sammler a'bziehen würde.
VERSCHIEDENES.
(Die Steppdecke Friedrichs des Großen.) Die Besitzerin
der Heß'sc-hen Bleicherei in Werners-dorf, Frau D re wes,
vfberließ dem Riesengeibirgsmuseum in fiirschberg aus
dem wundervollen Schatz ihrer Erinnerungsstücke aus Hirsch-
bergs Blütezeit eine seidene Steppdecke, die Friedrich
der Große, der oft im Heßsdhen Hause Aufenthalt nahm,
benützt hatte,
(Das Jacobihaus in Düsseldorf.) Das historische Jacobi-
haus im Garten des Düsseldorfer Kunstvereines „Mal
kasten“ ist jetzt restauriert worden. Die Zimmer im ersten
Stock, in denen Goethe während seines zweimaligen Be
suches bei den Brüdern Jacobi weilte, sind in den früheren
Zustand zurückversetzt und mit .Möjbeln der (damaligen Zeit
versehen worden. Verschiedene Bilder und Zeichnungen an
den Wänden, zum Teil wertvoller Eigenbesitz des Malkasten
archivs oder Leihgaben der Nachkommen der Familie Jacobi,
erinnern neben anderen Andenken an den „Musensitz in
Pempelfort, geweihter Musen Lieblingshain“.
(Hans Burgkmair-Ausstellung in Münster.) Zur Erinne
rung an die 400jährige Wiederkehr des Todesjahres des Augs
burger Malers Hans Burgkmair (1473—1534) hat das Lan-
desmuseum in Münster in den dortigen Niederländersälen
das umfangreiche Holzschnittwerk des Meisters und seine be
deutendsten Gemälde in vorzüglichen Reproduktionen ausge
stellt. Burgkmair ist der repräsentative Künstler der Reichs
stadt Augsburg, die sich damals durch die großzügigen Han-
delsunternehmungen der Fugger und Welser zu weltpolitischer
Bedeutung aufgeschwungen hatte und zu einem Hochsitz der
deutschen Frührenaissance geworden war, Die Ausstellung ver
anschaulicht die Entwicklung des Künstlers von der knittrigen
gotischen Formensprache seines Lehrers Martin Schongauer
zu dem klaren und dekorativ glänzenden Stil der Renaissance.
Sie gewährt vorzüglichen Einblick in die vielfältigen Kunst-
plane des Kaisers Maximilian, der den Augsburger
iMeister neben einer Reihe anderer Künstler zu verschiedenen
Unternehmungen hecanzog, die den 'Ruhm seiner Person und
seines Hauses verkünden sollten.
(Anton Kerschbaumer f-) In Berlin- ist der Maler
Anton Kerschbaumer nach lange.: schwerer Krankheit
im 46. Lebensjahre gestorben. Der in Rosenheim am Inn ge
borene Künstler (Studierte in München und später bei Lovis
Corinth, zu dessen .begabtesten Schülern er gehörte. Er hatte
als Landschaftier wiederholt starke Ausstellungserfolge. Zahl
reiche deutsche Museen besitzen Bilder von ihm. Auch als
Lehrer hat er sich erfolgreich betätigt.
(Glückwunschkarten der Biedermeierzeit.) Die S t a a t-
liehe K u n s t b i b 1 i o t h e k in Berlin eröffnete am
3. August eine Ausstellung von Glückwunschkarten
der Biedermeierzeit, die aus dem Besitze eines
Wiener Sammlers in den des Antiquariats Paul Graupe
übergegangen sind.
(Ein Völkerwanderungsfriedhof freigelegt.) Der Direktor
des Szegediner Museums, Franz Mora, hat im Gsanadef
Komitat bei Klarfalva nach längeren Grabungen über der
Schicht einer etwa viertausendjährigen Dorfsiedlung aus der
Bronzezeit einen Vöikterwanderujngsfriedhof frei-
gelegt, in dem fast tausend Jahre hindurch Jazygen, Hunnen,
Awaren, Gepiden, Slaven und andere christliche Völker
schaften ihre Toten begraben haben. Der wichtigste Gräber
fund stammt aus der Hunnenzeit und stellt einen in vollem
Galopp dahinjagenden pfeilschießenden Krieger dar. Der Fund
erinnert an eine Jagdszene auf dem berühmten Goldkrug des
Aüila-Schatzes.
MUSEEN.
(Der Neubau des Weimarer Goethe-Nationalmuseums.)
Die Wirtschaftskrise hat auch den Neubau des Weimarer
Goethe-Nationalmuseums, das im März 1932 eingeweiht wer
den soll, hemmend beeinflußt. Bekanntlich hatte der thürin
gische Landtag dem Land Thüringen die Genehmigung zur
Bürgschaftsleistung für einen von der Thüringer Staatsbank
zu zahlenden Zwischenkredit erteilt. Dieser Zwischenkrediit
soll die aus der Lotterie und anderen Quellen zu erwartenden
Einnahmen vorstrecken, damit der Bau in Angriff genommen
werden konnte. Obwohl jetzt die notwendigen Abbruchs
arbeiten vollendet sind, kann jedoch mit dem Bau noch nicht
begonnen werden, weil die Gelder infolge der Wirtschafts
krise nicht flüssig zu machen sind. Die Vorarbeiten .sind jedoch
insofern nicht ins Stocken geraten, als alles Büromäßige
(Ausschreibungen usw.) pünktlich fertiggestellt worden ist.
Es handelt sich also nur noch um die Verfügungsmöglichkeiten
über den Kredit. Ob ihn die Thüringer Staatsbank, wie vor
gesehen, zur Verfügung stellen wird, steht Im Augenblick
noch dahin. Diese Frage dürfte aber in aller Kürze bei
Wiedereinsetzung des geregelten Zahlungsverkehres ihre-Erledi-
gung finden. Die Lotterie selbst wird nicht vor 1932 aufgelegt
werden können. Gerüchte, nach -denen der Bau überhaupt in
Frage gestellt sei, entbehren jedoch jeder Grundlage.