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MAK

Full text : Jahrgang 24 (1932) (6)

Nr.  0

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Seite  47

Eine  Kostbarkeit  ist  auch  das  Stammbuch  des  Hofadvokaten ­
  Carl  Georg  Hase  in  Weimar,  das  dreizehn  Eintragungen
aus  den  Jahren  1827  bis  1882  enthält.  Goethe  ist  da  mit  der
wundervollen,  für  die  Stammbuchweihe  seines  »lieben  Wölfchens«
  (Wolfgang  Maximilian  v.  Goethe)  bestimmten  Strophe
vertreten:
»Eile  Freunden  dies  zu  reichen!
Bitte  sie  um  eilig  Zeichen,

Eilig  Zeichen,  daß  sie  lieben:
Lieben  das  ist  bald  geschrieben;
Feder  aber  darf  nicht  weilen,
Liebe  will  vorübereilen.«
Es  finden  sich  da  weiters  Eintragungen  von  Goethes
Sohn  August,  von  seinem  Enkel  Walter,  von  Riemer,  Hufeland ­
  u.  a.

William
In  Innsbruck  ist  am  5,  März  der  Altmeister  der
Radiernadel  William  Unger  gestorben.  Er  hat  das
95.  Lebensjahr  erreicht  und  sich  derart  in  eine  Reihe
mit  Tizian  und  Hokusai  gestellt,  Rudolf  Alt,  den
Dreiundneunziger,  hinter  sich  gelassen,  von  dem
»nur«  achtzigjährigen  Menzel  zu  schweigen.  Und  es
war  ein  gesegnetes  Alter;  denn  als  sich  William
Unger,  bereits  hochbetagt,  von  seiner  akademischen
Lehrtätigkeit  in  Wien  nach  Innsbruck  zurückgezogen ­
  hatte,  war  seine  Arbeitskraft  und  Arbeitslust
noch  unvermindert,  die  Sicherheit  der  Hand  beinahe
dieselbe  geblieben.  Wenn  er  auch  nicht  mehr  die
Radiernadel  handhabte,  so  wandte  er  sich  dafür  der
Aquarellmalerei  zu  und  hat  ganz  reizende  Blumenstücke ­
  und  Stilleben  geschaffen,  die  demnächst  in
einer  Ausstellung  vorgeführt  werden  sollen.
In  Hannover  als  Sohn  eines  hervorragenden
Kunsthistorikers  geboren,  hat  Ungar  als  Autodidakt
heimlich  ohne  Wissen  der  Eltern  radiert,  um  dann
mit  ihrer  Zustimmung  in  Düsseldorf  und  in  München
seine  künstlerische  Ausbildung  zu  vollenden.  Als  er
zu  Beginn  der  Siebzigerjahre  nach  Wien  kam,  war
die  Atmosphäre  dieser  Stadt  der  Kunst  besonders
günstig.  Es  war  die  Makart-Zeit,  in  der  das  Interesse ­
  weiter  Kreise  an  der  bildenden  Kunst  eine  ganz
ungewöhnliche  Höhe  erreicht  hatte.  Die  starken
Wirkungen,  die  Wien  auf  die  Eigenart  Ungers  ausübte, ­
  beweist  die  Fülle  seiner  Radierungen,  die  zu
den  Schätzen  der  städtischen  Galerie  und  der  Liechtenstein-Galerie ­
  zählen.  Aber  auch  in  Berlin  und
Braunschweig,  in  Kassel,  Harlem  und  Amsterdam
und  in  den  bedeutendsten  Privatsammlungen  ist

Unger  •f
Unger  vertreten.  Gab  es  doch  eine  Zeit  in  Wien,
da  jeder  Sammler  sein  Unger-Blatt  haben  mußte.
Unger  hat  sowohl  als  Originalradierer,  wie  auch
als  reproduzierender  Graphiker  Hochleistungen  vollbracht. ­
  Dem  Originalradierer  lag  die  Landschaft  besonders ­
  nahe.  Als  reproduzierender  Künstler  bevorzugte ­
  er  die  Holländer  und  unter  ihnen  wieder
Rembrandt.  Als  1906  das  Rembrandt-Jubiläum  gefeiert ­
  wurde,  erschien  als  Prämienblatt  der  Gesellschaft ­
  für  vervielfältigende  Kunst  eine  Radierung
nach  dem  im  Hofmuseum  befindlichen  Selbstporträt
des  Malers.
Unger  war  auch  als  Lehrer  sehr  geschätzt.  Zuerst ­
  am  Oesterreichischen  Museum  für  Kunst  und
Industrie,  dann  an  der  Akademie  für  bildende  Künste ­
  tätig,  hat  er  hervorragende  Schüler  herangebildet, ­
  deren  Aufstieg  er  mit  wärmster  Teilnahme  begleitete. ­
  Da  ist  vor  allem  der  viel  zu  früh  verblichene ­
  Ferdinand  Schmutzer  zu  nennen,  ferner
Jettmar,  Kasimir,  Lux,  Pontini,  Kempf,
Gold,  Coßmann  und  viele  andere.
Ungemein  viel  hat  Unger  für  die  Popularisierung
der  Kunst  getan.  Mit  Fug  und  Recht  hat  man  die
Schlegel  -  Tieckschen  Shakespeare  -  Uebertragungen,
den  Homer  des  Vater  Voß  zum  Vergleich  herangezogen. ­
  Bei  Unger  waren  es  aber,  wenn  man  so  sagen
darf,  Uebertragungen  der  Bilder  in  eine  andere
Sprache,  die  auch  als  selbständige  Kunstwerke  von
ausgesprochen  persönlichem  Charakter  zu  werten
sind.  Von  den  zahlreichen  Bildnissen,  die  er  nach
der  Natur  geschaffen  hat,  ist  eines  der  bekanntesten
und  verbreitetsten  das  Bild  Kaiser  Franz  Josefs,  ein
Kniestück  in  Generalsuniform.

JCohe  Preise  für  englische  Sportblätter.

Aus  Berlin  wird  uns  geschrieben:
Die  am  24.  und  25.  Februar  bei  H  o  11  s  t  e  i  n
&  P  u  p  p  e  1  veranstaltete  Versteigerung  der  Kupferstichsammlung ­
  aus  fürstlichem  Besitz  fand  unter  besonders ­
  reger  Beteiligung  statt.  Persönlich  anwesend ­
  waren  außer  den  zahlreichen  deutschen  Interessenten ­
  Käufer  aus  Amerika,  England,  Frankreich,
Schweiz,  Tschechoslowakei  u.  a.  Wieder  zeigte  sich
einmal,  daß  auch  in  einer  wirtschaftlichen  Depression ­
  gute  Ware,  die  dem  Handel  seit  über  100  Jahren ­
  unbekannt  war,  zu  recht  guten  Preisen  leicht
verkäuflich  ist,  denn  von  den  zirka  1200  Nummern
des  Kataloges  wurden  zirka  1100  Nummern  verkauft,
dabei  sämtliche  Blätter  von  hohem  Wert.  Als  Gesamtresultat ­
  betrachtet,  jedenfalls  ein  für  diese  Zeit
erfreuliches  Ergebnis,
Besonders  lebhaft  wurden  die  farbigen  englischen ­
  Sportblätter,  denen  man  selbst  in  England  seit
Jahrzehnten  in  dieser  Frische  und  Erhaltung  nicht
begegnet  war,  begehrt.  Vier  Blatt  von  Alken:
Rennplätze  in  Newmarket,  Ipswich,  Ascot  Heath
und  Epsom  vom  Jahre  1818  gingen  für  2150  RM
nach  der  Schweiz.  Andere  Folgen  von  Alken,  meist
aus  der  frühen  Zeit  von  1818  bis  1823,  vielfach  sogar ­

  in  den  Originalumschlägen  der  Zeit,  erzielten
folgende  Preise:  Vier  Blatt  Fox  Hunting  1100  RM,
sechs  Blatt  A  Cockney  Shooting  840  RM,  sechs
Blatt  My  Stud  850  RM,  sechs  Blatt  Ideas  340  RM.
Hart  umstritten  war  ebenso  eine  besonders
schöne  Folge  von  Wolstenholme,  vier  Blatt  Fox
Hunting  von  1817,  welche  für  einen  englischen
Sammler  um  3600  RM  erworben  wurde.  Die  Preise
für  die  englischen  Sportblätter  waren  durchweg  um
zirka  50%  höher,  als  die  in  den  Jahren  1926  und
1928  für  ähnliche  Blätter  in  England  bezahlten
Preise.
Unter  den  englischen  Farbstichen  des  18.  Jahrhunderts ­
  fanden  die  prächtigen  Blätter  von  Morland-Ward
  sämtlich  Käufer  zu  hohen  Preisen:  Zwei  Blatt
Gipsies,  Travellers  2900  RM;  zwei  Blatt  Children
Bird-Nesting,  Cottagers  3000  RM,  beide  Paare  nach
Amerika;  zwei  Blatt  Juvenile  Navigators,  Children
Nutting  2300  RM;  zwei  Blatt  The  Woodcutter,  The
Shepherds  Boy  1250  RM.  Zwei  wundervolle  farbige
Blätter  der  Folge  von  Wheatley  »Cries  of  London«
Plate  4lh  und  Plate  3rd.  wurden  mit  1800  RM  resp.
1450  RM  von  deutschen  Händlern  wahrscheinlich
für  ausländische  Auftraggeber  ersteigert.  Berner-
            
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