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Full text : Jahrgang 23 (1931) (19)

Nr.  19

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEIT  ÜNG

Seite  197

den  Darstellungen  aus  Don  Quichotte  erfreuen  sich
deshalb  auch  allgemeiner  Beliebtheit.  Eine  philatelistische
  Sonderheit  muß  noch  erwähnt  werden:  die
Büchermarken.  Zweimal  gewährte  Spanien  —
als  einzigstes  Land  der  Welt  —  bekannten  Schriftstellern ­
  die  Gebührenfreiheit  für  die  Postbeförderung ­
  bestimmter  Werke:  zuerst  1869  an  Diego  Castell ­
  und  dann  1882  an  Antonio  Fernandiez  y
D  u  r  o.  In  beiden  Fällen  handelt  es  sich  allerdings
um  postgeschichtliche  Werke;  Castell  schrieb  ,,Cartilla
  Postal"  und  Fernandez  „Resena  Historica  da
Correos“.
K  r  i  e  g  s  s  t  e  u  e  r  m  a  r  k  e  n  von  1874  bis  1879
lassen  den  Karlistenaufstand,  der  eine  so  große  Rolle
spielte,  nicht  vergessen,  während  dieselben  Zuschlagsmarken ­
  von  1897/98  an  den  unglücklichen
Ausgang  des  spanisch—nordamerikanischen  Krieges
erinnern,  der  den  Amerikanern  Kuba,  Portoriko,  die
Philippinen  und  Guam  einbrachte.  Infolge  des  Besitzwechsels ­
  kamen  die  Marken  der  ehemaligen
spanischen  Kolonien  in  Westindien,  sehr  zum  Leidwesen ­
  der  Sammler,  in  großen  Mengen  ungebraucht ­

  heraus.  Der  verlorene  Krieg  brachte  es
auch  mit  sich,  daß  Spanien  auf  das  deutsche  Angebot ­
  wegen  der  Marianen,  Karolinen  und  Palau-Inseln
  eingehen  mußte  und  in  den  Verkauf  an  Deutschland ­
  willigte.
Alfons  XIII.  hatte  während  seiner  Regierung
auch  viel  mit  inneren  Schwierigkeiten  und  Aufständen ­
  zu  kämpfen,  Philatelistisch  fand  davon  nur  die
katalanische  Bewegung,  die  auch  jetzt  wieder  viel
von  sich  reden  macht,  ihren  Niederschlag,  da  bereits
1926  in  Paris  Briefmarken  mit  dem  violett-gelbroten ­
  Wappen  der  Unabhängigkeitsanhänger  gedruckt ­
  worden  waren.  Die  Marken  kamen  aber
nicht  zur  Ausgabe,  sondern  wurden  bei  Niederwerfung ­
  des  Aufstandes  beschlagnahmt.
Jetzt  sind  neue  Marken  erschienen,  die  den  Aufdruck ­
  „Republica“  tragen.
Nur  einige  Albumseiten  lassen  die  Geschichte
der  letzten  Jahrzehnte  Spaniens  vor  unseren  Augen
erstehen.  Philatelie  lehrt  die  Geschichte  der  Völker
kennen,  Philatelie  ist  Geschichte  ,.,

Das  Sustav-JldolfJahr  1$32  in  Nürnberg.

Im  Jahre  1932  sind  in  vielen  Orten,  durch  die  Gustav
Adolf  in  den  Jahren  1630—1632  gekommen  ist,  Feiern,  Ausstellungen ­
  und  dergleichen  geplant.  Auch  die  Stadt  Nürnberg ­
  beabsichtigt,  das  Gedächtnis  des  großen  Schwedenkönigs ­
  im  Jahre  1932  aus  Anlaß  der  Verteidigung  Nürnbergs
durch  ihn  gegen  Wallenstein  (Schlacht  bei  der  Alten
Veste,,  Ende  August  1632}  zusammen  mit  den  Städten  Fürth
und  Zirndorf  festlich  zu  begehen.
Dabei  sind  folgende  Veranstaltungen  in  Aussicht  genommen: ­
  Gustav-Adolf-Ausstellung  im  Germanischen  National-Museum
  (Ende  Juli  bis  Mitte  September),  die  den  Gesamtzeitraum ­
  des  Dreißigjährigen  Krieges  und  insbesondere  die  Schwedenerinnerungen
  aus  dieser  Zeit  umfassen  soll.
Ende  August  Feiern  im  Nürnberger  Großen  Rathaussaal
und  in  der  Bartholomäuskirche  in  Wöhrd,  in  welcher  in  den
Jahren  1632—1634  eine  große  Anzahl  schwedischer  Offiziere

beigesetzt  wurde.  Gelegentlich  dieser  Feier  wird  voraussichtlich ­
  auch  eine  vom  schwedischen  Generalstab  gestiftete  Gedenktafel ­
  enthüllt  werden.  Weitere  Feiern  sollen  dann  noch
in  Fürth  und  später  auf  der  Alten  Veste  durchgeführt  werden,
Während  des  Spieljahres  1931/32  wird  das  Nürnberger
Stadttheater  Schillers  »Wallenstein«,  und  zwar  besonders
»Wallensteins  Lager«  aufführen.  Die  Aufführungen  werden
auch  in  Fürth  und  schließlich  im,  Freien  auf  der  Alten  Veste
stattfinden.  Außerdem  wird  vom  Nürnberger  Stadttheater  noch
das  Gustav-Adolf-Festspiel  von  Otto  Devrient  aufgeführt
werden.  Der  Verein  für  klassischen  Chorgesang  wird  das  Oratorium ­
  »Gustav  Adolf«  von  Bruch  in  Nürnberg  und  gegebenenfalls ­
  auch  in  Fürth  zur  Aufführung  bringen.
Im  Winterhalbjahr  1931/32  werden  außerdem  geschichtliche ­
  Vorträge  einschlägiger  Art,  zum  Teil  im  Rahmen  der
städtischen  Volkshochschule  Nürnberg,  abgehalten  werden.

Chronik.

AUTOGRAPHEN.
(4466  Briefe  an  Zola  als  Geschenk.)  Aus  dem  Nachlaß  der
Frau  Emile  Zola«  sind  jetzt  nach  den  Bestimmungen  ihres
Testamentes  4466  Briefe  an  die  Pariser  National-Bibliothek
überwiesen  worden;  es  sind  die  an  Zola  gerichteten  Schreiben,
ciie  von  berühmten  Persönlichkeiten  herrühren  oder  sonstige
Bedeutung  besitzen.  Viele  Schreiben  stammen  aus  der  Zeit  der
Dreyfus-Affäre  und  haben  großen  geschichtlichen  Wert.
BIBLIOPHILIE.
(Die  Lenin-Bibliothek  in  Moskau.)  Man  meldet  uns  aus
Moskau:  Die  neue  Lenin-Bibliothek  ist  zur  Aufnahme  von
acht  Millionen  Büchern  bestimmt.  Das  nach  den  Plänen
des  Architekten  Stschuko  ausgeführte  Gebäude  wird  7000
Lesern  gleichzeitig  Platz  gewähren.  Das  Gebäude  wird  sieben
Lesesäle,  24  Kabinette  für  wissenschaftliche  Studien,  eine  ständige ­
  Ausstellung  von  Neuerscheinungen  der  Literatur,  ein  Institut ­
  für  Bibliothekswissenschaften,  eine  Hochschule  für  Bibliothekare, ­
  eine  Buchdruckerei  und  eine  Buchbinderei  umfassen, ­

(Vergessene  Bücherschätze  jenseits  des  Polarkreises.)  Ganz
zufällig  hat,  wie  der  Londoner  „Daily  Telegraph”  berichtet,  ein
höherer  Beamter  der  Hudson  Bay  Company,  der  unlängst  eine
Anzahl  der  von  der  Gesellschaft  eingerichteten  Stationen  für
Pelzjäger  und  Pelzautfkäufer  jenseits  des  Polarkreises  besuchte,
die  Entdeckung  gemacht,  daß  sich  in  diesen  weltverlorenen
Siedlungen  Bücherschätze  von  überaus  hohem  Werte  angesammelt ­
  halben.  Seit  zwei  Jahrhunderten  war  es  bei  dieser
Gesellschaft  üblich,  ihren  Agenten,  um  ihnen  die  Langeweile
der  langen  Winterabende  zu  zerstreuen,  mit  jeder  Sendung,
welche  nach  den  Stationen  abging,  eine  Anzahl  von  Büchern
mitzusenden.  Bei  den  Niederlassungen  aber,  die  auf  dem
Wasserwege  erreicht  werden  konnten,  waren  die  Kapitäne  der
Schiffe  angewiesen,  einen  Teil  ihrer  Bofdbibliobheken  an  die

Stationen  ahzugeben.  Auf  diese  Weise  sammelte  sich  in  diesen
Siedlungen  eine  (beträchtliche  Menge  von  Büchern  an,  die,  je
nach  der  Ordnungsliebe  der  Stationsleiter  .mehr  oder  weniger
gut  gehalten  wurden.  Viele  Bücher  gingen  natürlich  verloren,
immerhin  blieben  a|oer  so  zahlreiche  gut  erhaltene  Bände
zurück,  daß  sich  die  Hudson  Bay  Company  entschloß,  einen
Antiquar  zur  Untersuchung  dieser  Sache  zu  entsenden.  Dieser
berichtete,  daß  sich  tatsächlich  in  diesen  Stationen  Bücher
befinden,  die  heute  mit  Gold  aufgewogen  werden.  Es  handelt
siclh  dabei  zum  Beispiel  um  alte  geographische  Werke,  aber
auch  um  Ausgaben  (bekannter  englischer  Schriftsteller  (aus
dem  Anfang  des  18.  Jahrhunderts.  Auf  diesen  Bericht  hin
haben  die  Antiquariate  in  Toronto  der  (Hudson  Bay  Company ­
  den  Vorschlag  gemacht,  ihnen  ein  Monopol  für  den  Ankauf
dieser  wertvollen  Büchereien  einzuräumen.  Sie  wollen  dann
eir.e  Expedition  aussenden,  welche  die  einzelnen  Stationen
•besuchen,  ihre  Bücherei  prüfen  und  dann  die  wertvollen
Werke  aussondern  soll.  An  Stelle  der  alten  Bücher  sollen
•dann  den  Stationen  neue,  moderne  Werke  geliefert  werden,
auf  die  der  Ankaufspreis  der  alten  angerechnet  werden  soll.
Die  seltenen  und  wertvollen  Bücher  sollen  dann  dem  Sammlermarkte
  zugeführt  werden.

BILDER
(Ein  Raffael  aus  polnischem  Besitze  an  Mellon  verkauft.)
Der  amerikanische  Schatzsekretär  Mellon,  von  dessen  großartigen ­
  Bilderkäufen  die  »Internationale  Sammlerzeitung«  berichtete, ­
  hat,  wie  man  jetzt  erfährt,  vor  seiner  Abreise  aus
Europa  auch  einen  der  schönsten  Raffael  erworben.  Es  ist
dies  dasi  Porträt  des  Francesco  Maria  della  Rovere,  Herzogs
von  Urbino,  aus  dem  fürstlich  Czartoryskischen  Museum ­
  in  Krakau.  Dieses  Museum,  Eigentum  des  Fürsten
Adam  L.  Czartoryski,  wurde  im  Jahre  1800  in  Pulawy
gegründet.  Es  befand  sich  seit  1831  teils  in  Paris,  teils  in
Sieniawa  in  Galizien  und  wurde  dann  nach  Krakau  übertragen,
wo  es  seit  1876  dem  öffentlichen  Besuche  zugänglich  ist.
            
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