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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Nr. 19
«71fax Slevogt.
Auf seinem Landgut Neu Castell bei Landau
ist am 20. September Max Slevogt gestorben.
Ein Herzleiden, das ihn schon seit Jahren quälte,
hat seinem Dasein ein frühzeitiges Ende gemacht.
Max Slevogt ist am 8. Oktober 1868 in Landshut
geboren. Seine erste künstlerische Ausbildung empfing
der Offizierssohn in München durch Wilhelm
Diez; daran schlossen sich längere Studienaufenthalte
in Italien, Frankreich und Dänemark. 1901 nach
München zurückgekehrt, wurde er zum Professor an
der Akademie ernannt; in demselben Jahr noch
wurde er auf Veranlassung Liebermanns nach Berlin
berufen. Der Aufenthalt in der deutschen Metropole
bildete den wichtigsten Einschnitt in seinem Leben,
Denn die schärfere Berliner Luft, der Wettkampf mit
den beiden anderen wesensungleichen, aber mit ihm
durch gemeinsame Ziele verbundenen Führern der
Sezession, Liebermann und Corinth, zwangen ihn,
sein Künstlertum zur vollsten Eigenart zu entwickeln.
Slevogt ist oft den Impressionisten zugezählt worden
und viele seiner Gemälde reihen sich in der
Behandlung von Luft und Licht, in dem eine Augenblicksstimmung
festhaltenden, sonnefunkelnden und
höchst geistreichen skizzenhaften Vortrag den besten
Werken des deutschen Impressionismus an. Aber die
starke dichterische Phantasie Slevogts, die mit seiner
großen Liebe zur Musik verwandt war, seine immer
rege Fabulierlust verhinderten ihn, im Impressionismus
aufzugehen.
Das Gemälde, das ihm den ersten großen Erfolg
eintrug, war das Triptychon: Der verlorene Sohn,
ein Werk von scharfer, stellenweise fast das Zerrbild
streifender Charakteristik und kraftvoller Farbe.
Allgemein bekannt wurde Slevogt dann durch zwei
Bildnisse des portugiesischen Sängers d'Andrade als
Don Jüan, in Bewegung und Raumverteilung meisterhaft
berechnete, in der Wiedergabe des geheimnisvoll
flimmernden Rampenlichts wunderbar leichte
und elegante Darstellungen des in Tod und Hölle
sein Champagnerlied schmetternden Kavaliers, Andere
Bildnisse reihten sich an, darunter das wohl
etwas überschätzte große Porträt der Tänzerin di
Rigardo und das in der Einheit von Landschaft und
Mensch die Errungenschaften des Impressionismus
ungemein glücklich verwertende Selbstbildnis als
Jäger. Sein räumlich größtes, auch wie der Don Juan
aus musikalischen Erlebnissen geschöpftes Gemälde:
Der Hörselherg, ein Gewühl nackter Gestalten in
rötlichem Schein, hat wundervolle Einzelheiten in
der Malerei des Fleisches, zerfällt aber etwas in der
Komposition. Von seinen z ahlreichen Landschaften
seien nur die ägyptischen Skizzen genannt, wohl unerreicht
in der Darstellung grellsten Sonnenlichts,
als Beispiele seiner koloristischen Meisterschaft die
Bilder aus dem Nymphenburger Hofleben; ein unvergeßliches
Fest für das Auge sind die lichtblauen
Mäntel der Georgiritter.
In der Graphik wird Slevogt mit Recht als einer
der größten deutschen Meister geschätzt. Seine
sprudelnde Erfindungsgabe erging sich besonders in
flüchtig hingeworfenen, man möchte fast sagen: hingespielten
Biicherillüstrationen und Randzeichnungen;
jede Erdenschv/ere fehlt diesen sprühend lebendigen,
aber bei aller Leichtigkeit doch vortrefflich
charakterisierenden Erzeugnissen einer verschwenderischen
Scböpferlaune. Man kann die Prophezeiung
wagen, daß der Name Max Slevogt noch glänzen
wird, wenn viele Maler, denen die Gegenwart überreiche
Kränze widmet, längst vergessen sein werden.
Der Nachlass Jvar JCreugers.
Aus Stockholm, wird uns geschrieben:
Die dreitägige Versteigerung der Sammlungen
Ivar Kreuge r s in der Schwedisch-Französischen
Kunstgalerie erbrachte die verhältnismäßig geringe
Summe von 6 3 6.0 00 Kronen. Den höchsten
Preis, 20.000 Kronen, erzielte Cour bets „Selbstporträ.t
mit Violoncello", Von .schwedischen Werken
brachten Bruno L i 1 j e f o r s‘ „Fuchs und Stöberhund
5790 K, Nils Kreuzers „Dompfaffen im
Schnee" 600 K, August Strindbergs „Roter Pilz
am Meer" 350 K, Ernst Josephsons „Familie
Moreaude" 6300 K. Wie alle vorhergehenden, wurden
auch die Bilder Anders Zorns weit unter dem
angesetzten Preis verkauft, „Die Frau im roten
Rock" erreichte 18.600 K, „Watestelle" 11.100 K,
„Am Badestrand" 6000 K. Für die Panne aus der
Sammlung Faure, Paris, wurden 1000 bis 2500 K bezahlt.
Die Zornschen Bilder blieben zum größten
Teil in Schweden, auch die Aquarelle, wie „Le
Tub" 11.150 K, „Knabenporträt" 6800 K, „Spanierin"
6050 K. Die Zornschen Radierungen erreichten
200 bis 700 K. „Die Cousinen“ gingen jedoch für
2610 K nach A.merika.
Für Capelles „Winterszene mit Schlittschuhläufern"
wurden von einem holländischen Käufer
4050 K bezahlt, für C o r o t s „VespasianstempeT'
1530 K. Die Schwedisch-Französische Kunstgalerie
kaufte u. a. Munchs „Hafenbild" für 6950 K,
Michels „Gewitterlandschaft" für 1450 K, Rambouts
„D'orfkirche" für 500 K, Teniers „Kneipeninterieur"
für 3150 K, van de Veldes d. J.
„Hafen mit Booten“ für 4100 K, de Gelder«
„Alter Rabbiner" erzielte 7600 K, Maes' „Lesende
Frau" 3600 K, M i ei r e v e 1 d t s „Ratshermpolrträt"
4500 K, Jacob van O o s t s „Donator" und
„Donatrix” 2525 u. 1500 und Raeburns „Männerporträt"
11.700 K. Diese der Sammlung Fiersheim
in Paris entstammenden Bilder wurden von der Frau
des amerikanischen Gesandten, Mrs. Morehead,
gekauft. Hobbemas „Landschaft" ging für 10.350
Kronen nach Holland, ebenfalls van der Neers
„Winterlandschaft" für 1000 K. S. van Ru y s da e 1 s
„Landschaft" wurde für 7950 K nach Amerika verkauft.
Tintorettos „Päpstlicher Gesandter"
blieb für 10.000 K in Schweden. Jan van Goyeös
„Aussicht über Hafen in Nimwegen" wurde von M.
Dcuwes, Amsterdam, für 6550 K gekauft. Heydens
„Schloß und Wallgraben" gingen für 2775 K
nach Holland.
Von den Skulpturen erzielte Rodins berühmter
„Schreitender Mann" 5000 K, eine Bronzestatuette
von Zorn „Junges Mädchen" 1010 K, Hasselbergs
„Frosch" aus Marmor 4900 K, eine
Silberstatuette „Athlet" von Bruno L i 1 j e f o r s
1210 K. Der Brüssel-Gobelin „Venus ruft Neptun
an, ihren Schützling Telemache zu retten", erzielte
12.300 K, Ivar Kreugers Schreibtisch von Hörlin,
Stockholm, 2085 K.
Erwähnt seien noch einige Merkwürdigkeiten.
Ein Service, das Marie Antoinette ihrem