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INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 6 
Engländer zeigen sich nur in Landschaftspastellen 
der Zeit.“ 
Aber Goethe sammelt nicht nur Graphik. Viel 
seitig, wie er schon einmal ist, erstreckt sich seine 
Sammlerneigung auf die heterogensten Dinge. Er 
sammelt ägyptische Altertümer, griechische und rö 
mische Plastiken, Majoliken ' der italienischen Re 
naissance, Münzen und Medaillen, Silhouetten, Elfen 
beingegenstände etc. Professor Dr. Wahl gibt die 
Zahl der naturkundlichen Objekte, die Goe 
the hinterlassen hat, mit rund 40.000 an, die Kunst 
sammlung zählt nach derselben Quelle über 
20.000 Gegenstände. Ueber die Medaillen und Mün 
zen der Sammlung sagt Prof. Wahl: ,,Die Medaillen 
sammlung mit etwa 2000 Stücken bietet, obwohl ur 
sprünglich unter historischen Gesichtspunkten ange 
legt, eine kunstgeschichtliche Uebersicht der Medail 
leurkunst von der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts 
bi.s zum Jahre 1832, unter besonderer Bevorzugung 
der frühen italienischen und deutschen Medaillen. 
Sie enthält auch zahlreiche schwedische, polnische, 
russische, französische und schweizerische Stücke. 
Die etwas größere numismatische Ab 
teilung hat das Schwergewicht auf der Antike, ohne 
jedoch wichtiger Brakteaten und Hohlpfennige, 
orientalischer und mittelalterlicher Münzen und 
Sammelstücke aus aller Welt zu entbehren. 
An Plaketten, jenen vielgestaltigen einsei 
tigen Bronzegüssen, sind übe£‘ 100 Zierarbeiten, 
hauptsächlich der italienischen Goldschmiedekunst 
des 15. und 16. Jahrhunderts und der Folgezeit vor 
handen, so daß sich auch hier ein klares Bild der 
Entwicklung dieser feinen Kunst bietet. Etwas zahl 
reicher haben sich bei dem Sammler Goethe Majo 
likagefäße eingefunden, prachtvolle, zum Teil sig 
nierte Arbeiten aus Gubbio, Faenza, Castel Durante, 
Pesaro, Urbino, Der Sammlung von 60 in Goldringen 
gefaßten geschnittenen Steine schließt sich die Ab 
teilung der Schwefel- und Gipsabgüsse von antiken 
und neueren geschnittenen Steinen an, die außer 
den berühmten Daktyliotheken jener Zeit, noch wei 
tere 1600 besondere Steine und damit im ganzen 
über 10.000 Gegenstände umfaßt. 
Mit Bronzefiguren, Vasen, Schalen und Terra 
kotten ist die antike Kleinplastik und Keramik in 
mehr als 100 Gegenständen vertreten, auch die ita 
lienische und deutsche Renaissance wie das Barock 
bieten Bronze-, Elfenbein- und Holzplastiken bedeu 
tender Art, einzelne schöne Stücke das deutsche 
und französische Mittelalter. 
Gaben alle diese Gegenstände Goethe willkom 
mene Gelegenheit, den Gang der Kunstgeschichte 
mannigfaltig kennenzulernen, so bildeten die Me 
daillen zusammen mit der von ihm angelegten Bild 
nissammlung (rund 1000 Blätter), die große Masse 
von Silhouetten aus ihrer Blütezeit (rund 1500), die 
Medaillons von David d' 1 Angers und die von Goethe 
selbst veranLaßte Porträtfolge von Zeitgenossen von 
der Hand seines Zeichenmeisters Schmeller eine 
Bildnisgalerie von fast 5000 Menschenantlitzen, die 
ihm vergangene Jahrhunderte wie miterlebte Ge 
genwart dauernd lebendig erhielten.“ 
Goethes letzte Sammlerneigung gehörte den 
Autographen an, die er von 1808 an sammelte. 
Man kann Goethe sicherlich im idealsten Sinne 
des Wortes zu den passionierten Sammlern zählen. 
Er konnte mit einem geradezu leidenschaftlichen 
Eifer einem Stücke nachgehen, das eine Lücke in 
einer seiner Kollektionen ausfüllen sollte. Wer ihn 
dabei unterstützte, dem konnte er seine Dankbar 
keit nicht genug herzlich bekunden. Zelter z. B., 
der diese Neigungen, seines großen Freundes kannte, 
und nach Kräften förderte, ist daher auch ganz 
glücklich darüber, daß er ihm den Besitz eines 
ehernen Stieres verschaffen konnte, der sich in Da 
vid Friedländers Sammlung befand und Goe 
thes Sammellust mächtig gereizt hatte. Friedländer, 
dem Goethe für dieses Stück Dubletten aus seiner 
Medaillensammlung anbietet, macht sich eine Ehre 
und Freude daraus, dem Dichter das gewünschte 
Stück zu überlassen. Goethe schließt aber nicht 
bloß Tauschgeschäfte mit Friedländer ab, worauf 
ein Briefwechsel zwischen beiden sich bezieht, son 
dern wird auch von Friedländer mit Geschenken 
bedacht, was wir aus einem ergötzlich schlauen 
Briefe erfahren, mit dem Zelter die Uebersendung 
einer von Friedländer für ihn erhaltenen Medaille 
begleitet, Da heißt es u. a,; ,,In der Schachtel selbst 
wirst Du beim Auspacken auch die Zuneigung des 
Gebers an Dich finden. Willst Du ihm darüber ein 
gutes Wort gönnen, so hast Du vielleicht noch ein 
mal dergleichen zu hoffen: er ist ein guter Mann in 
Deinem Alter, den ich oft sehe, weil er mir nahe 
wohnt und an Podagra leidet, und wird oft von Dir 
gesprochen. Er ist ein Schüler von M. Mendelssohn 
und hat bei hohem Alter ein Gedächtnis seiner Zeit 
und der meinigen, wodurch ich immer zu berichtigen 
und zurechtzustellen finde.“ 
Das Sammeln war bei Goethe, wie bei jedem 
echten Sammler, nicht Selbstzweck, sondern auch 
Behelf und Mittel zu seiner sich stets erweiternden 
Ausbildung. Aus dieser Tendenz erklärt sich, wie 
Schuchardt schon bemerkt, das Vorhandensein vie 
ler Sachen, namentlich unter den Kupferstichen, zu 
denen ein skrupulöser Sammler den Kopf schütteln 
möchte. Allein für Goethe war der Gedanke, die 
Art und Weise der Auffassung und der Darstellung 
derselben die Hauptsache bei dem Kunstwerke. 
Dieselbe zu erkennen, genügte ihm eine weniger 
gute Nachahmung, ja selbst das Fragment eines be 
deutenden Werkes. Der Sammler Goethe sammelte 
und sah das Gesammelte eben als Dichter an, 
+ ★ 
Eine Goethe-Plakette. 
Der Deutsche Journalisten- und Schriftstellerverein von 
Mähren und Schlesien in Brünn hat in Gemeinschaft mit der 
Deutschen Gesellschaft für Wissenschaft und Kunst eine 
Goethe-Plakette herausgegeben, Die Arbeit, eine Schöp 
fung des Brunner Architekten Otto E r n e g g, wurde in Bronze 
von der Staatlichen Münze in Kremnitz hergestellt. 
Goethe-Postkarten, 
Die deutsche Postverwaltung hat aus Anlaß des 100. 
Todestages Goethes zwei Postkarten mit dem Porträt 
Goethes herausgegeben. Die eine ist mit einer 6-, die andere 
mit einer 15-Pi.-Marke versehen. 
Der Goethe-Taler und der österr. Goethe- 
Doppelschilling sind in Vorbereitung, 
Ausstellungen, 
Berlin, Kupferstichkabinett. Goethe und sein 
Kreis. 
Paul Cassirer. Deutsche Kunst im Zeitalter Goethes. 
Bielefeld. Städtisches Kunsthaus. Goethe und 
die bildende Kunst. 
Wien. Albertina, Goethe - Ausstellung, Eröffnung 
23. März. 
Ein Goethe-Katalog. 
Das Antiquariat Leo Liepmannssohn in Berlin 
hat seinen neuesten, 226. Katalog Goethe gewidmet. Die 
430 Nummern, die seinen Inhalt bilden, umfassen Goethe und 
seinen Kreis, Goethe ,n der Musik, Goethe in der Literatur 
und die Literatur der Goethe - Zeit. Aus - der Fülle des Ge 
botenen heben wir ein Albumblatt hervor, das Goethe für das 
Stammbuch des Herrn von Sch w en dl ei (Weimar-Ilmenau! 
geschrieben hat und das, wie folgt, lautet: 
»Liegt dir Gestern klar und offen, 
Wirst du Heute kräftig, treu! 
Kannst auch auf ein Morgen hoffen, 
Das nicht minder glücklich ,sey, 
Goethe.«
	        
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