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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Nr. 22
Chronik.
BIBLIOPHILIE.
(Versteigerung in Hamburg.) Das Antiquariat F, Dör-1
i n g in Hamburg versteigert am 26. und 27. November
eine etwa 6000 Bände umfassende Bibliothek, die wertvolle
und vor allen Dingen schön gebundene alte Werke aus allen
Zeiten enthält: Geschichte, Kulturgeschichte (darunter eine
große Abteilung Bohemica), Literatur, Geographie, Reisewerke,
Wissenschaften, Bibliophilie, schöne alte Einbände und illustrierte
Bücher aus allen Zeiten. Besonderes Interesse verdient
die Gruppe Bibliographie und Buchwesen, die die Handbibliothek
eines Buch- und Kunstantiquars umfaßt. Der Katalog
wird auf Wunsch umsonst zugesandt.
BILDER
(Grünewalds Marienbild.) Das Marienbild des Matthias
Grünewald, ist, nachdem es Professor von Tettenborn,
der Restaurator der staatlichen Kunstsammlungen in
Stuttgart, wiederhergestellt hat, von der Pfarrgemeinde in
Stuppach bei Mergentheim, seiner Besitzerin, nicht mehr
in der alten Kirche des Ortes anfgestellt worden. Die Gemeinde
hat vielmehr im Anschluß an die iSüdostseite der Kirche
eine eigene Kapelle für das Werk Grünewalds erbauen
lassen. Sie ist von dem Stuttgarter Architekten Regierungsbaumeister
Schlösser entworfen: ein einfacher Bau mit
einem abgerundeten Achteck als Grundriß, dem Baukörper
der alten Kirche angepaßt. Der einzige Schmuck de® Aeußeren
ist ein hohes Steinkreuz, das weithin in das Stuppacher
Tal hinein den Wanderer begrüßt. Der gewölbte Innenraum
wird von dem aus geschliffenem Kalkstein errichteten Altar
mit dem Bilde Grünewalds beherrscht.
(Großer Bilderdiebstahl.) Aus Berlin wird uns gemeldet:
Aus der leerstehenden Wohnung eines bekannten Großindustriellen
in der Keith-straße 10 haben unbekannte Täter
eine Reihe überaus wertvoller Gemälde gestohlen. Unter den
gestohlenen Objekten, die zum Großteil Weltruf besitzen, befinden
sich eine von Tizian stammende Venus, ein Heiligenbild
Palma V e c c h i o s, ein Nikolaus Maas, ein Antonio
Palamedes und andere überaus wertvolle Gemälde, Die
von der Polizei sofort eingeleiteten umfangreichen Recherchen
haben bisher zü keinem Ergebnis geführt. Der Wert der gestohlenen
Bilder geht in die Millionen,
NUMISMATIK
(Ein Goethe-Taler.) Wie uns aus Berlin gemeldet wird,
bereitet die staatliche Münze anläßlich des 100-jährigen Todestages
Goethes einen Goethe-Taler vor, der das Bildnis
des Dichterfürsten tragen wird.
VERSCHIEDENES.
(Tod bekannter Sammler.) In Wien ist Erwein Graf
Nostitz-Rieneck einem Schlaganfall im 69. Lebensjahr
erlegen. Er war der Chef der bekannten Adelsfamilie, die namentlich
in der Tschechoslowakei reich begütert ist. Der Verstorbene
hat die 1660 angelegte Nostitz-Galerie in Prag,
die unter anderen einen großen Rembrandt, das Porträt Spinozas,
sowie Gemälde der beiden Cranachs enthält, durch
zahlreiche Neuerwerbungen bereichert. Die Galerie ist wohl
an seinen ältesten Sohn, den Grafen Friedrich, übergegangen,
der mit der Herzogin Sophie Hohenberg, einer 'Löchtes
des ermordeten Erzherzogs Franz Ferdinand, verheiratet
ist.
(George Grosz freigesprochen.) Aus Leipzig wird uns
berichtet: Nach dreieinhalb Jahren ist nun endlich der Gotteslästerungsprozeß
gegen den Maler George Grosz und den
Direktor des Malik-Verlages Wieland Herzfelde durch
Urteil des Reichsgerichtes mit einem Freispruch beendet
worden. Dagegen hat das Reichsgericht entschieden, daß das
Christusbild des Malers, dessenwegen die Anklage gegen ihn
erhoben wurde, — der Erlöser trägt auf dem Bilde „Christus
am Kreuz“ eine .Gasmaske — eingezogen und unbrauchbar gemacht
werde.
(Die Kunstschätze des S ahlmagnaten Frick.) Durch den
Tod von Mrs. Adelaide Frick in New York geht gemäß dem
Testament des Stahlmagnaten H. C. Frick, ihr Palais in der
Fifth Avenue mit sämtlichen Kunstschätzen in den Besitz der
Stadt New York über. Ein Teil der großartigen Bilder
Fricks ist bereits seit langem aus den Sammlungen des Metropolitan-Museums
bekannt. Frick hat übrigens einen Museumfonds
für weitere Ankäufe von Kunstwerken alter Meister
in Höhe von fünfzehn Millionen Dollar gestiftet. Man erinnert
sich, daß der große Kunstsammler im Jahre 1915 die berühmten
Fragonard-Panneaux aus der Sammlung Morgan lür
1,250.000 Dollar erworben hat. Sie schmücken jetzt einen der
Louis-XV.-Salons in seinem Palais in der Fifth Avenue. Ferner
gingen 40 überaus kostbare Limoges-Emaillearbeiten des
13. bis 16, Jahrhunderts aus der Morgan-Kollektion in seinen
Besitz über. Unter .seinen Bildern befindet sich neben B e 1 -
linis »Hl. Franziskus« (250.000 Dollar), neben Velasquez'
»Philipp IV«., für den Mr. Frick seinerzeit 400.000 Dollar ausgab,
»Der Brief« des V e r m e e r, der eine der Zierden der
Berliner Sammlung James Simon war.
(Ehrung des Oberbürgermeisters Dr, Luppe durch die
Nürnberger Künstlerschaft,) Aus N ü r n :b e ir g wird uns berichtet:
Am 14. Oktober begäben sich die Mitglieder des Ständigen
Vertceterausschusses der Nürnberger Künstlerveremig-ungen:
Kunstmaler Albert Maurer (Nürnberger Künstlergenossen-sc-ha'ft),
Professor Max Körner (Nürnberger Sezession),
Bildhauer Max Brückner ,('Künstlergruppe „Die Hütte"),
Professor Carl Schmidt-Helmbrechts (Reichsverband
bild. Künstler) und Architekt Fritz Mayer (Bund Deutscher
Architekten) zusammen mit Professor Philipp Kittier, Professor
Dr. Fritz Traugott Schulz, dem Direktor der städtischen
Kunstsammlungen, Architekt Gustav Krieg und Bildhauer
Johannes Müller in die Wohnung von Oberbürgermeister
Dr. Luppe, um ihm anläßlich seiner Genesung die
Glückwünsche der Nürnberger Künstlersdhaft zu iiherbringen.
Architekt Krieg schilderte in einer Ansprache, wie sehr die
Nürnberger Künstlerschaft während der schweren Erkrankung
um Oberbürgermeister Dr. Luppe gebangt habe und wie sehr
sie nunmehr erfreut sei, daß er vollkommen wiederhergestellt
sei. Jederzeit sei Dr. Luppe ein tatkräftiger Förderer — man
könnte sogar sagen — ein väterlicher Protektor der ortsansässigen
Künstler gewesen und hätte die lebende Kunst -mit allen
zur Verfügung stehenden Mitteln gepflegt und gehegt. Um
diesen engen Beziehungen sichtbaren Ausdruck zu verleiben,
Ibat er ihn, seine von der Künstlerhand des Bildhauers Johannes
M ü 11 e r geschaffene Büste als ein -Symbol der Verehrung
und -des schuldigen Dankes entgegenzunehmen. Oberbürgermeister
Dr. Luppe dankte sichtlich bewegt über die ihim
Zuteil gewordene Ehrung. Er betonte, daß es ihm stets ein
wirkliches Herzensbedürfnis gewesen sei, zur Pflege der
Nürnberger Kunst und des Nürnberger Kunstlebens zu tun, was
I nur möglich gewesen wäre, und er versprach, daß er bemüht
sein würde, in der jetzigen schweren Zeit auf kulturellem Gebiet
zu retten, was nur gerettet werden könne. Er würde es
sich angelegen sein lassen, hierbei in erster Linie die bildenden
Künstler zu berücksichtigen. Professor -Carl Schmidt-Helmbrechts
überreichte der Fcau Oberbürgermeister
namens der Nürnberger K-iinstlerscihaft einen prächtigen Blumenstrauß
und -dankte ihr für -die aufopfernde Pflege, die -so
viel zur baldigen Gesundung ihres Gatten (beigetraigen habe.
Die schlichte Feier war ein neuer Beweis 'für -die -große Verehrung
-der K-ünstlerscbaft ihrem Oberbürgermeister gegenüber.
MUSEEN.
(Neuerwerbungen der Berliner Museen.) Das Kupferstich-Kabinett
der Staatlichen Museen in Berlin stellt in de:
kleinen Reihe seiner Neuerwerbungen (im Vorraum der graphischen
Sammlungen) eine Zeichnung Rem-brandts aus,
die vor kurzem erworben werden konnte. Das meisterliche
Blatt, in den 1640er Jahren entstanden, stellt die Grablegung
Christi dar, in einer -Komposition, die von dem berühmten,
1639 gemalten Bilde der Münchner Pinakothek — au-s der für
den Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien gemalten Pas-sions-Folge
— ihren Ausgang genommen hat. Doch ist die für Berlin
erworbene, bisher in deutschem Privatbesitz befindliche Komposition
in dieser Fassung sonst nicht überliefert.
Daneben fesselt unter den Neuerwerbungen eine von
Geheimrat Max J. Friedländer geschenkte Figur Goyas,
ein Zeichnungs-Entwurf vermutlich aus der Serie -der ungedr.uckten
„Caprichos : die in schwarzer Kreide gezeichnete
männliche Gestalt gehört in den phantastischen Bereich jener
satirischen Folge, in -der Goya zwischen 1794 und 1803 sein
revolutionäres Temperament niederlegte. Von Gabriel de
Saint-Aubin (1724—1780), dem hervorragenden Pariser
Zeichner, erwarb die Berliner Sammlung zwei ausgezeichnete
Studien: die eine, die Vorstudie zu einer Radierung aus der
Geschichte von Laban und Rahel; die zweite, noch bedeutender
mit allem Raffinement dieses -genialen Technikers gezeichnet
und zweimal, 1767 und 1779 datiert, ein Bacchantenzug
von sprühender Beweglichkeit, offenbar kurz vor seinem Tode
von Saint-Aubin noch überarbeitet.