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MAK

Full text : Jahrgang 24 (1932) (8)

Seite  72

INTERNATIONALE  SAMMLER  -  ZEITUNG

Nr.  8

von  der  Ausgeglichenheit  des  bewußten  Willens  und  der  Intuition, ­
  und  diese  Ausgeglichenheit  ist  charakteristisch  für  den
Künstler  Kohl,  für  den  Graphiker  und  für  den  Maler.  Die
Ausgeglichenheit  von  Zeitsinn  und  von  Gefühl  für  das  Gesamtsein
  künstlerischen  Schaffens  gleichfalls.  So  ist  es  denkbar, ­
  daß  e'r,  gerade  er,  Nachfahre  der  Fauves  und  der  späteren
deutschen  Impressionisten,  er,  Gegenspieler  der  Sachlichen,
dereinst  als  ein  echter  Sohn  seiner  Zeit  angesprochen  werde,
er,  der  Lichtleichte  in  dunkeln  Tagen.

Darf  hier  auf  Schiller  hingewiesen  sein,  der  es  für  den
Künstler,  Sohn  seiner  Zeit,  als  schlimm  hinstellt,  wenn  er  zugleich ­
  ihr  Zögling  oder  gar  ihr  Günstling  ist?  Ihr  Zögling  ist
Kohl  nicht,  ihr  Günstling  wahrhaftig  noch  weniger.  Und  so
steht  es  zweifellos  gut  um  ihn  und  um  sein  Schaffen.  Gut  aber
auch  um  die  Kunst.
Man  .sieht,  wie  sich  aus  dem  Besonderen  zweier  Künstler,
hier  vereint,  obwohl  ihr  Farbenraum  und  ihr  Lebensraum
immerhin  verschieden  sind,  Allgemeines  darbietet.

Cine  herrenlose

Bildersammlung.

Wie  die  amtliche  »Wiener  Zeitung«  verlautbart,  hat  die
Bankierfirma  Caracco  u.  Co.  gegen  die  Verlassenschaft
nach  Mirza  Mustafa  Khan  Safa  P  i  r  n  i  a  eine  Klage  eingebracht, ­
  deren  erste  Tagsatzung  auf  den  22,  April  beim  Landesgericht ­
  für  Zivilrechtssachen  anberaumt  wurde.  Da  der  Aufenthalt ­
  der  beklagten  Partei  unbekannt  ist,  wurde  Dr.  Gustav
Neukirchen  zum  Kurator  bestellt,  bis  sich  jemand  meldet.
Mirza  Moustapha  Khan  war  der  Wiener  Gesandte  Persiens. ­
  Er  entstammt  einem  alten  Geschlechte,  das  mit  der
persischen  Kaiserfamilie,  dem  Hause  Kadschar,  verwandt  war.
Als  im  Jahre  1925  der  letzte  Schah  dieser  Dynastie,  Kaiser
Achmed,  abgesetzt  wurde,  und  an  seine  Stelle  Redza  Khan
Palla  wi  zur  Regierung  kam,  wurde  auch  der  Wiener  Gesandte ­
  der  alten  Dynastie  Mirza  Moustapha  Khan  abgesetzt.
Da  er  hier  jedoch  schon  eingelebt  war  und  auch  auf  eine  neue
Anstellung  unter  dem  persischen  Regime  nicht  hoffen  konnte,
blieb  er  in  Wien,  wo  er  am  27.  Februar  1930  an  den  Folgen
einer  Operation  .starb.  Die  letzte  Zeit  hatte  er  teils  von  seinem
Vermögen  gelebt,  teils  davon,  daß  er  Teile  seiner  wertvollen
Einrichtung,  Teppiche  und  Möbel  verkaufte.  Fr  besaß  bei  seinem ­

  Tode  noch  eine  Villa  in  der  Hinterbrühl  und  eine  Bildersammlung, ­
  die  er  in  zwei  Räumen  untergebracht  hatte,  die
das  Bankhaus  Carraco  u.  Co.  für  ihn  in  Untermiete  aufgenommen ­
  und  gegen  Verrechnung  auf  sein  Konto  bezahlt  hatte.
Nach  seinem  Tode  wurde  die  Verlassenschaft  abgewickelt.
Seine  beiden  Brüder,  die  ihn  beerbten,  kümmerten  sich  jedoch
nur  um  die  Villa  in  der  Hinterbrühl,  während  sie  die  Bildersammlung, ­
  die  auch  wertvolle  alte  Meister  enthalten  soll,
unbeachtet  ließen.  Das  Bankhaus  Caracco  u.  Co.  mußte  daher
den  Mietzins  für  die  beiden  Räume,  in  denen  die  Bildersammlung ­
  untergebracht  ist,  weiter  bezahlen,  und  im  Laufe  der
Zeit  ergab  sich  eine  Forderung  von  4188  S,  die  das  Bankhaus
nunmehr  gegen  die  Verlassenschaft  einklagt.  Da  der  Aufenthalt ­
  der  beiden  Brüder  Mirza  Moustapha  Khan,  die  nach
Persien  zurückgekehrt  sind,  nicht  eruiert  ist,  hat  das  Gericht
nunmehr  einen  Kurator  bestellt.
Wahrscheinlich  wird  es  zur  Versteigerung  der  Bildersammlung ­
  kommen,  damit  die  Forderungen  des  Bankhauses
Caracco  u.  Co.  gedeckt  werden  können.

So.  JCunstauktion  bei  S.  JCende,  Wien.

Die  80.  Versteigerung  des  Kunstauktionshauses
S.  K  e  n  d  e  -  es  ist,  was  auf  mehrfache  Anfragen
an  dieser  Stelle  mitgeteilt  sei,  das  ältere  von  den
beiden  Kunstauktionshäusern  Kende  —  nahm  bei
außerordentlicher  Beteiligung  von  Sammlern  und
Kunsthändlern  aus  Oesterreich  und  den  Nachbarstaaten ­
  einen  erfreulichen  Verlauf.  Besonders  gut
gingen  die  Silberarbeiten  und  das  Kunstmobiliar,
doch  haben  auch  die  Bilder  im  wesentlichen  die  Ausrufspreise ­
  überschritten.
Bemerkenswerte  Preise  (in  Schilling)  erzielten:
Gemälde  alter  und  neuerer  Meister.

6  B  e  d  i  n  i,  Der  Guitarrespieler,  50:35  cm  280
7  Julius  von  Blaas,  Pferdemarkt  im  Pongau,  90:150cm  2600
8  Ders.,  Ochsengespann  vor  einem  Bauernhof,  47:56  cm  110
13  Darnaut,  Waldwiese  mit  Hirschgruppe,  34:48cm  170
16  Van  den  E  y  c  k  e  n,  Familienszene,  45:38  cm  ....  2200
20  Griitzner,  Dominikanerpater  bei  der  Weinprobe,
22:15  cm  (siehe  Abb.  in  Nr.  7)  1650
27  Isidor  Kaufmann,  Polnischer  Judenknabe,  35:27  cm  2500
28  Josef  Kinzel,  Die  Weinprobe,  32:25cm  320
30  Jan  Kob  eil,  Zwei  Kühe  und  ein  Schaf  auf  der
Weide,  25:31  cm  110
33  Joh.  Georg  Meyer  von  Bremen,  Der  Liebesbrief,
49:37  cm  450
36  Munsterhjelm,  Bauernhof  an  einem  Fluß  ....  200
37  Onken,  Südl.  Seelandschaft,  29:40cm  80
48  Roellofs,  Landschaft  mit  Tier,  23:30cm  220
54  Rob.  Schleich,  Pferdewagen,  5,5:5.5  cm  130
55  Der«.,  Heuwagen  mit  Figuren,  6:6  cm  130
62  Sellenati,  2  holländ.  Genrescenen,  je  47:68cm  .  .  300
65  Toni  Stadler,  Wiesenlandschaft,  24:35cm  330
75  Olga  Wisinger-Florian  Kühe  bei  der  Tränke,
28:38  cm  300
Aquarelle.
100  Gude,  Seelandschaft,  25:41cm  300
106  Ludwig  Koch,  Praterfahrt,  16:27  cm  100
114  Em.  Peter,  Bildnis  einer  jungen  Dame  mit  rotem
Schal,  11:8.5  cm  220
Silber,
137  Zwei  Leuchter,  Wien  1846,  460  g  75
140  Gehenkelte  Schale  und  Untertasse,  Lombardo  Venezien,
  um  1800,  377  g  100
142  Brotkorb,  Wien  1850,  398  g  .  150

156  Fisch-Schüssel  in  Barockform,  1130  g  .  .  .  ...  .  .  120
160  Tee-  und  Kaffee-Service,  Stil  Ludwig  XVI.,  6350  g  .  750
165  Ein  Paar  4kerzige  Girandolen,  6420  g  600
Kunstmobiliar,
173  Runder  Tisch  und  6  Stühle,  Barockstil  750
174  Holländ.  Vitrine,  Maria  Theresia-Stil  750
175  Holländ.  Vitrinentischchen  80
176  Damensekretär,  holländ.  Barockstil  400
180  Schwarzes  Kästchen,  Italien,  18.  J.  100
187  Zwei  Kirchenstühle  150
Porzellan,  Glas  etc.
192  Wiener  4f:gürige  Gruppe,  musizierende  Kinder,  1846  .  80
193  Zwei  Meißener  Salzfässer  55
194  Dreifigürige  Meißnergruppe  100
195  Zwei  4kerzige  Meißner  Girandolen  100
210  Sövresschale  80
216  Altes  japan.  Porzellanservice  40
Teppiche.
235  Ferahan,  307:142  cm  440
236a  Kassak,  200:122  cm  250
236b  Desgl,  184:127  cm  200
Nachlaß  W.
Gemälde,  Aquarelle.
241  Defregger,  Dirndlkopf,  11:9cm  320
246  Mathilde  Esch,  Zwei  Kinder  im  Walde  mit  einer
Ziege  spielend,  44:54  cm  320
250  Hans  H  a  m  z  a,  Marktszene,  10:16  cm  220
251  C.  Heuser,  Bauer  mit  Pfeife,  15.5:12cm  280
253  Isidor  Kaufmann,  Zwei  Ungar.  Landschaften,  9:30,
bezw.  13:30  cm  150
257  Szankowsky,  Blondgelockter  Kinderkopf,  44:36  cm
(siehe  Abb.  Nr,  7)  200
258  Verve  er,  Zwei  Kinder  beim  Angeln,  20:22  cm  .  .  100
259  W  ö  1  f  1  e,  Zwei  Gegenstücke,  Bauer  mit  Pfeife  und
Jäger,  je  16:15  cm  130
Kunstmobiliar,  Standuhren  etc.
284  Speisezimmer,  im  Stile  der  italienischen  Renaissance  1400
285  Eintürige  Kasten.  Maria  Theresia-Stil  100
286  Breiter  zweitüriger  Garderobeschrank,  18.  Jahrh.  .  .  190
287  Zwei  Hocker.  Barock  60
288  Biedermeiersekretär,  um  1820  380
289  Geschweifte  Maria  Theresia-Kommode,  18.  Jahrh.  .  200
290  Ein  Aufsatz  mit  7  Laden  und  Mitteltür,  18.  Jahrh.  •  100
291  Alt-Deutsche  Uhr,  18.  Jahrh  60
292  Alabasteruhr  22
293  Bronzeuhr,  f  euer  vergoldet  110
            
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