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Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde
Herausgeber: Norbert Ehrlich
24. Jahrgang Wien, 15. Oktober 1932 Nr. 20
Die JCerbstauktionen bei J2oerner.
Nun liegen die Kataloge der Herbstauktionen
vor, die C. G. Boerner in Leipzig vom 8. bis
11. November veranstaltet und man kann das reichhaltige,
zum größten Teil sehr wertvolle Material
übersehen, das da zur Versteigerung gelangt.
Die erste Auktion, der die beiden ersten Tage
(8. und 9. November) Vorbehalten sind, setzt sich,
wie wir schon mitgeteilt
haben, in der Hauptsache
aus Beständen des fürstlich
Fürstenbergischen
Kupferstichkabinetts
in Donaueschingen
und der Sammlung
des Königs Friedrich
August II. von
Sachsen in Dresden zusammen,
denen einige
kleine Beiträge aus Privatbesitz
und wenige, in
der Frühjahrsauktion unverkauft
gebliebene Nummern
der Sammlung
Y o r c k von W artenb
u r g und aus den Dubletten-
der Wiener
Albertina beigefügt
wurden.
Das Fürstenbergische
Kupferstichkabinett lieferte
den größten Teil
des schönen Dürer-Werkes
(darunter Adam und
Eva in einem Frühdruck
seltener Qualität, die
große Fortuna auf Papier
mit der Hohen Krone, mit
zentimeterbreitem Rand,
die Holzschnitte B 55, 103 und vor allem der prächtige
Frühdruck des Männerbades), der Kleinmeisterund
der Rembrandt-Serie, ferner die schöne Callot-Sammlung,
die Partie brillanter Abdrücke der
Porträts von Morin und die Folge der Radierungen
Zeemanns und eine Reihe kolorierter Ansichten
und Pläne (darunter von Amsterdam, Budapest,
Dresden, Gotha, Innsbruck, Prag, den Rheinlandschaften,
Schweiz, Wien, Amerika etc.).
Die Fülle seltener Blätter auf allen Gebieten
stammt aus der Sammlung des Königs Friedrich
August II. von Sachsen, aus der, wie sich unsere
Leser erinnern werden, Boerner bereits mehrfach
überaus wertvolle Partien versteigert hat. Zu diesem
bedeutenden Kabinett gehörte auch der kostbare
Teil der diesmaligen Versteigerung, die italienischen
Stiche des 15. Jahrhunderts, die
sonst . im Handel kaum
vorzukommen pflegen.
Die zweite Boerner-Auktion
(10. und 11. November)
umfaßt den ersten
Teil der Sammlung
des Regierungsrates Doktor
Heinrich S t i n n e s
in Köln, die schon lange
vor dem Weltkrieg als
eine der reichsten und
schönsten deutschen Privatsammlungen
moderner
Graphik und
kostbarer Bücher im
Sinne feinster Bibliophilie
bekannt war. Dieser Teil
ist nur eine kleine Auswahl
meist französischer
Erzeugnisse, ein wenig
bedingt durch das zufällige
Beieinander an verschiedenen
Wohnsitzen,
aber auch diese Partie
zeigt schon in erstaunlicher
Weise das Bestreben
des Sammlers, nur
früheste Drucke, raffinierte
Luxusausgaben und,
wo ihn ein Künstler besonders
interessierte, in
systematischer Weise möglichst vollständige Werke
zusammenzubringen.
So hat er zwar das herrliche, fast vollständige,
Werk des Toulouse-Lautrec, das den wichtigsten
Teil dieser ersten Versteigerung bildet, im
Jahre 1911 von dem feinsinnigen Begründer des
Insel-Verlages, A. W. Heymel geschlossen erworben,
aber dann beständig verbessert und vervollständigt,
bis es den Grad von Vollkommenheit,
auch an Schönheit und absoluter Frische der Exem-Fig.
1. Leonhard Beck, Sancta Adeklrudis.