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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG
Nr. 22
von, daß wichtige Teile der Sammlung seit Jahren
als Leihgabe im Kunstgewerbe-Museum in Frankfurt
einen besonderen Platz eingenommen haben.
Karl Bacher hat sich insbesondere mit den
monochromen chinesischen Porzellanen
beschäftigt .und Gefäße mit den köstlichsten
Farben zusammengetragen. Wir finden das zarte
Weiß- und Creme, das leuchtende Kaisergelb, das
reizvolle peachblow, das satte Sang de Boeuf, das
tiefe Aubergine, das seltene A.pfelgrün, das brillante
Schwarz und was sonst noch der chinesische Kunst- .
ler an Farben und Nuancen geschaffen hat. Von den
Monochromen ausgehend, sammelte Bacher die feinen
figürlichen und Gefäßerzeugnisse in Email sur
biscuit, dann die farbigen Ming- und Kanghi-Porzellane
und schließlich die meisterhaften Erzeugnisse
der früheren Epochen, besonders der Sung-Zeit. Unter
den zahlreichen Bronzen nennen wir nur ein
Meisterwerk: die Tang-Kleinbronze, die P erzi n- i,
s k i aus China mitgebracht und in seinem Werk veröffentlicht
hat.
Sehr bedeutsam ist auch die Textil- und Teppichsammlung
Bacher. Derartige herrliche Wirkbilder
(Kossu-Gobelins) und so brillante chinesische
Samte dürften bisher noch nicht auf. den Markt gekommen
sein. Die Ispahan-, Uschak- und anderen
frühen Teppichfragmente und Teppiche, die ebenfalls
bisher zum großen Teil im Kunstgewerbemuseum zu
Frankfurt a, M. als Leihgabe ausgestellt waren,, geben
ein wertvolles Bild der Entwicklung der Teppichknüpf
erei von ihren Anfängen an. Die wichtigsten
Stücke sind ein ungewöhnlich seltener, publizierter
Armenier-Teppich um 1700, sowie ein Chineseh-Teppich
der Mirig-Zeit.
Der Katalog der Sammlung Bacher ist von dem
bekannten Ostasienkenner Alfred Ö[ p p e n h e i m
bearbeitet. Beide Kataloge sind durch Hugo Helb
i n g in Frankfurt am Main, Bockenheimpr Land-1
.straße 8, zu beziehen.
Niozavts Nachlass und andere Jlutographen.
Am 9. Dezember große Autographen-Auktion bei
Liepmannssohn in Berlin. Leo Liepmannssohn
bringt zunächst den zweiten und letzten Teil
aus dem Besitz von Andres Erben, die den gesamten
Nachlaß an Handschriften Mozarts besaßen.
Erst vor 3 Jahren ist eine Anzahl von ihnen
— 36 Stück — in einer berühmt gewordenen Auktion
durch Liepmannssohn zum Verkauf gelangt,
der Rest von 30 Nummern kommt nunmehr auf den
Markt,
Was diese letzte Sammlung birgt, wird der Kenner
und Liebhaber aus der genauen und sorgfältigen
Beschreibung der einzelnen Stücke aus dem Katalog
ersehen; nur auf die zwei Hauptstücke der Sammlung
sei besonders aufmerksam gemacht: das sog.
Krönungskonzert für Klavier in D-dur und
das Streichquartett in Es, beide aus Mozarts letzter
Lebens- und Schaffenszeit.
Das Autograph des Krönungskonzerts —- eines
der beiden Klavierwerke, die Mozart während der
Krönungsfeierlichkeiten in Frankfurt 1790 gespielt
hat — erlaubt einen tiefen Einblick in Mozarts Arbeitsweise.
Es ist eine der Handschriften, die in besonderem
Maß den Stempel einer ersten und zugleich
letzten Niederschrift tragen — der leichtesten
Ausführung, des improvisatorischen Offenlassens einzelner
Stellen des Soloparts, der hellsichtigsten Vornahme
von Verbesserungen. Im Gegensatz dazu ist
das Quintett eine der »schönsten«, kalligraphischsten,
reinsten Niederschriften Mozarts überhaupt,
zweifellos als Vorlage für den Stecher gedacht —
für den Mozart am Schluß der Partitur auch die volle
Titelseite formuliert hat. Nur zweimal hat er unseres
Wissens das sonst noch getan.
Dem Opernschaffen Mozarts gehören zwei andere
Stücke von größtem Reiz an. Ein Fragment aus
der Partitur der »Entführung« — genau die
acht Seiten des Final-Quartetts aus dem zweiten Akt,
die in der Partitur der Preußischen Staatsbibliothek
fehlen . . . (Daneben noch die merkwürdige Skizze
eines komischen Duetts zwischen Belmonte und
Pedrillo, auch der Text von Mozart, später zugunsten
von Pedrillos maurischer Romanze verworfen.) Und
die erste Arie Cherubins aus dem » F i g a r o « --»Non
so piü cosa son cosa faccio« — von Mozart
für Gesang, Klavier, Violine offenbar zum Einzelvortrag
im Konzert bearbeitet, sicherlich eins der anziehendsten
Stücke, die sich in Mozarts Nachlaß vorgefunden
haben.
Ein paar andere Autographe von Rang seien nur
genannt: das zierliche Manuskript eines Streichquartetts
(K. V, 170) aus den Bologneser Tagen
von 1773; die Sonate in Es-dur für Klavier
und Violine (K, V, 380) aus den letzten Salzburger
Jahren; die Klaviersuite (K, V. 399),
die Mozarts Befassung mit dem altklassischen Stil
denkwürdig bezeugt; die Freimaurer-Kantate
(K, V. 429) aus erster Wiener Zeit, Zwei Blätter
tragen eine besonders intime Prägung, Das eine ist
die Variante eines der scherzhaften Kanons Mozarts,
die so derb und doch so unendlich kindlich
und liebenswürdig sind: »O du eselhafter
Martin«, in diesem/Fall auf Mozarts Bekannten
Jakob Lirzer gemünzt. Das andere ist ein ergreifendes
Dokument für Mozarts leidenschaftliches Erlebnis.
Es ist ein Blättchen mit Gesangskadenzen
zu Arien Job. Christian Bachs, zweifellos
aus den Mannheimer Februartagen von 1778,
da der Dreiundzv/anzigjährige für Aloysia Weber,
seine spätere Schwägerin, in hellster Flamme stand.
Die paar Noten sind nicht nur Noten, nicht nur zwei
schöngeschriebene Seiten, sondern zugleich ein Liebesgruß
und Liebeszeichen, Wer es erwirbt, besitzt
das-Andenken an einen der innerlich bewegtesten
Augenblicke im Leben Mozarts.
An die Handschriften Mozarts schließen sich
414 Autographen von anderen Tondichtern, Schriftstellern,
Gelehrten, bildenden Künstlern, Schauspielern
und historischen Persönlichkeiten, Hervorheben
möchten wir diesmal nur die bedeutsamen Briefe
Beethovens, das Original von Grillparzers Gedicht
»Klara Wilk und Beethoven«, eine Lautentabulatur
aus dem letzten Drittel des 16. Jahrhunderts, einen
Brief Mozarts aus dessen Todesjahr, Briefe Richard
Wagners, ein sechsstimmiges Lied (Lenz erwacht
und Nachtigallen) von Carl Maria von W eher, ein
Stammbuch eines Bruders Webers mit 119 Eintragungen
u. a.
*/on Schubert ist ein ungedrucktes Jugendwerk
»Tantum ergo, August 1816« vorhanden. Der
Ausgang der Schlacht bei Leipzig 1813 hat ihn
zu einem Lied »Auf den Sieg der Deutschen«
enthusiasmiert, zu dem er auch selbst den Text
dichtete. Er schrieb 8 Strophen zu 6 Verszeilen, die
aber mehr von patriotischem Gefühl, als von gro-