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Full text : Jahrgang 23 (1931) (5)

Internationale
$dmmler-Zei'funn
Zentralblatt  für  Sammler,  Liebhaber  und  Kunstfreunde
Herausgeber:  Norbert  Ehrlich
23.  Jahrgang  Wien,  1.  März  1931  Nr.  5
Die  historische  ^Auktion  auf  Schloss  Slienicke.

Aus  Berlin  wird  uns  geschrieben:
Früher  als  man  erwartet  hatte,  hat  die  historische ­
  Auktion  auf  Schloß  Klein-Glienicke  bei  Potsdam ­
  stattgefunden.  Nicht  gehörig  vorbereitet,  hatte
sie  einen  geringen  Erfolg,  der  noch  kleiner  gewesen
wäre,  wenn  die  Spekulation  auf  die  in  weiten  Kreisen ­
  hoch  bestehende  Anhänglichkeit  an  die  Hohenzollern
  fehlgeschlagen  hätte.  Aber  so  brachten  Gegenstände, ­
  die  in  irgend  einer  Beziehung  zu  Mitgliedern ­
  des  ehemaligen  königlichen  Hauses  standen,
höhere  Preise,  als  ihrem  eigentlichen  Wert  entsprochen ­
  hätte.  So  hat  z.  B,  ein  großer  wertvoller  Spiegel ­
  nur  180  Mark  erzielt,  während  ein  kleinerer  von
der  gleichen  Art,  der  aber  mit  dem  preußischen
Adler  geschmückt  war,  auf  300  Mark  hinaufgetrieben
  wurde.
Der  erste  Tag  war  nur  mäßig  besucht  und  die
Gemälde  und  Farbstiche,  die  ausgeboten  wurden,
begegneten  schwachem  Interesse.  Einen  der  bedeutendsten ­
  Preise,  500  Mark,  erreichte  das  römische
Mädchen  in  Landschaft  von  Zuberbuehler,  ein  Porträt ­
  Friedrichs  II.  von  einem  unbekannten  Maler
wurde  mit  360  Mark  bezahlt,  die  bunten  Bilder
preußischer  Könige  und  Soldaten  bewegten  sich
zwischen  10  und  80  Mark.  Im  ganzen  hatte  der  Tag
33.000  Mark  gebracht,  aber  die  Berichte  in  den  Zeitungen ­
  über  die  Auktion  hatten  den  Erfolg,  daß  am
zweiten  Tag  Massen  nach  dem  Schloß  des  Prinzen
Friedrich  Leopold  von  Preußen  hinausströmten.
  Im  Schlosse  drängten  sich  die  Neugierigen, ­
  um  die  dort  aufgestellten  Antiquitäten  zu  bestaunen. ­
  Schupos  und  Landjäger  waren  zur  Aufrechterhaltung ­
  der  Ordnung  herangezogen.  In  den
Auktionsräumen  selbst  herrschte  ebenfalls  dichtes
Gedränge.  Die  Diener,  die  die  einzelnen  Gegenstände ­
  dem  Publikum  zeigten,  konnten  sich  kaum
Platz  schaffen.  Nur  mit  erheblichem  Stimmaufwand
konnte  sich  der  Auktionator  Leonor  Joseph  durchsetzen. ­
  Im  Publikum  sah  man  viele  Angehörige  der
ehemaligen  Hofgesellschaft,  die  mit  großem  Interesse ­
  den  Vorgängen  der  Auktion  folgten.  Als  Vertreter ­
  des  Prinzen  Friedrich  Leopold  war  Baron
Cerrin  anwesend;  für  das  Haus  Doorn  nahm  der
Kunstsachverständige  Moser  an  der  Auktion  teil.
Die  Kauflust  des  Publikums  war  bedeutend
größer  als  am  Vortage.  Das  zeigte  sich  besonders
bei  den  Möbeln  mit  Renaissance-  und  Schinkel-Motiven,
  die  durchwegs  gute  Preise  erzielten.  Dabei ­
  kaufte  das  Berliner  Antiquariat  Alt  mann  für

das  Auswärtige  Amt  preiswert  die  sehr  schönen
Schinkel-Möbel.  Auch  das  Berliner  Schloßmuseum
nützte  die  günstige  Gelegenheit,  sich  einwandfreie
Möbel  aus  der  Schinkel-Zeit  zu  sichern.
Von  den  Möbelpreisen,  die  nicht  imposant  sind,
nennen  wir:  Salonschrank,  Ebenholz  mit  Fruchtzweigen ­
  aus  Halbedelsteinen  215  Mk,,  Boulleschrank
mit  Bronzehermen  155  Mk.,  zwei  sehr  reich  geschnitzte ­
  italienische  Prunksessel  mit  Löwenkartusche, ­
  die  von  Putten  gehalten  wird,  als  Bekrönung
755  Mk.,  Palisandertisch  mit  Intarsien  260  Mk.,  Eckvitrine, ­
  klassizistisch  400  Mk.,  und  vier  Stühle,  klassizistisch, ­
  vergoldet  725  Mk.
Das  Hauptinteresse  konzentrierte  sich  auf  die
Gegenstände  aus  dem  Besitze  Friedrichs  des
Großen.  Seine  silberne  Taschenuhr,  auf
deren  Gehäuse  die  Namen  der  späteren  Besitzer
eingraviert  sind,  erreichte  5000  Mk.  Wie  es  heißt,
wurde  sie  im  Aufträge  des  Exkaisers  von  Moser
erstanden.  Dann  kam  der  Haupttrumpf:  Die  berühmte ­
  Flöte  Friedrichs,  die  aus  den  zahlreichen ­
  Bildern  Menzels  bekannt  ist.  Da  gingen  die
sonderbarsten  Gerüchte.  Man  erzählte  sich,  daß  ein
Amerikaner  auf  10.000  Mark  und  mehr  gehen  wolle,
aber  die  erwartete  Sensation  blieb  aus.
Gegen  boö  Uhr  nachm,  verkündete  der  Leiter
der  Versteigerung  im  Aufträge  des  Sohnes  des  Prinzen ­
  Friedrich  Leopold,  daß  die  Interessenten  für  dip
Flöte  sich  in  eine  aufliegende  Liste  eintragen  sollen.
Es  zeichneten  sich  daraufhin  neun  Personen  ein,
darunter  auch  tatsächlich  ein  Amerikaner.  Darauf
trat  eine  Pause  ein.
Nach  längerer  Beratung,  die  hinter  den  Kulissen ­
  sich  vollzog,  wurde  schließlich  mitgeteilt,  daß
die  Flöte  aus  der  Auktion  zurückgezogen
worden  sei  und  im  Besitze  des  Prinzen  Friedrich
Leopold  (Vater)  bleibe.  Darob  großer  Jubel  bei
einem  Teil  des  Publikums;  aber  es  verlautete  später, ­
  daß  die  Flöte  doch  verkauft  werden  soll  und
daß  bereits  Verkaufsverhandlungen  mit  einem  Amerikaner ­
  eingeleitet  wurden.
Der  dritte  Tag  brachte  das  Kunstgewerbe  des
Schlosses,  das  angemessen  bezahlt  wurde.  So  wurden ­
  für  ein  156  teiliges  chinesisches  Speiseservice
900  Mark  erlegt.  Für  einen  Bronzefaun  der  Prinzessin ­
  Margot  wurden  400  Mark  und  für  eine  englische ­
  Fayencegruppe,  ein  Geschenk  des  ehemaligen ­
  Kaisers  an  den  Prinzen  Karl,  50  Mark  gegeben,
            
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