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Hausindustrielle Gegenstände.
Schule zumeist componirte croatische Lieder singen lernt, entledigt sich derselben, sobald sie
der Schule entwachsen ist. Als Jünglinge und Jungfrauen cultiviren sie nur ihre eigenen
Volkslieder, oder solche, von denen sie bestimmt wissen, daß sie von keinem Laprckas, das
ist von keiner Persönlichkeit stammen, die einen Herrenrock trägt. Aber gerade, weil das
kroatische Volk nur zum Bauernrock Vertrauen hat, fördert es nur zu oft, und zwar
unabsichtlich, fremde Überlieferung. Arbeiter oder ausgediente Soldaten, die außerhalb
der Heimat Melodien erlernt und croatischen Texten angepaßt haben, bürgern beim
croatischen Volk das ein, was dieses grundsätzlich verhüten will. Die Serben sind con-
servativer und halten an den alten Musiktraditionen fester. Hie und da verirrt sich auch
ein serbisches Kirchenlied ins Volk und wird als Volkslied gesungen.
Die jetzigen Tauburaschen-Gesellschaften in den Städten Croatiens und Slavoniens,
die gleich den ungarischen Zigeunern in Wirthshäusern musiciren, außerdem aber auch Lieder
singen, sind keinesfalls Nachkommen der Panduren, sondern Leute, die ein ehrliches Klein
gewerbe betreiben und um Geld Musik machen, ohne Musiknoten zu kennen. Seit etwa
fünfzehn Jahren wird die Tanbura auch von jungen intelligenten Leuten cultivirt, und es
bestehen bereits bei fünfzig Tanburaschen-Vereine im Lande. Auch gibt es bereits mehrere
Taubura-Fabriken, welche elegante und vorzügliche Instrumente liefern, während früher
die Tanburas vom Volke selbst gebaut wurden. Als Tanbura-Componisten haben sich am
meisten verdient gemacht Milutin von Farkas, Vilim Gustav Broz und Alfons von Gutschy.
Tanburaschen-Gesellschaften concertiren in Österreich, Ungarn, Deutschland, Frankreich,
England und Rußland, und Tanburaschen-Vereine bestehen auch in Egypten, Süd- und
Nordamerika, ja selbst in Australien sind welche von croatischen Ansiedlern gegründet worden.