Nr. 17/18
INTERNATIONALE SAMMLER-ZEITUNG
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wisse Legierungen und Bronzen. Auch die Pro
duktionskosten können nicht irgendwie in
Ansatz gebracht werden in einer Berechnung etwa
nach Stunden oder ähnlichem, Wohl aber spielen
hier Feinheit und Sorgsamkeit der Arbeit, also
Qualitätswertungen technischer Art eine Rolle, Der
ehemalige Gebrauchswert des Gegenstandes
endlich ist für das historische Gut, das ja nunmehr
zum Schaugut geworden ist, nicht ansetzbar. Wohl
aber können aus dem Gebrauchswert der Entste
hungszeit her noch Relikte sich zeigen, die aber
durchaus auf kulturhistorischer Einschätzung be
ruhen, von der später zu reden sein wird.
Es fragt sich nun, welche Wertfragen an das
Kunstwerk als Marktobjekt statt der vorstehend
verneinten allgemeiner Art nun gerichtet wer
den könnten, bzw. welche Faktoren an der Preis
bildung beim Kunstw"erk dann mitwirken. Es sind
dies, wie wir sehen werden solche, wie sie eben nur
vom Kunstprodukte beantwortet werden können und
von keinem andern Marktgut sonst, und die zugleich
dem Kunsthandel seine Ausnahmestellung, seine aus-
nehmliche Handelstechnik und ausnehmlichen Han
delschancen zufließen lassen.
Das Kunstgut verdankt seine Entstehung nicht
einer fabrizierenden, handwerklichen, sondern einer
schöpferischen Haltung des Erzeugermenschen. Es
braucht nichts weiter ausgeführt werden über den
Unterschied der drei Schaffensverhalten, es soll nur
eine Unterschiedlichkeit besonders erwähnt werden,
die in diesem Zusammenhänge eine Rolle spielt. Die
Fabrikation ist meßbar, zählbar, schätzbar und
schafft Serien oder Massen von im ganzen gleich
artigen, zu gleicher Verwendung bestimmten Waren.
Sie ist die Realisierung einer Gebrauchsidee. Die
schöpferische Tätigkeit hingegen erzeugt einmalige
Werte, Einzahl des Ding«, Originale, die nur als
Reproduktion vervielfältigt werden können, wobei
die Reproduktion immer irgendwie dem Originale
nachsteht, während unter der Menge der fabrizier
ten gleichartigen Dinge Qualitätsgleichheit besteht,
Das Kunstwerk ist die Realisierung einer abstrakten
Idee, eben der Kunstidee.
Dieser Kunstgehalt wäre also die erste
Sonderqualität, die dem Kunstobjekt innewohnt und
ist zugleich seine bedeutungsvollste und ausschlag
gebendste Qualität. Der Kunstgehalt eines Werkes
spricht unmittelbar an, seine Wirksamkeit ist es, die
ideal den Käufer und den Händler zusammenbringt.
Der künstlerischen Qualität gegenüber schweigen
alle Provenienz-, Namens- und sonstige Beiwertun
gen. Zugleich ist die künstlerische Qualität etwas
Unmeßbares, hat ihren größten Einfluß auf die Preis
bildung, kann aber, als Unmeßbares, vom Preis als
Maß nie vollkommen, sondern stets nur unvollkom
men und schätzungsweise erfaßt werden. Hiebei
klingt bereits wieder eine Sonderheit des Kunst
handelns an: die recte nie zu fixierende, immer
labile Preisgestaltung, die ja nie von einer Wertungs
basis objektiven (zahlenmäßigen) Anhalts, sondern
immer nur von Schätzungen subjektiven Geistes aus
zugehen vermag.
Diese so wünschenswerte, einfache und klare
Linie der künstlerischen Qualitätseinschätzung wird
von einer Menge anderer Einflüsse her ergänzt, um
gebogen oder durchbrochen, und zwar mit mehr oder
weniger ethischer Berechtigung,
Zunächst hat das Kunstobjekt außer seiner un
mittelbaren Macht als Kunstwerk noch eine mittel
bare Bedeutung. Wir wollen diese mit dem Worte
Kulturkreiswert bezeichnen und meinen damit die
historische Wertung des Kunstwerks, die ihm neben
der zeitlosen des Kunstgehalts noch aus seiner zeit
lichen Gebundenheit an das Entstehungsjahr und die
Entstehungsumstände anhaftet und es ,,bestimmt“.
Gegen den Kunstwert hin kann der Kulturkreiswert
nie einschränkend wirken, sondern immer nur erwei
ternd. Er kann z. B, dem Kunstwert einen histori
schen Bedeutungswert zufügen, einen dinglichen, oder
technischen Seltenheitswert oder einen Gebrauchs
wert von besonderer Eigenart.
Während nun die Schätzung nach dem Kunst
wert sich unmittelbar ergibt, ist die Einschätzung
auf den Kulturkreiswert des Stückes hin nur auf
mittelbarem Wege zu eruieren, indem sich nämlich
zwischen empfänglicher Menschenseele und Objekt
das Wissen als „Mittel** eindrängt und Wertungen
bewußt macht, wie wir sie eben als kulturhistorische
Bedeutsamkeit, Seltenheit oder Sonderheit bezeich
nen.
An dieser Stelle der Untersuchung wäre einzu
fügen, daß also auch der Händler über ein solches
„Wissen“ historischer Art neben dem Kunsterfüh
len verfügen muß, um die Wertung eines Objekts
restlos durchführen zu können und somit ferner
auch neben dem Liebhaberkäufer dem Sammler
käufer wissenschaftlicher Natur im Verkaufsge
spräch, der Warenofferte und der Desideratensuche
gerecht werden zu können.
Hier allein ist auch der Berührungspunkt zwi
schen Handel und Wissenschaft, und zwar zwischen
Handel und Kulturhistoriker einerseits und zwischen
Handel und Kunsthistoriker andererseits. Es kann
dem Händler über ein gewisses sehr gutes Mittel
maß von Wissen auf beiden Gebieten hinaus zuge
mutet werden, zugleich ausgesprochener Wissen
schaftler dieser oder jener Art zu sein und es wäre
ihm dies als Händler vielleicht nicht einmal zuträg
lich. Genau so wenig zuträglich, wie es ihm sein
würde ohne ein wohlfundiertes Wissen an die Han
delstätigkeit heranzugehen.
Das ideale Verhältnis zwischen Händler und
Wissenschaftler sollte ein gegenseitig helfendes
sein, unterstützendes und mitbauendes und so, wie
jeder Händler, jederzeit seinen Stolz dareinsetzen
sollte, sein Material der Wissenschaft voll zur Ver
fügung zu stellen, so sollte es andererseits Ehren
sache des Wissenschaftlers sein, sein Wissen und
Können nicht allein in der gegen das Volk hin steri
len Atmosphäre der hohen Wissenschaft sich aus
wirken zu lassen, sondern seiner kulturellen Führer
aufgabe dadurch erst voll gerecht zu werden, daß er
eben auch sich jenes Vermittlers des Kunstgutes und
der Kunstfreude im Schoße des Volkes, des Händ
ler, annimmt. Und: Händler wie Wissenschaftler soll
ten trotzdem ohne Uebergriffe strengstens, aller-
strengstens ihre Selbständigkeit und Eigenart be
wahren. Das warnende Beispiel dafür, wie verderb
lich für Wissenschaft und Handel Uebergriffe von
beiden Seiten her sich auszuwirken vermögen, Über
griffe aus Hegemonieabsicht, DiktatorengelüSten
oder Eigennutz, haben wir genugsam erlebt in den
Zeiten während und nach der Inflation, in denen bis
heute noch eine Ueberspannung des Expertisen
wesens auftrat.
Als in den Inflationszeiten das Kunstwerk zum
„Anlagekapital“ herabsank und Fremdkäufer, die