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MAK

Full text : Jahrgang 24 (1932) (22)

Seite  202

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Nr.  22

von,  daß  wichtige  Teile  der  Sammlung  seit  Jahren
als  Leihgabe  im  Kunstgewerbe-Museum  in  Frankfurt
einen  besonderen  Platz  eingenommen  haben.
Karl  Bacher  hat  sich  insbesondere  mit  den
monochromen  chinesischen  Porzellanen ­
  beschäftigt  .und  Gefäße  mit  den  köstlichsten
Farben  zusammengetragen.  Wir  finden  das  zarte
Weiß-  und  Creme,  das  leuchtende  Kaisergelb,  das
reizvolle  peachblow,  das  satte  Sang  de  Boeuf,  das
tiefe  Aubergine,  das  seltene  A.pfelgrün,  das  brillante
Schwarz  und  was  sonst  noch  der  chinesische  Kunst-  .
ler  an  Farben  und  Nuancen  geschaffen  hat.  Von  den
Monochromen  ausgehend,  sammelte  Bacher  die  feinen ­
  figürlichen  und  Gefäßerzeugnisse  in  Email  sur
biscuit,  dann  die  farbigen  Ming-  und  Kanghi-Porzellane
  und  schließlich  die  meisterhaften  Erzeugnisse
der  früheren  Epochen,  besonders  der  Sung-Zeit.  Unter ­
  den  zahlreichen  Bronzen  nennen  wir  nur  ein
Meisterwerk:  die  Tang-Kleinbronze,  die  P  erzi  n-  i,

s  k  i  aus  China  mitgebracht  und  in  seinem  Werk  veröffentlicht ­
  hat.
Sehr  bedeutsam  ist  auch  die  Textil-  und  Teppichsammlung ­
  Bacher.  Derartige  herrliche  Wirkbilder ­
  (Kossu-Gobelins)  und  so  brillante  chinesische
Samte  dürften  bisher  noch  nicht  auf.  den  Markt  gekommen ­
  sein.  Die  Ispahan-,  Uschak-  und  anderen
frühen  Teppichfragmente  und  Teppiche,  die  ebenfalls
bisher  zum  großen  Teil  im  Kunstgewerbemuseum  zu
Frankfurt  a,  M.  als  Leihgabe  ausgestellt  waren,,  geben ­
  ein  wertvolles  Bild  der  Entwicklung  der  Teppichknüpf ­
  erei  von  ihren  Anfängen  an.  Die  wichtigsten
Stücke  sind  ein  ungewöhnlich  seltener,  publizierter
Armenier-Teppich  um  1700,  sowie  ein  Chineseh-Teppich
  der  Mirig-Zeit.
Der  Katalog  der  Sammlung  Bacher  ist  von  dem
bekannten  Ostasienkenner  Alfred  Ö[  p  p  e  n  h  e  i  m
bearbeitet.  Beide  Kataloge  sind  durch  Hugo  Helb
  i  n  g  in  Frankfurt  am  Main,  Bockenheimpr  Land-1
  .straße  8,  zu  beziehen.

Niozavts  Nachlass  und  andere  Jlutographen.

Am  9.  Dezember  große  Autographen-Auktion  bei
Liepmannssohn  in  Berlin.  Leo  Liepmannssohn
  bringt  zunächst  den  zweiten  und  letzten  Teil
aus  dem  Besitz  von  Andres  Erben,  die  den  gesamten ­
  Nachlaß  an  Handschriften  Mozarts  besaßen. ­
  Erst  vor  3  Jahren  ist  eine  Anzahl  von  ihnen
—  36  Stück  —  in  einer  berühmt  gewordenen  Auktion ­
  durch  Liepmannssohn  zum  Verkauf  gelangt,
der  Rest  von  30  Nummern  kommt  nunmehr  auf  den
Markt,
Was  diese  letzte  Sammlung  birgt,  wird  der  Kenner ­
  und  Liebhaber  aus  der  genauen  und  sorgfältigen
Beschreibung  der  einzelnen  Stücke  aus  dem  Katalog
ersehen;  nur  auf  die  zwei  Hauptstücke  der  Sammlung ­
  sei  besonders  aufmerksam  gemacht:  das  sog.
Krönungskonzert  für  Klavier  in  D-dur  und
das  Streichquartett  in  Es,  beide  aus  Mozarts  letzter
Lebens-  und  Schaffenszeit.
Das  Autograph  des  Krönungskonzerts  —-  eines
der  beiden  Klavierwerke,  die  Mozart  während  der
Krönungsfeierlichkeiten  in  Frankfurt  1790  gespielt
hat  —  erlaubt  einen  tiefen  Einblick  in  Mozarts  Arbeitsweise. ­
  Es  ist  eine  der  Handschriften,  die  in  besonderem ­
  Maß  den  Stempel  einer  ersten  und  zugleich ­
  letzten  Niederschrift  tragen  —  der  leichtesten
Ausführung,  des  improvisatorischen  Offenlassens  einzelner ­
  Stellen  des  Soloparts,  der  hellsichtigsten  Vornahme ­
  von  Verbesserungen.  Im  Gegensatz  dazu  ist
das  Quintett  eine  der  »schönsten«,  kalligraphischsten, ­
  reinsten  Niederschriften  Mozarts  überhaupt,
zweifellos  als  Vorlage  für  den  Stecher  gedacht  —
für  den  Mozart  am  Schluß  der  Partitur  auch  die  volle
Titelseite  formuliert  hat.  Nur  zweimal  hat  er  unseres ­
  Wissens  das  sonst  noch  getan.
Dem  Opernschaffen  Mozarts  gehören  zwei  andere ­
  Stücke  von  größtem  Reiz  an.  Ein  Fragment  aus
der  Partitur  der  »Entführung«  —  genau  die
acht  Seiten  des  Final-Quartetts  aus  dem  zweiten  Akt,
die  in  der  Partitur  der  Preußischen  Staatsbibliothek
fehlen  .  .  .  (Daneben  noch  die  merkwürdige  Skizze
eines  komischen  Duetts  zwischen  Belmonte  und
Pedrillo,  auch  der  Text  von  Mozart,  später  zugunsten
von  Pedrillos  maurischer  Romanze  verworfen.)  Und
die  erste  Arie  Cherubins  aus  dem  »  F  i  g  a  r  o  «  --»Non
  so  piü  cosa  son  cosa  faccio«  —  von  Mozart
für  Gesang,  Klavier,  Violine  offenbar  zum  Einzelvortrag ­
  im  Konzert  bearbeitet,  sicherlich  eins  der  anziehendsten ­

  Stücke,  die  sich  in  Mozarts  Nachlaß  vorgefunden ­
  haben.
Ein  paar  andere  Autographe  von  Rang  seien  nur
genannt:  das  zierliche  Manuskript  eines  Streichquartetts ­
  (K.  V,  170)  aus  den  Bologneser  Tagen
von  1773;  die  Sonate  in  Es-dur  für  Klavier
und  Violine  (K,  V,  380)  aus  den  letzten  Salzburger ­
  Jahren;  die  Klaviersuite  (K,  V.  399),
die  Mozarts  Befassung  mit  dem  altklassischen  Stil
denkwürdig  bezeugt;  die  Freimaurer-Kantate ­
  (K,  V.  429)  aus  erster  Wiener  Zeit,  Zwei  Blätter
tragen  eine  besonders  intime  Prägung,  Das  eine  ist
die  Variante  eines  der  scherzhaften  Kanons  Mozarts, ­
  die  so  derb  und  doch  so  unendlich  kindlich
und  liebenswürdig  sind:  »O  du  eselhafter
Martin«,  in  diesem/Fall  auf  Mozarts  Bekannten
Jakob  Lirzer  gemünzt.  Das  andere  ist  ein  ergreifendes ­
  Dokument  für  Mozarts  leidenschaftliches  Erlebnis. ­
  Es  ist  ein  Blättchen  mit  Gesangskadenzen ­
  zu  Arien  Job.  Christian  Bachs,  zweifellos ­
  aus  den  Mannheimer  Februartagen  von  1778,
da  der  Dreiundzv/anzigjährige  für  Aloysia  Weber,
seine  spätere  Schwägerin,  in  hellster  Flamme  stand.
Die  paar  Noten  sind  nicht  nur  Noten,  nicht  nur  zwei
schöngeschriebene  Seiten,  sondern  zugleich  ein  Liebesgruß
  und  Liebeszeichen,  Wer  es  erwirbt,  besitzt
das-Andenken  an  einen  der  innerlich  bewegtesten
Augenblicke  im  Leben  Mozarts.
An  die  Handschriften  Mozarts  schließen  sich
414  Autographen  von  anderen  Tondichtern,  Schriftstellern, ­
  Gelehrten,  bildenden  Künstlern,  Schauspielern ­
  und  historischen  Persönlichkeiten,  Hervorheben
möchten  wir  diesmal  nur  die  bedeutsamen  Briefe
Beethovens,  das  Original  von  Grillparzers  Gedicht
»Klara  Wilk  und  Beethoven«,  eine  Lautentabulatur
aus  dem  letzten  Drittel  des  16.  Jahrhunderts,  einen
Brief  Mozarts  aus  dessen  Todesjahr,  Briefe  Richard
Wagners,  ein  sechsstimmiges  Lied  (Lenz  erwacht
und  Nachtigallen)  von  Carl  Maria  von  W  eher,  ein
Stammbuch  eines  Bruders  Webers  mit  119  Eintragungen ­
  u.  a.
*/on  Schubert  ist  ein  ungedrucktes  Jugendwerk ­
  »Tantum  ergo,  August  1816«  vorhanden.  Der
Ausgang  der  Schlacht  bei  Leipzig  1813  hat  ihn
zu  einem  Lied  »Auf  den  Sieg  der  Deutschen«
enthusiasmiert,  zu  dem  er  auch  selbst  den  Text
dichtete.  Er  schrieb  8  Strophen  zu  6  Verszeilen,  die
aber  mehr  von  patriotischem  Gefühl,  als  von  gro-
            
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